Wieder naht die Nacht. Elia steht vor Sebulon. Deutlich fühlt er: ‚Hier treffe ich Obadja. Ihm ist auf dieser durch die Trockenheit beschwerlichen Reise kein Freund begegnet. Erleichtert eilt er in die Stadt. Wie überall, fällt er auch hier durch seine Gestalt, sein edles Gesicht, seine Augen auf, kurzum: durch das Göttliche an ihm. Man spürt es ohne Wissen. Ein Herberger namens Ephraoth, halb des Geschäftes wegen, halb aus Zwang baalisch geworden, gibt Bescheid, als Elia nach des Königs Marschall fragt. „Du brauchst dich nicht zu bemühen, Herr. Er hat sich bei mir einquartiert und kommt nach Ende der Regentschaft her.“
Die Wiedersehensfreude ist groß, als Obadja abends kommt. Ephraoth wird mißtrauisch. Warum hält der Feldmarschall, nach König Ahab der Höchste im ganzen Land, mit einem Syrier solche Freundschaft? Aber erst in Obadjas Raum verkündet Elia des Herrn Gebot. Obadja stützt nachdenklich die Stirn in beide Hände. „Eine fast unlösbare schwere Aufgabe! Der Freund Ruben-Heskael hat nur noch einhundert Priester sammeln können, mehr nicht; alle anderen sind ausgerottet. Er selbst erwartet täglich seinen Tod?
„Warum seid ihr kleingläubig geworden?“ Ein wenig streng fragt es Elia. „O mein treuer Freund“, erwidert Obadja „ich sagte oft: Du bist Prophet, und als solcher denkst und fühlst du anders als wir kleinen Sterblichen, weil . . .“ „Laß dich unterbrechen. Jeder Mensch trägt zwei Lebensdinge in sich, und diese sind sein Geist aus Gott und seine Seele, die er Ihm zurückzubringen, hat. Hierin sind wir alle gleich. Denn es ist ein Schöpfer und die Geschöpfe, ein Vater und Seine Kinder: Der heilige JESURUN und Sein Israel! Wer auf den Höchsten baut, der baut auf Fels! Doch um deinen Glauben nun zu stärken, will ich erzählen, was bisher geschah.“
Es ist sehr spät, als sie endlich schlafen gehen. Obadja klärt am andern Morgen den Sebuloner Gastwirt auf, als derselbe wegen des vermeintlichen Syrers fragt. Ephraoth, als er vernimmt, es sei der Thisbiter, bekehrt sich auf schöne Weise. Auch nimmt er keine Münze für die Wartung des Propheten obwohl er ihn nicht hätte beköstigen können, wenn nicht durch Anwesenheit des königlichen Hofmannes ihm eine Sonderzuweisung aus dem sidonischen Proviantlager zugeflossen wäre. Obadja sorgt dafür, daß die Herberge am Verpflegungslager angeschlossen bleibt.
Mit Tränen im Blick läßt er Elia ziehen, desgleichen auch der Wirt, der sich noch lange mit dem Marschall über ‚Gottes großer Prophet‘ bespricht. Als Ephraoth durch Obadja von den auf hundert zusammengeschmolzenen so hart verfolgten israelischen Priestern hört, sagt er rasch:
„Ich kenne unser Land rundum vom Süden bis zum Norden, vom Osten bis zum Westen; ich weiß Schlupfwinkel aller Art. Nahe Thirza, am Südostabhang des Berges Ebol, gibt es gut verdeckte tiefe Höhlen. Hoffentlich ist durch die schlimme Dürre das Strauchwerk nicht zum durchsichtigen Gestrüpp geworden. Doch immerhin — an dieser Seite führt kein offener Pfad vorbei. Das wäre für unsere Priester ein brauchbares Versteck.“
„O Ephraoth, Gott segne dich für diesen kostbaren Rat und vergebe dir deine ganze Baalerei !“ „Wenn Er es nur so schnell täte, da wäre mir gar leicht ums Herz.“ „Er tut es ganz gewiß; und du sollst ein Zeichen haben, daß der Herr auch in ein Wort wahr an dir macht!“ „So sei ER gepriesen und gelobt; denn jetzt muß ich selber lachen, weil ich vor einem toten Götzenbild die Kniee beugte.“ —
Am Nachmittag desselben Tages besteigt Ephraoth eine Leiter, um den Dachsims auszubessern. Auf unerklärliche Weise fällt die Leiter um und der Wirt stürzt in hohem Bogen auf den hartgestampften Hof. Seine Leute rennen wehklagend herbei, denn nur einen unkenntlichen Toten glauben sie zu finden.
Schreckerstarrt halten sie im Laufe inne, als nach kurzer Weile Ephraoth sich selbst erhebt, seelisch zwar sehr erschüttert, doch körperlich bis auf ein paar Prellungen unverletzt. O — Gottes guter Gnadenfinger! Stundenlang betet der Bekehrte. Das ‚Wunder‘ führt in Sebulon manchen baalischen Israelit wieder zu seinem heiligen Gott zurück.
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