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Der sechste Schöpfungstag – Da ward aus Abend und Morgen, der sechste Tag

6-124    „Fürst der Ordnung, höre Mein Wort! Euch ist das Heiligste von Meiner Tiefe, Höhe und der Weite in Raum und Zeit noch ein Geheimnis. Folglich ist Mein Inneres zu einem Teil euch noch verhüllt. Trotzdem habt ihr das herrliche Bewußtsein, daß Unendliches in Mir lebt. Vom Geheimnis, wie ihr heimlich bittet, kann Ich euch nicht lösen, weil das eine Löse von Meinem Leben wäre. Aber das Geheimnis für euch lösen, es euch auftun, das — Meine Kinder — kann geschehen!

6-125    Nun, Uraniel, zu deinem Besten eine Frage: Glaubst du, daß neben oder nach Mir eine zweite, untergeordnete, aber etwa unabhängige Kraft existiert? Wenn ja, wie möglich kann dadurch der Liebetag beeinflußt werden? Laß dir Zeit zum Prüfen, wir andern bereiten indes den Weg zur Wille-Sonne vor.“ UR begibt sich mit allen ins Freie, während Uraniel-Urea kniend Gottes Worte wiegen, ihre eigene Frage aber wägen. Als das geschehen ist, treten alle wieder ein. UR begibt sich auf den Thron, und Uraniel, am Altarherd stehend, spricht:

6-126    „Ewig-Heiliger UR, guter Gott am schönsten Tage Deiner Liebe! Du allein bist von Ewigkeiten her die heilige, segnende, den Geschöpfen Licht und Leben bringende Macht, Kraft, Gewalt und Stärke! Deine Ordnung lehrte mich, daß unmöglich neben Dir ein anderes gewesen wäre, was nicht ursächlich in Dir war! Du hast uns Deine heiligen Ausgleichskriege offenbart, die Dein schöpferisches Gedankengut zur Gestaltung brachten. Also entstanden die UR-Jahre, das erste neben Dir, nachdem Du zeit- und raumlos UR gewesen bist!

6-127    Es gibt neben Dir keine andere oder nachgeordnete Kraft, sie müßte sonst aus einer Deiner Eigenschaften kommen, was gleichbedeutend ein Zerspleißen Deines UR-Seins wäre. Das als Frage- oder Antwortrecht zu stellen ist wider Deine Heiligkeit! Wir tragen nichts davon ins uns. Das kommende Geschehen, dem so unvorstellbar ernste, doch herrlich-erhabene Vorbereitungen gelten, die Schöpfungstage füllen, kann seinen Ursprung in den Ausgleichskämpfen haben, deren hochheiliger UR-Grund freilich keinem, wenn auch höchstvollkommenem Kinde völlig zu enträtseln möglich ist.

6-128    Darum ist nun meine Bitte: Löse uns nicht vom Geheimnis, sondern binde uns an selbes an, damit wir — darin lebend — es nach unsrer Fähigkeit ergründen können.“ Die zweite Schlacht ist gut geschlagen: volle Anerkennung der alleinigen UR-Persönlichkeit und ihrer Macht! Sie wird reich gesegnete Folgen nach sich ziehen, wie es sich an diesem Liebemorgen nicht erträumen läßt. Ein wundersamer Schein aus URs Augen trifft den Sprecher und die Ersten, er spiegelt sich in der heller lohenden Opferflamme. Und UR spricht:

6-129    „Wohl dir, Mein Fürst! Du hast aus Meinem UR-Sein dem Tag ein Fundament gesetzt, weshalb deine Frage näher zu erörtern ist. Zwar ist davon das Tiefste noch nicht offenbarungsreif; doch die Zeit reift euch, in das sich Bildende hineinzuwachsen, was weit besser ist, als nur hineingelehrt zu werden. — Nun achtet auf Mein Wort!

6-130    Kein anderer als der erste Liebetag im Tat-UR-Jahr konnte Meines Hochziels schönste Werkfrucht bilden! Jetzt soll erstmalig Meine heilige Vierwesenheit in sich geeint zur Offenbarung kommen, um in der Liebe — gegründet auf alle vorwaltenden Eigenschaften und unter Heranziehung der Barmherzigkeit — auch die Geschöpfe in der Lichtflut ihres Geist- und Seelenlebens kindschaftlich zu vereinigen.

6-131    Innerhalb der ersten sieben Tat-Jahr-Tage, in der jede Eigenschaft zur Wirksamkeit gelangt, muß das an Mein Hochziel angeknüpfte Werk seine Probe voll bestanden haben. Ich bin UR, der Einzig-Vollkommene, und vollkommen sind Meines Wesens Teile! Diese ICH -Vollkommenheit kann nur in einer werkmäßig tätigen Vollkommenheit zu offenbaren sein, welch letztere sich nicht auf Mich allein bezieht, sondern ebenso auf das herausgestellte Werk. Die Vollkommenheit ist Mein alleiniger Besitz, aber in sie schließe Ich alle Meine Werke ein!

6-132    Das läßt jedoch die Frage offen: Schuf Ich Unvollkommenes?! Dazu sage Ich ein Ja und Nein! Es ist stets primär, daß Ich, der UR, Vollkommenheiten aus Mir gehen lasse! Wäre es anders, müßte ja in Mir ein Unvollkommenes mitherrschend sein. Und doch bestätigte Ich sie. Das hat nichts mit unserm vorausgehen den Lehrwort über die Unmöglichkeit einer neben Mir existierenden zweiten Kraft zu tun.

6-133    Vollkommen ist alles, was Ich zur eigenen Schöpferfreude und zur Schöpfungsseligkeit der Kinder werden ließ und werden lasse! Das liegt aber unbewußt im Werk, was bedeutet: Es ist absichtlich eingekapselt, wie der Samentrieb im Samenkern. Das Werk sieht sich in dieser Hinsicht unvollkommen neben Meiner UR-Vollkommenheit. Gerade dadurch ist der Samentrieb aufs äußerste zu freien Taten anzuregen.

6-134    Da enthüllen sich die hohen Fähigkeiten, die Meine bewußt freien Kinder in sich tragen. Das Geschöpf spürt also zu seinem Besten das persönlich Unvollkommene in Abhängigkeit vom Schöpfer. Und das ist gegeben! Der Teilgeist erkennt die UR-Vollkommenheit, die Seele ist der Sehnsuchtsträger, und das Kind kann sie unter Angleichung der eigenen kleinen Vierform an Meine hochgesetzte Vierwesenheit im Eignungsprinzip der sieben Grundlebensstrahlen gut erlangen, und zwar entsprechend seiner Größe im Verhältnis zum ganzen UR-Sein. —

6-135    Dahinein ist Entwicklung und Fortgang als Aufgabe eingebaut. Würde der Teilgeist seine funkenartige Vollkommenheit erkennen, so erstarrte er zu toter Ruhe, weil geschöpflich inkarniert; oder Ich müßte ihn zur selbst erwerbenden Vollendung treiben. Da aber hätte ich — wie oft gesagt — Mir keine Werke schaffen brauchen. Denn Meine Machtentfaltung ist in Mir die gleiche wie außer Mir!

6-136    In die gefühlte Unvollkommenheit die Vollkommenheit so hineingelegt zu haben, daß das Wesen seine Zunahme wie au sich selbst erlebt, sind Wunderwerke ersten Ranges. Das zu erkennen, wird die Zeit eure beste Lehrmeisterin sein. Eines sei gesagt: Jede erreichte Vollendung bringt hohe Seligkeit und eine neue Schau! Also richtet sich der Blick auf stets Höheres und ist jede erlangte Höchststufe die Unterstufe in einem neuen Arbeitsteil. Doch das ist nicht ohne Freiheitsprobe zu erreichen. Sie ist die stabile Brücke über den sich fortwährend aus MIR entfaltenden Lebensstrom.

6-137    Jeder kann bei erlangter Einung der Vierwesenheit unter Zuhilfenahme der sieben Eigenschaften in Mein UR-Ich eingehen, wobei sein Trieb des Lebenskeimes eine schöpfungsreife Frucht erzielt. Das bezieht sich nun auf jenen Frageteil, Uraniel, warum die Probe in der euch angekündigten schweren Art vor sich gehen soll.

6-138    Wir beschließen nun das Werk im Ordnungshaus und wandeln weiter.“ UR hält ein Hochamt, und der Chor durchbraust die Sphären. Überreich beschenkt folgen sie den Spuren dieser Herrlichkeit, die ihre Bahn markiert. Im Haus des Willens bringt nach der für den Tag gegebenen Segnung und Weihe der zweite Fürst seine Frage vor. Er sagt:

6-139    „Hochheiliger Herr und Gott! Mächtig bist Du uns erschienen und bereitest Deine göttliche Gewalt vom Aufgang bis zum Niedergang der UR-Ewigkeit in Raum und Zeit vor uns aus. Frage und Antwort, warum solch bittere Erprobung nötig ist, trotz der in das Geschöpf weise eingezeugten Keimvollkommenheit, haben wir dank Deiner Güte nun erfaßt. Ich frage: Was für eine Probe wird es sein?—

6-140    Wir wissen, daß sie im freien Willen vor sich geht. Das aber . . . O UR, ich sehe einen Schöpfungssturz voraus! Aber die Erkenntnis, daß auf solchem Weg allein die Fruchtvollkommenheit den Freigeborenen zu erlangen möglich ist, gibt uns die Kraft, das Kommende auf uns zu nehmen. Doch das Wie der Probe als zweiten Frageteil mögest Du in Güte uns enthüllen, soweit es für uns dienlich ist. Ich will nie das Schwert in Händen halten ohne Wissen: Was kann ich schützen? Was darf, was muß geschlagen sein? —

6-141    Das ist im Kreuze Deiner Gottesliebe, in der Macht der gerechtgestellten Bedingungen und der Auswirkung des Wille-Freiheitsgesetzes stets zu prüfen, um frei gehorsam die hohe Fruchtvollkommenheit sich zu erwerben. Sucht uns aber jene schwere Probe heim, so laß mich, hochgeliebter UR, das Schwert mit beiden Händen über Dich und Deine Werke heben, Dir zur hehren Freude und uns zu einem guten Segen.“ Michael-Elya knien nieder, ihr Symbol haltend, das — wie jedes Hauszeichen — inmitten des Altarherdes vor dem Opferfeuer liegt. Dann treten sie vier Schritte zurück und harren der Antwort. UR sagt:

6-142    „Zweiter Fürst, dein Wort ist wahr und führt mit sich den Segen einer Seligkeit, den Frieden der Vollendung in gerechtem Werkanteil der Schöpfermacht und Meines Willens. Aus diesem Anteil kannst du schützen oder schlagen. Doch siehe, leicht wirst du das Schutzbedürftige erkennen; ja, du wirst lieber schützen wollen. Auch wo dein Geist den Schlag verlangt, wird deine Liebe und Erbarmung bitten, die Geduld in dir um Segen und um Vergebung aus dem Recht.

6-143    Bedenke — wäre Meine Sadhana der Probe erstmals nicht gewachsen, so kann nicht Ich der Schläger sein, weil dann das erste Kind einer Auflösung kraft des gerechten Grimmes Meiner Gott-Gewalt ausgesetzt wäre. Allein gleichgestellte Kräfte dürfen solchen Falles handeln. Ja:

Kein Kind soll eine Schöpfungsgewalt erleiden!

6-144    Nun, Michael-Elya, was würdet ihr bei Sadhana tun? Schützen oder schlagen? Prüft die Frage; wir andern bahnen den Weg zur nächsten Sonne vor.“ Am Brunnen gibt UR freundliche Arbeitswinke, während im Haus die schwere Entscheidung fallen soll. Als auch hier die Klarheit leuchtet, treten UR und die andern wieder ein. Michael sagt:

6-145    „Ewig-Heiliger UR, Herrscher der Unendlichkeit! Die Frage haben wir mit des Schwertes Macht gemessen; Du aber wollest unsre Antwort gnädig messen. Du gabst Sadhana, Dein schönstes Kind, als Beispiel an, weil Du der höchste Opferträger werden kannst. Ich erkenne, daß der Ausgleichskampf zum ersten Einsatz die zwei höchsten Personen fordert; denn nur dadurch würde alles Folgende erfaßt.

6-146    Du aber, o UR, wirst immer und ewig der Ausgleichsträger sein! Du allein bist das Fundament des Kampfes und des Sieges; und auf diesem Fundament, nicht durch dasselbe, fällt die Entscheidung durch das Schwert, das dann allerdings dem hocherhabenen Ausgleichsträger allein zu übergeben ist! Doch stets im Sinne, wenn sich die Kinder in allen Grundlebensstrahlen gemäß Deiner Grundordnung unter die Liebe als dem Tagesdominant anbetend neigen.

6-147    Welche Rechtsart gibt dem Schwert die Macht: das Schützen oder das Schlagen? Beides war bisher noch nicht gültig! Dennoch fordern alle reichgefüllten Tage die Erwägung an. Könnte also unter ‚direkt gewolltem Einfluß Deiner Liebe‘ bei einem ‚Unbestanden‘ der großen, uns noch vollständig verdeckten Freiheitsprobe nicht gerade das schützende Schwert den viel höheren Sieg erringen als ein gerechter Schlag, der im Sinne Deiner Heiligkeit erfolgen müßte? Geschähe einst Dein angeführtes Beispiel, so sage ich Dir, allheiliger UR: ich werde unsere liebliche Sadhana immer schützen! Du hast ja Deine hocherhabene Gottesliebe für den sechsten Schöpfungstag umfassend als Segen und Frieden gebenden UR-Strahl eingesetzt!

6-148    Hätte ich als Engelsfürst einer bestimmenden Eigenschaft für Deine Schöpferherrlichkeit einzutreten, so könnte wohl ein Schlag an einem Fall-Kind zum Schutze werden. Denn indem ich‘s schlüge, bewahrte ich es vor Vernichtung durch den Sturz und böte ihm kraft Deines hohen Schöpferwillens eine Möglichkeit, unter dem Schutz des Schwertes und des Kreuzes die letzt höchste Einsatzprobe zur Vollendung Deines Tat-UR-Jahres zu bestehen! So spricht der Wille für die Liebe!“

6-149    Hoch aufgereckt, königlich stolz steht der Fürst vor der Gottheit, jetzt schon Sieger, wo er Wille und Liebe zu göttlicher Gewalt vereint. Er hält das Schwert erhoben, sichtlich in Schutzstellung. Dies Königliche, in dem sich Kühnheit und Sanftmut eigenartig paaren, geht auf alle Ersten über, die rasch um Michael-Elya einen Halbkreis bilden. Sadhana steht unmittelbar unter dem Schwert. Und UR? Fängt Er diesen königlichen Machtstrahl auf, den Er geheim dem kühnen Streiter übergab? Könnten Menschen so den Lichtrecken sehen, verständlich wäre, wenn sie glaubten, er sei der Größte unter allen. Der Unterschied zwischen dem König und seinem Ritter tritt jedoch zutage. Und der König UR von Ewigkeiten spricht:

6-150    „Mein Willeträger! Gut ist deines Herzens Spruch und gerecht die Kraft deiner Persönlichkeit, die du dem Werke dienstbar machst. So sah Mein UR-Wille es voraus, als Ich in Meinen Schöpferkämpfen Mir selbst ein erstes Hochziel setzte. Ist‘s nötig, so muß geschlagen werden, aber nicht zerschlagen! Schützt in diesem Sinn ein Schlag, so richtet er ein Hingestürztes friedensmäßig wieder auf, wonach Ich dann mit allen Kindern einen reichst gesegneten Feierabend des Liebetages halten will! Derselbe bringt die Stärkung nach schwerem Kampfesleben für Meinen heilig-wahren Ruhetag, für den Schöpfungsfeiertag im Lichtbrand der Barmherzigkeit! —

6-151    Nun wird das im Sinne beider Grundfundamente so geschehen. Reich erblüht Mein Werk, und herrlich reich werden seine Früchte sein! Zeichen und Symbol des Sieges haben dadurch Meine Kinder ganz zu Recht; nicht aber, weil Ich des Rechtes Macht gewollt erteilte, sondern auch ein Kind die freie Machtentscheidung gab. Darum merke auf, Mein Willefürst: Du trägst das Schwert als Waffe eines Rechtsanspruchs! Denn deines Willens Liebe wird auch beim schwersten Schlag noch immer höchstes Schütztum sein! Du richtest auf, du bringst zurück, was Meinem Königshaus verlorenginge! — —

6-152    Doch nun zu deiner Frage, da nicht nur ihr Kinder einer Antwort harret; auch das Werk lauscht darauf. Noch spürt ihr das geheime Beben nicht, das den Liebetag durchläuft. Dennoch ist das Ahnen da, es wächst mit dem Tag, nimmt im Lichtstrahl der Erkenntnis zu, und bald wird es offenkundig sein. — Nun höret auf Mein Wort:

6-153    Die freie Willensprobe erstreckt sich zwar über die ganze Schaffung, doch dem gegenüber sind als erstes Fundament die Mir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen eingesetzt. Dann ändert sich ebensowenig etwas, wie wenig sich an Meinem UR-Ich etwas ändert! Was ihr bisher davontragen konntet, war der Auftakt dessen, was wirklich wird. Ich ließ euch mit den Werken wachsen und gab im vorhinein, was freigeborenen Kindern zu wissen nötig ist.

6-154    Auch jetzt gab Ich zu euerm Heil euch nicht die ganze Wahrheit preis. Was aber aus dem UR-Quell den vier Nach-Mitternachtsstunden zugeflossen war, das nimmt zusehends vom Tag Besitz. Es überflutet förmlich alles Schaffen. Daher gilt es, euch mit dieser Segensflut vertraut zu machen. Eine Überbeanspruchung der erforderlichen Kräfte lassen sich leicht aus Meiner Kraft ergänzen und erneuern.

6-155    Einer Sache bewußt begegnen setzt voraus, sich mindestens darauf vorbereitet zu haben; erst dann entsteht ein Nutzen. Der Liebetag, an dem die sieben Grundlebensstrahlen in Ausübung durch Meine Vierwesenheit konzentrisch herrschen, hat nicht bloß das unmittelbar aus Mir strömende Leben aufgrund der Bedingungen zur sich steigernden Entfaltung eingeleitet, sondern gleicherweise auch das Mittelbare des freien Willens und der ihm anhaftenden Erscheinungen.

6-156    Daraus steigern sich aus Meiner Macht, Kraft, Gewalt und Stärke außer dem von Mir bewußt gelenkten Werk ebenso das ‚geführte Werk‘, gleichgültig, ob ein Lebewesen noch im geschöpflichen Sein wurzelt, ob es zum Geist und Seelenwesen heranzubilden war oder schon aus der von Mir zubereiteten freien Kindschaft sein Dasein besitzt.

6-157    Was will das besagen? Ist damit die Probe vorgesehen? Meine Ersten, hier könnt ihr den Schlüssel an euch nehmen, der das noch bestehende Geheimnis öffnet. Denn dann, wenn Meine Macht, Kraft, Gewalt und Stärke dem freien Willensgesetz die ganz gleiche Entfaltungsmöglichkeit durch Meine Kinder bietet, wie es die Mir vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen haben, und darüber hinaus die vier UR-Substanz-Zentren über Bahnen der gelenkten Werke, also über die Bedingungen den Kindern zur ganz persönlichen Anwendungsmöglichkeit überlassen werden, dann erfüllt sich Mein höchstgesetztes Ziel!

6-158    Das bedeutet: Während der Probe überlasse Ich im Vorbehalt den Kindern die vier UR-Substanz-Zentren auch im Fundamentsbereich der Bedingungen. Sie sind während ihrer Probezeit entsprechend ihrem Alter anteilfähig, die Schöpfermacht — soweit gegeben — anzuwenden. Kurzum, es steht ihnen frei, an Meine Stelle treten zu wollen!

6-159    O Meine Kinder, warum erschrecket ihr? Während aller Tage war es euch bewußt geworden, daß Ich UR alleinig bin! Das bekundet für Mich alles: Leben und Werk, Erschaffung und Erhaltung! Es war immer eure höchste Wonne, Mich allein im königlichen Regiment zu wissen. Und nun sollt ihr, von niemand anderem gezeugt und eingeboren als von Mir, dem Ewig-Heiligen UR, dem Ewig-Einzigen und Wahrhaftigen, neben Mich erhoben werden? Das ist euch ein unlösbares Problem, und eure Demut kämpft bereits um den Erfolg der Probe.

6-160    Ihr seid um die Kommenden besorgt, die den Aufbau des Tat-UR-Jahres im Einzelablauf nicht erlebten, und fragt, ob ihnen die gleiche Möglichkeit gegeben wird. Ja, Meine Ersten, denn Mein Kind-Werk umfaßt alle Kinder! Zwar braucht jedes gemäß seiner geistig-natürlichen Erkenntnis eine Probe abzulegen; doch das eine bleibt sich gleich: Entweder wird die Probe bestanden oder es tritt der Übergriff ein!

6-161    Von einem zum andern UR-Wendepunkt habe Ich auf diesen frei entfaltungsfähigen Liebetag mit ganz gleicher Strahlkraft der übrigen Eigenschaften hingewirkt. Darauf stützte Ich Meine UR-Majestät; und das Tat-Jahr-Ende soll die Mir eigen gehörende Höchstvollendung den Kindern offenbaren. Ist der UR-Zyklus mit den acht Jahren vorbei, so wird in seiner Nacht, die euch Ersten auch nie angedeutet werden kann, werkartig neue Form und neue Wesenheit gezeugt. —

6-162    Nun folget Mir, denn auch die Weisheit soll das Ihre tun.“ — Im Hause Zuriels geschieht auch wieder Amt, Segnung und Frage. Zuriel-Helia halten während der Rede und Gegenrede ihr Hoheitszeichen fest: die silberne Sichel. Zuriel spricht:

6-163    „All-Heiliger, der Du Dein Gottesherz vor uns geöffnet hast, der Weisheitsträger steht vor Deines Angesichtes Ewigkeit. Die Liebe Deiner Worte nahm ich auf, Es geht um die Geschöpfe, die Du in den Kindstand hocherhoben hast. Die Weisheit muß ihre Leuchtkraft in unendlicher Schaffung spiegeln. Und die Klarheit über das Geheimnis muß jene Stunde bringen, in der die vier Tagesgrundfragen auf dem Schöpfungsherd für beide Fundamente aufzuopfern sind.

6-164    Aus der Opferung kann eine Antwort umfassend die Klarheit über die UR-Substanz-Zentren ergeben, was wir hernach freibewußt uns dann anzueignen fähig werden. Guter Gott, der Du die Fülle gnadenvoller Klarheit aus Geduld und Liebe dargeboten hast, löse uns in Güte das Geheimnis meiner Frage, die also lautet:

6-165    Was wird damit bezweckt, erst die noch unverständliche Freiheit uns zu überlassen, derzufolge — über die Gewalt hinausgreifend nach der ‚Macht‘ Deines ureigenen Schöpfertums zu langen wäre, was richtig ‚ein Erheben über Dich‘ bedeutete, daß dann wenn nötig — ein Schöpfungsopfer folgen muß, durch welches die Verfehlungen der Schöpfungsfreiheit wieder ausgeglichen werden sollen?—

6-166    Du sagtest, daß das Werk als höchst vollendet gilt, wenn jene Probe völlig frei bestanden und durch sie oder durch den Opferweg der einzig heilige Sieg errungen sei. Worin wurzelt er? Mit unerhörter Langmut hast Du, All-Vater, uns belehrt. Hier aber handelt es sich um den einen Sieg, der die Unendlichkeit erhaltend trägt! Was mich, den Weisheitsfürsten, nicht erhellt, ist, daß jemand selbst bei höchstem Freiheitsanspruch auch nur gedanklich an Deine Stelle treten wollte, geschweige denn im Wort oder gar mit einer Tat!

6-167    Könnte Deine Heiligkeit solch Frevel dulden? Hätte sie nicht zu bedenken, daß ein Schöpfungsopfer Sühne fordern muß, um erst nach der Sühne eine Schuldbefreiung zuzulassen! Ich will die Sichel zum Ernten statt zum Mähen schwingen, alles Brauchbare an den Früchten retten, damit sich jede Deiner Scheuern füllt, o UR.

6-168    Du hattest mir und dem Träger Deines Ernstes aufgetragen, Deine Heiligkeit gegenüber ungerechter Inanspruchnahme des zweiten Fundaments zu schützen. Es wäre ja ein schreckliche Sühne heischendes Antasten Deiner Heiligkeit, wenn ein Kind nach Deinem hocherhabenen Stuhl verlangt! Künde es uns an, heilig guter Herr und Gott, daß wir um Deiner Werke willen ganz gewappnet sind.“

6-169    Schwere Stille lastet auf den Kindern. Warum erst die eher zur Vernichtung führende allzu große Freiheit und dann — zwar erlösend — ein ach wie bitteres Schöpfungsopfer‘?! Und daß UR Seinen Schöpferanteil daran trägt, sehen Seine Ersten fraglos ein. Er hebt leicht die Rechte, so, als lege Er sie lösend auf ein Unsichtbares, zugleich mit dieser Löse ohne Zwang ewig bindend. Er spricht:

6-170    „Fürst Meiner Weisheit! Mein priesterliches Licht bestrahlt das Tagwerk hell und klar, so daß keine Schatten aus der Freiheitstiefe dämmern, sondern mit dem ersten Einsatz ihre werdende Vollendung zum Ruhme dessen kommt, der euch Worte heiligenden Lebens als ständig steigernde Kräfte spendet. Würde aber dieses Licht in seiner Vollkraft leuchten, dann wäre eure Freiheit ebenso bedingt wie alles andere unter Meiner bewußt gewollten Willensführung Stehende. Denn Licht sende Ich fortgesetzt aus der UR-Ewigkeit in Raum und Zeit; und freibewußtes Leben bringt es in die UR-Ewigkeit zurück!

6-171    Will Ich der Allein-Bestimmende sein, so sei dem Licht kein Zügel angelegt; es flute aus dem Quell der Mitternacht über alles Schaffen hin. Freilich würde so das Freigeborene als Lichtsubstanz sein Ende finden! Das Licht hat Meine volle Macht, Kraft, Gewalt und Stärke; unbegrenzt füllt es Mein UR-Sein aus! Es wäre zu erwägen, ob Ich‘s urmäßig strahlen lasse zum Zweck, den verborgenen Sinn des Gegenübers von Freiheit und Opfer im voraus zu enthüllen, der am Beginn des Geschehens dessen Ende schon auflösend offenbarte.

6-172    Ob damit Mir, euch Kindern und dem Werk gedient sein wird, hast du, Mein Fürst, jetzt zu entscheiden, bevor Ich eine Antwort gebe. Ich bereite nun den Weg zur Ernst-Sonne vor; denn in Meines Gottes-Herzteiles Tiefe, Höhe, Weite und Nähe soll alles seine ruhevolle Heimstatt haben.“ Ein geeinter Kämpfer bleibt zurück. Zuriel-Helia halten die kostbare Sichel noch immer fest. Sie prüfen! Und als sie im Herzen die reiche Ernte URs erblicken, da öffnet sich die Pforte, und Er tritt mit den andern ein. Zuriel verneigt sich tief und sagt:

6-173    „Wohlgeprüft haben wir des Lichtes schwere Frage. Geprüft im Zeichen unsrer Sichel, die einst das Tagwerk ernten soll, ist auch, ob und inwieweit der Gottheit, ihren Kindern und dem Werk es dienlich sei, das Licht bis zur letztmöglichen Offenbarung einzusetzen, um Beginn und Ende, Freiheit oder Opfer auszuwiegen. Die Aus- und Angleichungen müssen wir zuerst erkennen. Es wird sonst nicht möglich sein, die fast unbegrenzte Freiheit während einer Schöpfungsprobe unter den freien Gehorsam zu zwingen, wenn nicht auch der Blick über das aus dem Freiheitsanfang aufsteigende Schuldende geöffnet ist!

6-174    Den einzigen Entscheidetag jedoch des Lichtes ursächlicher Essenz ungedeckt auszusetzen, um das besagte Ende zu erkennen, billige ich nicht, wie wenig die Heiligkeit des All-Erhabenen in vollster Souveränität geoffenbart werden kann. Das wäre weder Dienst noch Gegendienst, den UR leistete und forderte! Doch wieviel vom Lichte vorzuschauen ist, soviel muß konzentrisch auf Raum und Zeit vereinigt sein, wo und warum die Probe und die entscheidende Schöpfungsfreiheit der Kinder beginnt. Also nicht die unschaubare UR-Flut, sondern jener vom unerkannten Lichtmeer ausersehene Strahl, der der Liebe dienen sollte, ehe denn die Hand des Schöpfers das Tat-UR-Jahr aus Seinem UR-Sein hob, soll die Klarheit allen Kindern bringen.

6-175    Im Lichtmeer bleibe Du, o UR, Du Ewig-Heiliger und Wahrhaftiger! Niemand außer Dir und keine andere Kraft als die Deinige kann die UR-Flut schauen oder sich hineinbegeben mit dem Gedanken, das zu bleiben, was er sei! Allein im Lichtstrahl der schöpfungsweiten Grenze lasse heilig-erbarmender Gott, uns und alle Kinder unter Deiner Führung mitbestimmend, mitführend, mittragend und — mitopfernd sein. Damit wäre uns gegeben, vorbereitet in die Freiheitsprobe einzutreten und das dem Werk gesetzte Hochziel nach der Ordnung Deiner Allmächtigkeit und Schöpferherrlichkeit mit beizubringen!“

6-176    So kann auf dem Weisheitsboden die Erkenntnis blühen; und ihr Träger vermochte diese Türe aufzustoßen. In UR treibt der Lichtstrahl zur Tagesoberfläche hoch, um zu tun, was der Fürst und Hüter des dritten Schöpfungstages für den sechsten Tag der Liebe angefordert hat. Die Ersten stehen schon inmitten der heiligen Flut, vom Lichtmeer ewiger Güte und Gnade eingehüllt. — UR antwortet:

6-177    „Hüter Meiner Heiligkeit! Gerecht hast du gefordert, gerecht gebe Ich! — Also steht Mein Strahl bereit, jedem Kind zu helfen. Zuriel-Helia, ihr habt als Eigenschaftsträger Meinem Werke das gebracht, was ihr im Wort der Zukunft anheimstelltet. Ihr könnt nicht ahnen, wie und auf welche Weise sich Mein Werk in eurer Klarheit spiegelt. Ich allein sehe das dadurch offenbarte Ende.

6-178    Beantworte Ich mit deiner Klarheit deine Frage, so wird es euch leicht möglich sein, das Werksoll aufzunehmen und zu vollenden. Schon die Art zu fragen war ein gutes Licht. Du fragtest nicht nach dem Zweck der Freiheit und des Opfers, sondern richtig nach dem Zweck des Unterschieds zwischen beiden. So ist dir keins von beiden eigentlich verborgen, sondern ihr ausgleichender Übergang. Und über das will Ich sprechen. Damit wird auch noch das wenige Verhüllte aus dem Zweck der Freiheit und des Opfers kundgetan.

6-179    Seht, würdet ihr Mich in Meiner dem Werke angepaßten Form nicht schauen, stünde Ich nicht inmitten des unsichtbaren wie auch des sichtbaren Werdens, wahrlich, unmöglich wäre euch, die vier Zentren in euch zu vereinigen. Der Übergang und der Ausgleich in geistig-essentieller Art kann nur dadurch — auch in Mir — so erfolgen, indem alles Werk kraft Meiner Macht Mir untergeordnet ist, Ich aber in Meiner UR-Freiheit Mich diesem Werke unterstelle.

6-180    Meine liebliche Sadhana und liebe Engel, dies zu begreifen ist nicht allzu schwer. Wenn ihr Mir und Meinem Werke unter Nutzanwendung der Bedingungen gehorsam seid, so besitzt ihr vollen freien Willen und macht Mich eurer Liebe zu Mir untertan! Bringt ihr das in puncto Freiheitsprobe fertig, da vereinigt ihr in euch auf der Basis Schöpfer und Geschöpf die vier UR-Substanz-Zentren in ausgeglichener Harmonie. Damit stünde jedes Kind in Meiner hohen Harmonie!

6-181    Nun der Unterschied: Nur-Freiheit würde Meine Macht zum Untertane haben wollen, während der Gehorsam Mich euerer Liebe dienstbar macht! Den Machtversuch anzustellen, bringt einen Tod, der erst in letzter Freiheitsphase wiederaufzuheben wäre. Ja, eine Mitregentschaft gehorsamsfähiger Kinder, seht, nichts leichter als solches kann geschehen. Der Zweck des Unterschiedes zwischen Freiheit und Opfer besteht also darin, gerade aus seiner schier Unüberbrückbarkeit die Macht Meiner Persönlichkeit anzuerkennen!

6-182    Zwingt Mich die Kindliebe zu freiem Dienen oder Helfen, so stelle Ich Meine UR-Persönlichkeit in einer Weise dar, die jetzt noch nicht zu erfassen wäre. Durch freien Gehorsam steigt ein Kind zur werklich angepaßten Machtvollendung auf; unter ungerechter Beanspruchung der Freiheit zerbricht die Tiefe und die Höhe des Geschöpfes. Das enthält den Sieg für die Probe und das Opfer. Denn die Probe setze Ich, das Opfer bringe Ich! Die Probe gibt Mir den Sieg, Mein Opfer aber — vernehmt es wohl — sichert Meinen Kindern ihren Sieg!! Der freie Gehorsam ist zugleich die kindlich höchste Opfergabe!

6-183    Nicht ganz leuchtet euch das ein; ihr wähnt, es wäre umgekehrt. Ja, wenn ihr aus eurer Tiefe zu Meiner Höhe blickt, kann aus eurem Körnlein Wahrheit eine schöne Sonne herzustellen sein. Doch seht ihr es von Meinem Worte aus, werdet ihr die Klarheit des Gesagten haben und mit ihr euer Wahrheitskörnlein eng verbinden können. Seid ihr Mir frei untertänig, so muß folgerichtig dann der Probesieg des Werkes in Meine Hände fallen! Hat euere Liebe daraus und noch aus einem andern Weg Meine Liebe — sich opfernd — dienstbar gemacht, dann wird der Opfersieg als Gegenleistung Meinem Kind-Werk anvertraut!

6-184    Die Möglichkeit, es könne jemand wirklich nach Meinem Machtstuhl streben wollen, läßt euch erzittern. Im Reichtum Meiner Liebe, die aus Meinem Antlitz euch entgegenstrahlt, seid ihr kaum fähig, den Gedanken aufzunehmen. Trotzdem zeigt sich daraus auch der große Spannungsbogen, der zumal auf dieser Bahn seine höchste Tragfähigkeit durch Meine hehre Liebemacht beweist.

6-185    Kommt es zum Äußersten, so steht einst Gewalt wider Gewalt. Dann gibt es nicht allein aus der Freiheit einen Schöpfungskampf, sondern gleichzeitig eine Schöpfungshärte, deren Subversionskraft (Umsturzkraft) kein Kind widersteht. Aber diese Härte ist der Bürge für Meinen Schöpfersieg!

6-186    Ein solches ‚Nach-dem-Machtstuhl-Greifen‘ kann gemäß der Art des Tat-UR-Jahres auch tatsächlich und nicht nur verborgen wünschend vor sich gehen. Alle Entscheidungen aus Bedingungs- und Freiheitsgesetz erfolgen in der Tat, wenn sie freilich auch Gedanke und Wort zur Wurzel haben müssen. Diese, wie die UR-Jahr-Folge zeigt, gab Ich als guten Nährboden für gerechte Taten im voraus, notfalls im Prinzip der Freiheit als Barriere, damit keine unüberlegte Tat allzuleicht geschieht. Gedanke und Wort sollen eines Kindes Zügel sein.

6-187    Doch seht, könnt ihr bange sein, wenn Ich für euch Meinen Opfersieg, euren schönen Gehorsamssieg Mir aber selbst verwahre?! O, ihr denkt bangend an das Schöpfungsleid! Das kann freilich bitter werden, bis fast auf den ganzen Liebetag schwere Schatten fallen. Ich jedoch“, und UR richtet sich in Seiner Majestät plötzlich auf, daß erstmals Sadhana und die Fürsten unter der Königsgewalt ihr Angesicht verhüllen, sie können es nicht frei ertragen:

‚‚Ich halte Meine Arbeit in den Händen,

die von UR-Ewigkeit her gewohnt sind auszuführen,

was sie begonnen haben!‘‘

6-188    Eine Weile läßt Er Seine Macht ruhig wirken; es muß sein. Bald aber spricht Er wieder gut und tröstend, ja so liebevoll, wie es die Ersten bisher auch noch niemals hörten.

6-189    „Meine Kinder, habt keine Angst vor Meiner Macht und Herrlichkeit! Achtet sie und betet an, wenn Ich zu höchstem Zweck Mich also zeige. Das geschieht, wenn es unbedingt sein muß. Laßt Mich eure freundlichen Gesichter sehen, in denen eine Mir sehr wohlgefällige Liebe wohnt.“ Vom Liebeklang bezwungen, schaun die Kinder auf. Und sieh, der gute Gott und Vater steht mitten unter ihnen mit weit ausgebreiteten Armen. Da fliegen sie Ihm zu, da ruhen sie an Seiner Brust, zitternd vor Freude und Seligkeit. — Nach dem Hochamt wird der Weg zur Ernst-Sonne angetreten. In seinem Haus spricht Muriel, mit Pargoa Hand in Hand am Altarherd, dessen Feuerschein die silberne Kelter sonderbar beleuchtet.

6-190    „Erhabener Herr! Der Ernst steht vor Deinem Angesicht, um Deine Heiligkeit zu schützen, dem Werke zu erhalten, weil es ohne deren Anteil nicht bestehen kann. Solange ich schon lebe, steht Deine Heiligkeit vor meiner Seele, die sich ständig fragt, wie sie ein Bewahrer wäre. Aber erst des Tages Kostbarkeit gab mir ein Bild.

6-191    Noch ist‘s die letzte Klarheit nicht; doch sie kommt, wenn Werk und Aufgabe gleichmäßig reifen. Darum bitte ich, allgeliebter UR, laß mich meine Frage stellen und gib Antwort als weiteren Baustein für unsere Standhaftigkeit. Denn wir wollen jene Richtung und den Lauf behalten, die auch vom Kind-Werk aus Deinen Aufbau und das vorgesehene Hochziel rechtfertigen.“

6-192    Ein hehrer Ernst geht zwischen UR und dem Engel hin und her; doch er belastet nicht, er erzeugt ein herrliches Gefühl. Selig preisen alle ihren UR, der ihr GOTT geworden ist. Und selig preisen sie sich selbst. Das Schöpfungsschicksal droht, aber es verdunkelt nicht ihre große Freude, die sie nun im Liebe-Licht erleben. Und UR spricht:

6-193    „Mein Engelsfürst, gewaltiger Cherub, sanfter Seraph! In Gerechtigkeit kann die Schöpfung dein Begehren tragen. Darum laß den Tag die Frage deines Herzens hören.“ Auf diese Aufforderung hin nehmen Muriel-Pargoa die Kelter zur Hand, und Muriel erwidert:

6-194    „Heiliger Schöpfer, Priester, Gott und Vater! Du hast an Deiner Offenbarung nicht gespart, um uns einen Teil von Deines Reichtums Herrlichkeit zu geben. Ich wiederhole: Die Ordnung drang in das Warum der größten Freiheitsprobe ein, der Wille in die Last, die Weisheit in den Zweck; und so wissen wir an sich den Zusammenhang zwischen Deinem Schöpfungsziel und dem über die Probe hinführenden Weg. Du hast uns wahrlich in der Blüte Deines hohen Liebetages schon die reiche Frucht gezeigt. Aber, es kann keines von uns sagen, nicht auch den schweren Schatten miterkannt zu haben!

6-195    Zwar ist‘s noch nicht im hellsten Licht zu sehen, weil Du Deinem Kind-Werk Aufbau, Richtung, Lauf und Ziel, auch Dir selbst das gleiche vorgezeichnet hast. Und Du zuerst bist in allen Dingen höchstmächtiger Erfüller! — Sollen aber Deine Ersten das Tat-Jahr-Ziel erreichen, so fehlt uns eines noch zu wissen. Die Freiheit scheint mir vorerst kein Freund zu sein; sie kann uns von Dir scheiden! Was trüge uns solch Leben ein? O mein UR, sogar Deine Güte könnten wir verlieren! Darum werde ich der Freiheit notfalls als ein sein Gut verteidigender Feind begegnen, eher noch auf sie verzichten, als DICH durch schmählichen Tausch verlieren. —

6-196    Meine Frage ist an Dich und das Werk gerichtet: Wird die Macht der Freiheit nur aus ihr selber herzuleiten sein oder auch mit aus der Probe? Ist die schöpferbefähigte Macht allein aus der Freiheit zu entnehmen, so müssen wir uns vor ihr allen Ernstes hüten, weil wir den zweiten Fundamentsträger anerkannten und neben den ersten als DIR vorbehaltenen gerecht gestellten Bedingungen im gleichen Rang erhoben. Aber kommt die Freiheitsmacht auch aus der Probe, so sind wir sicher, daß Du uns behütest und erhältst. Denn Du prüfst uns in der Freiheit des Gesetzes, das im Sinne einer Probe mehr als Fundament des Werkes gilt, damit Dein vorbedachtes Ziel im Glanze Deiner Herrlichkeit sich offenbart.

6-197    Keine Willkür, auch göttlicher Natur, darf die Probe leiten. O, plötzlich, Ewig-Heiliger UR, sehe ich: Dir fällt‘s nicht leichter als uns, Deine Probe zu bestehen! Noch kenne ich sie nicht; aber daß Du sie Dir stellst, wann wir in unsre einzugehen haben, ist mir nun bewußt geworden. Darum gib uns Deines Lichtes Strahl, und wir preisen Dich dafür in Ewigkeit als unsern hochgelobten UR!“

6-198    Warum kann der Ernst die Tiefe schauen, daß sich die Gottheit einer Probe unterzieht, die den hohen Geistern unfaßbar erscheint? Oder ist ihm das erkenntlich, weil er bestimmenden und tragenden Charakters ist? Wohl hat jede Eigenschaft einen eigenen und gemeinschaftlichen Dienst in ihren Tagen, die auf sie gegründet sind. Trotzdem bleibt die erhabene Einheit unter ihnen herrschend. Nun regiert die Liebe, und UR entgegnet in seiner Liebe also:

6-199    „Fürst des Ernstes! Du hast die bisherigen Erkenntnisse an jenes Künftige geknüpft, das sein Licht und seinen Schatten auf die Wege wirft. Diese beiden sind der Auftakt zur großen Freiheitssinfonie. Es wird sich zeigen, was mächtiger ist: das Licht oder eine vom Schatten sich formende Finsternis. Der gute Anfang ist die selbst errungene Erkenntnis; und dir, Fackel Meines Ernstes, gilt also auch zuerst die Frage, ehe Meine Antwort folgt:

6-200    Was dünkt dich das Gewaltigere zu sein, der Licht- oder gar der Schattenteil? Welche Probe wäre schwerer, Meine oder eure?! Prüfe gut! Indessen bereite Ich den Weg zum Geduldhaus vor.“ Nachdem UR mit den anderen den Raum verlassen hat, legen Muriel-Pargoa die heilige Frage in die Kelter. Sie legen ihre Frage auch dazu. Den Wein, den sie daraus keltern, kann die Schöpfung trinken. Alsbald tritt UR wieder ein und setzt sich auf den Thron. Noch die Kelter immer haltend, gibt Muriel folgendes Ergebnis kund:

6-201    „Was unter einem Lichtstrahl zu verstehen ist, konnten wir dank Gottes Güte längst erkennen. Doch das wahre Wesen eines Schattenstrahles zu begreifen, dazu gehört vollste Hingabe an UR und — Gnade! Du, All-Heiliger, paartest am Anfang Deines Tat-Zyklus Tag und Nacht zur höchsten Segnung. Das war des Lichtes und des Schattens Wurzel. Allmächtiger, Du entnahmst alles Werden den auch uns Ersten unbekannten Nächten, weil in ihnen jedes Werk geboren werden kann.

6-202    Vieles Deiner Allmächtigkeit wird ewig unter dem Güte-Schatten (Ps. 91,1; Jes. 49,2; 2 19,3; 92,3; 134,1; 139,11) einer Schöpfungsnacht verborgen bleiben und gerade dadurch Deinen Kindern höchsten Segen bringen. Licht- und Schattenstrahl, Tag und Nacht, als Offenbartes und Verborgenes gleich hoch, hehr und heilig, haben gleichstarke Dienstbarkeit den Werken zu erweisen.

6-203    Eine Versage-Finsternis geht nie aus einem Schattenstrahl hervor; sie entspringt dem falschen freien Willen eines Kindes, das nicht der hocherhabenen UR-Nächte gedenkt, in denen Du das Verborgene zum Besten aller Kinder trägst. Das ist Dein reiches Vorbehaltegut! Und eine Finsternis darf nie mit einer Schöpfungsnacht verwechselt werden. Denn Deine Nächte sind Dein unvorstellbares Hellwerk, dem für alle Kinder das Heilswerk ersprießt!

6-204    In der letzten Nacht schöpftest Du als GOTT aus Deiner Quelle für die Kinder diesen Tag. Du ließest das Geschöpfte dann vom Lichtstrahl Deiner Offenbarung, also Deinem Tag, bescheinen. Sollte daher nicht das Schönste und Vollendetste auch für uns aus Deinen Nächten sich entwickeln? Ja, wir stehen unter der Freiherrlichkeit Deiner Führung, der wir uns bedingungslos anheim geben. Wir erhalten dadurch die Gerechtsame Deines Liebetages. —

6-205    Nun das zweite, ob Deine Probe härter sei als unsere. Hier noch mehr herrscht die unbekannte Nacht. Wie könnte ich, Dein Geschöpf, sagen: Deine Probe ist die schwerere?! Du bist UR, der Ewig-Heilige, Ewig-Einzige und Wahrhaftige; der eigene Träger aller Macht, Kraft, Gewalt und Stärke! Der Gedanke wäre schon vermessen. Doch läge nicht die gleiche Entheiligung im Spruch: Du hast alles unter Dir; nichts ist Dir schwer, am wenigsten ein Dir selbst gestelltes Opfer! —

6-206    Würdest Du kraft Deiner Wesenheit die Opfertat vollbringen, was hättest Du den Geschaffenen voraus, die — auf sich angewiesen — der Wucht der Freiheitsprobe auszusetzen waren? Könnte nun ein Kind imstande sein, zufolge Deines Wortes solche Probe zu bestehen, wäre es nicht dadurch über Dir erhoben? Es hätte sich mit einer nur geschöpflichen Fähigkeit bewährt, Du aber aus der UR Macht Deines Wesens!

6-207    Die Bedingungen zur Probe hast Du gleich gemacht und begibst Dich selber soweit Deiner UR-Majestät, um auf Deinem Probeweg das gute Gleichgewicht zwischen Schöpfer und Geschöpf zu festigen. Auf dieser Basis ist Deine Probe völlig souverän; denn Deine Majestät — wenn zwar für kurze Zeit — wegen eines Fallwerkes zuzudecken, ist ein Opfer, dessen Tragweite ewig unbekannt sein wird! So aber schließt Du alle Probelasten Deiner Kinder ein und bezeigst auf diesem Weg das Hochlicht Deiner Liebe! — Darum jubeln wir trotz dieser Schwere innerlich Dir zu, unserm Gott und Vater UR. Dich beten wir in Demut an!“ Weihevolle Stille ist die große Preisanbetung. Danach sagt UR:

6-208    „Ich muß dich, Muriel-Pargoa, den ‚Fürst Meiner Wahrheit‘ heißen. Bedenkenlos kann Mein Heiligtum deine Antwort tragen. Dafür sollt ihr einen Herzensschatz erhalten. So höret: Ich bin ursächlich der Träger jeder Last! Ich bezahle ja das große Soll des Tat-UR-Jahres, indem Ich seines Habens Hüter bin! Denn seht: Die Macht besitzen, etwa einem Werk in seinen Ablauf fallen können und es nicht zu tun, erfordert eine Überwindung Meines eigenen Ichs!! Sollte Ich denn nicht versuchen, die Macht anzuwenden, wenn jemand Meine Heiligkeit verletzen will?! Wäre dadurch nicht die Probe und ein Opfer zu verringern, daß Ich nicht zweimal Meine UR-Majestät zur Seite rücke? Täte Ich das aber, so müßte Ich zweimal einen bitteren Werkkelch trinken, den der Probe, den des Opfers!

6-209    Meine Probe ist das Gefäß der Opferung. Eine dann noch obendrein notwendig werdende äußere Gestaltung (Golgatha) hat die gleiche Last, aber auch den gleichen Sieg! Denn hier ebenfalls enträtseln sich das innere und äußere Kraftbewußtsein, die zwei Schöpfungsfundamente als Meine stehende und waltende Machtpolarität! Im stehenden Prinzip bedeutete es die Probe, die durch das Opfer den Sieg erlangt, im waltenden Prinzip wäre es das erfüllte Opfer, das der Probe Meine Herrlichkeit verleiht. Und das geschieht als Hauptsymbol im Tat-UR-Jahr, für euch, für alle Kinder!

6-210    Nun soll deine Frage die Beantwortung erhalten, Mein Engelsfürst. Dadurch wird auch das Vorhergesagte noch weiterhin belichtet. Du fragtest, ob die Macht der Freiheit aus dieser selbst oder aus der Probe käme. Träfe das letztere zu, so hätte Ich Meine Kinder einem Unerfüllbaren ausgesetzt. Auf diesem Wege könnte der euch überlassene Machtanteil Meiner Macht nicht angeglichen werden, es sei denn, Ich müßte vorher Meine Macht allen Kindern übergeben, was zur Folge hätte, Mein UR-Sein restlos in dem Kind-Werk aufgeteilt zu sehen. Das ist aber eine pure Unmöglichkeit!

6-211    Andernfalls müßte die Voraussetzung bestehen, daß — etwa als getrennte Körper — für die stehende und waltende Macht zwei Teile existierten. Dadurch wäre, sofern auf dieser Basis ein Kindervolk erschaffen war, dessen Freiheit pure Illusion. Im Sinne unseres Tat-UR-Jahres kann jeder gegen widergöttlichen Mißbrauch kämpfen. Es kommt demnach in Wegfall, daß schöpferähnliche Entfaltungen aus der von Mir gestellten Probe kommen, was einer Willkür unterläge, ein vorbestimmter Schöpfungslauf, der von Meiner stehenden Polarität abhängen würde. Die Macht der Freiheit für die Probe ist allein der Freiheit unterstellt und wird stets aus ihr zu schöpfen sein!

6-212    Ihr prüft zu Recht: ‚Wenn keine andre Kraft oder Macht neben Dir vorhanden ist, woher kommt den Kindern solche Freiheitsmacht?‘ Das ist kein schweres Rätsel, Meine Ersten. Selbstverständlich habe Ich aus Meiner Macht in die besagte Freiheit einen Machtanteil gelegt, der jedoch nicht Meinem ersten Fundament, den Bedingungen, entspringt, gleichbedeutend mit dem Mir ewig vorbehaltenen stehenden Prinzip, sondern eben dem freien Willensgesetz, dessen Grundgefüge Ich Meinem waltenden Prinzip entnahm.

6-213    Daher bleiben bis zum Tat-Jahr-Ende die zwei ausgleichenden Prinzipien bestehen, die in Meiner alleinigen UR-Macht und in der den Kindern überlassenen Mitmacht ihre Prägung haben. Wird ein Kind geboren, hat es ja von Anfang an die ihm unbewußte Kraft, zu wachsen und sich zu entwickeln. In seiner zunehmenden Reife bedarf es dann der bewußt gelenkten Führung, die aber seine Freiheit unangetastet läßt, zumal während einer Probezeit.

6-214    Gleicher Art sind die Entfaltungs- und die Führungsmacht Bestandteile der freiheitlichen Probe, die — und zwar die gerechtfertigt erlangte — das Kind auch aus sich befähigt, den freien Gehorsam zu erwerben. Gleichgroß kann sich die Widersetzlichkeit entwickeln. Du hast also recht erkannt, daß euer Einsatz weit mehr gegen als für die Freiheit erfolgen muß. Das bringt ihr keine Auflösung, sondern extra starke Stabilität, und ihr könnt zufolge dessen der großen Schöpfungsfreiheitsprobe beruhigt entgegensehen.

6-215    Alles das hat seinen Grund im zweiten Fundament. Ich verkünde euch noch etwas im voraus, daß ihr auch hierin gut gewappnet seid. ihr fragtet, warum Ich euch es überließ, dieses Gesetz anzuerkennen und als zweites Fundament Meinen Bedingungen gleichzustellen. Ihr werdet prüfen, ob es nicht doch richtiger gewesen wäre, wenigstens teilweise das zweite Gesetz vom ersten abhängig gemacht zu haben. Doch die Klärung dessen, die das Auf und Ab mit sich bringt, wird das Licht euch vollends offenbaren. Sehet zu, daß die Wahrheit in euch unzerstörbare Wurzeln zeitigt. Und das sei euch gesagt:

6-216    Meiner segnenden Hände könnt ihr jederzeit gewißlich sein, denn auch die Freiheit und die ihr zugeschnittene Erprobung liegen, MIR zu Recht, in der Hand, die ihr Werk zu tragen und zu erhalten weiß! Wer Mir seine Freiheit übergibt, wird sie schöpfungsgesegnet zurückerhalten! — Nun aber folgt Mir nach; in die zweite Tagesstunde soll noch der Weg der Geduld entfallen.“

6-217    Auf dem Weg zur fünften Sonne bleibt UR stehen. Alaniel-Madenia bedenken eben, daß sich nun am Liebetag URs dritter Herzteil völlig offenbart. Da bedarf es für die Träger der Gott-Eigenschaften einer anderen Ordnung. Gott fragt, warum sie nicht das Haus bereiten wollen, das in der vergangenen Schöpfung ja geweiht worden war.

6-218    Alaniel entgegnet, daß es seiner Ansicht nach darauf ankäme, in Geduld sich zu erproben, sich der Liebe hinzugeben, um Gottes reichste Tagesoffenbarung zu erhalten. Darum möchten sie das Haus der Geduld mit UR gemeinsam zubereiten. — Ein Strahl aus dem Heiligtum, das in kristallener Herrlichkeit auf hohem Berge thront, trifft den Engelsfürsten; und es ist zugleich der Strahl aus machtvollen Augen. Durch Alaniel-Madenia breitet er sich über alle Ersten aus.

6-219    Während der Hüter im Hause wacht, holt der Heilige die Ersten ein. Vor dem Altar liegt das weiße Lamm, die erste Lebensarbeit der Geduld. Auf der Rücklehne des hohen Hausthrones sitzt die weiße Taube mit weitgespanntem Flügelpaar. Leiser Ahnung voll über die gewaltige Bedeutung betrachten alle staunend dieses Bild. — Nach dem Hausamt tritt der fünfte Fürst zum Altarherd. Das Lamm hebt seinen feinen Kopf sanft zu UR empor. Und der Heilige beginnt zu sprechen:

6-220    „Träger der Geduld, Meine Sadhana, Fürsten Meines Königreiches! Kaum geahnte Wonne, desgleichen aber auch noch nie empfundene Kraft paaren sich für euch mit der Schwere, die Mein Liebetag als ersten Segen gab. — Ihr fragt, warum die Tiere auch als Haussymbole gelten. Liebe Kinder, alle Zeichen haben ihren Schöpfungswert und ist keines ernstlich, das nicht symbolhaft Meinen und eure Wege überstrahlt. Alle Zeichen, selbst das Kreuz als Dominant, erfahren ihre höchst schöpfungsgewaltige Bedingung durch das Lamm und durch die Taube. Denn die ihnen innehaftenden Gewalten personifizierten Meines heiligen Lebens größte Ausdrucksfähigkeit, in der Probe und im Opfer offenbarend dargebracht.

6-221    Im Hause des Ernstes wurden Schöpfungsprobe und Schöpfungsopfer angezeigt, wenn in der waltenden Freiheit nicht gesamt der freie Gehorsam geboren wird. Ihr wisset, daß Ich während einer Probezeit Meine Macht nicht unbedingt walten lasse, denn das Gesetz Meiner Bedingungen darf nicht allein über dem der Freiheit walten.

6-222    Seht, so rein weiß, mit tragenden und bedeckenden Flügeln wie die Taube, so erfüllt sich Meine Probe; und so unschuldsvoll, vor der Macht Meiner Herrlichkeit am Boden liegend wie das Lamm, wird Mein Opfer sein! Wie das aber dennoch Meine Rechte lenkt und ewig es verwahrt, so die Probe aller Kinder aus und in Meiner Probe, ihr etwa nötig werdendes Mitopfer aus und in Meinem Opfer! In diesem Sinne kann das Kreuz zum zweifachen Tageszeichen werden.

6-223    Beide Zeichen der Geduld sind hoch bedeutsam für die Liebe, weil ohne Geduld auch die Liebe nicht zur Höchstentfaltung kommt. Denn Geduld und Liebe sind Mein Gott-Herzteil; und erst mit seinem vollen dritten Strom ist der vierte UR-Strom einer heilig geweihten Feier zuzuführen. Es ist also viel Geduld aufzubringen, um der Liebe zu ihrer werkgerechten Vollendung zu verhelfen. Durch Meine Kinder soll der Liebetag dergestalt seine Krönung haben! —

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