6-24 Ich mache noch die Decke dünn (Jes. 40,22), die Ich euretwegen um Mich hüllte. Der Liebetag soll bis zum Abend den letzten Werkrest weggenommen haben, so daß dann alle Kinder am Feierabendstrahl die Fülle Meiner Herrlichkeit erkennen und mit eigener Herzensfülle in Mich eingehen, um dem Jubeltag, dem Tage der Barmherzigkeit entgegenzuruhen! Nur Meines UR-Seins allumfassender Begriff wird immer wieder zugedeckt, damit die Kinder ihre Kindschaft tragen können.
6-25 Ihr fragt, was Kindschaft zu bedeuten hat. Sie ist euch zwar bewußt, doch den Schöpfungswert kennt ihr noch nicht. Die Erkenntnis bringt euch Meine Liebe, damit hernach ihr Träger in sein Tag-Amt einzusetzen ist. Es warten eurer so viel schönste Schöpfungstaten, daß — wenn sie fertig sind — ihr staunend ruft: ‚O UR, das ließest Du in uns lebendig werden? das ging mit durch unsre Hand?‘ Ja, ja, du liebliche Sadhana, starke Fürsten, so soll der Tag der Liebe enden! Ich sage das nicht ohne Absicht, denn gar Schweres zieht herauf.O wahrlich, bloß das Licht des euch höchstbeseligenden Endes, für euern harten Opferweg zuvor enthüllt, befähigt euch, euer Soll aufzubringen!
6-26 Dazu gehört die Kindschaft. Sie liegt in euch vom Anbeginne eures Lebens, als Mein Geist euch zeugte, Mein Herz euch ausgebar. Von allem überkam euch der gerechte Teil. Darum seid ihr Meine rechten Kinder, und Ich bin euer rechter Vater! Aus Meinem ganzen Wesen ging das Kindervolk hervor. Und keins kann sagen: Die Herzgedanken sind die besseren! Merkt: Mein Wesen ist einheitlich gut ! ! Das Herz gibt die große Richtung an, in welcher sich das Werk vollenden soll. Darum werden alle Kinder die Kindschaft erreichen können, sobald sie erkennen, daß es keine Kindschaft ohne VATER gibt!! –
6-27 Sie gestaltet sich durch Mein auch im Innern wahrnehmbares Wort! Nicht immer sollt ihr in Meiner personhaften Nähe leben. Ich muß euch in fernste Räume senden, denn so werdet ihr zum Ziele reif. Auch dann bin Ich euch nahe, wie nahe ihr am Heiligen Herde seid. Und das sollt ihr als Zeichen Meiner Allgegenwart erhalten:
Wer Mich dann in seinem Herzen hört und Mich allda sieht,
der hat Meinen Geist vollkommen angezogen!
Das ist das Siegel höchster Kindschaft! Dann bin Ich beim Kinde und es ist bei Mir, ganz gleich, wo es sich befindet!
6-28 Aus diesem Geiste müssen Gedanke, Wort und Werk erstehen. Denn das vom Gedanken ausgehende Wort schafft dann erst einen Wert der Ewigkeit, wenn es — lebensvoll durchdrungen — zu einer Tat gestaltet wird! Daraus bildet sich die Folge, die Erfüllung als geschenkte Schöpfersegnung. Gedanken und Worte nützen nichts, wenn sie nicht vom Leben kommen, von ihm lebendig zeugen! Wer aus MIR die Fülle schöpft, wird durch MICH die Fülle haben. Wer diese Geistart wirken läßt, dessen Taten sind von Meinem Lebenskeim geschwängert. Es ist besser, erst um wirkliche Erkenntnis Mich zu bitten, als zu reden und zu handeln ohne Meinen Geist.
Denn am Werk erprobe Ich die Macht,
aber an den Kindern Meine Liebe!
6-29 Bedenkt daher in allem, was der Tagesablauf mit sich bringt, das hochgesetzte Ziel, das mit durch euch geschehen soll und dessen zweite Krönung lautet: Der Kinder Werk, welches sie Mir schenkten! Das ist ein Brunnen voller Kraft und Zuversicht, aus dem ihr eure Kindschaft im vollen Ziele Meines Tat-UR-Jahres trinken könnt.“
6-30 Glutentbranntes Schweigen; dazu ein Leuchten, ein Gefunkel, als wenn das Allerheiligste die Sonne selber wäre. Über der Feuerlohe des silbernen Tellers schwingt weit die Opferschale; ihr kostbarer Weihrauch mengt sich mit der Strahlung zu urgewaltiger Sinfonie als Ehre dessen, der heilig Seines Amtes waltet.
6-31 UR steigt vom Thron, der von roter Seide herrlich überhangen ist, herab und liest die vom sechsten Siegel noch ungeschriebene Schrift aus Seinem Schöpfungsbuch. Den Grundsinn können URs Erstlinge nicht ganz verstehen. Er breitet wieder ihre grünen Zweige aus und nimmt die Silberglocke weg, die das Gerät am sechsten Leuchter deckt. Ein KREUZ ! Alle halten ihren Atem an, so eigenartig leuchtet es in herber Schönheit. Seine Einfachheit betont die Wucht der Bestimmung, die bedruckt und . . . schon befreit, wo es dessen keineswegs bedarf.
6-32 Doch wie sieht UR auf dieses Kreuz, das Er für Augenblicke in die Hände nimmt? Wer will sagen, ob ER es trägt — ob Seine Heilandshände segnend es beschirmen! Das ist kaum bewußt zu spüren. Unwillkürlich denken Gottes Erste an die Kindschaft, als wollten sie das Kreuz in diese rücken, damit der Segen, der unzweifelhaft mit einer Opferung verbunden werden müßte, auch völlig strömen kann.
6-33 Welches Kind, welche Zukunft mag vom Kreuze vorbeschattet sein? Ob überhaupt? In allen zittert die Erwartung, dafür zu kämpfen, bis es in seiner Gott-Gewalt den Sieg erringt. Im Augenblick jedoch, als UR das Liebezeichen wieder an den sechsten Leuchter stellt, löst die dunkle Spannung sich, denn kein Kind soll im voraus Lastenträger sein. Die bestimmenden Eigenschaften können zu etwaigem Nachteil einer Kindschaft rechtend handeln. Denn wird das Kreuz zur nackten Schöpfungsnot, dann werden vornehmlich die Fürsten Last und Segen auszugleichen haben, wie UR das Kreuz und Opferziel. — Nun breitet Er die Arme aus (wie später Seine Segen spendenden Hände gewaltsam am Kreuze ausgebreitet werden), und die Bedrückung fällt von allen ab.
6-34 Nochmals nimmt UR das Kreuz zur Hand, hält es ins Feuer, bis die Flammen als blutrote Krone über ihm zusammenschlagen. Er hebt das Kreuz über die Opferschale, und siehe, sie steht still. Ihr Weihrauch macht die Krone so lichtrein, wie der Teppich vor dem Herd, wie URs heiliges Gewand es sind. Rot und weiß wird das Kreuz, denn aus der Liebe Gott-Herzteil bringt der ‚Opfervollender‘ dem Vater-Herzteil seine Krone. Und rot wird einst der dritte Teil der Schöpfung durch die Schuld; aber wieder weiß durch die Auftragstat der Opfermacht.
6-35 Lag das alles in der ungeschriebenen Schrift des Tages? War das bewußthaft vorgeschaut? oder ohne schöpferische Willensmacht gesehen, weil die beiden Fundamentsträger für die Kinder noch keinen Ausgleich hatten? Des Liebetages reichst gesegneter Abend wird das Rätsel lösen. Den dem Raume zugewandten offenen Händen entströmt eine unsichtbare Macht; die Ersten fühlen das Bringende und damit verbunden das Nehmende. Die Hände tragen ja das All! So gewaltig wirkt die hehre Handlung, daß der Sechste, Cherubim und Seraphim, vor zum Herde geht, den Ruf in sich vernehmend. Auch sie breiten UR entgegen weit die Arme aus, kreuzen sie dann über ihre Brust und verharren still. Warum knien sie nicht, wie die andern bei der Erwählung taten? Soll das ein Sonderzeichen sein? — UR spricht:
6-36 „Mein Engelsfürst! Ewigkeitsgesegnet sind, die den Ruf in sich verspüren und sich davon drängen lassen. Du bist vor Mein heiliges Angesicht getreten, und Ich senke Meine Liebe in dein Herz, damit durch dich der Liebe Strom dem Schöpfungswerk zum höchsten Einsatz zugeleitet werde. Käme es zur Not, so wird die Liebe dann den SOHN gebären, der selber LIEBE heißt. Denn sie kann das UR-Opfer Meines Willens zur lösenden Tatsache formen. Bleibt diese Zeit nicht aus, dann mußt du, die sechste Fackel Meines Stuhls, Mir diese Liebe wiedergeben, damit sie Träger der Erbarmung wird.
6-37 Auch in dir muß die Liebe fähig werden, selbst das Verdorbenste einzuschließen. Alle Eigenschaften, von der Ordnung bis zur Barmherzigkeit, müssen ihren Horst in der Liebe finden, wie diese auch in allen Grundlebensstrahlen. Denn müßte Ich aus deinen Händen einst die Liebe wiedernehmen, darf dennoch in dir keine Leere sein, und ohne Liebe auch kein Herz, das sich zum Opferdienst bereit erklärt. Aus Macht, Kraft, Gewalt und Stärke muß alles seine Einheit haben, wie es nach Beendung Meiner UR-Kampfzeit geschehen ist.
6-38 Mein Ruf an dich hat Meinen Gott-Herzteil dem Werk geöffnet, und Geduld und Liebe gehen durch Raum und Zeit. Durch das dritte Tempeltor trage Meine Liebe aus, durch dasselbe bringe sie Mir wieder ein als Perle, wie Ich sie in hoher Mitternacht aus Meinem UR-Quell hob. Unbesiegbar wird die Liebe sein; und du, ihr Hoheitsträger, richte für die Taten auch den Segen auf. Ich behielt Mir Meine Heiligkeit in Gestalt des Ernstes vor, denn sie darf nicht angetastet werden. Doch der Schwerpunkt eines Ausgleichs beider Fundamente lautet:
Mir die Heiligkeit, den Kindern Meine Liebe!
6-39 So gleicht sich auch noch innerhalb des sechsten Tages Ernst und Liebe durch den gerechten Willen aus. Damit habe Ich den vierten Morgen angefangen, und am Abend wurde ja das Tat-Werk durch das Schöpfungstestament besiegelt. Doch das entsteigt weniger Meinem Schöpfer-Muß und Priester-Soll, sondern mehr dem Gott-Kann (Ps. 115,3), in dem sich dann der VATER herrlichst offenbart. Aber wahrlich, Fürst der Liebe, würde nicht in Sonderheit deine Eigenschaft durch den Ernst beglaubigt, vergeblich wäre so ihr freigeborenes Kann.
6-40 Nicht allein aus Liebe wird das Ziel gesegnet, nein, ich berief Mir sieben Fürsten, die das Erbgut Meiner Kinder als einen Anteil von dem Kronschatz Meiner UR-Majestät gleichberechtigt tragen. — Darum wirst du, Fürst der Liebe, zu der angedeuteten Zeit Ordnung, Wille, Weisheit, Ernst, Geduld und Barmherzigkeit in dir vereinigt halten müssen, während Mit allein die Liebe gilt! Du aber wirst am Tor der Gottheit stehen, hütend und harrend, bis Ich die kostbare Perle bringe, daß du sie durch Meinen ganzen Himmel trägst, einmal! Und Ich reihe sie dann auf dem Heiligen Herd wieder in die Ordnung ein.
6-41 Noch sind euer aller Hände rein; doch in vorausgreifender Schau habt ihr den freien Willen zum zweiten Fundament erhoben. Das Gesetz und sein Träger, das Kind-Werk, ist daher einer höchsten Belastungsprobe auszusetzen, da der ganze Tat-Zyklus beide, den Schöpfer mit dem Geschöpf, das Kind mit dem Vater, verbinden kann. Würde das vorwiegend auf Meinem Fundamente lasten, so träte das vorbesagte Muß und Soll in Kraft. Ich bliebe damit im UR-Maß allein bestimmend!
6-42 Soll es jedoch sein Recht erlangen, ist sein Fundament in dieser Hinsicht vor zurücken, durch Mich! So bringt jede Belastungsprobe einen freien Sieg. Aber erst das nächste Großwerk (eine Schöpfungswoche) wirft sein Licht darüber hin. Dann hebe Ich als UR die Enden jener Brücke in Meine Priesterhöhe (Thisbiter, Kap. 29) und ihre grundsätzlichen Pfeiler sind: Anerkenntnis Meiner allein heiligen UR-Persönlichkeit und freier Gehorsam! Und du zuerst, Liebeträger, hast beides aufzubringen!“ UR nimmt wieder das Kreuz zur Hand und fährt in seiner Rede fort:
6-43 „Lege deine Hände, lichtgeborener Fürst, auf den Heiligen Herd, halte sie in seine Flamme, daß Meine Liebe aus des Heiligtumes Feuer für alle Kinder aufgerichtet werde. Mein Cherub, Ich gebe dir das Zeichen deiner Würde, das heilige Kreuz! Dein Name ist Rafael. Du Seraphim, Liebeträgerin, bewahre es in dir in reiner Demut; dein Name ist Agralea. Laßt des Kreuzes Bürde in Gewalt und Demut durch die Mitträgerbereitschaft am Opfertum zum Segen werden.
6-44 Ich sende euch als Liebesfürst wie eines in den Tag! Das Symbol bedeutet: zwei Kinder, Urerzengel und Erzengel. Jeder hat persönlich seinen Geist, sein Herz und seine Seele, jeder ist als Geschöpf des Vaters Kind. Wie Meine Person unantastbar bleibt, so auch die eure. Gerade dadurch ist das hochgesegnete Dual heilig-erhabene Einheit! Euch bleibt überlassen, was ihr im Vordergrunde haben wollt: das Kind, der Beauftragte der Schöpfung, oder beides!
6-45 Das Kreuz richtet auf, was sich zu freiem Gehorsam in Anerkenntnis Meiner allein heiligen UR-Person entschließt. Unbewußtlebendes wird unter den Heils-Schatten des Kreuzes gestellt, weil es dergestalt dem Werke dienstbar wird. Meinen freigeborenen Kindern, die die Freiheitsprobe bestehen, grabe das Kreuzzeichen ins Herz, daß sie sich aufrichten am Gottes-Schatten als an einer Gewalt, die eher Sonnen untergehen als ein Kindherz ohne Segensantwort läßt!
6-46 Denen aber, die das zweite Fundament erhöhen, bürde dies Mein Liebezeichen auf. Wollen sie versuchen, ohne Mich ihr Lebensziel zu meistern, kommt über sie Mein Meisterleben! Wer der Liebe gar zum Hohne lebt, aus ihr ein Zerrbild vieler Leidenschaften machend, muß der Liebe Last ertragen, bis er unter ihr zusammenbricht. Erst im Zerfall des inneren wie ebenso des äußerlichen Daseins wird ihm die Möglichkeit gegeben, unter das von ihm verachtete Gott-Liebe-Zeichen Hilfe heischend sich zu beugen! Wenn das geschieht, dann offenbare dieses Kreuz als Symbol der Güte und der Gnade, als Träger und als Überwinder aller Schuld!
6-47 Zwei Schatten löse aus dem Kreuz, je nachdem, ob man es annimmt oder nicht. SEGEN und Notfluch werden beide Kreuzesteile sein. Pflanze es ins Erdreich ‚Freier Gehorsam‘; stoße es in die harte Kruste bewußten Ungehorsams! Es ist nicht zu überwinden, wenn sein Träger über jede Willensprobe siegt. Seine Schöpfungsarbeit ist‘s, der Liebe siegend jene Richtung und den Lauf zu weisen, der Meinem UR-Aufbau entsprang und das Ziel bedingt. Die vier ersten Fürsten setzte ich als Hüter der Gesetze ein; dich, Rafael-Agralea, vereinigt mit Alaniel-Madenia, als Hüter der Gesetzeserfüller an der dritten Pforte vom hocherhabenen Gottestum!
6-48 Behütet die Erfüller als Mein Eigentum. Bringt sie unbeschädigt zurück, auch wenn sie unter Lastenschatten standen; denn vor Meinem Heiligen Herd sollen sie den Opferlohn erhalten. Lohn und Dank ist der Segen einer Ewigkeit! Wer den empfangen kann, darf auf dem roten Teppich wandeln. Und dann erhält er auf dem weißen Grund des Heiligtums seine rechtliche Belohnung. —
6-49 Stelle nun das Zeichen deiner Würde an seinen Platz. Empfange Meinen Segen zum Dienst am Tag, daß er sein reiches Ende habe. Denn aus dem Liebe-Abend kommt der Jubeltag !“ Rafael und Agralea gehen an den Thron und knien still dankend nieder. UR legt seine Hände auf die demütig sich Neigenden. Doch königlich ist hernach ihr Gang und die Gebärde, als sie — an ihren ersten Stand zurückgekehrt — das Kreuz vor ihren Leuchter stellen. Wie herrlich schaut der Herd nun aus, obwohl das siebente Symbol noch fehlt, dessen Leuchter noch nicht brennt, und auch andere Zeichen der Enthüllung harren.
6-50 Rafael hebt seine rechte Hand, und alle Ersten treten vor. Eine feierliche Preisanbetung ist der Dank. Da redet das Geschöpf in Demut, der keine Widersetzlichkeit gewachsen ist; da spricht der freie Geist in priesterlicher Art, der die Schöpfung lauschen muß; und die Lichtseele bringt vor Gottes Angesicht die Andacht dar. Über allem aber herrscht des Kindes Freude und senkt sich als ein Strahl in Gottes eigene UR-Seele ein.
6-51 Ist der Strahl zu spüren und schon so stark, um einen Widerhall hervorzurufen? Und wenn, würde er zum Doppelsegen, den einstens eine Erde braucht? UR nimmt ihn auf! Des Gottestumes Herrlichkeit gibt den Segen doppelt wieder, dessen Ausfluß FRIEDE heißt. Friede aus Barmherzigkeit, aus der Eigenschaft des Vaters! Das ist ein unmeßbares Geben und ein Nehmen. Daß UR der größte Geber ist, wissen alle, doch fühlen sie jetzt nichts als Freude. Und UR sagt:
6-52 „Meine Sadhana und Fürsten, Ich heilige euern Dank und verwahre ihn bis zur Stunde, wo ihr seine Kräfte braucht. Schon die erste Tageszeit, die durch Mein Wort in euch Gestalt genommen hat, rief Lebensfragen wach, die dem Gewordenen und Werdenden ihr Gepräge geben. Bestimme, Rafael, wer zuerst seine Frage offenbaren soll und auch den Ort dazu. Es steht dir frei, zuerst zu sprechen.“
6-53 Rafael hat mit Sadhana und Agralea die Hände vereinigt. URs Augen überstrahlt ein leises Lächeln, das alle sehen; nur die Trauer nicht, des Lächelns Grund. So wird es kommen müssen, daß die Liebe beide Hände des Gefallenen nimmt und hält. Schon jetzt das Zeichen eines freien Sieges; denn aus freiem Triebe handelte der Tagesfürst. Und sieghaft schaut er in die Sonne, hernach auf UR. Die anderen Ersten bilden eine Kette um die Gruppe. Rafael sagt:
6-54 „Liebreicher und gütiger UR, Du hast Dich an dem mit übervollem Segen eingeleiteten Liebetag als GOTT uns offenbart. Dir allein kommt eine erste Entscheidung zu; denn Du bist der Allerhöchste! Ich denke an den Ruf des Muriel, den er als schönsten Ausklang des ihm gewidmeten Ernst-Tages brachte, zumal Du mir den Ernst besonders anbefohlen hast. Ich rufe auch: IMANUEL — UR mit uns! während des Tages schwerster Probe und Bewährung, wir im freien Gehorsam, Du selbst in der Macht an Deinem Werk und in Liebe an den Kindern!
6-55 Dein Wort, dessen Gewichte Ewigkeiten sind, soll bestimmend die Entscheidung leiten. In Demut bitte ich, das erste Werk der Liebe als geheiligt anzusehen. O UR, Du streust den Samen ‚Liebe‘ aus, und Liebe ist auch der Tribut, die Bedingung einer Forderung dafür. Wäre unsre Liebe auch gerecht zu nennen, dächten wir zuerst an uns? Oder läßt sich Deine Gottesliebe als ein Eigentum betrachten, denken wir zwar wohl an Dich, allein nicht an die Brüder und die Schwestern? Nein, das andere vor das Eigene gerückt, bringt der Liebe hohen Sieg!
6-56 Es erschüttert uns, daß Deine gute Liebe zu einer Leidenschaft erniedrigt werden könnte. Um dem zu begegnen, erhebe ich frei aus mir die Liebe zur obersten Dienerin! Das Eigene soll in der Dienstbarkeit für andere liegen. Ich bitte Dich daher: Laß uns alle zu Dienern Deiner Liebe an bewußten wie an unbewußten Werken werden.
6-57 O UR, der erste Dienst fällt zwar bescheiden aus; ich empfing ja erst der Liebe Pfand. Sieh also gnädig an, daß ich entscheide: Dein schönstes Kind wollen wir von ganzem Herzen lieben und immer vor uns stellen, denn Du hast es Dir zuerst als tragbaren Widerhall Deiner höchstheiligen UR-Wesenheit geschaffen.
6-58 Sadhana soll als Erste ihre Herzensfrage künden. Wo anders aber als im Aller heiligsten könnte das geschehen? Du hast es sichtbar angezeigt, daß sie keines andern Ortes je bedarf; denn ihr ward Dein Heiligtum zuerst geöffnet, ihr leuchtete zuerst der Morgenstrahl Deiner Sonne. Wir wollen ihre Rede zu der unsern machen und sie — mit Deiner Antwort dann gesegnet — in uns aufbewahren.
6-59 Die fünf Fürsten, wie sich ihre Einsetzung der Reihe nach ergab, sollen dann in ihren Häusern sagen, was entsprechend Deinem Wort dem Liebetage seinen Ausdruck gibt. Auch ich erhalte Haus und Sonne; ob aber der Siebente, der Träger der Barmherzigkeit? — Darum bitte ich, o grundguter Gott und Vater UR, nimm von meinem Amt, von meiner Würde soviel Du willst und gib es Deinem letzten Engel! Lasse ihn in meinem Hause seine Vorerwählung haben, seinen Namen für das Werk. Er soll erst die Frage seines Herzens offenbaren, daraus ein Gnadensegen werde, den der Tag wohl bitter nötig braucht. So beginne Deine Liebe, herrlich wird sie unser Werk vollenden. Die Barmherzigkeit möge mitbestimmend, mittragend und — miterlösend sein!
6-60 Ehe eine unbekannte Schwere uns betrifft, da einige uns, o allgeliebter UR, und übergib uns die Gewalt des Tages. Was ich — Dir nachgehend — opfern kann, soll für das Kreuz geschehen! Nach Deinen Worten richte ich es auf, pflanze es in die Gehorsamsträger ein, bis sich allen Kindern Deine wunderbare Gott-Herzkammer öffnet. Auch Dein Kelch möge stets zum Trinken dienen, nicht zur Last und Qual für jene ausgegossen werden, die sich etwa von Dir wenden möchten.
6-61 Führe uns in unsre Arbeit ein, heiliglieber Gott und Vater, und es erweise sich an uns, was vor unserm Dasein in DIR fertig war!“ Immer ist das Heiligtum von URs offenbarter Herrlichkeit durchdrungen; doch der tiefste Grund ist nicht zu spüren. Denn gleich dem Atmen ist es ein Heben und ein Senken, ein Auf und Ab, stetig steigernd von einem zum anderen Geschehen. — So auch jetzt. —
6-62 Noch entsinnen sich die Ersten jener lieben Episode, als Uraniel bat, UR möge Seine Sonne doch ein wenig wenden, weil sie zuviel des Lichtes gab. Oder ist es heute nicht wie einst am ersten Morgen, da sie ‚Leben‘ wurden? Nichts vom Heilig-Gut war jemals minderer als jetzt. Trotzdem ist die Steigerung ganz offensichtlich. Am deutlichsten erkennen sie es an URs mit unendlicher Güte überleuchtetem Gesicht. Vielleicht war es genauso an jenem Heilsabend, da zum ersten Mal der Ruf ‚IMANUEL‘ erscholl. Oder spiegelt sich in den sonnengleichen Augen die Zunahme der Gotteskinder wider?! —
6-63 Ja, es ist der Widerschein; denn was ein Lichtkind erkennt, nehmen auch die andern in sich auf. Und das ist URs wahrhaftig wertvollstes Edelgut: Ihr sich mehr und mehr heiligendes Leben. Es muß im Urreich seinen Ausdruck finden, zuerst in URs Angesicht und dann in seinem Heiligtum, das Er für sich und Seine Kinder schuf!
6-64 Getrieben von der Kindesliebe, begibt Er sich mitten unter seine Ersten und streckt die Arme aus; doch nicht als Opfer-, sondern als ein Vaterzeichen. Er umfaßt Sadhana, Rafael und Agralea, und sie ruhen an Seiner breiten Brust. Schauernd hören sie das UR-Herz schlagen. Auch die andern scharen sich dicht um Ihn her; jeder wird gesegnet und liebkost. Ihn umtost ein Jubel, der von der UR-Glocke ein Echo niederholt und hinaustönt in des Raumes Weite, in die Zeit. Und so, inmitten Seiner ersten Kinder, spricht Er:
6-65 „Mein Engelsfürst Rafael-Agralea, du stelltest in Bescheidenheit die Entscheidung unter Meine Worte. Ich aber sage dir: An deiner ersten Tat werde Ich die Liebe aller Kinder messen! Bleibt das Große immer in Gerechtigkeit, so hat es seinen ewigen Bestand. Aber bringt die Schöpfungsfreiheitsprobe seinen Sturz, wird mit manchem Großen unheilige Gewalt getrieben, so will Ich dann die Herrlichkeit und Majestät Meiner Macht, Kraft, Gewalt und Stärke einzig auf das sogenannte Kleine, nämlich auf die Demut setzen!
6-66 Mit der Mir jetzt dargebrachten Demut läßt sich viel erwerben. Je größer eine Demut, um so höher jede Offenbarung Meines hocherhabenen Ichs. Damit gelangt auch eure Seele zur wahren Lebensreife. Und so gliedert sich der Demut die Erkenntnis und die Andacht an, die euch zur Freude, einem Kleinod Meiner Krone, wird. Die Freude, ein guter Lebensfunke, entfacht dann auf dem Silberteller Meines Schöpfungsherdes euch ein Feuer, dessen hehre Flamme als Entfaltung eines neuen Werkes undenkbare Seligkeit verleiht. Der Einblick hierzu ist aber erst durch die Barmherzigkeit an Meinem hochgefeierten Jubeltag zu bieten.
6-67 Du Mein Liebeträger hast nicht allein das in vergangenem Schaffen jeweils erreichte Ziel als ein Fundament dem sechsten Tag gegeben, sondern darauf, was wahrlich Mein Aufbau ist, Richtung und Lauf begonnen, und zwar so, daß euch nicht bange um den Fortgang Meines Werkes werden braucht. Darum wird, wenn sich die Notwendigkeit ergibt, der eine Opferträger — und alle Mitträger mit Ihm — das Ziel erreichen; denn du, Liebefürst, hast den Weg bereits begonnen. —
6-68 Doch Meine Zeit wartet nicht; noch die erste Stunde soll Sadhanas Frage bringen, die zweite alle andern, die dritte Meine Tagesgabe an euch.“ UR begibt sich auf den Thron, die Fürsten nehmen ihre Stühle ein, und Sadhana bleibt am Heiligen Herd. Sie betrachtet lang das Kreuz, doch kaum kann sie selber ihr Gefühl erkennen. Sie trägt ja schwerer als die Engel; so kann ihre Frage nicht verwundern, um so weniger, da ein möglich werdendes Opfer und Mitopfer schon jetzt wie bangend auf den Kinderseelen liegt. Sie sagt:
6-69 „Ewig-Heiliger UR, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger, als liebevoller Gott und Vater warst Du mitten unter uns. Doch trotz Gnadenseligkeit drückt mich eine Last, ohne sie zu kennen. Kann so etwas überhaupt in Deinem Lichtreich herrschen? Ist das Ahnen ein wenngleich unbewußtes Abweichen von Deiner Ordnungsbahn? Ist in mir ein Unbekanntes, was mich von Dir treiben kann? O All-Heiliger UR, befreie mich davon, wenn solch ein Grund in mir die Last her vorgerufen hätte! Ich will nicht von Dir gehen, will nie Schuldursache sein! Dein Tagesfürst hat mich über sich und Deine Fürsten hoch erhoben; ich aber will neben ihnen aus Deinen treuen Händen Gnade empfangen wie auch sie.
6-70 Ist es aber Dein allmächtiger Beschluß, daß ich als erstes Kind zum Zeichen Deiner Werke voran sein soll, so will ich nie vergessen, daß auch ich Dein Geschöpf bin und als solches kraft Deiner Hilfe den erhaltenen freien Willen allezeit auf die beiden festgefügten Fundamente, die Anerkenntnis Deiner heiligen UR-Persönlichkeit und den freien Gehorsam, aufzurichten habe! Denn ich weiß gewiß: Du hast diese Grundpfeiler für die Kinder, zumal für mich geordnet. Allein, wäre ich ein Wegbereiter, wenn nicht jemand vor mir her die Bahn erleuchtete? Und das tust Du, o Vater UR, Du All-Erhabener!
6-71 Warum — so lautet meine Frage — gabst Du solch schweres Zeichen einem Tag, an dem ja Deine Liebe ein schönstes, ungeahnt Herrliches verschenken will?! Kann ein Opfer aus dem Dir allein bekannten Grunde nicht vermieden werden und ist darum dieses Kreuz geworden? Wirft es aber nun schon eine Bitternis voraus, daß es uns belastet statt erfreut, sage, Vater aller Güte und Gerechtigkeit, kann trotzdem jedes Kind im freien Willen Deiner Liebe dienstbar bleiben?
6-72 Ernst mahnt die Waage und ist nicht abzusehen, wann und wie einmal Schuld und Opfer ausgewogen werden müßten. Bangend funkelt auch das Schwert, dessen Symbolik uns noch nicht bewußt geworden ist. Das gleiche gilt für die Sichel, die Kelter und den Kelch. Alles deutet auf ein Unfaßbares hin, das mit jenem Entschluß zusammenhängt, das freie Willensgesetz als zweiten Fundamentsträger anerkannt zu haben. Viel hast Du offenbart, o UR; wie Du selber dazu stehst, das können wir nicht wissen. Doch Verborgenes muß noch in Dir sein. Gerade darin erkenne ich den Grund der Gnade, daß im Sinne Deines UR-Seins auch kein noch so höchst vollendetes Kind neben Dir je stehen kann. Rücke ich das aber auch in den Vordergrund des Augenblicks, so ist, o Gott, der Schatten Deines Liebezeichens doch nicht aufzuheben. —
6-73 Was mich zutiefst erschüttert: Willst Du, All-Heiliger, selbst das Zeichen lastend auf Dich nehmen für eine Schuld, die vielleicht entstehen kann? Soll so Dein Testament bestätigt sein? O mein UR!“ Sadhana sinkt vor dem Herd nieder; unendlich lieb hat sie UR. Tief neigt sich ihre Stirne auf den Saum des weißen Teppichs.
6-74 Als sie wieder aufblickt, schimmern ihre Augen in einem bloß UR erkennbaren Glanz. Es bedarf großer Zügelung, sie nicht sofort an das Herz zu pressen und zu sagen: ‚Nein! Lieber keinen UR-Schöpfer-Jubel, als dich, Kind Meiner Wesenheit, solch großer Probe auszusetzen, die der freie Wille mit sich bringt! Es genügt auch, was das zweite Fundament durch geheime Lenkung allerschönst zu bringen weiß, wenn nur du, Mein Kind, keine Zeit aus Meiner Liebe gehst!‘
6-75 Es brennt in Ihm. Jetzt schon heimtragen, weit voraus! Doch halt! Nicht mehr geht es um die eigene Erfüllung; das Hochziel steht vor Ihm: Er und Seiner Kinder! Sein Jubel und der Kinder Seligkeit! Darum hält Er sich zurück; doch die ungesehene Liebe hebt das Kind empor, es soll getröstet sein! Sadhana fühlt die Hand, die über ihre Seele gleitet. So aufgerichtet, fährt sie in ihrer Rede fort:
6-76 „Mein Vater! Hilf mir, frei gehorsam allezeit vor Dir zu bleiben, daß keins der Kinder irregeht. Offne unsre Herzen, um Dein Liebe-Kreuz mit Freude und nicht mit Schauern zu betrachten. Es soll ganz unser Eigen sein.“ — Eine Stille entsteht. Die Engel haben jedes Wort aufgenommen. Ja, das geschriebene und mit der Krone gesiegelte Testament ist heilig-ernst zu nehmen; es wäre nicht gegeben, gäbe es keine Schuldmöglichkeit. Im Neigen ihrer Häupter bitten sie UR: ‚O hilf auch uns gehorsam werden, gehorsam bleiben!“ Und Er sagt:
6-77 „Meine Sadhana, deine schwere Frage ist berechtigt. Ihr Schlüssel löst das Rätsel, wenn sein Geschehen auch noch unverstanden bleibt. Der Anblick des hochbedeutsamen Tagezeichens hat dir Not verursacht, das Innere bedrückt, obwohl du bisher jenes einer Schwere kennst, daß Ich dir und Meinen Fürsten den gerechten Werkanteil verantwortlich übergab, dessen Ursprung und Ziel der wahre Ausgleich Meiner Bedingungen mit dem freien Kindeswillen ist.
6-78 Mein Kind, von der Annahme, die Lastempfindung sei ein Abweichen von Mir, befreie Ich dich gleich; denn Ich sage dir: Solang ein Kind in dieser Hinsicht des Kreuzes Bitternis empfindet, steht es gesichert auf dem Boden beider Pfeiler! Was dich bedrückt, liegt im Willensgesetz, das zu Meiner Höhe oder — zu fürchterlichem Absturz führen kann. Letzteres ergäbe eine Trennung, die größer ist als der Abstand von der ersten bis zur letzten Tagesstunde. Allein Morgen und Abend sind durch des Tages Zeit verbunden. Und ebenso, Sadhana, würde auch das Kreuz zur Verbindung Meiner hehren Höhe und einem schrecknisreichen Sturz, wenn es als Symbol der Liebe gleichzeitig zur Symbolik eines Opfergangs werden wird.
6-79 Dir war, als bedrücke deine Seele ein dir unbekanntes Dunkel, zumal Ich von zwei Kreuzesschatten sprach. Nun, kann es nicht der Segensschatten sein, der dich voraus bedenkt? Würdest du, wenn nötig, nicht zum Kreuze greifen, um es als Segen durch die Opferliebe auszustrahlen? Oder mochtest du das Kreuz nicht anerkennen? Es anzunehmen fällt dem nicht schwer, der Mir im freien Gehorsam dienstbar bleibt. Das ist das Gefäß der wahren Demut!
6-80 Das Gesetz der Freiheit drängt zu baldiger Entscheidung; auch in Mir! Die Kinder sollen Mich als Vater kennen, da Ich ewig Vater bin! Ihr und jene, die zunächst erwachen werden, sind mit Beginn des Tat-Zyklus bestimmt, das Hochziel für das Kind-Werk anzustreben. Jede Last fordert die Befreiung! Das Bedrücktsein, das du fühltest, war die Verantwortung, die deine Seele trägt.
6-81 Was leicht ist, erntet leichten Lohn; er trägt nicht auf und füllt auch keinen Schöpfungstag. Aber Bürden, wie die Mitverantwortung am Freiheitswerk, sieh, die bringen schweres, reines Gold aus der Schatzkammer Meines Königshauses. Solcher Lohn füllt ein ganzes UR-Jahr aus! Wäre darum eine Bürde, die keine bittere, sondern eine süße ist, im vorhinein nicht willig aufzunehmen?!
6-82 Du hast ja recht, alle Zeichen schwer zu nennen. Noch seht ihr nicht, worauf sich die Empfindung stützt. Welch guten Fortschritt du, Meine Sadhana, machtest, zeigt die Erkenntnis an, daß dies Mein ureigenes Geheimnis ist. Das kann Ich freilich nur insoweit zeigen, als das Kind-Werk jeweils Tag für Tag sich frei zu Mir erhebt. Über Mir vermag es nicht zu stehen und neben Mir erst dann, wenn es frei sein Soll erfüllt. Keinem ist die ganze Arbeitsmacht zu übergeben, er könnte sie auch nicht ertragen. Würde Ich‘s aus Meinem Willen tun, so müßte Meine Werkmacht dafür preisgegeben werden.
6-83 Das ist unmöglich, denn in Mir vollendet sich das All. Mein Name heißt VOLLKOMMEN! Das Kind-Werk kann sich selbst vollenden, wenn es in Mir sein Vollkommen sucht! Mein Schöpfertum trägt allein die hohe Macht und lege Ich davon nur kleine Teile in die schöpferisch begabten Kinder. Wie groß ein Teilchen ist, mag daraus ersichtlich sein, daß Ich sage: Wie Götterkinder sollt ihr in wahrer Angleichung an Mein Ich zum gerechten Anbild Meiner selbst erhoben werden! Das ist ein hoher Teil des Zieles, eine Rückgabe des Kindes an Mich!
6-84 Auch von der Priesterkraft erhält jedes so viel, um von sich aus freie Rückverbindung anzubahnen. Dazu das Herrliche: Durch Meinen Geist besteht ewige Verbindung! Soll des Geschöpfes eingezeugter Teilgeist aber Eigentümer sein, bedarf es seiner eigenen Verbindung zum Geiste UR. Bewirkt das nun ein Kind aus sich, so wird es mit Rafaels angeblich bescheidener Tat bemessen, die im Ablauf Meines Tat-UR-Jahres vor Meinen Augen sichtbar bleibt.
6-85 Von der Gott-Gewalt erhält jedes Kind ein Doppelmaß, weil durch sie die Grundverbindung zu erzielen ist, die im gewissen Sinn ganz eigentlich die Macht- und Kraftessenzen werkgerecht gebraucht. Von da aus führt der Weg zur frei erlangten Kindschaft, die die aus Meinem Vaterwesen kommende Stärke manifestiert. Ich will euch eine Erklärung geben, wenn sie auch nicht unbedingt zur Beantwortung der Frage nötig ist. Doch werdet ihr daraus erkennen, wie gut die zwei verschiedenen Lasten des Kreuzes auszugleichen sind.
6-86 Seht, lange kündete Ich euch Kinder an. Warum sind sie noch nicht da? Warum ihr wenigen? Wirkte Ich als Schöpfer in den beiden ersten Tagen, waren da die zu Kindern vorbereiteten Lebensgedanken nicht zu erwecken? Oder in der Zeit, in der Ich als Hochpriester Melchisedek Meine Werke segnete? Warum nicht wenigstens am Tage der Geduld? Sind die aus Alaniel hervorgegangenen Tiere höher einzustufen als nachkommende Kinder, weil jene vor diesen wurden? —?
6-87 Daß Kindgeschöpfe unvergleichlich höher stehen als alle andern Lebewesen, ist bewiesen, indem Ich mit euch Ersten Mein Tat-UR-Jahr begann. Sadhana ist symbolisch eine Mutter aller Kinder, obwohl wenige aus ihr selber kommen sollen. Warum Ich jenes große Negativ — von Mir getrennt — zur Eigenform gebildet habe, wird enthüllt, wenn die von Mir gestellte Schöpfungsprobe ausgetragen ist. Hier gilt der Geist! Ihr Engelsfürsten seid Träger und Garanten Meiner Eigenschaften; ihr und Sadhana verkörpert der Schöpfung gegenüber Meine äußerlich gegebene Wesenheit.
6-88 Zugleich versinnbildlicht Sadhana Meine stehende, ihr Engel Meine waltende Machtpolarität. Aus ihr soll der Antrieb kommen, wie Meine stehende Macht der Antrieb, der festhaltende Stand zu allen Werken war, aus euch Fürsten aber gleich der waltenden Macht die Tätigkeit. Damit löst sich nun das Unverstandene, warum Sadhana wie zurückgesetzt erschien. Doch das Innere gibt hier den ersten Ausschlag. Daraus folgert sich, daß Mir vollauf genügte, zunächst das Tat-Werk mit euch Grundkindern zu beginnen.
6-89 Wären alle vorbedachten Kinder am Ordnungstag hervorgegangen, so wäre Folgendes geschehen: An jenem Tage war Ich Schöpfer-Herrscher, demzufolge die Geschöpfe niemals UR-Kinder werden konnten, oder Ich hätte ungemindert Kraft, Gewalt und Stärke fließen lassen müssen, daß sie Mein UR-Ich machtmäßig ertragen hätten. Eure Fragen stehn zu Recht: ‚Bist Du nicht in allen Wesenheiten UR? Warum könnten diese Scharen keine UR-Kinder werden, während uns die UR-Kindschaft verheißen ist?‘ Geduld! Und höret: UR bin Ich jeder Zeit!
6-90 Teiloffenbarungen erfolgen aus keiner in Mir haftenden, sondern für das Kind-Werk vorübergehend gegebenen Teilung! Die zweite Frage klärt sich leicht: Sollen Kinder mit Mir in höchstmöglicher Weise vertraut verkehren, so bedarf es stets einer Ableitung Meines euch ewig unvorstellbaren Machtzentrums. Wie Ich auf diese Weise Mein Licht durch die UR-Sonne ableite, so alles andere durch euch Erste.
6-91 Demnach hätte den Geschöpfen Geist und Seele gefehlt, was erst mit den dazu bestimmten Tagen aus Meinem UR-Quell kommen sollte. Höchst weise habe Ich das vorbedacht. Da Ich zum Zwecke freier Kindschaft in den Liebetag einen Großteil Meines Vater-Prinzips herübernahm, der vollauf zeitigt, Meine vierte Wesenheit ungeschmälert an der nunmehr zu bildenden Kindwerdung beteiligt sein zu lassen, steht euren rechtlichen Fragen gegenüber Meine Antwort ebenso zu Recht.
6-92 Meine Vierwesenheit ist unter der Grundleitung des Gottestums und da vornehmlich der Liebe nunmehr aufgetan, weil einer geforderten Höchstleistung, im Rahmen des ersten Teils des Tat-UR-Jahres, eine Höchstoffenbarung Meiner selbst gegenüberstehen muß. Jetzt die Kinder erweckt, läßt sie den Weg bewußt und auch aus sich selbst vom Antrieb zur Tätigkeit, vom Kind-Sein zur Kindschaft finden!
6-93 Die öfter erwähnten ersten Kindergruppen waren hinsichtlich der Überbrückung einer Kluft von Schöpfer zu Geschöpf erst recht nicht früher zu erwecken, weil sie im Sondergrund die offensichtliche Verbindung zwischen Mir und allen Kinderscharen darzustellen haben. Ihr jedoch tragt die erste, geheime, oder auch innere Verbindung. Auf solche Weise können einst alle Kinder höchstbeseligt in Meiner Nähe leben, ohne daß ein Machthauch ihnen Schaden bringt. * Und die Freude Meiner Kinder, auch aus sich selber alles zu erlangen, will Ich am wenigsten beengen. (Nun wißt ihr, warum gerade der Liebetag die Kinder und die Schöpfungsfreiheitsprobe bringt.)
6-94 Du, Sadhana, begabst dich in Mir wohlgefälliger Demut neben Meine Fürsten, obwohl du spürtest, daß du über ihnen stehst. Aber was dich über sie erhebt, ist nichts als die Konzentrizität all dessen, was ihr im Widerhall gemeinsam tragt: die Fürsten zusammen zwei Drittel, du allein ein Drittel von dem, was jedem Werke zugekommen ist. Doch sieh: Du stehst — wie alle Kinder — unter Mir! Gedenke jederzeit der guten Vorsätze, die du jetzt unter Zeugenschaft der Fürsten vor Meinem Angesicht und Heiligen Herd dir stecktest.
6-95 Stellst du den freien Gehorsam über das freie Willensgesetz, so bleibt Mein Testament und das wohl mögliche Schöpfungsopfer urewig ein nur geschriebenes Geschehen. Die Vollgültigkeit des Dokuments bestätigt dann die freiherrliche Hingabe Meiner ersten Kinder, worin — ohne jeden Zwang — alle Kinder eingeschlossen sind. Seht, solche Macht ruht in den euch übergebenen winzigen UR-Anteilen! —
6-96 Deine Frage, ob Ich die kostbare Schwere der Liebe auf Mich nehmen will, kann eine bedingte Antwort finden. Das käme darauf an, ob eine Schuld erwächst, auch — durch wen ! Jedes Kind kann Hauptopferträger werden, das vor dem Schuldbringer zum Leben kam. Entstände eine Schuld durch einen Fürsten, bleibt im Gnadenwege dir, Sadhana, die Tat bereit. Würdest jedoch du den Sturz erleiden, so kann nur Ich der Opferträger sein, weil dann das gesamte Kind-Werk zu erfassen ist. Da stünde Ich als erster, heiligster Opferträger dem Schuldner gegenüber, wodurch das Liebezeichen jenes Opfers zugleich zum Sühnezeichen aller Schuldtitel und deren Tilgung würde!
6-97 Ich ermahne dich im Zeichen dieses Kreuzes: Bedenke, daß der freie Wille keinem Kinde zur Erhöhung dient, wenn es sich nicht auf Meine Schöpfungspfeiler stützt: die Anerkenntnis Meiner Bedingungen und der Kindgehorsam! Du meinst, es wäre leicht, mit einem Splitter Meiner Macht ein Dirigent zu sein, daß keine Schuld entstehen kann. Doch da bliebe fern die Angleichung der Kinder an Mein UR-Ich! Die freie Kräftemessung gleicht ums Unendliche mehr Meiner umfassenden Macht, als Kinder wirklich ahnen können. Entstünde aber eine Schuld, so werden Testament und Opfertat bedingt! Eure Mitunterzeichnung des Testaments bleibt unangetastet ein Teil des Erfüllungssolls, gleichgültig, ob durch den Kindgehorsam oder durch den Opfersohn!
6-98 Während der vier ersten Tage leitete Ich euch zu dem an, was ihr werden solltet, und übertrug euch selbständige Arbeit, um den Sinn der Mitverantwortung zu wecken. Ihr habt zu Meiner großen Freude Mein heiliges Gedankengut aufgenommen und waret bestrebt, es zu gestalten. Ferner habt ihr Meine Bedingungen als Grundgesetze anerkannt und darauf das zweite Fundament gestellt, wodurch der freie Kindeswille neben das UR-Fundament gleichrangig einzuordnen war.
6-99 Das zeigt sich schon im Testament. Ich schrieb und siegelte es. Stünde aber alleinig Mein Name da, so bliebe Meine Macht ewig herrschaftlich. Durch euere Mitunterzeichnung können Schöpfer und Geschöpfe nebeneinander leben, ohne daß diese abhängig oder durch die ständig zirkulierende UR-Macht aufgelöst werden! Denn seht, bei einer Schuld muß Ich das Testament auch gelten lassen, weil Ich eure Namen nicht ungültig machen will, um die Kinder Meinem Werke zu erhalten.
6-100 Des Schattens Last, Meine Sadhana, fällt auf den Schuldner und seinen Anhang, der Segen auf die Getreuen. Der letztere müßte auch dem Opfersohne gelten, richtiger: durch Ihn zur Heiligung und göttlichen Gewalt werden, die zum Austausch einer Flucheslast und zur Schuldbezahlung nötig wären, sobald ein Schuldurheber seine Schuld erkennt. Damit stünde ihm zum Vater eine Rückkehr offen.
6-101 Das heilige Testament wird seiner Heilskraft durch keine noch so große Schöpfungsschuld beraubt! Aber ungültig kann es werden, wenn mehrere Erstkinder der Abtrünnigkeit verfielen. Denn seht, würde einer aus euch Sieben Schuldner, so läge sein Eigenschaftsanteil für das Werk bei Meiner Sadhana. Deren Anteil ist in euch Fürsten hoch genug verkörpert, und das Gewicht der Waage bleibt gerecht. Käme ein Fall durch Sadhana und einen oder sogar zwei Fürsten zustande, so entfielen deren Eigenschaften für das Werk. Das wäre gleichbedeutend einer Heiligkeitsverletzung, wodurch das Tat-UR-Jahr in seiner aufgebauten Ordnungsfolge nicht erhalten werden könnte.
6-102 Diese Offenbarung ist so schwer wie das Kreuz. Ja, sie kommt auch aus dem Liebezeichen! Aber — Meine Kinder —“ UR breitet seine Arme sehr weit aus, und jedes Kind fühlt sich wie erfaßt, „Ich, Ich bin ja da! Und wäre jemand durch die größte Schuld gegangen, stünde er am Schöpfungsrand, im tiefsten Sturz, in letzter Gottesferne, seht, so helfe Ich; seht, wie allmächtig Meine Arme sind! Ich habe Meine Hilfe Meinen unwandelbaren Gesetzen unterstellt; und daß sie sich am Kind erweisen, bewachen Meine wandelbaren Gesetze! Selbstverständlich kommt es darauf an, ob und wie jemand die gebotene oder erbetene Hilfe für sich in Anspruch nimmt und segensvoll verwertet.
6-103 Nun wißt ihr, daß des Kreuzes Schwere die reiche Mitverantwortung am Werke ist. Dieses Hochziel allezeit bedacht, und Mein Testament wird niemals aufgehoben! — Doch hört, die erste Morgenstunde ist vorüber, in der zweiten folgt Mir nach.“ Die Ersten knien nieder; UR segnet sie, und als Er dann zum Ausgang schreitet, ist Er eine hocherhabene Majestät. In andachtsvoller Ehrfurcht, darin die Liebe immer höher lodert, folgen sie Ihm nach.
6-104 Hinter dem Liebetor, durch das sie gingen, schlägt UR den Weg zur ersten Sonne ein. Sadhana darf zu Seiner Rechten, Rafael-Agralea zur Linken gehen. Er enthüllt, daß, sobald die sieben Eigenschaften je einmal Tagesdominant gewesen sind, ein Großwerk (1. Schöpfungswoche) der Tat-Schaffung vollendet sei. Die Kinder zünden an URs Vollkommenheit ihre Herzensfreude immer heller an. Gestaltet sich dadurch die Liebe, wie sie aufblühen sollte, indem Rafael seine Hand in die des Vaters schiebt, Ihn bittend anschaut, Redefreiheit zu gewähren? Welch freundliches Lächeln überstrahlt das wundersame Angesicht. UR sagt:
6-105 „Rede, Rafael, gern höre Ich die Sprache eines Kindes. Das ist Meine schönste Freude.“ In einiger Entfernung erhebt sich schon der Hügel mit dem Uranielhaus. Rafael sagt: „O Vater, allheiliger UR, wie gut Du zu Deinen Kindern bist. Ja — gut! Das kommt aus Deiner Güte, deren Lebenswasser unausschöpflich ist. In dieser königlichen Güte, dem GUT, liegt wohl Deine Wesenheit GOTT begründet, mit der Du am Liebetag uns Deine Offenbarung schenkst, wie wir es ernstlich kaum begreifen können. Dein Wesen enthüllt sich wunderbar! Du hast uns diesen Liebemorgen wie einen Feierabend zubereitet. Wahrlich, ist jetzt schon seine Fülle kaum zu messen, sag‘, mein Vater, was alles bringt uns noch der Tag?!“
6-106 „Viel Segen, Mein Sohn Rafael, viel Arbeit und manche bittere Entscheidung! Alles zusammen aber ist der Abend, den du fühlbar in dir trägst. Siehe zu, und verliere nichts!“ „Verlieren?“ Rafael sieht ernst empor. „Kann die Liebe oder eine andre Eigenschaft je etwas verlieren, o Vater?“ „Die Eigenschaft nicht selbst; denn sei gewiß: Mein Ich verliert nichts, auch wenn ein Kind sich selbst verliert und damit Meine Gabe, die immer bleibt, was sie ist!“
6-107 „Das macht Deine Heilsgüte, daß zwar ein Kind eine Deiner köstlichen Gaben durch Mißachtung verlieren kann, die Gabe aber dadurch keine Veränderung erfährt. Doch ich, Träger Deiner Liebe, habe mir geschworen, sie über alles hochzuhalten und durch sie das große Dienen aufzurichten, mit dem jedes Kind sein eigenes Ich verliert. — Aber noch eines höre bitte gnädig an, allgeliebter Vater Gott.
6-108 Sieh, Du ließest frei, uns entweder als Kind oder als Beauftragte in die Schöpfung einzureihen. Du weißt ja, was am besten ist, und am Ende funkelt herrlich Deine Krone. Ich möchte, daß Uraniel mir in seinem Haus die Waage leiht, damit ich Kind und Beauftragter wiegen kann, bis es sich zeigt, was schwerer wiegt. Und das Schwere, o Vater UR, sei unsere Wahl.“
6-109 „Bitte Uraniel; und gemeinsam prüfen wir dann das Gewicht. Doch erst mögen Uraniel-Urea uns ihre Pforten öffnen.“ Auf das Wort hat der erste Fürst gewartet. Schnell eilt er voran, um das Ordnungshaus für den Tag der Liebe herrlichst zu bereiten. Nachdem daselbst Gott alle segnete, ein Weihamt hielt und dem Ordnungsträger seine schwere Tagesarbeit übergab, die dieser in des Schöpfers Auftrag zugunsten der Liebe zu erfüllen hat, tritt anschließend Rafael vor und erhält von Uraniel das Zeichen seiner Hoheit.
6-110 „Was nimmst du als Gewichtssymbol, Mein Rafael?“ fragt UR. „Sieh, du kannst nicht nur sagen: Ich will wiegen oder wägen! Wähle etwas von den Gegenständen; Uraniel als Hausherr stellt sie dir sicher gerne frei.“ „Ja und nein, o heiliger UR“, erwidert Uraniel. „Ich bin unter Deiner Mächtigkeit des Hauses Herr. Grundeigentümer bist Du ewiglich. Nie erkenne ich einen anderen Eigentümer bei mir an.
6-111 „Dein Haus wird einst zur Grundstätte vieler Scharen; sollen sie Mich auch so anerkennen, und wie könntest du das tun?“ „Laß mich nachdenken, o UR, denn es trifft fast meine Frage, die ich stellen will.“ „Ich weiß es, Mein Uraniel. Also wollen wir erst wiegen.“ Da führt Uraniel freudig Rafael zu seinem Altarherd. Der Liebeträger wählt als Symbole einen Blütenzweig für das ‚Kind‘ und eine schwere Frucht für den ‚Beauftragten‘ und gibt Uraniel das Gerät. Die andern umringen beide Fürsten. Als der Erste die Waage in die Höhe hebt, zeigen Zweig und Frucht einerlei Gewicht! Wie ist solches möglich?
6-112 „Die Liebe muß wiegen“, sagt er, „ist es ja ihr Schöpfungstag.“ Doch auch bei Rafael zeigt sich ein Gewicht, nachdem die Waagschalen ein paarmal auf und abgependelt sind. Fragend schaut der Fürst in Gottes heiliges Gesicht. Er durfte annehmen, daß eine der angegebenen Erscheinungsformen maßgebend wäre. UR schweigt. Es handelt sich absolut nicht um ein kleines Gleichnis, sondern um eine letztwillige Entscheidung. Jeder Fürst wiegt; bei jedem bleibt es gleich. Gütig tritt UR unter Seine Kinder, hebt die Waage mit Seiner Rechten hoch, und siehe da, der leichte Blütenzweig zieht tief, tief hinab. Das Kind wiegt schwerer als der Beauftragte! Ja, muß es nicht so sein? Die Fürsten atmen auf. UR aber sagt:
6-113 „Ihr, Meine Fürsten, und Ich haben gewogen; noch aber nicht Meine liebliche Sadhana.“ Rafael gibt die Waage dem ersten Kinde; und nun zieht die Frucht tief hinab. Sadhana legt Zweig und Frucht auf das von UR geöffnete Ordnungsbuch. Stilles, inneres Forschen folgt. Da blendet Rafael förmlich die Erkenntnis. Aufleuchtenden Blickes geleitet er UR zum Thron, bleibt rechts davon stehen und sagt:
6-114 „O UR! bei nur einer Eigenschaft mußte beides gelten; bei Dir, All-Heiliger, allein das Kind, weil Du ein überaus herrliches Kind-Werk schufst! Bei Sadhana jedoch, die als gerechtes Negativ das Werk verkörpert, mußte die Frucht zur Geltung kommen. Das Kind soll gute Früchte bringen, denn diese sind die frei erlangte Kindschaft. Ich erkenne daraus folgendes: Du sendest uns als Deine Beauftragten in Dein Schöpfungswerk. Sind wir so gut als möglich unserm Amt gerecht geworden, so sollen wir als freie Kinder zu Dir heimkehren und Amt und Lohn allein in Deinen Händen ruhen lassen!
6-115 Die gelösten Aufgaben eines vom Ewig-Heiligen UR-Beauftragten bringen Glück und Lohn im Licht. Allein, gerade in voller Demut als Nur-Kind zurückzukehren, was unter des Vaters Gnadenstrahlen stehen muß, will es höchste Vereinigung mit Ihm erreichen, das ist schwer! Doch wird es leicht, sobald das Kind das jubelnde Glück erfaßt:
Heim, heim zum Vater, zum Vater UR!
6-116 Liegt darin nicht zugleich die bittere und süße Last des Kreuzes? der Unterschied, der seine Aus- und Angleichung in Herrlichkeit erfährt, die Du, o Heiliger, dem hochgesegneten Mitternachtsborn entnahmst? Aber Dein von unsagbarer Güte überhauchtes hehres Angesicht will mich bedünken, als ob das Kreuz noch eine andere Bewandtnis haben muß. Und wie sollen wir zum Kreuze stehen? Als Kinder — als Beauftragte? Kann man ihm begegnen, wenn es Opfer und Schuld in sich vereint? Wie ist eine Mitopferbereitschaft als Beauftragte zu übernehmen? Oder wären wir so freiwillige Gesandte?—
6-117 O UR, wieviel abgrundtiefe Rätsel türmen sich da vor uns aus dem Strahlen Feld des Liebezeichens auf! Nähme ich auch alle erkannte Liebe und alle Grundlebensstrahlen gemäß meines Anteils vollst in Anspruch, den Grund ergründe ich doch nie, denn das ist Dein ureigener Grund, von dem Du uns jeweils soviel übergibst, als der Fortgang eines Tagewerkes fordert. Aber nun stehen Uraniel-Urea im Rechte ihres Hauses und sie sollen wirken. Ich bin gewiß, daß Du, unser ewig-guter UR, Dein Sonnenlicht uns zur rechten Zeit leuchten lassen wirst.“
6-118 „Sohn Meiner Liebe, deine Erkenntnis als ein ‚Vollfunke‘ Meiner UR-Grundtiefe hat in jedem Herzen besten Widerhall gefunden. Geht ihr frei als Beauftragte ins Werk und kehrt frei als Kinder heim, so habt ihr das gesetzte Soll vollbracht! Das Kreuz überlasset Meinen Allmachtshänden, auch wie ihr als Kinder oder als Beauftragte ihm gegenübersteht. Doch seid gewiß: Die ‚freie Gesandschaft‘, von der Rafael sprach, hat auch Mein Herz aufgenommen. Ich Wiege sie — für euch zur rechten Zeit, am rechten Ort, als rechte Offenbarung! —
6-119 Nun soll der Hausinhaber reden, denn ohne Ordnung läßt sich nichts aufbauen, fortführen noch vollenden. Das ist von Meiner urpersönhichen Vollkommenheit zu überstrahlen, ansonst es keine fruchtbringende Arbeit geben kann. Darum walte deines Amtes, erster Fürst Meines Himmels.“ Uraniel und Urea stehen Hand in Hand vor dem Altarherd, während Rafael-Agralea ihren Stuhl einnehmen. Die Ordnung spricht:
6-120 „Ewig-Heiliger UR, Schöpfer, Priester, Gott und Vater, heiliger Meister aller Ewigkeiten! Laß Dir in Gnade wohlgefällig sein, wenn ich die an mich gerichtete Frage erst vorbringe. Ein Wort steigt in mir auf: ‚Herr, ich und mein Haus wollen ewiglich DIR dienen! (Jos. 24,15) In unserer Dienstbarkeit verankert sich die Anerkenntnis aller Deiner UR-Rechte. Es ist sicherlich auch leicht und schwer, dieses Haus, in dem ich vor Deinem wunderbaren Antlitz reden darf, so zu führen, daß geschieht, was ich zur Ehre Deines Hohen Hauses will.
6-121 Dir will ich zuerst dienstbar sein; der Lichtträger hat ja für den Tag das freie Dienen eingesetzt. Dieses in gerechter Ordnung und im freien Gehorsam durchzuführen, ist der Arbeit schwere Last. Gehe ich nun als Ordnungsträger in der Dienstbarkeit zu Dir und meinem Haus voran, so ist es leicht, die Kommenden nach den heiligen Geboten zur Anerkennung Deiner gerecht gestellten Bedingungen zu erziehen.
6-122 Meine Frage, erhabener Vater, betrifft eine Tiefe, von der ich ahne, daß sie ein Teil Deiner UR-Grundtiefe ist; und wir müssen Dir es überlassen, uns mit einer Segensantwort zu erleuchten. Nun sieh: Warum ist am Liebetag eine Schöpfungsfreiheitsprobe vorgesehen? Warum deutet alles darauf hin, daß sie eher eine Probe zum Verderb als eine zur fest gegründeten Heilserfahrung wird? DU bist doch unaussprechlich ewiges Licht und Leben; nichts gibt es neben oder außer Dir, das nicht Dein hochpersönliches Eigentum gewesen ist!
6-123 Wenn aber das, wie möglich kann eine pure Freiheitsprobe UR-Jahre füllende Vorbereitungen bedingen? Oder gab es neben Dir eine zweite untergeordnete, im gewissen Sinne aber unabhängige Kraft, derzufolge sich das so abspielen muß? O UR, hilf uns, die Probe zu bestehen!“ Ernst ist URs heiliges Gesicht, und ernst ist, was Er sagt:
NEUOFFENBARUNG