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„Von Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit“

77. – 20. Oktober 1878  "Von Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit" 
 
Meine lieben Kinder! 
Ich will Mich eurer annehmen in eurer Schwachheit, so ihr eure Hilfe von Mir erfleht; denn Ich bin von großer Geduld, besonders gegen die, die ihre Zuflucht zu Mir suchen; aber sie müssen sich bestreben, daß Ich ihnen nahe sein kann; denn Mein Wesen ist auch heilig und gerecht und immer darauf bedacht, Meine Liebe so auszuteilen, daß Meinen Kindern der Antrieb, Meinem Vorbilde nachzufolgen, gefördert wird; deshalb ihnen immer wieder etwas vorkommt, welches ihnen ihre Schwäche aufdeckt, und sie erkennen läßt, wie weit sie noch zurück sind in der genauen Erfüllung Meiner Liebesgebote. 

Wie würdet ihr regieren an Meiner Statt? Strafe über Strafe würdet ihr ausüben bei jeder Übertretung, Zwangsmittel anwenden gegen den freien Willen, obgleich Ich euch dessen hohen Wert schon oft erklärt habe, und ihr wisset, daß nur eine allmähliche Entwicklung euch eurer wahren und glücklichen Bestimmung zuführt; daher immer wieder die Erfahrung an euch selbst nötig ist, wie schnell ein Fehler gemacht werden kann, wenn ihr nicht anhaltend wachet und betet, und mit Mir zu verkehren bemüht seid. 

Gleichwie aber Ich in Meiner großen Barmherzigkeit dieses Bemühen euch hoch anrechne, damit die Kluft zwischen Mir und euch in Bezug auf Meine Heiligkeit und Gerechtigkeit überstiegen werden kann, – also sollt es auch ihr mit euren Nebenmenschen halten. Die Liebe soll euch Kraft geben nach Meinem Sinne mit ihnen verkehren, wenn gleich ihr glaubet, ihrer Fehler wegen eine Kluft zwischen euch und ihnen ziehen zu dürfen. 

Wenn ihr Mich in Meiner Heiligkeit und Gerechtigkeit recht fassen könntet, so würdet ihr schüchtern vor Mir zurücktreten; aber Ich lasse Meine Liebe gegen euch Menschenkinder vorwalten! Daher lernet von eurem Vater auch in diesem Punkte. Es sind eure Verhältnisse immer so eingerichtet, daß ihr euch nicht entschuldigen könnet, es habe euch an Gelegenheit gefehlt, euch in allen Stücken auszubilden, um nach Meinem Beispiele, wie Ich auf Erden wandelte, Mir vollkommene Nachfolger zu werden.
 
Wenn ihr von euren Nächsten mehr erwartet, als euch von denselben zu Teil wird, so denket an Meine Heiligkeit und Gerechtigkeit, welche euch gleichfalls von Mir trennen würden, und auch an Meine große Liebe, welche mit vieler Geduld euch liebend umfasst, bis sie euch gefesselt und zur Gegenliebe bewogen hat, wo freilich Ich wieder mit einer gar kleinen Portion vorlieb nehmen, und immer wieder Anstalt treffen muß, sie auf`s Neue zu erbetteln. 

Gleichwie ein irdischer Vater immer wieder froh ist, wenn seine entarteten Kinder ihm nur einige Liebe entgegen bringen, also muß auch Ich mit vieler Geduld und Langmut eurem freien Willen überlassen, wie viel Liebe und Geduld ihr um Meinetwegen euren Nächsten erweiset. Amen!

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