Joh. Kap. 6 – Liebe
LIEBE
‚Niemand hat größere Liebe denn die,
daß er sein Leben läßt für seine Freunde.‘ Joh.15
Gottes LIEBE zeigt sich in der Speisung von fünftausend Menschen. Ihretwegen wird gefragt: ‚Wo kaufen wir Brot, daß diese essen können?‘ Das sagt der Heiland nicht, wie in Klammer eingefügt, um Philippus zu versuchen (V.5,6). Niemand sollte sich an Seine Wunder heften; darum tut der Herr, als müsse Er erkunden, was geschehen soll.
Vier Dinge tauchen auf: Für zweihundert Groschen Brot! ‚Zwei‘ – URs hohe Schöpfungsfundamente; ‚hundert‘ gilt der Einheit dieser beiden; ‚Groschen‘, der Tagelohngroschen, der jedem wird, wer in der ‚Arbeit Gottes‘ steht. Als viertes noch das ‚Brot‘, allbekannt als Zeichen des lebendig-wahren Wortes. Aber weiter noch:
‚Fünf Gerstenbrote‘ Gerste ist an sich ein Futter für die Tiere. Hier zeigt‘s die fünf Sinne der Materie an. Und ‚zwei Fische‘ (V.9). Das ist Gottes Liebe, die in der ersten und der letzten ‚Zwei‘ die Weltlichen umschließt. Hernach heißt der Herr die Brocken sammeln. War das nötig? Mußten all die Leute nicht die letzten Krumen auch verzehren? Nein, sie wüsten mit der Gottesgabe. Und nicht weniger als ‚zwölf Körbe‘ voll werden eingesammelt.
Man bezieht dies auf die Stämme Israels, stellen aber die zwölf Grundsteine (OJ.21,l der Lichtstadt Gottes dar. Man ist begeistert, und der Heiland soll ihr König sein. Weil dieser Wunsch dem Volke Schaden brächte, ‚entwich Er auf einen Berg, allein‘ (V.15) Der Berg ist Seine Hoheit, die Er allein besitzt, jenes UR-Licht, dessen Kern zugunsten der Geschöpfe stets verborgen bleibt.
Die Jünger suchen Ihn; und sie fahren auf das Meer — sie wählen die Lebendigkeit, die es bloß beim Meister gibt. Rund dreißig Feld Wegs sind sie schon gerudert, jene Zahl, mit der der Herr verraten ward (Matt.26,15) Für die treuen Jünger gilt das ‚Feld Wegs‘ als ihr Lichtweg auf dem Feld (Materie) der Arbeit: ihre Inkarnation.
Daß in der Materie sich mancher Lebensstrom erhebt, deutet das Begebnis an. ‚Ein großer Wind‘ (V.18) wirft das Schifflein hin und her. Wenn der Mensch sich ängstet und dazu ein Ungewohntes kommt, fühlt er sich dem Tode nah. Hier ist‘s der Herr, der auf dem Meer erscheint (V.19). Nicht abwegig, in Ihm erst ein Gespenst zu sehen (Matt.14, 26). Doch Er beruhigt sie und — auch das Meer.
‚ICH bin‘s; fürchtet euch nicht‘ (V.20). Ein wundersamer Trost! Im Sturm des Lebens dieser Welt erscheint der Herr, weniger im Wunder einer Schau, als vorwiegend in Seinem Wort: ‚Ich bin‘s; fürchtet euch nicht!‘ Ja, wenn man ruft, wenn uns Gott auf unserm Lebensweg begegnet, dann ist ‚alsbald unser Schiff an Land‘ (V.21). Dann hat man aus der Liebe Gottes und aus dem von IHM gesegneten Glauben jenen Weg gefunden, der ans Land, zur Rettung führt.
Etwas Schönes hat die Speisung auch gebracht: das Volk sucht den Herrn. Da sie Ihn an ‚ihrem Strand‘ nicht finden, in der Kleinheit ihrer Seele, im Vergessen aller Gaben, kommt die Besinnung über sie und sie rudern übers Meer. Ein Liebe-Zeugnis sondersgleichen — von Gott zum Menschen, von diesem auf dem Rückkehrweg zu Ihm!
Sie hatten acht, auf welche Weise Jesu nach Kapernaum gekommen sei (V.25); denn die Jünger waren ohne Ihn gefahren. Kein anderes Schiff war abgegangen. Um den See herumzuwandern, hätte es zu langer Zeit bedurft. ‚Rabbi, wann bist Du hergekommen?‘ Überwältigt noch vom Speisewunder, mehr jetzt von dem angeblichen ‚Gang ums Meer‘, scharen sie sich dichter um den Herrn.
Er spricht, daß sie wohl vom ‚Wort als Brot‘ (V.26) sich treiben ließen, Ihn zu suchen. Doch es ist ein armer Haufe, Leute, die das Irdische bedenken. Deshalb erwidern etliche: ‚Unsere Väter haben Manna gegessen; Mose gab ihnen Brot vom Himmel zu essen‘ (V.31). Der Heiland klärt sie auf, daß nicht Mose dieses tat, sondern ‚Mein Vater gibt euch das rechte Brot vom Himmel‘ (V.32,33). Ja — Gottes Brot, Seine Liebe, die der an sich toten Welt das Leben gibt.
Diese Gottes-Liebe ruft den Wunsch hervor: ‚Herr, gib uns allewege solches Brot‘ (V.34). Denkt dabei auch mancher an die Stillung ihres Hungers, so ist‘s verzeihlich, und der Heiland rügt es nicht. Seine Liebe deckt den Mangel zu, indem Er von Sich Selber spricht: ‚ICH bin das Brot des Lebens. Wer zu Mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an Mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten!‘ (V.35).
Kann der Herr verlangen, daß man dieses Wort versteht? Er verlangt es nicht; Er weiß, wie die seelisch Armen und die weltlich Reichen anzusprechen sind. Manche wollen gern des Wortes Rätsel wissen, in der echten Liebe zu dem Herrn, manche prüfend oder zweifelnd, manch einer auch aus Bosheit fragend. Die da lieben oder prüfen, lernen leicht verstehen; also gilt die Antwort mehr den Zweiflern und den Bösen — um auch diese zu erretten.
In langer Rede zeigt Er auf, daß ER vom Himmel kam, um des Vaters Willen, Seine Liebe zu erfüllen und ‚daß Ich nichts verliere von allem, was Er Mir gegeben hat, sondern daß Ich‘s auferwecke am Jüngsten Tag‘ (V.39). Sein Schöpfer-Wille hat aus der Geduld die Liebe hergesandt, als Sohn, um alle zu versöhnen.
Die Murrer ärgern sich, daß ‚bloß des Zimmermanns Sohn‘ sich das Brot des Lebens nennt (V.41,42). Auch das Folgende spielt sich auf dieser Basis ab: Da Gottes Liebe — dort die Höhnenden und Zweifler (V.43-59). O, die Lehre war nicht leicht, sogar ein Teil der Jünger ist erbost (V.60). Trotzdem schwingt die Liebe aus Barmherzigkeit ihr Zepter, rückwirkend auch aus der Geduld.
‚Das ärgert euch?‘ (V.61) Warum versaget ihr, wo Ich niemals von der Welt, sondern aus dem GEIST geredet habe? ‚Der Geist ist‘s, der lebendig macht; das Fleisch (Materie) ist nichts nütze. Die Worte, die Ich rede, die sind Geist und sind Leben‘ (V.63). Doch auch diese Lehre mundet vielen nicht. Was tut man mit dem Geist, wenn man die Welt nicht lieben darf? Und ‚viele‘ gingen fort. (V.66)
Da fragt der Herr die Zwölf, ob auch sie von dannen gehen wollen. Allein — sie lohnen Seine Liebe. ‚Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, daß Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes‘ (V.67-69) Ein Zeugnis, das die Welt dem Herrn sehr selten gönnt.
Symbol: Selbst von Zwölfen gibt es einen, der die Silberlinge für sich wählt, anstatt das Lebensbrot. Jesu nennt ihn ‚einen Teufel‘. (V.70) Ist das Liebe? Ja, es ist der Liebe Ruf: ‚Kehre um, kannst ein Kind des Höchsten werden, wenn du willst, wenn du von Gottes LIEBE dich durchdringen läßt.‘ Verstehen wir in unsrer Zeit den ‚Ruf der Liebe‘? Jeder mag sich selbst die Antwort geben.
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