← Zurück zu „Die sieben Eigenschaften Gottes“

Joh. Kap. 5 – Geduld

Joh. Kap. 5 – Geduld

GEDULD

‚Dieweil du hast bewahrt das Wort Meiner Geduld,

will Ich auch dich bewahren vor der Stunde der Versuchung.‘

OJ.3,10

Die dritte Gott-Herzkammer, in der URs heiliges Lebensblut wieder aufgenommen wird, das — gestärkt, gesegnet durch den Schöpfer — und den Priesterherzteil — ins Werk hinausgeflossen war, es bringt das Kindvolk wieder heim, in URs Herz und Reich.

Kann ein Mensch die Gott-Geduld erfassen? Und wenn ja, dann müßte sie der Liebe beigegeben werden. Beide sind der ‚Herzschlag jener dritten Kammer‘, aus welcher GOTT auf unsere Erde kam. Die GEDULD wacht über alle Kinder. Es wird mancher hart in der Geduld erprobt (s.Hiob); wer hält dieser Prüfung immer stand —?

Der Herr geht nach Bethesda. Da liegt einer achtunddreißig Jahre lang am Wasser, wartend, ob nicht er einmal der Erste ist, dem der gesegnete Teich zugute käme. Sicher hat er oft gemurrt, nie rasch genug zum Wasser kommend und daß die anderen und die Gesunden sich um ihn nie kümmerten. Hartherzig, gleichgültig — ‚Was geht uns denn der Kranke an‘, — so schreiten sie an ihm vorbei.

Auf einmal beugt sich Einer zu ihm nieder. Der Kranke ist verwundert, daß es noch ein Mitleid gibt. Die tiefen Augen, auf ihn gerichtet, o — sie mögen schon ein Trost gewesen sein. JESU fragt: ‚Willst du gesund werden?‘ (V.6).

War es nicht überflüssig, so zu fragen? Der Kranke konnte darin auch Verhöhnung sehen. Aber nein — trotz aller Mitleidslosigkeit der Menschen ist er nicht verhärtet; vorwiegend veranlaßt ihn das hehre Angesicht, die Freundlichkeit der Frage, ausführlicher zu antworten (V.7). Die Klage: ‚Herr, ich habe keinen Menschen, der mir hilft‘, ist berechtigt. Zu denken gibt, daß er nicht ‚niemand‘ sagt, sondern ‚Menschen‘. Das ist Beweis, daß er in aller Not und Trübsal seinen Glauben — sicher schwach — nicht verloren hat.

Deshalb wählt der Heiland diesen Mann als Zeichen, um der Umwelt die Geduld zu lehren, zugleich vom Lohn zu zeugen, der der Geduld gegeben wird. Da stehen sie, die Jünger und paar Gläubige, und auch andere, die diskutieren: ‚Dem hilft nicht einmal der Teich, dazu ist er schon zu lange krank!‘ Die Gläubigen zu stärken, den Widersachern ihre Maske wegzunehmen, ihre Mitleidslosigkeiten anzuprangern, aus diesen Gründen folgt ‚Das Wunder der Geduld‘.

‚Stehe auf, nimm dein Bett und gehe hin! ( V.8 )!‘ Ein Schöpferwille! Lahmend legt er sich auf alle Hörer, nicht aber auf den Kranken. Er, als Symbol für die Geduld, sieht das Licht der hehren Augen, fühlt sich von eines Engels Hand berührt. Und er steht auf. Gesund! Wie bei der Frau aus Sichar, ist der nun Geheilte tief erschüttert; hier von der Heilung an sich selbst.

Es ist Sabbat, ein Tag der Ruhe. Um dem Nazarener einen Strick zu drehen, dazu taugt der Tag, und der Geheilte wird verwarnt: ‚Du darfst dein Bett nicht tragen‘ (V.10). Seicht ist diese Warnung, der Geheilte nimmt sie auch nicht ernst, obgleich man ihn nach seinem Wundertäter fragt. Er nennt Ihn aber nicht. Im Herzen steht jedoch das Bild vor ihm: ‚GOTT hat mich geheilt!‘

Weil er das glaubt, darf er noch einmal dem Herrn begegnen, wo es sich zeigt, daß der Kranke — zwar geduldig — vor der Krankheit nicht sehr reinlich lebte. Er wundert sich, daß dieser ‚junge Mann‘, kaum dreißig Jahre alt, dies weiß. Denn der Heiland sagt: ‚Siehe zu, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Ärgeres widerfahre‘ (V.14).

Darauf folgt die Lehre — meistens unverstanden — vom Verhältnis zwischen Gott als Vater und dem Sohn; eine harte Nuß für die verbrämten Pharisäer. Die Geduld wird herrlich offenbart, erst recht bei dem Gesagten vom Gericht (V.22-29). Bloß der Hörer wegen macht der Herr den Unterschied zwischen Sich als Mensch und ‚der ganzen Gottheitsfülle, die in IHM leibhaftig wohnt‘. Anders hätte man Ihn nicht verstanden; und selbst dabei wird mit Absicht randaliert, das Verständnis unterdrückt.

GOTT rechnet mit den Eitlen ab, die von sich selber zeugen. ‚So Ich von MIR selber zeuge, so ist Mein Zeugnis nicht wahr‘ (V.31). Wie ist das gemeint? Wörtlich? O nein! Sondern: ‚Wenn Ich von Mir Selber zeugen würde, dann würdet ihr gleich schreien: ‚Ein eigenes Zeugnis ist nicht wahr!‘ — Doch ihr zeugt von euch selber, zumal von euren ‚guten Taten‘, die vor Gott nichts gelten werden!‘

Er stellt Sein Zeugnis und das des Täufers gegenüber. Viel Geduld bringt der Heiland auf, mit diesen eitlen Leuten, die obendrein das arme Volk verachten, jetzt schon abzurechnen, um ihr versteinertes Gewissen anzurühren. Sie fragen und sie hetzen, wer denn jemals von dem Nazarener zeugte? ‚Deine Wunder? Die tust Du bloß aus Satans Macht; Beelzebub steht hinter Dir!‘ (Matt.12,24)

‚Ich habe ein größeres Zeugnis‘ (V.36). Gott hat bei Sich Selbst geschworen, weil kein Größerer über Ihm ist (Hebr.6,13); so gilt kein anderes Zeugnis als Sein eigenes! Nicht zuerst das Zeugnis Seiner Wunder, wohl aber das des WORTES! Und was erwidern diese Heuchler? ‚Das kann jeder von sich sagen!‘ Ihr Hohn spritzt nicht auf Gott, er fällt wie Mehltau auf die Höhnenden zurück — zu ihrem Heil noch eingehüllt in die Geduld.

Der Heiland läßt die Lärmenden nicht stehen; geduldig zeigt er ihnen ihren falschen Weg. Ihr wollt Priester sein? fragen Seine Augen. ‚Ich sage euch: Ihr habt nie weder Gottes Stimme gehört noch Seine Gestalt gesehen, und Sein Wort habt ihr nicht in euch wohnend; denn ihr glaubet DEM nicht, den Er gesandt hat‘ (V.37,38)! Wenn ihr das erkennen wolltet, dann — —

‚Suchet in der Schrift; denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist‘s, die von MIR zeuget‘ (V.39)! Als Schriftgelehrte mußten sie erkennen, daß der Nazarener der MESSIAS ist, den ihre Schriften meldeten. Doch da verlören sie ihr gutes Leben und die fetten Pfründe, und daß die armen Menschen sich vor ihnen neigen. Das ist zuviel verlangt. Deshalb fügt der Herr noch an:

‚Ihr wollt nicht zu Mir kommen, daß ihr das Leben haben möchtet‘ (V.40). Er greift auf seinen Ernst zurück: ‚Ihr sollt nicht meinen, daß Ich euch vor dem Vater (vor der Gerechtigkeit) verklagen werde; es ist einer, der euch verklagt, der Mose, auf welchen ihr hoffet‘ (V.45). Mose? Gewiß, vor dem Volk wird er erwähnt als Einziger, der mit Gott gesprochen hätte. Aber für sie selber ist ihr Mose längst gestorben, was der Heiland hier enthüllt:

‚So ihr aber seinen Schriften nicht glaubet, wie werdet ihr Meinen Worten glauben‘ (V.47)? Diese Frage war ein Feuerbrand, und doch geboren aus unendlicher Geduld. Gott verdammt die Bösen nicht, Er belehrt sie nur, leitet sie auf einen Weg, wo sie Ihn doch einmal finden können. Heilige Geduld, wunderherrlich ist dein Wesen!!

← Zurück zu „Die sieben Eigenschaften Gottes“