Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
“Und nannte seinen Namen Ruben” bedeutet seine Beschaffenheit, die beschrieben wird. Dies erhellt aus der Bedeutung des Namens, und “den Namen nennen”, sofern es ist die Beschaffenheit. Die Beschaffenheit selbst wird beschrieben durch die Worte: “denn Jehovah hat gesehen meine Trübsal, und nun wird mich lieben mein Mann”; und das bezeichnet Ruben. <HG 3861, 340>
“Denn sie sprach: gesehen hat Jehovah” bedeutet im höchsten Sinn das Vorhergesehene, im inneren Sinn den Glauben, im inwendigeren den Verstand, im äußeren das Gesicht, hier den Glauben vom Herrn. Dies erhellt aus der Bedeutung von sehen, worüber im Folgenden. Aus demjenigen, was vorausgeschickt wurde, kann erhellen, daß die zwölf Stämme, die nach den zwölf Söhnen Jakobs genannt waren, bezeichnet haben alles dem Wahren und Guten, oder dem Glauben und der Liebe, somit alles der Kirche Angehörige, und daß ein jeder Stamm ein wesentliches Stück, somit die zwölf Stämme zwölf Hauptstücke, die in sich begreifen und unter sich beschließen alles und jedes, was der Kirche angehört, und in umfassendem Sinn alles, was dem Reich des Herrn angehört. Das Hauptstück, das Ruben bedeutet, ist der Glaube. Daß dieser, nämlich der Glaube, das erste Hauptstück ist, hat den Grund, weil der Mensch, wenn er wiedergeboren oder eine Kirche wird, zuerst lernen und sich aneignen muß das, was dem Glauben, d.h. dem geistig Wahren angehört; denn durch die Lehre des Glaubens oder des Wahren wird er eingeführt; denn der Mensch ist so geartet, daß er aus sich nicht weiß, was das himmlisch Gute sei, sondern er muß dies lernen aus der Lehre, welche die Lehre des Glaubens genannt wird. Die ganze Glaubenslehre bezieht sich auf das Leben als Zweck, und weil auf das Leben, also auch auf das Gute; denn das Gute ist das Leben. Bei den Alten hat man darüber gestritten, was das Erstgeborene der Kirche sei, ob das Wahre, welches ist Sache des Glaubens, oder ob das Gute, welches ist Sache der Liebe. Die, welche sagten, das Wahre, das ist Sache des Glaubens, sei das Erstgeborene, schlossen aus dem äußeren Schein, und stellten dasselbe als das Erstgeborene auf, weil es zuerst gelernt wird und gelernt werden muß, und weil der Mensch durch dasselbe eingeführt wird in das Gute. Aber sie wußten nicht, daß das Gute wesentlich das Erstgeborene ist, und daß dieses vom Herrn durch den inneren Menschen eingeflößt wird, damit er an Kindes Statt an- und aufnehme das Wahre, das durch den äußeren Menschen eingeführt wird; daß ferner im Guten das Leben sei vom Herrn und daß das Wahre kein Leben habe, außer durch das Gute, so daß das Gute die Seele des Wahren ist, und sich das Wahre aneignet und anzieht, wie die Seele den Leib. Hieraus kann erhellen, daß dem äußeren Schein nach das Wahre an erster Stelle ist, und gleichsam das Erstgeborene, wenn der Mensch wiedergeboren wird, obwohl
das Gute wesentlich an erster Stelle ist und das Erstgeborene, und es auch wird, wenn der Mensch wiedergeboren ist. Weil in diesem Kapitel und in dem, was vorhergeht, von der Wiedergeburt des Natürlichen gehandelt wird, und hier vom ersten Zustand desselben, welcher der der Einführung durch das Wahre zum Guten ist, gehandelt wird, darum wurde der erste Sohn Jakobs, Ruben genannt, vom “Sehen Jehovahs”, welches im inneren Sinn bedeutet den Glauben vom Herrn. Der Glaube an sich betrachtet ist ein Verstandesglaube und ein Willens-glaube. Das Wahre, das Sache des Glaubens ist, wissen und verstehen, heißt Verstandesglaube, hingegen das Wahre, das Sache des Glaubens ist, wollen, heißt Willensglaube. Jener, nämlich der Verstandesglaube, ist es, welcher durch Ruben bezeichnet wird, dieser aber, nämlich der Willens-glaube, ist es, der durch Schimeon bezeichnet wird. Daß der Verstandesglaube oder das Verstehen des Wahren dem Willensglauben oder dem Wollen des Wahren vorausgeht, kann jedem einleuchten; denn was dem Menschen unbekannt ist, wie es das himmlisch Gute ist, das muß er vorher wissen, daß es sei, und verstehen, was es sei, ehe er dasselbe wollen kann. Daß sehen im äußeren Sinn das Gesicht bezeichnet, erhellt ohne Erklärung; daß sehen im inwendigeren Sinn den Verstand bedeutet, kann auch erhellen; denn das Gesicht des inwendigen Menschen ist nichts anderes als der Verstand. Daher wird auch der Verstand in der gemeinen Redeweise das innere Gesicht genannt, und demselben wird auch Licht zugeschrieben, wie dem äußeren Gesicht, und Licht des Verstandes genannt. Daß sehen im inneren Sinn ist der Glaube vom Herrn, erhellt daraus, daß der inwendigere Verstand keine anderen Gegenstände hat als diejenigen, die dem Wahren und Guten angehören; denn diese sind Sache des Glaubens. Jener inwendigere Verstand oder jenes inwendigere Gesicht, das zu Gegenständen die Wahrheiten hat, die Sachen des Glaubens sind, offenbart sich nicht so wie der Verstand, der zu Gegenständen die Wahrheiten hat, die dem bürgerlichen und sittlichen Leben angehören, aus dem Grund, weil er innerhalb desselben ist, und im Licht des Himmels, welches Licht im Dunkeln ist, solange der Mensch im Weltlicht ist. Aber dennoch äußert er sich bei denjenigen, die wiedergeboren sind, hauptsächlich durch das Gewissen. Daß sehen im höchsten Sinn das Vorhersehen bezeichnet, kann einleuchten; denn die Einsicht, die vom Herrn gesagt wird, ist unendliche Einsicht, die nichts anderes ist, als das Vorhersehen. <HG 3863, 7231>
“Der Erstgeborene, Ruben” bedeutet das Gute des Glaubens. Dies erhellt aus der Bedeutung des Erstgeborenen, insofern er den Glauben bezeichnet; und aus der vorbildlichen Bedeutung Jakobs, insofern er das Gute des natürlich Wahren bezeichnet; ferner aus der vorbildlichen Bedeutung Rubens; insofern er die Beschaffenheit des Glaubens bezeichnet; denn Ruben bedeutet im eigentlichen Sinn das Wahre des Glaubens; aber sobald das Wahre des Glaubens zum Guten geworden ist, bezeichnet er das Gute des Glaubens.
Der Glaube ist auch an sich betrachtet Liebtätigkeit, somit ist das Wahre des Glaubens an sich betrachtet das Gute des Glaubens schon deshalb, weil der Glaube nicht möglich ist, wenn er nicht aus der Liebtätigkeit kommt, oder weil das Wahre nicht möglich ist, wenn es nicht vom Guten kommt; deswegen nimmt das Gute, wenn der Mensch wiedergeboren ist, die erste Stelle ein, oder ist der Erstgeborene; daher kommt es, daß durch den Erstgeborenen Jakobs, Ruben, hier das Gute des Glaubens bezeichnet wird. <HG 4605>
“Vom Stamme Ruben zwölftausend Versiegelte” bedeutet, das Licht des Wahren aus dieser Liebe, und daß alle, die in ihr sind, im Himmel sind und in den Himmel kommen. Dies erhellt aus der Bedeutung des Stammes Ruben, sofern er die bezeichnet, die im Licht des Wahren sind. Ruben und daher der nach ihm benannte Stamm bedeutet im höchsten Sinn den Herrn in betreff des Vorhersehens oder des Vorherwissens, im inneren Sinn den geistigen Glauben und das Verständnis des Wahren, und im äußeren das Sehen; und weil Ruben im inneren Sinn den Glauben und das Verständnis bedeutet, so bedeutet er auch das Licht des Wahren, denn der Glaube entsteht aus dem Licht des Wahren und der Verstand wird durch dieses erleuchtet, denn wo das Licht des Wahren ist, da ist Verständnis und ist Glaube. Durch Ruben oder seinen Stamm wird das gleiche bezeichnet, was durch den Apostel Petrus; denn die zwölf Apostel bildeten ebenso wie die zwölf Stämme Israels alles zur Kirche Gehörige vor, und ein jeder etwas Allgemeines, Wesentliches derselben; und weil Petrus das gleiche vorbildete was Ruben, darum war er der erste der Apostel, wie Ruben der erste der Söhne Jakobs war. Daß Ruben der erste der Söhne Jakobs war, und daß daher der Stamm, der von ihm den Namen hat, in den meisten Stellen im Wort an erster Stelle genannt wird, hatte den Grund, weil er der Erstgeborene war, und durch die Erstgeburt im Wort das Wahre aus dem Guten, oder was das gleiche, das Wahre im Licht und daher der Glaube aus der Liebtätigkeit bezeichnet wird; denn das Wahre und was Glaubenssache ist, erscheint dem Menschen zuerst, denn es geht durch das Gehör in das Gedächtnis ein und von diesem aus wird es in das Denken hervorgerufen, und was der Mensch denkt, das sieht er, und nimmt er wahr mit dem inwendigeren Gesicht. Was aber zuerst gesehen und wahrgenommen wird, das ist das Erste, aber nur scheinbar, nicht wirklich. Das Gute ist in Wirklichkeit das Erstgeborene oder Erste der Kirche, weil das Wahre aus dem Guten sein Dasein hat, denn das Gute bildet sich in den Wahrheiten und stellt sich durch das Wahre sichtbar dar. Das Wahre ist daher das Gute in der Form. Dies ist der Grund, warum gesagt wird: das Wahre aus dem Guten oder der Glaube aus der Liebtätigkeit; (denn was von etwas herkommt, das ist dieses im Bild), und an sich betrachtet ist es das gebildete und geborene Gute; das also ist das Erstgeborene im geistigen Sinn des Wortes. Außerdem ist es bei den Kindern das Gute der Unschuld, das zuerst vom Herrn eingegossen wird, vermöge dessen der Mensch zuerst ein Mensch wird; und weil das Gute Sache der Liebe ist, und der Mensch über seine Liebe nicht reflektiert, sondern über das Denken aus dem Gedächtnis, und weil das
Gute nicht eher eine Beschaffenheit hat, als bis es in Wahrheiten ausgebildet worden ist, und nichts ohne seine Beschaffenheit wahrgenommen wird, so ist das der Grund, warum man nicht weiß, daß das Gute das Erste und Erstgeborene ist; denn das Gute wird vom Herrn zuerst beim Menschen empfangen und durch Wahres erzeugt, worin das Gute in seiner Form und in seinem Abbild ist. Außerdem möge man wissen, daß die Wahrheiten, die vom Menschen in seiner Kindheit und ersten Jugend aus dem Wort, der Lehre daraus und der Predigt, aufgefaßt werden, zwar als Wahrheiten erscheinen, aber keine Wahrheiten bei ihm sind, sondern sie sind wie Schalen ohne Kern, oder wie die Form eines Körpers oder Angesichts ohne Seele und Leben. Sie sind nicht eher Wahrheiten, als wenn sie mit dem Willen aufgenommen werden; denn so erst werden sie vom Menschen aufgenommen und fangen bei ihm an zu leben; denn der Wille ist der eigentliche Mensch, und alles Gute ist Sache des Willens, und alles Wahre ist Sache des Verstandes daher. Aus diesem kann erhellen, warum der Stamm Jehudah, durch den das Gute der Liebe zum Herrn bezeichnet wird, an erster Stelle genannt wird, und nachher erst der Stamm Ruben, durch den das Wahre im Licht aus diesem Guten bezeichnet wird. Man wisse, daß alles Licht, in dem das Wahre erscheint, vom Licht des Himmels kommt, das vom Herrn ist, das Himmelslicht aber ist aus dem göttlich Guten Seiner göttlichen Liebe. Das Himmelslicht ist das göttlich Gute in der Form. Diese zwei sind im Himmel eins, und werden als eins von den Engeln aufgenommen, und müssen auch als eins vom Menschen aufgenommen werden, auf daß der Mensch Gemeinschaft haben kann mit den Engeln. Daß Ruben das Wahre aus dem Guten, oder den Glauben aus der Liebtätigkeit bedeutet, kann auch aus dem entgegengesetzten Sinn erhellen, in dem er auch vorkommt. In diesem Sinn bedeutet Ruben das Wahre, das getrennt ist vom Guten, oder den Glauben, der getrennt ist von der Liebtätigkeit. Das Wahre ohne das Gute ist aber nicht anders wahr, als nur dem Wort und dem Laut nach, denn es ist ein Wissen, das im Gedächtnis des natürlichen Menschen seinen Sitz hat, somit bloß im Eingang zum Menschen, nicht aber innen bei ihm in seinem Leben. Das Gedächtnis des natürlichen Menschen ist nur der Eingang zu ihm, und das Wahre wird nicht wahr bei ihm, ehe er es will und es tut; dann erst geht es ein, und empfängt Leben; vorher fließt auch kein Licht aus dem Himmel ein, das erleuchtet. Ebenso verhält es sich mit dem von der Liebtätigkeit getrennten Glauben, denn das Wahre ist Sache des Glaubens und das Gute ist Sache der Liebtätigkeit. Daß Ruben im entgegengesetzten Sinn den von der Liebtätigkeit getrennten Glauben bedeutet, kann erhellen aus seinem Ehebruch mit Bilha, dem Kebsweibe seines Vaters. <EKO 434>
Ruben, der Erstgeborene Jakobs, bezeichnete das Licht des Wahren und daher auch das Verständnis des Wortes, und somit das Wahre aus dem Guten oder den Glauben aus der Liebtätigkeit, ebenso wie der Apostel Petrus. Daß er aber auch umgekehrt das vom Guten getrennte Wahre und den von der Liebtätigkeit
getrennten Glauben vorbildete, und daß dieser Glaube durch seinen Ehebruch mit Bilha, dem Weibe seines Vaters bezeichnet wird, und deshalb ihm die Erstgeburt genommen und dem Joseph gegeben wurde, sehe man EKO 434. Es ist nur noch beizufügen, daß alle Ketzereien (oder Irrlehren) insofern sie Schändungen und Verfälschungen des Wortes sind, den Ehebrüchen und Hurereien verschiedener Art entsprechen, und weil sie mit diesen in Entsprechung stehen, so werden sie auch in der geistigen Welt bei denen, die in den Ketzereien leben, in Wirklichkeit wahrgenommen. Der Grund hiervon ist, weil solche Ehen, wie sie im Himmel bestehen, ihren geistigen Ursprung aus der Verbindung des Guten und Wahren entnehmen, und umgekehrt die Ehebrüche ihren geistigen Ursprung aus der Verbindung des Bösen und Falschen entnehmen, weshalb auch im Wort der Himmel mit der Ehe und die Hölle mit dem Ehebruch verglichen wird. Weil ferner in den Höllen eine Verbindung des Bösen mit dem Falschen besteht, deshalb strömt fortwährend eine Sphäre des Ehebruchs aus ihr hervor, woher es kommt, daß im Wort die Schändungen des Guten der Kirche und die Verfälschungen ihres Wahren durch Ehebrüche und Hurereien bezeichnet werden. Was nun den von der Liebtätigkeit getrennten Glauben anbelangt, so wird er in der geistigen Welt wie ein Ehebruch des Sohnes mit der Mutter, oder auch mit der Stiefmutter wahrgenommen; und zwar deshalb, weil jener Glaube das Gute der Liebtätigkeit ausschließt und dann anstatt des Guten der Liebtätigkeit das Böse der Selbstliebe und Weltliebe eindringt, und mit dieser Liebe verbindet sich jener Glaube. Jeder Glaube verbindet sich notwendig mit einer Liebe; wenn daher die geistige Liebe, oder die Liebtätigkeit getrennt wird, dann verbindet sich der Glaube mit der Selbstliebe oder auch mit der Liebe zur Welt, denn diese Liebesarten (oder Triebe) herrschen im natürlichen Menschen. Daher kommt es, daß aus dem von der tätigen Liebe getrennten Glauben ein so greulicher Ehebruch hervorgeht. Hieraus wird klar, was der Ehebruch Rubens mit Bilha, dem Weibe seines Vaters, bedeutet, und warum er deshalb des Rechtes der Erstgeburt verlustig wurde. <EKO 817>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 422 →
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