Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Im Worte wird einige Male, wo von der Verwüstung der Bösen die Rede ist, die Heuschrecke und Grille1 genannt, und unter Heuschrecke wird daselbst im inneren Sinn das Falsche verstanden, welches das Äußerste verstört. Es gibt nämlich, wie früher gezeigt wurde, bei den Menschen ein inneres und ein äußeres Natürliches, das Falsche, das im Äußersten des Natürlichen ist, wird unter Heuschrecke verstanden, und das Böse in demselben unter Grille. Wenn aber nur die Heuschrecke genannt wird, so wird das Falsche und Böse zugleich bezeichnet, denn die Heuschrecke ist das Falsche aus dem Bösen Durch Heuschrecken im guten Sinn wird das letzte und allgemeinste Wahre bezeichnet, wie auch das Anziehende desselben. Daher dienten dem Johannes Heuschrecken und wilder Honig zur Nahrung. <HG 7643, 9331>
Das Falsche, das der Hagel bezeichnet, ist das Falsche im äußeren Natürlichen, hingegen das Falsche, das die Heuschrecke bezeichnet, ist das Falsche im Äußersten desselben; dieses Falsche ist es, welches das allgemeinste Wahre und Gute verzehrt, denn das mehr Äußere ist auch das Allgemeinere, und das Äußerste ist das Allgemeinste; wenn das Allgemeine zerstört ist, wird das Besondere zerstreut, denn das Allgemeine ist das, was enthält, und das Besondere das, was enthalten wird. <HG 7646>
Die Heuschrecke bezeichnet das ernährende Wahre im Äußersten, d.h. die letzten oder allgemeinsten Wahrheiten. <HG 9372>
“Und vom Rauch gingen Heuschrecken aus auf die Erde” bedeutet, durch das höllisch Falsche seien sie sinnlich körperlich geworden in der Kirche. Dies erhellt aus der Bedeutung des Rauchs, sofern er das höllisch Falsche bezeichnet, wovon EKO 539. Daß es das höllisch Falsche ist, das hier durch den Rauch bezeichnet wird, beruht darauf, daß gleich oben gesagt wird, daß dieser Rauch vom Brunnen des Abgrunds emporgestiegen sei, und durch den Brunnen des Abgrunds die Hölle bezeichnet wird, wo und woher das Falsche des Bösen ist, das die Wahrheiten des Wortes verfälscht. Aus der Bedeutung der Heuschrekken, sofern sie das letzte Sinnliche des Menschen bezeichnen, das im Falschen des Bösen ist, worüber folgt; und aus der Bedeutung von ausgehen auf die Erde, sofern es heißt, in die Kirche, denn die Erde bedeutet die Kirche. Auch ist das, was in der Offenbarung enthalten ist, von der Kirche und ihrem Zustand vorausgesagt. Daß die Heuschrecke das letzte Sinnliche des Menschen bedeutet, das im Falschen des Bösen ist, kann aus dem ganzen und einzelnen erhellen, was in Offenb. Kapitel 9 bis zum 12. Vers gesagt wird, aus dessen Erklärung erhellen kann, daß nichts anderes unter den Heuschrecken verstanden wird; aber hier soll zuerst gesagt werden, was unter dem letzten Sinnlichen des Menschen verstanden wird: Es wird nicht verstanden das Sinnliche des Gesichts, des Gehörs, des Geruchs, des Geschmacks und des Tastsinns, denn dieses ist dem Körper eigen, sondern das Letzte des Denkens und der Neigung, das zuerst bei den Kindern eröffnet wird und so beschaffen ist, daß sie nichts anderes denken und von keinen anderen Gegenständen angeregt werden, als die mit den genannten Sinnen eins ausmachen; denn die Kinder lernen durch die Sinne denken und angeregt zu werden von Gegenständen gemäß demjenigen, was den Sinnen wohlgefiel. Daher ist das erste Inwendige, das bei ihnen geöffnet wird, das Sinnliche, welches das letzte Sinnliche des Menschen und auch das Sinnlich-Körperliche genannt wird. Später aber, wenn das Kind heranwächst und ein Knabe wird, wird das inwendigere Sinnliche geöffnet, aus dem er natürlich denkt und auch natürlich angeregt wird. Endlich, wenn er ein Jüngling und junger Mann geworden, wird sein noch inwendigeres Sinnliche geöffnet, aus dem er vernünftig, und wenn im Guten der Liebtätigkeit und des Glaubens ist, geistig denkt und auch vernünftig, und geistig angeregt wird. Dieses Denken und diese Neigung ist es, was der vernünftige und geistige Mensch genannt wird, das frühere aber der natürliche Mensch und das erste der sinnliche Mensch. Bei einem jeden Menschen wird das Inwendigere, das seinem Denken und seiner Neigung angehört, nach und nach geöffnet, und zwar durch einen fortwährenden Einfluß aus dem Himmel vom Herrn: durch diesen wird zuerst das Sinnliche geöffnet, das zunächst sich an den Körper schließt, wodurch der Mensch sinnlich wird, hernach das Natürliche, wodurch er natürlich wird, und nachher das Vernünftige, und mit diesem das Geistige, wodurch er ein vernünftiger und geistiger
Menschen wird; aber geistig in dem Maß, als der Mensch an Gott und an göttliche Dinge denkt, die von Gott kommen, und wird gebildet und vervollkommnet in dem Maß, als er davon angeregt wird, d.h. in dem Maß, als er ihnen gemäß will und lebt. Wenn aber dieses nicht der Fall ist, alsdann wird der geistige Mensch nur in allgemeiner Weise geöffnet, aber nicht gebildet, geschweige denn vervollkommnet. Dadurch, daß der geistige Mensch in allgemeiner Beziehung geöffnet wird, bekommt der Mensch die Fähigkeit zu denken und aus dem Denken vernünftig zu reden, denn dieses ist die allgemeine Wirkung des Einflusses des Himmels bei einem jeden Menschen. Hieraus kann erhellen, daß es geistige, sodann natürliche und auch sinnliche Gedanken und Neigungen des Menschen gibt, und daß es geistige Gedanken und Neigungen bei denen gibt, die aus Gott über Gott und über göttliche Dinge denken. Daß es aber bloß natürliche Gedanken und Neigungen bei denen gibt, die nicht aus Gott über Gott und über göttliche Dinge denken, sondern nur aus sich oder aus der Welt über sich und über die Welt denken. Man wisse aber, daß aus sich oder aus der Welt denken, nicht heißt, aus ihnen, sondern aus der Hölle denken, denn wer nicht aus Gott denkt, denkt aus der Hölle. Niemand kann zugleich aus beiden denken. Alle diejenigen aber, die Gott leugnen, und daher die göttlichen Dinge, die dem Himmel und der Kirche angehören, und sich dagegen bestärken, werden sinnliche Menschen mehr oder weniger, den Begründungen gemäß. Sie denken nur Falsches, wenn über geistige Dinge, und werden von Bösem angeregt, und wenn sie einiges Wahre denken, seien es geistige oder sittliche oder bürgerliche Wahrheiten, so geschieht es nur aus dem Gedächtnis heraus, und über die nächsten Ursachen hinaus, die sie auch begründen können, sehen sie nichts; und wenn sie vom Guten angeregt werden, so geschieht es nur aus einem Lustreiz um ihrer selbst oder um der Welt willen, somit aus einer Begierde, die der Selbstliebe oder der Weltliebe angehört. Das Denken des sinnlichen Menschen ist es, was materielles Denken genannt wird, und seine Neigung ist das, was körperliche Neigung genannt wird, und diese ist Begierde. Ferner merke man, daß alles Böse, das der Mensch von den Eltern her hat und das erbliche Böse genannt wird, seinem natürlichen und sinnlichen Menschen innewohnt, nicht aber seinem geistigen; daher kommt es, daß der natürliche und hauptsächlich der sinnliche Mensch dem geistigen Menschen entgegengesetzt ist, denn der geistige Mensch ist von Kindheit an verschlossen und wird nur geöffnet und gebildet durch göttliche Wahrheiten, die im Willen und Verstand aufgenommen werden, und in dem Maß und in der Weise, als er geöffnet und gebildet wird, wird das Böse des natürlichen und sinnlichen Menschen entfernt, und an dessen Statt Gutes eingepflanzt. Weil alles Böse im natürlichen und sinnlichen Menschen seinen Sitz hat, so folgt, daß auch das Falsche dort seinen Sitz hat, aus dem Grund, weil alles Falsche dem Bösen angehört, denn indem der Mensch aus dem Bösen begehrt und will, denkt und redet er aus dem Falschen; denn wenn das Böse des Willens sich im Denken gestaltet, auf daß es anderen oder sich selbst geoffenbart werde, wie beschaffen es ist, wird es das Falsche genannt; daher ist das Falsche die Form
des Bösen, wie das Wahre die Form des Guten ist. Aus diesem kann erhellen, wer und wie beschaffen der Mensch ist, welcher der sinnliche Mensch genannt wird, und daß der Mensch sinnlich wird, wenn er dem Bösen, in das er geboren wird, mit der Tat nachstrebt, und noch mehreres aus sich hinzutut; in welchem Maß er dies tut und sich darin begründet, wird der geistige Mensch verschlossen gehalten, und wenn dieser verschlossen ist, so leugnet der natürliche und sinnliche Mensch die göttlichen Dinge, die dem Himmel und der Kirche angehören, und anerkennt bloß diejenigen Dinge, die der Welt und Natur angehören. Ja, der sinnliche Mensch ist alsdann so blind, daß er nichts glaubt, als was er mit den Augen sieht und mit den Händen greift. Von solcher Art sind viele von den Gebildeten, mögen sie immerhin für verständig und weise gehalten werden, weil sie aus Wissenschaften, die dem Gedächtnis innewohnen, reden, und zwar dem Anschein nach wie ein vernünftiger Mensch, weil das geistige Gemüt bei ihnen, wie bei einem jeden Menschen, in allgemeiner Weise geöffnet ist, wie oben gesagt wurde. Weil in dem nun Folgenden in diesem Kapitel viel von der Heuschrecke die Rede ist, und durch sie das Sinnliche bezeichnet wird, welches das Letzte oder Äußerste des natürlichen Menschen ist, so ist es von Interesse, vollständig zu wissen, was und wie beschaffen das Sinnliche ist, und daher, wer und wie beschaffen ein sinnlicher Mensch ist; darum will ich aus den Himmlischen Geheimnissen hier anführen, was darüber gesagt und gezeigt wurde ... Weil durch die Heuschrecke hier das Sinnliche in Ansehung des Falschen und Bösen, oder was das gleiche ist, das Falsche und Böse des sinnlichen Menschen bezeichnet wird, darum wird dasselbe durch die Heuschrecke und den Käfer bezeichnet bei David - Ps.78/45,46: “Er schickte unter sie Ungeziefer, das sie verzehrte, und die Frösche, die sie verdarben, und gab dem Käfer ihr Gewächs, und ihre Arbeit der Heuschrekke”. Ps.105/34,35: “Er sprach, daß kommen soll die Heuschrecke und der Käfer, und ohne Zahl; der fraß alles Kraut in ihrem Lande, und fraß die Frucht ihres Landes”. Aber hier wird durch Heuschrecke das Falsche des sinnlichen Menschen bezeichnet und durch den Käfer sein Böses, oder das Falsche und Böse im sinnlichen Menschen und aus ihm. Daß dieses durch den Käfer und jenes durch die Heuschrecke bezeichnet wird, beruht darauf, daß der Käfer (bruchus) auch eine Heuschrecke ist, was daraus erhellt, daß jenes von David von den Heuschrecken in Ägypten gesagt wird, und doch bei Moses nur von der Heuschrecke die Rede ist und nicht vom Käfer. Weil durch die Heuschrecke das Sinnliche bezeichnet wird, welches das Letzte im Gedankenleben des Menschen ist, oder das Letzte, in das es ausläuft und auf dem der Verstand ruht, deshalb ist das Letzte gleichsam die Unterlage und das Fundament, auf dem das Inwendigere oder Obere steht, das dem Verstand und Willen des Menschen angehört, ebenso das Inwendigere und Obere, das Geistiges und Himmlisches genannt wird im Wort. Und weil alles ein Fundament haben muß, auf daß es bestehe und sich halte, darum ist der Buchstabensinn des Wortes,
welcher der letzte und die Unterlage ist, natürlich und sinnlich, und wird auch im guten Sinn unter der Heuschrecke verstanden, mithin auch das Wahre und Gute desselben. Dies ist der Grund, warum Johannes der Täufer Heuschrecken aß, und daß den Söhnen Israels gestattet war, solche zu essen. <EKO 543>
Bewohner eines Abgrundes in der geistigen Welt, die sich in der Rechtfertigung durch den bloßen Glauben bestärkt hatten, werden von den Engeln Nachteulen, Fledermäuse und Heuschrecken genannt. <WCR 162>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 107 →
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