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Das Geheimnis der Person Jesu

Um Gethsemane und des Herrn seelisches Ringen in jener entscheidenden Stunde zu verstehen, muß man über die wahre Natur Jesu Christi Näheres wissen. In den Schriften der Neuoffenbarung ist es uns tief und klar enthüllt.

Jesus war, wie wir Menschen alle, in Sich eine Dreieinheit von Geist, Seele und Leib.

Sein Geist — Sein innerstes Grundleben — war an Liebe, Weisheit, Macht und Herrlichkeit freilich unermeßlich größer als der unsere. Denn in Ihm, Jesus, wohnte als Geist "die ganze Fülle der Gottheit", das heißt, das urewige göttliche Machtzentrum, genannt die Ewige Liebe oder der Vater, woraus alles Geschaffene — auch unser Geist — hervorgegangen ist.

"Von Ewigkeit wohnte Ich", so spricht dieser Vater Gottgeist im "Großen Evangelium Johannes" zu dem schwer begreifenden Judas, "in Meiner unzugänglichen Mitte und in Meinem unzugänglichen Lichte aus Mir Selbst. Aber Mir hat es der Menschen dieser Erde wegen wohlgefallen, aus Meiner unzugänglichen Mitte und Meinem unzugänglichen Lichte derart herauszutreten, daß Ich nun in ebenderselben Mitte und ebendemselben Lichte, das auch den höchsten Engeln von Ewigkeit völlig unzugänglich war, Mich auf diese Erde begab und nun sogar euch Menschen von allen Seiten her wohl zugänglich bin und ihr Mein Licht wohl ertragen könnet."

"Bei all den zahllos vielen Vorschöpfungen bin Ich nie auf irgendeiner Erde durch die Kraft Meines Willens als ein Mensch ins Fleisch gehüllt worden, sondern verkehrte mit den Menschengeschöpfen nur durch geschaffene, mit Meinem Geiste gänzlich erfüllte reinste Engelsgeister. Nur diese Schöpfungsperiode hatte die Bestimmung, auf einem kleinen Weltkörper, welcher gerade diese Erde ist, Mich für alle die vorhergehenden wie für alle ewig nachfolgenden Schöpfungen in Meiner urgöttlichen Wesenheit im Fleische und in engster Form vor sich zu haben und von Mir Selbst belehrt zu werden.

Ich wollte für alle künftigen Zeiten und Ewigkeiten Mir wahre, völlig ähnliche Kinder nicht nur wie gewöhnlich erschaffen, sondern durch Meine väterliche Liebe wahrhaft heranbilden, damit sie dann mit Mir beherrschen die ganze Unendlichkeit. Um aber das zu erzielen, nahm Ich, der unendliche, ewige Gott, für das Hauptlebenszentrum Meines göttlichen Seins Fleisch an, um Mich euch, Meinen Kindern, als schau- und fühlbarer Vater darzubieten und euch Selbst aus Meinem höchsteigenen Munde und Herzen zu lehren die wahre, göttliche Liebe, Weisheit und Kraft, durch die ihr dann Mir gleich beherrschen (und  zur Vollendung reifen) sollet alle Wesen der ganzen Schöpfung."

So war und ist also Jesu Geist der Ur-Vatergottgeist der ganzen Unendlichkeit; und darum nennt Jesajas den von ihm seherisch erschauten Erlöser "Vater der Ewigkeit". Johannes sagt von Ihm: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott — und Gott war das Wort." Und Paulus erklärt: "In Christo wohnet die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig." Auch hat der Herr Selbst deutlich dem Philippus verkündet: "Wer Mich sieht, der sieht den Vater. Der Vater, der in Mir wohnet, der tut die Werke."

So war also Jesus, der Herr, dem Geiste nach der ewige, alleinige Ur-Vatergottgeist, der Seele und dem Leibe nach ein Mensch wie wir.

Im "Großen Evangelium Johannes" bezeugt DER HERR selbst über die Einzeugung und Entwicklung Seiner menschlichen Seele:

"Nur das erste Menschenpaar erhielt den Leib aus der Willenshand Gottes, alle anderen Menschen sind aus einem Mutterleibe geboren. Und so stammt auch dieser Mein Leib aus einer irdischen Mutter — wenn auch nicht durch einen irdischen Vater auf die gewöhnliche Art, sondern allein durch den allmächtigen Willensgeist Gottes gezeugt, was bei ganz reinen und gottergebenen Menschen sehr wohl möglich ist, vor alters bei solchen nichts Seltenes war und dann und wann auch noch in jetzigen Zeiten geschieht. Daß solche, auf rein geistigem Wege gezeugten Menschen auch geistiger sind als jene auf dem gewöhnlichen Wege gezeugten, ist klar. Denn Kinder sehr starker und völlig gesunder Eltern werden ja auch stark und gesund, Kinder schwacher und kranker Eltern dagegen gewöhnlich auch schwach und kränklich.

Ich, als Mensch, wie Ich nun vor euch dastehe, bin kein Gott, wohl aber ein Gottessohn, was eigentlich ein jeder Mensch sein soll. Denn die Menschen dieser Erde sind berufen, Kinder Gottes zu werden und zu sein, indem sie nach dem erkannten Willen Gottes leben. — Einer von ihnen aber ist von Gott aus und von Ewigkeit her bestimmt gewesen, der Erste zu sein, das Leben in Sich zu haben und es jedermann zu geben, der an Ihn glaubt und nach Seiner Lehre lebt. Und dieser Erste bin Ich.

Aber Ich habe solches Leben aus Gott nicht etwa vom Mutterleibe aus in diese Welt gebracht! Der Keim lag wohl in Mir, aber er mußte erst entwickelt werden, was Mich nahezu volle dreißig Jahre Zeit und Mühe gekostet hat. Nun stehe Ich freilich als vollendet vor euch und kann euch sagen, daß Mir alle Gewalt und Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden, und daß der Geist in Mir völlig eins ist mit dem Geiste Gottes, darum Ich denn auch solche Zeichen wirken kann, die vor Mir noch nie ein Mensch gewirkt hat. Aber es ist das für die Folge eben kein besonderes Vorrecht ausschließlich nur für Mich, sondern auch für jeden Menschen, der an Mich glaubt, daß Ich von Gott in diese Welt gesandt bin, um den Menschen das Licht des Lebens zu geben, und der dann handelt nach Meiner Lehre, welche den Menschen den Willen des Geistes Gottes zeigt, der in aller Fülle in Mir wohnt.

Dieser Geist ist wohl Gott, doch Ich als purer Menschensohn nicht. Als solcher habe auch Ich Mir wie jeder andere Mensch durch viele Mühe und Übung die Würde eines Gottes erst erwerben müssen und konnte Mich als solcher erst einen mit dem Geiste Gottes. Nun bin Ich wohl eins mit Ihm im Geiste, aber im Leibe noch nicht. Doch Ich werde auch da völlig eins werden, aber erst nach einem großen Leiden und gänzlicher und tiefst demütigender Selbstverleugnung Meiner Seele."

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