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Die Kämpfe der reifenden Jesus-Seele

Welche echt menschlichen Kämpfe der Herr in Seinem Inneren zur Läuterung und völligen Verklärung Seiner Seele durch den in ihr wohnenden Vater-Gottgeist durchzumachen hatte, deutet die Heilige Schrift der Bibel an mit der Schilderung der Versuchung in der Wüste. — Ausführliches findet sich in dem durch Jakob Lorber neu geoffenbarten Jugendevangelium. In den Schlußkapiteln dieses Buches, genannt "Die Jugend Jesu", lesen wir:

"Es heißt in der Schrift: ‚Und Er nahm zu an Gnade und Weisheit vor Gott und den Menschen und blieb untertänig und gehorsam Seinen Eltern, bis da Er Sein Lehramt antrat.‘ — Hier erhebt sich die Frage: Wie konnte Jesus denn als das alleinige, ewige Gottwesen an Weisheit und Gnade vor Gott und den Menschen zunehmen, da Er doch Gott von Ewigkeit war? Und wie namentlich vor den Menschen, da Er doch von Ewigkeit das allervollkommenste Wesen war?

Um das richtig zu fassen, muß man Jesus nicht lediglich als den alleinigen Gott ansehen, sondern man muß sich Ihn als einen Menschen vorstellen, in dem die alleinige, ewige Gottheit Sich geradeso als untätig scheinend einkerkerte, wie da in eines jeden Menschen Wesen der Geist eingekerkert ist. — Was aber ein jeder Mensch nach göttlicher Ordnung tun muß, um seinen Geist in sich frei zu machen, das mußte auch der Mensch Jesus ganz vollernstlich tun, um das Gottwesen in sich frei zu machen, auf daß es eins würde mit Ihm.

Es muß aber jeder Mensch gewisse Schwächen in sich tragen, welche die gewöhnlichen Fesseln des Geistes sind, durch welche dieser wie in einer festen Hülse eingeschlossen ist. Die Fesseln aber können erst dann zersprengt werden, wenn die mit dem Fleische vermengte Seele sich durch die gerechte Selbstverleugnung also gestärkt hat, daß sie fest genug ist, den freien Geist zu fassen und zu halten. Aus diesem Grunde kann der Mensch auch nur durch allerlei Versuchungen seine Schwächen gewahren und erfahren, wie und worin sein Geist geknebelt ist. Wenn er dann gerade in diesen Punkten sich in seiner Seele selbst verleugnet, so löst er dadurch dem Geiste die Fesseln ab und fesselt damit die Seele. Ist dann mit der gerechten Zeit die Seele mit allen den ehemaligen Geistesbanden gefestet, so geht ganz natürlicherweise der entfesselte Geist in die erstarkte Seele über. Und diese gelangt dadurch in alle Machtvollkommenheit des Geistes und wird für ewig vollkommen eins mit ihm.

In dem Ablösen einer Fessel um die andere aber besteht das Zunehmen der Seele in der geistigen Kraft, welche da ist die Weisheit und die Gnade. Die Weisheit ist das helle Schauen der ewigen Ordnung Gottes in sich. Und die Gnade ist das ewige Liebelicht, durch das alle die endlosen und zahllosen Dinge, ihre Verhältnisse und Wege erleuchtet werden.

Wie aber das beim Menschen der Fall ist, so war es auch bei dem Gottmenschen Jesus! Seine Seele war gleich wie die eines jeden Menschen und war mit um so mehr Schwächen behaftet, weil der allmächtige Gottgeist Sich Selbst in die gewaltigsten Bande legen mußte, um in Seiner Seele gehalten werden zu können. Also mußte die Seele Jesu auch die größten Versuchungen, sich selbst verleugnend, bestehen, um ihrem Gottgeiste die Bande abzunehmen, sich damit zu stärken für die endloseste Freiheit des Geistes aller Geister und so völlig eins zu werden mit Ihm."

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