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Simon Jona, genannt Petrus

Eine ganz andere Natur als Judas war Simon Jona, vom Herrn genannt Petrus.

Er war ein Mensch wohl auch mit manchen Schwachheiten, aber mit einem aufrichtigen, begeisterungsfähigen Herzen. Vom Messias erwartete er ursprünglich, daß er "den Armen helfen" und "die hartherzigen Reichen völlig vertilgen" werde. Er selber hatte ja als ein armer Fischer am Ufer des Galiläischen Meeres mit seiner Familie hart um das Leben zu kämpfen. Und so hörte er von Andreas, seinem Bruder, mit großer Freude, daß in dem geistesstarken Zimmermannssohne Jesus aus Nazareth der erhoffte Volksbefreier erstanden und von dem Täufer Johannes als der auserwählte Sohn Gottes bezeichnet worden sei. Schnell entschloß er sich, dem Manne der Zukunft sich anzuschließen, in der Erwartung, daß dieser ein irdisches Reich der Freiheit und Brüderlichkeit bald aufrichten werde.

Aber schon auf der Hochzeit zu Kana erkannte er durch das Weinwunder, daß in diesem Jesus mehr verborgen sein müsse als nur ein gottberufener Messias und Volkskönig. Erschüttert von der bedeutungsvollen Wandlung des Wassers in Wein sagte er insgeheim zum Herrn: "Herr, laß mich wieder von dannen ziehen. Denn Du bist Jehova Selbst, wie Dein Knecht David von Dir geweissagt hat in den Psalmen! Ich aber bin ein armer Sünder und Deiner durch und durch unwert!"

DER HERR aber erwiderte ihm: "So du dich für unwürdig hältst, an Meiner Seite zu wandeln, wen hältst du dann für würdig!? Siehe, Ich bin nicht gekommen zu den Starken, so sie irgendwo sind, sondern zu den Schwachen und Kranken. So jemand gesund ist, bedarf er des Arztes wohl nicht. Nur der Kranke und Schwache bedarf des Arztes. Bleibe du daher nur guten Mutes bei Mir, denn Ich habe dir deine Sünden schon lange vergeben um deiner Liebe willen. Und auch so du an Meiner Seite sündigen wirst, werde Ich dir es vergeben. Denn nicht in deiner Stärke, sondern in deiner Schwäche, in der du Mich demütig erkannt hast und nun schon ein Fels im Glauben bist, sollst du vollendet werden durch die alleinige Gnade von oben!"

Auf solche Belehrung kamen dem Petrus die Tränen, und er sagte mit großer Begeisterung: "Herr — so Dich alle verlassen sollten, dann werde ich Dich dennoch nicht verlassen! Denn Deine heiligen Worte sind Wahrheit und Leben!"

Und dann erhob er den Becher und sprach: "Heil dir, Israel und dreimal Heil uns! Denn wir sind Zeugen der erfüllten Verheißung. Gott hat Sein Volk heimgesucht! Was schwer zu glauben war, ist nun vor unseren Sinnen erfüllt! Nun dürfen wir nicht mehr schreien aus der Tiefe zur Höhe. Denn die Höhe der Höhen ist zu uns in die Tiefe unseres Elends gekommen! — Darum alle Ehre Dem, der unter uns ist und uns aus Seiner Macht und Gnade diesen Wein gegeben hat, auf daß wir an Ihn glauben und von nun an in Ihm Gott die Ehre geben!"

Die Seele des Petrus ahnte es damals zwar sicher noch nicht völlig, aber der in ihr wohnende göttliche Geist wußte es, daß diese auf der Hochzeit von Kana vom Herrn gewirkte Wandlung des Wassers in köstlichen Wein eine große, tiefgeistige Bedeutung hatte, die DER HERR im "Großen Evangelium Johannes" Selber dahin enthüllt:

"Wie Mein Fasten in der Wüste die Verfolgung, die Mir vom Tempel in Jerusalem zuteil ward, und die Taufe des Johannes Meinen Kreuzestod vorandeutete, also deutete diese Hochzeit Meine Auferstehung an, und das Zeichen des Weinwunders war ein Vorbild der Wiedergeburt des Geistes zum ewigen Leben.

Denn also, wie Ich das Wasser in den Wein verkehrte durch Mein Wort, wird auch des Menschen naturmäßig Sinnliches in den Geist verwandelt werden durch das Wort aus Meinem Munde, so er danach lebt. Daher sollte jeder den Rat in seinem Herzen genau befolgen, den Maria den Dienern gab, indem sie sprach: Was Er sagt, das tuet!"

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