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Des Petrus Schwert

Einer der ersten, an welchem der Herr in der Folge die Wandlung der Vergeistigung vollzog, war Petrus. Freilich, das Naturmäßig-Welttümliche, das ursprünglich in diesem einfachen Mann aus dem Volk steckte und das ihn in dem kommenden Messias einen Vertilger der hartherzigen Reichen und einen die armen Leute beschützenden Volkskönig erhoffen ließ, wich nicht so schnell aus seinem Gemüt. Er konnte lange Zeit so manches Himmlisch-Höchste des göttlichen Geistes Jesu und Seiner Lehre nicht erfassen.

So war es ihm anfänglich sehr befremdend, daß man nach der Lehre des Herrn auch seine Feinde lieben und denen Gutes tun solle, die uns hassen und verfolgen. Petrus forderte scharfe Gesetze mit kräftigen, abschreckenden Strafen gegen alle Übeltäter.

"Herr", sprach er, als eines Tages eine rohe Menge den Herrn auf der Straße belästigte und beschimpfte, "wenn ich nur einen Funken Deiner geistigen Kraft und Macht hätte, dann wüßte ich, was ich diesen dummen und bösen Lästerern zufügte? So wir nach Deiner Lehre die Strafen auf Übeltaten gänzlich aufheben, so werden sich in Kürze die Übeltäter mehren wie das Gras auf Erden!"

Dem Eiferer aber antwortete DER HERR: "Mein Lieber! Die Hölle bedarf wohl der strengsten Gesetze, versehen mit der peinlichsten Strafdrohung; aber Mein Reich, das der Himmel ist, bedarf weder eines äußeren Gesetzes noch einer Strafdrohung! Ich bin nicht gekommen, euch durch die Schärfe der Gesetze für die Hölle, sondern durch Liebe, Sanftmut und Wahrheit für den Himmel zu erziehen! Segnet daher lieber eure Feinde und vergeltet Böses mit Gutem, so ihr Mir Diener zur Ausbreitung Meines Reiches auf Erden sein wollt!"

Diese und ähnliche Belehrungen verfehlten nicht ihren Eindruck auf des Petrus Gemüt. Allein er konnte sich den noch nicht so bald von seinen irdisch-menschlichen Gedanken der äußeren Gewalt und Macht lösen, und so kam es, daß er in der großen Wendestunde, bei der Gefangennehmung des Herrn, heimlich ein Schwert trug, das er für alle Fälle der Not zu sich gesteckt hatte und in blindem Wahn zum Schutze Dessen zückte, den er doch schon längst als den Herrn aller Heerscharen, den mächtigen Gott Zebaoth, erkannt hatte. Mußte er denn nicht wissen, daß dieser Herr und Meister aller Elemente Sich in jeder Not und Gefahr mit der Kraft Seines Geistes jederzeit selbst helfen konnte? Petrus wußte es ohne Zweifel wohl. Aber des Menschen Herz neigt von Natur zur Eigenmacht und zur Gewaltsamkeit, und nur schwer eignet es sich den reinen, himmlischen Sinn des wahren Gottvertrauens und der vollkommenen Liebe und Sanftmut an.

"Stecke dein Schwert in die Scheide!" mußte daher DER HERR dem Petrus zurufen. "Soll Ich den Kelch nicht trinken, den Mir Mein Vater gegeben hat!?" — Und nach dem Bericht des Matthäus setzte Er noch hinzu: "Wer zum Schwert greift, soll durch das Schwert umkommen!"

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