Im Lichte dieser geistigen Erkenntnis erklären sich auch die äußeren, das Hinscheiden des Herrn begleitenden Umstände, welche das große Geschehen entsprechungsweise in der Naturwelt zum Ausdruck brachten.
So verstehen wir die Verfinsterung des Sonnenlichts. — Beim Sterben des Menschensohnes trauerten alle Engel und reinen Geister der materiellen und geistigen Sphären aller Sonnen und Welten. Und das sonst von ihnen ausgehende, den ganzen Äther der Unendlichkeit durchwogende Freudebeben ihrer seligen Liebe, das den ausströmenden Lichtatomen der Sonne ihre belebende und beseligende Wirkungskraft verleiht, war in der Zeit der schmerzvollsten drei Stunden derart gedämpft, daß zuletzt auch bei unserer Erdensonne eine naturmäßig bemerkbare Lichtschwächung eintrat. Allein das Naturleben durfte nicht gänzlich stocken und aufhören, und die Menschheit durfte auch nicht durch ein den Naturgesetzen widersprechendes allzu gewaltiges Wunderzeichen in ihrem freien Glauben, Willen und Handeln genötigt und gerichtet werden. Und so war diese allgemeine Verfinsterung der Sonne mehr eine geistige und nur zu einem geringen Teil eine naturmäßig sich auswirkende. Und sie geschah auch nicht, wie sonst, durch die Verdeckung der Sonne durch die Mondscheibe — weshalb die Sternkundigen durch Rückberechnung des Sonnen- und Mondlaufes vergebens eine Bestätigung der biblischen Angabe gesucht haben und auch nie finden werden.
Das Hinscheiden des Menschensohns, Seine volle Hingabe von Blut und Leibesleben war aber zugleich auch der große, durchdringende Sieg der in Ihm wohnenden Ewigen Liebe und Ihres geistigen Lichtes. Und darum "erbebte" die Erde, das Sinnbild der Materie, der Sitz des alten Geistes der Finsternis und Widerordnung! Ein Größerer, ein Mächtigerer hatte an die Pforten gepocht, war in die Hochburg Luzifers eingedrungen und hatte durch Sein beispielloses Sichopfern eine gewaltige Bresche gelegt. Satans Sphäre, welche der unbeugsame Empörer bis dahin mit allen Mitteln seines starken Willens gewahrt hatte, war durchbrochen, und es kann nicht wundernehmen, wenn er, dies erkennend und empfindend, sich rührte und die unterirdischen Gewölbe seines Kerkersitzes in seinem Grimm auch naturmäßig in Bewegung setzte.
Aber auch dies wurde ihm freilich — um der menschlichen Glaubens- und Willensfreiheit wegen — nicht in einem ungewöhnlichen, für die Landesbewohner auffallenden Maße gestattet. Nur wenige Menschen mit erschlossenen, vor bereiteten Seelen machten sich darüber Gedanken, wie jener römische Hauptmann, von welchem es heißt: "Und als der Hauptmann nun sah, was geschehen war, pries er Gott und sagte: Dieser ist wahr und wirklich ein Gottesmensch gewesen!"
Der naturmäßige, fleischlich gesinnte Mensch vernimmt nichts vom Geiste Gottes. Was auch immer in der Naturwelt geschieht, erklärt er sich mit äußerlichen, stofflichen Ursachen, um nur ja nicht aus seinen ihm liebgewordenen Geleisen des irdisch-stofflichen Denkens und Strebens heraus zu müssen und in höhere Sphären gedrängt zu werden.
Uns möge der Geist kräftig mahnen, wenn das Sonnenlicht der Ewigen Liebe sich uns vermindert oder wenn der Grund und Boden, auf welchem wir stehen, durch Gottes Zulassung von den Gewalten der Tiefe erschüttert wird!
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