Nun machen sich abermals zwei auf den Weg, um den Herrn zu suchen und zu finden: Petrus und Johannes — der feste Glaube und die reine, himmlische Liebe.
Sie laufen beide miteinander. Aber der "andere Jünger", der seinen irdischen Namen nicht nennt, weil er das rein Himmlische darstellt, läuft schneller als Petrus — und kommt zuerst ans Ziel des leeren, vom Herrn verlassenen Grabes.
Johannes, die himmlische Liebe, "beugt sich vor", und in dieser Haltung und Stellung der sich beugenden Demut erkennt sie in einem kürzesten Augenblick die ersten Beweise der großen, unermeßlichen Heilstatsache. Sie sieht die leeren leinenen Tücher da liegen, und der Geist sagt der Seele mit diesem äußeren Zeichen schon soviel, daß deren lichte, himmlische Liebe zu weiterem Forschen nicht in das Grab, das heißt in die äußeren, materiellen Bestätigungen und Beweise, hinein zu gehen braucht. Johannes "sah — ging jedoch nicht hinein". Denn gewaltige Ahnungen durchbebten schon sein Herz.
Nun kam auch der zugleich mit Johannes nach dem göttlichen Heil und seiner Erkenntnis laufende Verstand, Simon Petrus, "hinter ihm her". Der Verstand — und wäre er noch so eifrig und geschickt — läuft nicht so schnell wie die Liebe. Er hat nicht diesen mächtigen, feurigen Drang, noch diese göttliche Kraft. Und der Verstand erkennt auch nicht so schnell und so leicht schon von weitem wie die vor dem Ziele stillhaltende sich demütig dem Säuseln des Geistes beugende Liebe. So muß der Glaube auch ohne Aufenthalt "hineintreten" ins Grab, in die stoffliche, materielle Hülle des göttlichen Geisteslebens, und aus nächster Nähe die Beweise genau erkunden und erforschen in den äußeren Zeichen.
Der Verstand des Petrus "sah" denn auch dort ebenfalls "die leinenen Tücher". Und weiterforschend sieht er: "das Schweißtuch, das auf Jesu Haupte gelegen hatte, lag nicht bei den Tüchern, sondern für sich zusammengefaltet an einer andern Stelle". Daraus konnte des Petrus Verstand nun klar und folgerichtig schließen, daß der Leib des Herrn nicht durch Feinde geraubt, sondern auf andere Weise, durch eine friedliche Macht der Ordnung, hinweggenommen worden war. Denn böswillige Räuber und Feinde hätten das Schweißtuch doch sicher nicht mit Sorgfalt zusammengefaltet und beiseite gelegt, sondern mit den andern Tüchern achtlos und ordnungslos zerstreut. Aber zu einem vollen Glauben an ein wirkliches Gotteswunder, an die Auferstehung des Herrn vom Tode konnte Petrus noch nicht gelangen. Er blieb stumm und getraute sich nicht zum Nein noch zum Ja.
Jetzt aber geht auch der "andere Jünger", der die reine, himmlische Liebe darstellt und der vor dem Grab dem Geisteswehen stillegehalten hatte, hinein, sieht "es" auch und — glaubt! Glaubt, daß der Herr aus eigener Gotteskraft vom Tode auferstanden ist zum ewigen Leben! — Während der Verstand noch steht und fragt, ist die reine Liebe schon am Ziel der Wahrheit.
So gehen die beiden Jünger nach ihrem gemeinsamen Gange "heim" — jeder mit dem Ergebnis seines Laufens und Forschens. Und so wird einmal auch jeder von uns in das ewige Vaterhaus heimkehren mit dem, was er mit seinen Gaben durch seine Liebe und sein Tun errungen hat.
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