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2. Jakobus Heimkehr von Edessa

Im Hause der Maria war eitel Sonnenschein, Jakobus Heimkehr stand bevor. In diesem Glück vergaßen sie sogar die nötige Vorsicht, denn die Templer umkreisten wie Aasgeier das Haus. In der frühen Stunde bekam Maria den Zuruf: Jakobus wird heute noch allen Freude bereiten. So wurden die Freunde geladen und alles zum Empfang vorbereitet. Als die Sonne sich neigte, betritt Jakobus das Haus, zur Freude aller, denn auch seine Augen leuchteten in seltenem Glanz. Maria, als erste, umarmte ihn und spricht: „Deine Freude ist auch unsere Freude. Im Geiste standen wir dir immer helfend zur Seite. Wir hatten immer Freude, wenn der Meister in Seiner Liebe und Gnade uns erleben ließ – deine Freude und Glück“. Er musste sich viel gefallen lassen, dann aber sagte er: „Ihr alle seid ganz anders geworden in diesen zwei Jahren, so seid ihr doch früher nicht gewesen“. Spricht Maria: „Mein Jakobus, diese Zeit, in der wir heute leben, hat uns in dieser Liebe freudiger und freier gemacht. Siehe, wir mussten viel lernen, obwohl die Liebe wunderbares schuf. Wir waren gewohnt, immer Liebe zu nehmen, der Meister hat uns verwöhnt. Jetzt aber, im Ernst der Zeit, möchten wir nur immer Liebe geben, damit in keiner Weise das Werk des Herrn Abbruch leidet.“ „Wo sind die Brüder“, fragt Jakobus, „ich sehne mich nach ihnen, möchte in ihren Augen den Glanz der Freude nicht vermissen, den ich in vielen Brüdern erschaute“. – „Die Brüder sind noch in ihrem Dienst. Erst wenn es dunkel ist, kommen sie, da die Gefahr eine zu große ist, denn die  Templer sind unsere Feinde“. – „Gewesen, Maria. Wir haben nur einen einzigen Feind, es ist unsere eigene Angst und Furcht und damit hat es ein Ende. Sie alle neiden uns um unserer Freude willen und können nicht verstehen, dass wir Auserwählte sind für das ewige Werk, um dessentwillen Er Selbst unter uns lebte. Es war eine herrliche Zeit, Maria und doch brachte sie uns innerliche Sorgen, Angst und Leid, weil wir Ihn nicht erfassen konnten nach Seinem Liebewollen. Wie aber hat Sein Geist uns belebt, und, Maria, was dürfen wir den anderen sein? . Was wir sind, sind wir aus Ihm, darum gibt es kein Verstecken und Verbergen mehr! – Er ist unser Schutz und Schirm!“ „Jakobus, ich verstehe dich voll und ganz. Aber was leide ich, so man den einen oder anderen in das Gefängnis wirft, gewöhnlich ist es ihr Untergang.“ – „Es ist nicht dein, sondern des Herrn Leid, – wie kann es sich anders offenbaren, als nur in denen, die Ihm ganz gehören! Wie gerne würde Er alles verhindern, wenn nicht Größeres auf dem Spiele stände. Darum nicht kleiner werden, sondern größer, denn es geht ja um das Heil aller.“ Die Brüder und viele neue Freunde kommen. Leider fehlten auch einige, die dem Feind zum Opfer fielen, aber die Freude war groß, als sie ihren Jakob in alter Gesundheit und Frische  begrüßten. Andreas, der Ruhige und Stille, sagte: „ Bruder, deine Freude kann nicht größer denn die unsrige sein. Deinem Aussehen nach muss es dir gut gegangen sein, und nach dem Glanz deiner Augen musst du Herrliches hinter dir haben.“ – „Du hast recht gesagt, nur kann man es nicht so recht in Worte kleiden, aber seid versichert, der Herr und Meister war immer mit mir“. Nach dem Abendmahle, welches wie immer in aller Stille und in gewohnter Weise verlief, schilderte Jakobus seine Erlebnisse. Er erzählte: „Ihr wisst um meine Berufung nach Edessa. Wie gerne folgte ich dem Ruf des Meisters. Was aber kein Mensch ahnte, wurde mir. In Tyrus blieb ich bei den Brüdern. Es waren erbauliche Stunden, wo wir so recht aus der Herrlichkeit Gottes belebt wurden. Ein Schiff des römischen Dimetrius, welches nach Cilicien fuhr, nahm mich mit und landete in Issus, einem schönen kleinen Hafenstädtchen, wo man mich zu Freunden brachte. Es ist nicht nötig, alle Einzelheiten zu erzählen, aber dort erlebte ich die erste Krankenheilung. Ein Weib lag schwer an Gicht danieder, Schmerzen hatten ihre Glieder gelähmt, die Hände gekrümmt. Dieses Weib sagte unter Tränen: „Ja, ihr Menschen in Judäa habt es gut gehabt, es gab ja keinen Kranken, den euer Heiland und Meister nicht geheilt hätte. Aber wir hier in Cilicien hofften und hofften – aber kein Heiland kam, sondern größere Schmerzen und größere Sehnsucht nach Erlösung vom Übel“. Ich verstand dieses Weib. Da wurde mein Inneres froh, denn der Meister sagte: – „Nun ist auch deine Stunde gekommen, Ich und du sind Eins. Handle nach deiner Liebe, denn deine Liebe ist ja Mein Leben in dir. Alles, was du in dieser Liebe tust, wird sein, als hätte Ich es getan“. Eine Glut wurde in mir angefacht. Ich ergriff die kranken Hände, strich darüber und sagte: „Weib, so du nur glauben könntest, dass der Heiland, der gestorben und wieder vom Tode lebendig wurde, auch dich noch heilen könnte, würdest du alle Sehnsucht in dir gestillt finden.“ Da sagte sie unter Zittern und Tränen: „Wenn Er im Tode wieder lebendig wurde, dann kann Er mich gesund machen, dies ist meine Zuversicht.“ Da wurden ihre Hände wieder gerade, ihr Aussehen änderte sich im Nu, kerzengerade stand sie vor mir und sagte: „Ja, Herr, Du lebst, Deine Kraft ist die selbe, Du hast mich gesund gemacht, nie werde ich Dir den gebührenden Dank schuldig bleiben. Meine Hände sollen sich nur noch rühren für Dich, meine Liebe aber wird alles tun, was mich Deine Liebe heißen wird.“ Da konnte ich sagen: „Sehet, welche Gnade der Herr auch heute noch walten lässt, überall, wo Seine Liebe erwidert wird, wird Seine Kraft offenbar. Darum vergesset das Denken und Dienen nicht, wie der Herr und Meister uns auch immer dient.“ Dieses Geschehen brachte Freude, Aufregung und auch Verdruss. Wie auf der einen Seite das größte Verlangen lebendig wurde nach Beweisen des lebendigen Gottes, so wurde von Seiten der Priester der Hass größer. Aus der einen Krankenheilung wurden Hunderte, der Ruf eilte vorwärts. Kam ich in ein Dorf oder einen Flecken, wurde ich freudig begrüßt und bewillkommnet und um Krankenheilungen gebeten, die auch in allen Fällen erfolgte. So sagte ich zum Meister: „Mein Jesus, wenn ich überall so aufgehalten werde, wie soll ich nach Edessa kommen?“ Da sprach der Herr: „Mein Jakob, sorge dich um alles dessen nicht, denn du weißt um alle Kraft und Herrlichkeit. Handle nur nach dem Zug deiner Liebe in dir, alle Wege wirst du geebnet finden.“

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