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16. Kapitel – Von dem endlichen Streite und Verstoßung des Königes Luzifer

Von dem endlichen Streite und Verstoßung des Königes Luzifer samt aller seiner Engel

91. Als sich nun der greuliche Luzifer als ein Wüter, Tober und Verderber alles Guten also ganz erschrecklich erzeigete, als wollte er alles verderben und anzünden, in willens, unter seine Botmäßigkeit zu bringen, so war nun alles Himmelsheer wider ihn und er auch wider alles. Da ging nun der Streit an, denn es stund alles ganz schrecklich gegeneinander. Und der Großfürste Micha-El mit seinen Legionen stritt gegen ihn, und der Teufel mit seinen Legionen siegete nicht, sondern ward aus seinem Loco getrieben als ein Überwundener, Apok 12,8 f.

92. Nun möchte einer fragen, was doch das für ein Streit gewesen sei, womit sie doch gegeneinander gestritten haben ohne Waffen?  Dies verborgene Ding verstehet allein der Geist, welcher alle Tage und Stunden mit dem Teufel streiten muß. Das äußerliche Fleisch kann es nicht begreifen, auch so können es die siderischen Geister in dem Menschen nicht verstehen, und wird von dem Menschen gar nicht begriffen, es sei denn, daß der animalische Geist mit der innersten Geburt in der Natur inqualiere im Centro, wo das Licht Gottes des Teufels Reich entgegengesetzt ist, das ist: in der dritten Geburt in der Natur dieser Welt.

93. Wenn er in diesem Sede mit Gott inqualieret, so bringets der animalische Geist in die siderischen, denn die siderischen müssen in diesem Loco alle Stunden mit dem Teufel streiten. Denn in der äußersten Geburt des Menschen hat der Teufel Gewalt, und ist das Haus des Elends, darinnen wetzet der Teufel den Stachel des Todes und greift durch seinen animalischen Geist dem Menschen in seiner äußersten Geburt ins Herze hinein.

94. Wenn aber die siderischen Geister von dem animalischen Geiste, welcher im Lichte mit Gott inqualieret, erleuchtet werden, so werden sie ganz inbrünstig und des Lichts begierig. Dagegen wird der animalische Geist des Teufels, welcher in der äußersten Geburt im Menschen herrschet, ganz erschrecklich und zornig, dazu ganz widerwillig.

95. Und da gehet alsdann das Streitfeuer im Menschen auf, wie es im Himmel mit Micha-El und Luzifer aufging, und muß sich die arme Seele wohl quetschen und radebrechen lassen.

96. So sie aber sieget, so bringet sie ihr Licht und Erkenntnis mit ihrem Durchdringen bis in die äußerste Geburt des Menschen, denn sie dringet mit Gewalt zurück durch die sieben Geister der Natur, welche ich allhie die siderischen Geister heiße, und herrschet mit im Rate der Vernunft.

97. Alsdann erkennet erst der Mensch, was der Teufel sei, wie er ihm so feindig sei und wie groß seine Macht sei, auch wie er alle Tage und Stunden ganz verborgen mit ihm streiten muß.

98. Welches die Vernunft oder äußerliche Geburt des Menschen ohne diesen Kampf nicht begreifen kann. Denn die dritte oder alleräußerste Geburt im Menschen, welches die fleischliche Geburt ist und ihm der Mensch durch den ersten Lust-Fall selber erbauet und zugerichtet hat, ist des Teufels Raubschloß und Wohnhaus, da der Teufel als wie in einer Festung mit der Seelen streitet und ihr manchen harten Kopfstoß gibet.

99. Diese Geburt des Fleisches ist nun nicht der Seelen Wohnhaus, sondern sie fähret im Streit mit ihrem Lichte in göttlicher Kraft hinein und streitet wider den Mord des Teufels. Dagegen schleußt der Teufel mit seiner Gift auf die sieben Quellgeister, welche die Seele gebären, in willens, die zu verderben und anzuzünden, damit er den ganzen Leib zum Eigentum bekomme.

100. So nun die Seele soll ihr Licht und Erkenntnis in des Menschen Gemüte bringen, so muß sie gar hart kämpfen und streiten, und hat gar einen engen Steig hindurch. Sie wird oft vom Teufel zu Boden geschlagen, aber sie muß stehen als ein Rittersmann in der Schlacht. So sie nun sieget, so hat sie den Teufel überwunden; sieget aber der Teufel, so wird die Seele gefangen.

101. Weil aber die fleischliche Geburt nicht der Seelen eigen Haus ist und sie dasselbe nicht erblich besitzen kann wie der Teufel, so währet der Kampf so lang als das Fleischhaus währet. Wenn aber das Fleischhaus zerstöret wird und die Seele noch in ihrem Hause unüberwunden und ungefangen frei ist, so hat der Streit ein Ende und muß der Teufel ewig von diesem Geiste weichen.

102. Darum ist dieses gar ein schwerer Artikel zu verstehen, und kann gar nicht denn nur in diesem Kampfe verstanden werden. Wenn ich gleich viel Bücher davon schriebe, so verstehest du doch nichts, es sei denn, daß dein Geist in solcher Geburt stehe und daß die Erkenntnis in dir selber geboren werde, außer dem kannst du es weder fassen noch glauben.

103. So du aber dies begreifest, so verstehest du auch den Streit, welchen die Engel mit den Teufeln gehalten haben, denn die Engel haben nicht Fleisch und Bein, so hats der Teufel auch nicht. Denn ihre leibliche Geburt stehet nur in den sieben Quellgeistern, aber die animalische Geburt in den Engeln, die inqualieret mit Gott, in den Teufeln aber nicht.

104. Darum sollst du hie wissen, daß die Engel mit ihrer animalischen Geburt, in welcher sie mit Gott inqualieren, haben in Gottes Kraft und Geist wider die angezündeten Teufel gestritten und sie aus dem Lichte Gottes ausgestoßen und zusammengetrieben in eine Höhle, das ist: in ein enges Revier gleich einer Gefängnis, welches ist der Ort auf und über der Erden bis an Monden, welcher ist eine Göttin der irdischen Geburt.

105. Also weit haben sie ihr Revier jetzt bis an Jüngsten Tag, alsdann werden sie ein Haus bekommen an dem Loco, wo jetzt die Erde ist, und das wird heißen die brennende Hölle.

106. Herr Luzifer, da warte auf und laß dir diese Prophezeiung derweil gewiß sein, denn du wirst den angezündeten Salitter in der äußersten Geburt, welche du selber hast also zugerichtet zu eine ewigen Hause bekommen.

107. Aber nicht in solcher Forma, wie er jetzt stehet, sondern es wird sich alles im angezündeten Zornfeuer scheiden und wird dir der finstere, hitzige und kalte, rauhe, harte, bittere, stinkichte Wust zur ewigen Herberge eingeräumt werden.

108. Da sollst du ein ewiger, allmächtiger Gott innen sein, wie ein Gefangener in einem tiefen Kerker. Da wirst du Gottes Licht ewig weder sehen noch erreichen, und der angezündete bittere Zorn Gottes wird deine Grenze sein, daraus du nimmer kannst.

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