Nachträglich noch einige Worte zu Obigem
Durch Denselben, am 18. Sept. 1870
Deine weiblichen Gefährtinnen auf der gemeinschaftlichen Bahn zu Mir haben sich in Zweifeleien verirrt seit dem vorigen Worte von Mir, wo – wie sie es selbst verlangten – sie ihren geistigen Wert in Ziffern vor sich sehen wollten, und da solche Resultate hervorgingen, welche ihren Wünschen nicht entsprachen, – da sie sich schmeichelten, eben weil sie dem weiblichen Geschlechte angehören, – Ich etwa auch gegen sie etwas mehr Rücksicht nehmen würde oder – wie ihr zu sagen pfleget – etwas höflicher zu Werke gehen möchte.
Dass sich deine Schwestern in ihren Hoffnungen getäuscht sehen, da die obigen Zahlen ihren Erwartungen nicht entsprechen, und sie jetzt in Zweifel sind, was zu tun, um einst eine bessere Nummer in der Führungs- oder Standesliste zu erhalten, – beweist zur Genüge, dass von alledem, was bisher geschrieben und ihnen vorgelesen wurde, von dem eigentlichen Sinne, wie Meine Worte aufzufassen sind, sie nicht eine Spur haben; denn Alles, was sie hören, beziehen sie nur auf weltliche Umstände, weltliche Verhältnisse, und auch diese möchten sie sich so bequem als möglich einrichten, damit ja kein großes Opfer von ihnen verlangt und ihrer Eitelkeit keine große Verleugnung zugemutet werde; das ist es eben, weil sie nie begriffen haben, was es denn eigentlich heißt: Mein Kind zu sein!
Schon in einem andern Worte habe Ich es euch Allen an’s Herz gelegt, dieses wohl zu erwägen, was es heißt: Mein Kind werden zu wollen; um es euch nun abermals vor die Augen zu führen, will Ich es euch bildlich begreiflich zu machen suchen.
Wenn z.B. ein König oder Kaiser Eine oder die Andere deiner Schwestern an Kindesstatt annehmen wollte, und so selbe an seinen Hof zöge, und dort anbefehlen würde, ihr alle Ehren angedeihen zu lassen, als wie seinen leiblichen Kindern! –
Was wurden deine Schwestern da wohl tun? – Das Erste wird natürlich sein: der Anzug. Alle Mode – Zeitungen, ja bei allen Höfen würde man sich informieren, wie man sich zu kleiden hat in der Früh, Mittags, Abends, wie im Theater, auf der Spazierfahrt und bei Ballfesten.
Ferner: wie benimmt man sich bei öffentlichen Gelegenheiten? was spricht man? wie geht man? wie setzt man sich? was tut man mit den Händen? – und noch mehr solchen Unsinns, um ja nur seine Stellung so perfekt zu vertreten, als wäre man von Geburt aus an diese zeremoniellen Höflichkeitsgebährden gewohnt und darin auferzogen.
Tag und Nacht wäre da des Kopfzerbrechens kein Ende, stets würde die Eine oder die Andere an jedem Abende sich im einsamen Schlafzimmer fragen: habe ich heute nichts Ungeschicktes gesprochen oder getan? – und wenn auch, wie kann ich es morgen oder bei ähnlichen Gelegenheiten vermeiden? damit Niemand etwas zu tadeln hätte, und es ganz den Anschein habe, als wäre man eine geborene Königs- oder Kaiserstochter! –
Wenn Ich nun dieses Bild auf Mein Thema anwenden will, nehmlich wenn Ich euch zurufe und es anbiete: Meine Kinder, die Kinder des Schöpfers des Unendlichen zu werden, wogegen doch natürlich Königs- oder Kaiserstöchter in ein Nichts zusammenschrumpfen. Was tut ihr denn da bei dieser Aufforderung? –
Befleißet ihr euch etwa mit eben solcher Hast, das Festkleid eurer Seele anzuziehen, d.h, einen makellosen und unbefleckten Leib? – oder studieret ihr die Worte des Geistes und der ewigen Seligkeit, die Ich euch zu Tausenden schon gab, um euch die Sprache Meiner Himmel zu lehren! – Oder habt ihr jetzt allen Eifer darauf verwendet, die Manieren und Gebärden zu erlernen, wie es sich in Meinem geistigen Reiche geziemt, und Meinen Kindern angemessen ist? –
„Manieren“ heißt hier: die Liebe, Freundes- und Trostworte, die ihr einem unglücklichen Bruder oder einer Schwester angedeihen lasset, der oder die flehend sich euch naht.
Unter „Gebärden“ verstehe Ich hier gute Taten und Worte, wodurch ihr euren Seelenadel zu erkennen geben und Andere durch euer Beispiel aufmuntern sollet. –
Oder habt ihr den ganzen Tag wohl daran gedacht, bloß Mir würdiger zu werden, sei es in Vermeidung von üblen Gedanken und Worten, sei es durch schöne Taten der Selbstverleugnung und kleine Aufopferungen; – oder denket ihr tagtäglich am Abende nach: wie habe ich den ganzen Tag zugebracht, gelebt, gehandelt, um den Namen „Kind Gottes“ zu verdienen!? –
Sehet, Meine Lieben, bei all Meinem Mahnen, Reden und Führen, wenn ihr euch dieses Bild der Königstochter und des Gotteskindes so recht zu Herzen nehmet, so werdet ihr finden, wie weit ihr noch zurück seid von dem, was Ich aus euch machen will.
Ja ihr werdet – wollt ihr aufrichtig mit euch selbst sein – diese im vorigen Worte in Ziffern ausgedrückten geistigen Werte eures Herzens noch gnädig gennug finden, und einsehen, dass auch bei Angabe dieser Zahlen mehr Meine Liebe und Gnade, als Mein strenges Urteil vorwaltete. –
Ich sagte euch im vorhergehenden Diktate: der Wert des geistigen Fortschrittes liegt in der Opferfähigkeit! – lernet also vorerst entsagen, entbehren, – ordnet eure Wünsche und Begierden höheren Zwecken unter, und euer Bewusstsein – durch Verleugnung Gutes getan, durch Entsagung so manchem Unglücklichen geholfen zu haben – wird euch bald aufklären, welche Zahlen ihr verdienet, und wie das Verhältnis derselben – sei es zu Mir, oder zu eurem Nächsten, oder zu euch selbst – am leichtesten zu verbessern ist.
Gehet euch keiner Täuschung hin: seid strenge gegen euch selbst und nachsichtig gegen Andere! Prüfet euch alle Abende im einsamen Gebete, wie viel ihr unter Tags getan, und was euch noch zu tun übrig bleibt! –
Nehmet es nicht so leicht mit Meinem An-Kindesstatt-euch-annehmen; Ich spasse nicht. – Es ist wahr, unnennbare Seligkeiten sind Denen bereitet, die das von Mir ihnen gesteckte Ziel erreichen; allein so ganz leicht und auf ebenem Wege und ohne Kampf geht es nicht.
Müsstet ihr die Rolle einer Königstochter auf eurer kleinen Erde spielen, wie viel Mühe würdet ihr sie euch kosten lassen, um keine schlechte Figur zu machen: – und glaubt ihr, Mein Kind zu sein ist vielleicht eine geringere Aufgabe? – Bedenket es wohl! Ja, Ich habe unermessliche Freuden, aber so leichten Kaufs erhält man sie nicht!
Begreifet doch einmal, was das heißen will: Ich, der Schöpfer alles Sicht- und Unsichtbaren, habe euch auserwählet, um euch zu Meinen Kindern zu machen, – und dann, wenn ihr diesen Begriff klar, aber ganz klar aufgefasst habt, dann sehet eure Ziffern an, und ihr werdet finden, dass selbe hätten noch bei weitem schlechter ausfallen sollen.
Diese Erkenntnis aber soll euch dann mehr noch aneifern, jetzt wenigstens mit Ernst anzufangen, Alles zu tun, was in euren Kräften steht, um dieser hohen Gnade, die ihr vor Millionen eurer Mitmenschen voraushabt, auch ganz würdig zu werden!
Handelt also, so lange noch irdische Luft eure Lungen und warmes Erdenblut euer Herz bewegt; denn kommt der Tag der Abrechnung, so möget ihr nicht mit leeren Nieten, sondern mit vollgewichtigen Zahlen in Mein Reich eintreten, um alsdann mit leichter Mühe dort zu vollenden, was ihr hier unter Kampf und Leiden begonnen habt.
Dieses ruft euch euer liebender Vater zu. Der gerne eure Zweifel aufklärt, aber auch tüchtigen Ernst des Handelns von euch verlangt, damit ihr nicht bloß dem Namen nach Seine Kinder genannt werdet, sondern es auch in der Tat wirklich seid!
Amen!
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