Empfangen vom Herrn durch G. Mayerhofer, am 25. Febr. 1872
Meine lieben Kinder, eure Briefe an Meinen Schreiber sind stets voll von Zweifeln, über verschiedene Worte, welche Ich euch von Zeit zu Zeit sende, weil ihr die Begriffe von Gottes- und Nächstenliebe, und wie beiden Genüge geleistet werden kann, nicht ganz mit dem praktischen Leben, so wie selbes sich für euch gestaltet, in Einklang bringen könnet.
Besonders du, Mein Sohn, scheinst bald da, bald dort auf Widersprüche zu stoßen, und Ich sage dir, in Meinen Worten gibt es deren keine, sondern die Art und Weise der Anschauung deiner eigenen Lage und Stellung erschweren dir die klare Einsicht in jene Worte, die Ich dir und durch dich vielen Andern sende, wo aber wohl in der Zeit ebenfalls wieder ein Jeder, gemäß seiner Individualität und seiner eignen Verhältnisse, Stellen finden wird, welche er mit seinen ihm allein eigenen Verhältnissen verschmelzen und praktisch verwirklichen kann.
Du möchtest die Nächstenliebe in dem Maße ausüben, wie einst Ich und Meine Jünger es taten, im höchsten Sinne genommen, – mochtest dich alles Materiellen entäußernd Mir ganz allein die Sorge für dein leibliches Wohl ec. überlassen.
Das ist der Drang der Liebe, und wenn du ihm folgen würdest, so käme ein Resultat heraus, welches dich nicht im Mindesten befriedigen würde; denn so wenig Ich, die allerhöchste Liebe, ohne die leitende Weisheit bestehen kann, ebensowenig kann die Nächstenliebe ohne den regelnden Verstand bestehen.
Meine Weisheit setzte der Liebe diejenigen Grenzen, zwischen welchen die Schöpfung, ihr Anfang, ihre Fortdauer und ihre stets fortschreitende Entwicklung bestehen kann.
Bei deinem Handeln während deiner Lebenszeit soll zwar überall der alleinige Motor oder Bewegungsgrund die Liebe sein, der Ratgeber aber – dein auch von Mir in dich gelegter Verstand.
Ich will dir ein recht praktisches Beispiel dazu geben: Siehe, die Kraft des luftförmigen Wassers – des Dampfes, – was würde diese Dampfkraft wirken oder anstellen, hätte nicht der berechnende Verstand derselben Grenzen angewiesen, zwischen welchen sie wirken und nützlich sein kann! –
Wie vielen materiellen und indirekt auch geistigen Nutzen bringt diese Kraft bei weiser Benützung – und welch schrecklich zerstörenden Charakter kann sie annehmen, wenn sie, nicht genau überwacht und gehütet, ihre Schranken durchbricht und mehr tut, als was der Mensch wollte oder anstrebte. –
Der Dampf ist wie die Liebe, welche keine Schranken kennt und sich über Alles ausbreiten möchte. Die Maschinen mit ihren Teilen, bestehend aus Behältern, Röhren, Schrauben u.s.w., gemacht aus verschiedenen Metallen – sind entsprechend wie die Weisheit oder in Formen ausgedrückte Verstandeskraft, welche je nach Umständen den Dampf so oder so gebrauchen.
Im Leben sind diese Schrauben, Ventile, Röhren und Gewichte entsprechend die Verhältnisse, welche der gottbegeisterten Nächstenliebe, wenn selbe ausarten möchte, die geweisten Wege zeigt, damit nicht mit allzugroßem Eifer Schaden statt Nutzen bezweckt wird. –
So, Mein Sohn, musst auch du deine eigenen Verhältnisse betrachten; auch dir sind Schrauben, Ventile und Gewichte ec. im Wege, welche dich nicht handeln lassen, wie du möchtest; du murrest zwar manchmal darüber, wie auch der Dampf sich gegen diese Fesseln sträubt; und doch nur mittelst dieser Hindernisse ist das geistige Leben vereinbar mit dem materiellen, ist ein Fortschreiten und ein befriedigendes Ziel möglich.
Bleibe deshalb auch du ruhig in der Lage, in welche Ich dich gestellt, weil Ich dich so am besten brauchen kann. – schneide dir nicht selbst alle Mittel zur Ausübung der Nächstenliebe, als tatsächlichen Beweis der Gottesliebe, ab, – und du wirst immer, nach jeder Tat, in dir den Regulator vernehmen, welcher dich überzeugen wird, dass du nur so und nicht anders Meinen Wünschen gemäß gehandelt hast.
Wie bei jeder Dampfmaschine natürlich der Dampf die Hauptsache ist, so soll auch bei dir die Liebe der Hauptfaktor und Hauptbeweggrund alles Handelns sein. Dieser allein kann dir Ruhe und Trost geben, – und dann sagte Ich dir ja schon öfter: bei Mir gilt der Wille und Beweggrund, und nicht die Tat selbst; denn manchmal muss Ich hemmend einschreiten, wo zu großer Eifer zu falschen Resultaten führen würde.
Achte dieses Wort, und es wird dir Licht geben, so wie es Meinem Kinde – deinem Weibe – erging mit dem letzten Worte über „Blut und Wasser.“
Im menschlichen Körper belebt auch nicht das (geronnene) Blut oder das lymphatische Wasser (serum) allein, sondern nur beides zusammen; Blutstoff (Blutkügelchen) mit dem Blutwasser vereint, ist der Lebensträger des ganzen Organismus, als dessen Beförderer und Erhalter.
Wie in der ganzen Schöpfung Meine Liebe, verbunden mit Weisheit, alles bewirkt, so soll in eurem Leben Liebe oder Herz mit dem Verstande vereint sein, ähnlich wie der Dampf mit maschineller Vorrichtung erst Resultate hervorbringt, die auf andere Weise nicht erreicht werden können –
Dir, Meine Tuchtor, sage Ich, vertraue auf Mich! wenn auch noch mehr Leiden dich befallen mögen, die wohl teilweise Schaden anrichten können, aber im Allgemeinen doch notwendig und schließlich nur nutzbringend sind.
Nur hüte dich vor selbstgemachten Fehlern; denn diese musst du auch selbst wieder gut machen, weil du sie begangen hast, und Ich selbe zwar zugelassen habe, um dich vorsichtiger zu machen, damit du so noch Schlimmeres vermeiden lernest!
Gesetze bestehen in der ganzen Natur, und diese kann Ich nicht umstoßen, sondern höchstens deren Prozess beschleunigen, wodurch dann für Manches der Verlauf kürzer wird, und zwar zu deinem und aller Menschen Segen!
Amen.
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