Empfangen durch G Mayerhofer, am 19. November 1870
Nachdem es sich um die Gewinnung einer Seele für Mein Reich, und deren Annahme Meiner Lehre handelt, so will Ich deinem schreibseligen Bruder mit kurzen Worten andeuten, wie man solches bewerkstelligen sollte, wenn man im Mindesten auf Erfolg hoffen will.
Auch Andere deiner Gesellschaft haben oft den Drang, zu belehren und Anhänger für das zu gewinnen, wofür sie selbst begeistert und davon überzeugt sind, dass es die alleinige Wahrheit ist; doch fehlt ihnen öfters der eigentliche Takt, wie man solches bewerkstelligen kann, und sie „fallen nur zu oft“ – wie man bei euch sagt: „mit der Tür ins Haus.“ Damit also auch ihnen und deinem Bruder besonders – mit Meinen Worten geholfen werde, so will Ich euch angeben, wie man sich bei solchen Gelegenheiten zu benehmen hat.
Seht, Meine Kinder, nachdem in der Welt jeder Mensch für sich wieder eine eigene (kleine Welt) ist, so muss auch bei euch der nämliche Grundsatz herrschen wie bei Mir, d.h. Ich behandle ja ebenfalls jede einzelne Welt, sei es Sonne, Planet oder Komet, je nach ihrer eigentümlichen Individualität; habe aber bei dieser Behandlung den Vorteil, dass Ich Meine Welten ganz genau kenne, wie sie beschaffen sind, was bei euch nicht gerade der Fall ist; denn ihr kennet die euch in die Nähe kommenden Menschen nicht so, wie Ich sie und Meine Welten kenne.
Ich kann in Meinen Mitteln nicht irren, wohl aber ihr; daher müsset ihr – wollt ihr in die geistige Organisation eines Menschen eingreifen – wohl bedenken, dass der Mensch, so wie er sich euren Blicken zeigt, ein Konglomerat von Ansichten und Erfahrungen und jugendlichen Erziehungs-Eindrücken ist, die, wenn sie nicht in euren Kram passen, nicht so leicht beseitigt werden können.
Ihr sollet also sachte zu Werke gehen, den euch um Hilfe Bittenden – also geistig Kranken – nicht die Mittel geben, welche nur für einen geistig Gesunden tauglich sind, denn dann verderbet ihr nur, anstatt gut zu machen.
Ihr müsset – wie bei einem Kranken – mit Schonung zu Werke gehen, Geduld haben, stets mit Liebe dem Verlangenden das beibringen, was ihm für den Augenblick förderlich ist.
Ihr sollet stets bedenken: auch euch selbst leuchtete nicht auf Einmal die helle Fackel der Wahrheit, sondern auch bei euch ward es – wie auf eurer Erde – nach und nach erst Tag.
Wenn ihr so verfahret, so ist ein Erfolg wohl möglich, aber nicht bei zu großem Eifer und zu schnellem Vertraut-machen-wollen mit dem, was auch bei euch Zeit und Mühe genug gekostet hat, bis es in euer geistiges Blut überging!
Und wie Viele sind denn unter euch, die sich des ganz richtigen Auffassens, des ganz richtigen Verständnisses rühmen können, wie Ich Meine Lehre aufgefasst und verstanden haben will?
Betrachtet euer praktisches Tatenleben und ihr werdet Alle sehen, dass ihr mehr oder weniger entfernt seid von dem, was ihr eigentlich sein solltet, und warum dieses? Weil ihr Meine Lehre nicht in ihrem ganzen Bereich verstanden und begriffen habt, denn ein Mensch, der von einer Wahrheit ganz überzeugt und durchdrungen ist, kann unmöglich mehr dawider handeln!
Forschet also in eurem Innern nach, und ihr werdet Alle finden, wie weit ihr im Verständnis dessen seid, was ihr so oft Andern erklären wollet. –
Und nun du, Mein Sohn, der du solches erst noch obenbei einem andern Bruder beibringen willst, den du gar nicht kennst, von dem es dir unbekannt ist, ob er deine Beweisgründe nur wünscht, oder sich nach einer Verbesserung seiner (geistigen) Lage sehnt, du hast neben den gewöhnlichen Schwierigkeiten des Beibringens einer besseren Lehre noch diese dazu gesellt, dass du auf unbekanntem Terrain Recht schaffen willst, wo du selber (vielleicht) blinder als der zu Heilende bist!
In solchen Fällen gehört – außer oben angeführten allgemeinen Verhaltungsmaßregeln – noch eine größere Vorsicht dazu, und ein feineres Gefühl, damit nicht Meine Worte wahr werden: „Werfet Meine Kost nicht den Schweinen (dafür Unreifen) vor!“
Weißt du, was das sagen will? Sieh, das will sagen: Wenn du dich an einen Unbekannten wendest, dessen Inneres dir nicht genau bekannt ist, so benimm dich so, dass er deine Worte – in Bezug auf Meine Lehre – ja selbst Mein euch gegebenes göttliches Wort nicht missbrauchen kann; benimm dich so, dass mit deiner Art und Weise, wie du ihm die Religion der Liebe, der Duldung und Versöhnung beibringen willst, du ihm selbe nicht im vornhinein verbitterst wegen deines allzugroßen Eifers; – sondern dass er, sei es von dir, sowie von der Lehre, die du ihm anrätst, wenn er auch nicht sogleich damit einverstanden, doch wenigstens Achtung bekommt, und in deinem eigenen Gebaren schon den Effekt einer solchen göttlichen Lehre sieht, und so vielleicht den Wunsch hegt, eine Lehre, die den Menschen so geistig adelt, selbst kennen zu lernen.
So sollte dein Brief abgefasst gewesen sein, dann vielleicht wäre er von Nutzen; aber so, wie du ihn schriebst, wird er nur von Seite des Empfängers Bedauern und Mitleid mit dem Schreiber erwecken.
Damit aber auch du und die Schwester, welche diesen Brief an einen ihr bekannten Mann schreiben will, ungefähr wisset, was ihr eigentlich sagen sollet, so will Ich deine Stelle vertreten, und den Brief Selbst schreiben, und an der Wirkung wirst du erkennen, wer sich besser darauf versteht, Ich oder du, Anderen beizubringen, was dir selbst noch nicht ganz klar ist; so höre also:
„M. H.
„Schon sind geraume Zeiten verflossen, dass ich – von Ihnen getrennt – in verschiedenen Verhältnissen meine eigenen Religionsgrundsätze erproben musste, inwieweit selbe wirklich mir Trost und Ruhe gewähren oder nicht.
Nun denn, mein werter Freund, jetzt – wo ich so Manches erlebt und erfahren habe – ist auch durch die Führung Dessen, der Alles leitet und erhält, in meiner geistigen Überzeugung eine Wendung eingetreten, indem ich hier in T. mit Menschen anderer Gesinnung zusammenkam, als die bisher von mir gehegte war.
Diese Menschen wurden durch nähern Umgang meine geistigen Brüder und Schwestern, sie machten mich vertraut mit einer Lehre, welche mir auf die Bibel und das, was Christus hinterlassen, gegründet, jetzt meinen Frieden, meine Ruhe ausmacht.
Jetzt, wo ich deutlicher erkenne, was die Lehre Jesus eigentlich ist, nämlich die Lehre der Liebe, der Duldung und Versöhnung, jetzt – wo ich öfters in einsamen Stunden mein vergangenes Leben durchgehe – sehe ich manche schwarze Punkte, die ich wohl gerne verwischt, vertilgt haben möchte, wenn es nur möglich wäre!
Unter diesen von mir früher – obwohl unwissend – begangenen Fehlern ist einer der hervorragendsten: mein Benehmen gegen Sie, als ich damals bei und gleichsam auch unter Ihnen stand, wo wir stets – was Religion betrifft – verschiedener Ansicht waren.
Diesen schwarzen Fleck aus meiner Vergangenheit auszumerzen, drängt es mich eben jetzt, bei Ihnen Verzeihung zu erflehen und Ihnen meine Schwesterhand als Versöhnungszeichen zu reichen, denn wenn die neue Anschauung der Religion Christi mich begeisterte, so will ich es aber nicht beim Lesen bewenden lassen, ich will auch tätig zeigen, dass ich – durchdrungen von dem Versöhnungsgeiste göttlicher Liebe – auch in Taten beweisen kann, was in Worten mich so oft und tief bewegt!
Was diese neue Art der Anschauung der christlichen Lehre selbst anbelangt, und die Schriften, die ich darüber gelesen, so erbiete ich mich, Ihnen, falls Sie den Wunsch äußern sollten, selbe näher kennen zu lernen, deren einige zu senden, wo Sie dann sowohl den Verfasser leicht selbst erkennen mögen und auch zu beurteilen im Stande sein werden, inwieferne die darin enthaltenen Lehren und Grundsätze göttlicher Natur sind oder nicht.
Ich tue diesen Schritt auch noch in dieser Hinsicht, um vielleicht auch Ihnen zu teil werden zu lassen, was zu meiner Ruhe und meinem Frieden – besonders in den jetzigen bewegten Zeiten – soviel beigetragen hat.
Ich unterzeichne mich als Ihre N. N.“
Sieh, Mein Sohn, so sollst du für deine Schwester schreiben, und sie wird ein geneigtes Ohr und ein williges Herz zur Aufnahme Meines Wortes finden, nicht aber wie du es im Sinne hattest.
Nicht viele Worte, aber überzeugende Worte sind nötig, um die Aufmerksamkeit Anderer zu erregen, und so einen Weg anzubahnen, der, ohne die Individualität der Person zu verletzen, nur heilend und lindernd wirkt, ohne zu reizen, ohne zu beleidigen.
Mit dem Schlüssel der Liebe öffnen sich alle Herzen, auch die hartverschlossenen, diesen gebrauche du und deine Schwester ebenfalls, und du wirst erkennen, dass dieses der einzige Weg ist, sich Mir zu nähern, und auch Andern diesen Weg zu zeigen!
Amen!
Empfangen vom Herrn durch J. Lorber, am 3. November 1840. Ein gar kurzes Wörtlein zum Tag der
Eingeburt
(des C. L.) nicht als er ist ein Diener der Welt, sondern als er ist ein Weinzierl Meines Weinberges, damit er wisse, dass Ich allezeit seiner gedenke; und so sei dieses kurze Wörtlein folgendes:
Beharrlichkeit und Unerschrockenheit
In der Liebe – freuen mich in Ewigkeit;
Daher auch tue du, was dir beschieden,
Ganz unerschrocken, liebetreu hienieden;
So wirst auch du dereinst mein Ritter werden,
Und zwar ein and’rer als dahier auf Erden.
(Der Betreffende hatte den Titel K. G. "Ritter" von L. als einzigartiger Staatsbeamte und geschätzter Dichter.)
So Jemand wahrhaft liebt, ist treu und keck
In seinem Trachten, der erreicht den Zweck;
Dazu – wenn noch beharrlich er verbleibet –
Auch alle Hiuderniss‘ er leicht vertreibet;
Denn wahre Liebe lässt sich niemals spotten,
Sie bietet leichten Trutz all den Geboten!
So mach’s auch du als lieber Weinzierl Mein
Und pfleg‘ den Stock und zeuch mir guten Wem,
So wirst auch du der Liebe Sieg entbinden
Und dich bald wohl in Meiner Gnade finden;
Ist dir bisher auch dunkel manche Stelle,
So sei getrost, du stehst noch an der Schwelle,
An der es dir – wie Vielen – wird gelingen,
Gar bald ins Gnadenflammen-Meer zu dringen!
Nur musst‘ dich niemals bangend trübe sorgen,
Ob trüb die Nacht – folgt doch ein heit’rer Morgen!
So gibt’s auch manche Dinge, wohlbegriffen,
Ja so du steigest über Felsgeriffen,
Die viele Mühe kosten, sie zu klären,
Und Schweiß, den Schaukreis sich zu mehren;
Doch wer beharrlich denkt, beharrlich steigt,
Vor dem auch bald sich Cimborasso beugt!
Das sagt dir, Den du mehr und mehr wirst kennen,
So du von Ihm wirst hören „Amen“ nennen!
Das sag‘ Ich Vater – dir zum Namen
Und sage allzeit:
Amen! Amen!
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