Empfangen durch G. Mayerhofer, am 6. November 1870
Was deine Zweifel in Hinsicht fremder Einflüsse betrifft, und warum Ich dir Dinge diktierte, die nicht eintrafen und auch nicht, wenigstens nicht, wie ihr es meinet, d.h. buchstäblich, eintreffen werden, so weißt du den Bescheid darauf schon seit mehreren Tagen; deinem Bruder will Ich nur sagen, dass Ich, um euch zu prüfen und eure Seelen zu stärken, manchmal Mittel anwende, die euch nicht klar (weil scheinbar nicht wahr), aber später doch wahr werden, d.h. in geistiger Beziehung sich bewähren können.
In vielen Fällen ist heroischer Mut wohl gut, alles frei herauszusagen, was man für Wahrheit hält, in andern Fällen ist aber auch das Schweigen zur rechten Zeit vielleicht noch besser. Es gehört oft mehr Charakterstärke dazu, zur rechten Zeit zu schweigen, als wie zur rechten Zeit zu reden.
Wenn Ich nun bei euch, lieben Kinder, auch diese Tugend üben wollte, welche euch Schweigen auferlegt, damit ihr durch voreiliges Herausplappern nicht auch den andern guten Samen bei euren Schwestern und Brüder zerstöret, wie sieht es dann mit Meinen bezüglichen Diktaten aus? Verstehet ihr Mich jetzt? Also Geduld und Vertrauen! abgewartet und stillgeschwiegen! Am Ende werdet ihr schon zufriedengestellt werden! –
Was Meinen lieben Sohn L–g betrifft, so sage ihm, er solle nur stets auf seine innere Stimme horchen, sie wird schon noch deutlicher werden, wenn er selbe auch deutlicher zu vernehmen nötig haben wird.
Dass es ihm nicht gelingt, seine geistige Stimmung auf gleicher Höhe zu erhalten, und das Herz stets gleich erwärmt zu haben, das ist eine Sache, die – im weltliche Verhältnisse verwickelt – keinem Menschen möglich ist; er soll sich nur daran gewöhnen, Alles, was er denkt und fühlt, auf Mich zu beziehen, es soll ihn der Gedanke an Mich, wie ihr euch die Schutzengel denket, stets begleiten, dann wird er sich nie aus Meiner Nähe entfernen. „Nichts ohne Mich – und Alles für Mich!“ das sei sein Wahlspruch, und Alles wird sich ausgleichen, nur muss man von der Seele nicht verlangen, was sie zwar geistig vermag, aber im Körper gebunden unmöglich bleibend erhalten kann. –
Und nun zu Meiner lieben Kranken. Auch ihr muss wieder Ich antworten; denn wir haben sie so verwöhnt, dass sie sich mit deinen Trost- und Liebesworten nicht mehr begnügt, sondern von Mir selbst stets einige Worte haben will. Nun so schreibe denn, damit wir das Flämmchen nicht auslöschen, sondern selbes stets mehr anfachen. Also, Mein liebes Kind, du siehst aus dem Verlaufe deiner ganzen Krankheit, was dir eigentlich fehlte, nemlich das rechte Vertrauen zu Mir.
Jetzt, wo du auf dem Wege bist, selbes in deinem Herzen zu befestigen, geht es auch – wie mit deiner Seele – so auch mit deinem Leibe besser; fahre also fort, nicht in dem zu wanken, was du jetzt so schon in deinem Herzen trägst, und in Bälde wirst du Mich noch
besser kennen lernen. Siehst du jetzt, wie kurzsichtig und halsstörrig ihr Menschen oft seid! Möge es dir für die Zukunft als Lehre dienen, und lasse nicht ab von der Hand, die sich so oft hilfreich gegen dich ausgestreckt hat, und die du so oft zurückgewiesen hast.
Sei, wie es dir Meine Stimme in deinem Traume zeigte, stets ein folgsames Kind, und du wirst auch stets den liebenden Vater finden, der euch nie verlässt, wenn ihr auch Ihm manchmal den Rücken wendet. Trachte, dieses große Geschenk, das Ich dir gegeben, zu erhalten; trachte, dich stets mehr und mehr mit deinem Manne geistig zu verbinden, auf gleicher Höhe mit ihm zu stehen, um so Mir zwei Herzen in Eins vereint darbieten zu können. Das soll euer irdisches Ziel – und wegen dem daraus erwachsenden Seelenfrieden – ein Vorgeschmack des jenseitigen Hochgenusses sein!
Bedenke Meine Worte wohl, sei gehorsam Mir und deinem Geiste, und die Folge wird dich vom stetigen Segen deines heiligen Vaters überzeugen.
Amen.
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