(Beleuchtung einiger Einwürfe des † kath. Pfarrers Sch–f.)
Empfangen durch G. Mayerhofer, am 31. März 1870
Mein lieber Sohn! Was die Antwort auf des Pfarrers Sch–f Bemerkungen betrifft, so ist es eine schwere Sache, gewissen Leuten das so darzustellen, wie es eigentlich ist, ohne in Konflikt mit ihren angewohnten Gebräuchen und mit ihren Standespflichten zu kommen; denn Geschriebenes ist ein lebendiger Zeuge, der – wer weiß auf welche Art – dem Schreiber Unannehmlichkeiten bringen könnte!
Was nun die Fragen und Bemerkungen desselben betrifft, so sind selbe nicht so gegründet in Meiner Lehre, wie er es eben meint, er solle Mir nur nachweisen, z.B. wann setzte Ich ein „Messopfer“, wann die „Firmung“, die „Beichte“ und sonst mehr ein? –
Wenn einzelne Worte aus Meinen Evangelien in den Konzilien und auch schon früher – statt dass selbe im Geiste (und somit in der Wahrheit) aufgefasst werden sollten – in das Zeremonielle übergingen, und man so eine der später errichteten Priesterkaste gerade angemessene mystische Form gegeben hat, damit sie als von Mir allein bevorzugte Kaste erscheinen sollte, so hat das mit Meiner Lehre nichts zu tun; denn wenn Ich zu den Aposteln sagte: „was ihr auf Erden bindet, soll auch im Himmel gebunden, und was ihr da löset, soll auch bei Mir gelöset sein!“ so gab Ich solches erstens Meinen Aposteln, als Meinen würdigen Nachfolgern, und zweitens nahm Ich dieses Binden und Lösen nur im geistigen, ja im höchsten himmlischen Sinne, der Zeremoniell ausschließt.
Den jetzigen sogenannten „Nachfolgern Meiner Apostel“ hätte Ich solches gewiss nicht gegeben, wenigstens der Mehrzahl nicht, die nun zumeist so weit von Meinen Aposteln in geistiger Hinsicht entfernt sind, wie die Erde vom letzten Sterne, der im ewigen Raume Meiner Schöpfung leuchtet! –
Und was ist denn eigentlich das Messopfer? was soll es denn eigentlich bedeuten? – Da wird mir einer der Kleriker sagen: „es ist die taugliche Wiederholung des Abendmahles, als Jesus von Seinen Jüngern Abschied nahm“, – gut, sage Ich, wenn Ich es auch also gelten lassen wollte, so frage Ich aber nun: „was gewinnen denn die andern Zuschauer, denn Zuhörer gibt es wenige, erstens die das Latein verstehen, und da zweitens auch der Priester am Altar nicht laut vorbetet, außer wenn er sich zum Volk wendet?“
Nun frage Ich euch: „wenn einige hundert Andächtige in einer Kirche solch einer Messe beiwohnen, was sind diese eigentlich?“ Sie sind nichts anderes als – nach Meinem Segen und nach Meiner Gnade Durstige und Hungernde; nun, wie kann aber Jemand satt werden, wenn man ihm nichts weiter zur Nahrung gibt, als das Zuschauen, wie ein Anderer an einer wohlgedeckten Tafel sich seinen Durst und Hunger allein stillt, und den Andern nur die Ehre des Zuschauens lässt? –
In der kath. Kirche ist es ebenso, die sogenannten Andächtigen hinter dem Priester können sich während seiner Mahlzeit denken, was sie wollen, oder wenn sie eben keine Gedanken haben, die da zu diesem Tische vor ihnen passen, und auch um vielleicht andere Gedanken zu verscheuchen, die nicht ins Gotteshaus passen, so lesen sie andere Gedanken, die meistens auch wieder von menschlichen privilegierten Schreibern aufs Papier gebracht wurden, oft in ebenso gedankenlosem Zustande, als der Leser vielleicht selbst war. –
Was die Ehe und die Firmung betrifft, so sind beide – geistlich gemeint, besonders die Erstere – eine unauflösliche, weil sie nicht Körper, sondern die Seelen verknüpfen sollte, die dann durch das dritte Band – die Kinder – erst einen ganzen Seelenkomplex bilden sollte; dieses war wohl Meinen Aposteln als Recht gegeben, allein was taten sie denn eigentlich, wenn nämlich zwei Personen verschiedenen Geschlechts auf Lebenszeit durch die Liebe verbunden sich mit einander vereinigen wollten? – sie banden sie eigentlich nicht, diese beiden Personen, sondern sie segneten nur diesen Bund, den diese Beiden schon früher mit einander abgeschlossen hatten. Die Firmung oder – eigentlich gesagt – der figurierte Akt der Demut war aus Meinen Worten gewählt, wo Ich sagte: wer dir einen Streich auf den einen Backen gibt, dem reiche auch den andern hin, welches besagen will, wenn du deine Eigenliebe und deinen Hochmut und Stolz so gebändigt hast, dass du jede Unbilde mit einem Segen bezahlst, dann bist du wert, ein Christ und Mein Nachfolger genannt zu werden, und bist deswegen auch wert, mit dem Oele – als Zeichen der Einweihung in Meinen Bund – gesalbt zu werden! Dass die Menschen später alljährliche Zeremonien daraus machten, und zwar die Priester, das geschah darum, weil eben die Priester Alles aufsuchten in Meinem Evangelium, um nur recht viele Zeremonien herauszubringen, wodurch das Volk glauben sollte, sie allein seien die eigentlichen privilegierten Stellvertreter Meines Reiches auf Erden, und wer zu Mir kommen wollte, konnte und durfte keine andere „Vermittlung“ annehmen, als nur die ihrige!
Eben diese Idee und Ansicht hatte auch die Entstehung eurer Ohrenbeichtform zum Grunde, die später besonders den höher Gestellten zu Gute kam, um die Geheimnisse der Könige und Kaiser sowohl, als auch die Stimmung im niederen Volke in ihrer Hand zu haben.
Denn wenn Ich sagte: – NB. zu Meinen Aposteln – „denen ihr vergebet die Sünden, denen sollen sie auch im Himmel vergeben sein“, so sagte ich solches zu Männern, die von Meiner Lehre beseelt, durchdrungen waren, und die auch – wie ihr aus der Geschichte wisset – die Meisten ihr Leben dafür gelassen haben; ein großmächtiger Unterschied gegen Meine seinwollenden jetzigen Apostel, von denen manche eher allen Menschen das Leben nehmen möchten, um das ihrige zu erhalten.
Du siehst daraus wohl, wie falsch und nur zu Eigenzwecken alle Meine Worte da ausgedeutet wurden, um das Volk, so wie es bei den Templern zur Zeit Meines Wandels auf Erden war, ganz von sich abhängig zu machen. Dass dann das Volk natürlich durch diese geistige Binde, die der Klerus ihm um die Augen legte, auch geistig blind wurde, und es auch den Königen und Kaisern konvenierte, mit dem Priesterstand gemeinsame Sache zu machen, nach dem Sprichwort: „du hältst mich und ich halte dich!“ so ist es dann eine Zwangsanstalt geworden, die umgekehrt – statt den geistigen Fortschritt zu befördern, – das leibliche Zusammenleben der Familien und Völker erleichtert hat, da sie in dem sogenannten kirchlichen Ritus (der katholischen Kirche) und ihren vorgeschriebenen Gebräuchen keinen Hemmschuh fanden, für ihre weiteren eigennützigen und herrschsüchtigen Gelüste.
Was das Hände-Auflegen betrifft, so hat es damit seine geweisten Wege, wer segnend in Meinem Namen einem andern – in was immer für einem Bedrängnisse – die Hände auflegt, dem werde Ich auch helfen, und ihn segnen, d.h. durch die (liebgläubig) magnetische Manipulation (wie ihr es nennt) dann in dem Leidenden – sei es geistig oder körperlich – soviel Trost und Heil einfließen lassen, als er für den Moment braucht; das Hände-Auflegen aber als Standes-Zeremonie, ohne weder an Mich oder etwas Anderes zu denken, ist so wenig etwas nütze, als wenn Ich Jemand das Gegenteil erdulden will lassen, als der vermeintliche Segen damit bezwecken will.
Da aber alle diese Gebräuche, deren Abstammung aus Meiner Lehre und aus Meinen Worten Ich euch schon früher gezeigt habe, nun einmal gang und gäbe sind in der ganzen katholischen Kirche, und bei jeder Erziehung der Kinder in der katholischen Religion doch nur die ersten Grundprinzipien eines religiösen Gefühles sind, so ist es auch deswegen, wenngleich das Kind es nicht versteht, was unter den Symbolen verstanden wurde, oder wie sie ausgelegt werden sollten, doch notwendig, die Kinder an alle diese Gebräuche anzuhalten, jedoch nur mit stetem Hinweis auf Mich; denn wer in die Kirche, zum Beichtstuhl, zur Firme und Messe geht und Mich dabei sucht, der wird Mich auch dort finden, wo er Mich suchte; nur muss aber bemerkt werden, dass der in der Kirche gemachte Vorsatz, Mir zu folgen und Mir ähnlich zu werden, auch außer der Kirche bleibend beibehalten werde; denn sonst ist das ganze Gebetseufzen und dergleichen in der Kirche noch leerer und unnützer, als die geistlose Verwirklichung und das professionsmäßige Herunterplappern einer Messe eines Geistlichen, mit dem Vorsatze, nur recht geschwind fertig zu werden.
Wer mich sucht, sei es im einsamen Kämmerlein oder in einem großen steinernen Hause oder in der weiten Schöpfung, wer Mich mit Andacht in Meinen Schöpfungen als die ewige Liebe, Gnade und Erbarmung sucht, der wird sie überall finden; denn wo ein Herz sich Mir öffnet, dort findet es auch seinen Vater; so der redliche Geistliche am Altare, der Betende hinter ihm, der Astronom in dem für ihn unermesslichen Räumen und Welten, und der Gelehrte in seinen Forschungen auf allen Gebieten der Wissenschaft.
Wenn diesen Allen der Gedanke im Herzen emporsteigt: o Herr, was bin ich, dass Du meiner gedenkest! so werden sie Mich sicher finden; denn all Meine Werke predigen Liebe, und die Liebe selbst ist ja nichts anderes als Mein Grund-Ich, ohne welche weder Ich noch die ganze Schöpfung, noch ihr, Meine lieben Kinder, erschaffen worden wäret!
Haltet euch Alle an das Wesen des großen Wortes „Liebe“, es trägt Unendliches in sich, wer dieses Wort ganz begreift, der begreift auch Mich, seinen Vater, Schöpfer und Gott! Amen. – Dies sagt euch die „ewige Liebe“, die stets an euer Herz klopft, und in einemfort um Einlass bittet, damit ihr in dem hehren Bunde Meiner seligen Geister den ganzen inhaltsschweren Sinn des Wortes „Liebe“ kennen lernen möget.
Amen! Amen! Amen!
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