Empfangen durch G. Mayerhofer, am 7. Juni 1872
Meine lieben Kinder! Ihr habt Beide an Meinen Schreiber Worte des Zweifels und der Bitte gerichtet, um aus diesem schwankenden Zustande herauszukommen, und statt nebliger Bilder klares Licht zu erblicken. Die weltlichen Verhältnisse, die schon längst euer Gemüt bestürmen und euch nicht zu klarer Ansicht kommen lassen, ja die sogar auf den Punkt euch gebracht haben, statt in Liebe einander feindlich gegenüber zu stehen, alle diese Gründe führen euch zu Mir, und ihr erwartet mit den nächsten Zeilen Meines Schreibers eine bestimmte Antwort von Meiner Seite, wie ihr handeln? was ihr tun? und was ihr lassen sollet! – Sehet, eben diesem bestimmten Erwarten von präzisen Verhaltungsregeln kann Ich nicht willfahren und zwar aus zwei Gründen:
Erstens, weil eure Freiheit aufgehört hat, wo Ich befehle, und zweitens weil da die Verantwortung eurer Handlungen nicht auf eure Schultern, sondern auf die Meinigen fällt!
Nun eure Anfrage an Meinen Schreiber hat zum Grunde – Nichts als Meinen Willen zu
tun.
Ich muss euch aber fragen, glaubet ihr denn, es geschieht Etwas ohne Meinen (zulassenden) Willen? –
Sehet, hier ist die Auffassung all Meiner Worte, und besonders all Meiner an euch besonders gerichteten Gnadenspenden – eine irrige, weil ihr keinen Unterschied machen wollt zwischen dem, was Ich zulasse, und zwischen dem, was Ich will! –
Hier muss Ich euch eine nähere Aufklärung geben, damit Meine Worte nicht missverstanden werden, und ihr dann klarer sehen und verstehen könnet, inwiefern die Welt-Verhältnisse zu beurteilen sind, und wie bei verschiedenen Fällen es sich zu benehmen ist! –
Ich habe euch in keinem Worte ausdrücklich gesagt, Ich will, dass Ihr so oder so handeln sollet, sondern Ich habe euch stets an euren Verstand selbst gewiesen, und an die innere euch leitende Stimme, welche beide die einzig leitenden Faktoren in weltlichen Dingen sein sollen!
Der erste, wie sich zu benehmen, und der zweite, wie jede Handlung mit Meinen göttlichen Gesetzen in Einklang zu bringen sei.
Was ihr tuet oder lasset, soll das Produkt des selbständigen Willens sein! Ich lasse es zu, und wenn Ich es nicht will, weil Ich voraussehe, dass es nicht zu eurem Besten, nämlich zum Geistig-Besten ist, das leite Ich dann durch die Verkettung der Umstände so, dass das Endresultat nur entweder als Probe, oder als Witzigung für euch ein Warnungs-Akt werde, damit ihr auf dem geistigen Wege nicht straucheln, sondern vorwärts schreiten sollet.
Ich lasse tausend und tausend Sachen geschehen, die nach menschlichen Begriffen Ich als Gott entweder verhindern oder bestrafen sollte! Daher so viele Widersprüche bei den Menschen, die sich Meine Regierung anders vorstellen, als sie wirklich ist. –
Mein Wille ist unbegrenzt und allmächtig, indem er selbst aus den schlechtesten Handlungen doch den größten Vorteil für das geistige Reich ziehen kann und wird.
Aber dass Ich nach menschlichen Urteilen so oder so handele, so oder so Dieses zulassen oder Jenes verhindern sollte, – diese Ansicht beruht auf dem beschränkten Gesichtskreis, den die Menschen haben, die Alles nur für zeitliche Bedürfnisse, für zeitliches Wohlsein berechnen, während Meine Ansichten größer, erhabener, und weit in die Ewigkeit reichend berechnet sind, wogegen diese kurze Spanne irdischer Lebenszeit ein zu kurzer Zeitraum ist, als dass sie mit der ferneren Lebensdauer in Meinem Reiche in Anschlag gebracht werden könnte!
Ob ihr verpachtet, verkaufet oder behaltet, das ist für Mich ganz einerlei; Mein Streben, euch geistig zu führen zu dem Ziele, welches Ich euch gesteckt, wird dadurch nicht im Mindesten unterbrochen.
Meinen ausdrücklichen Willen, dass ihr so handeln sollt und nicht anders, diesen Willen werdet ihr nie wieder erfahren noch verspüren, sondern nach kurzen Intervallen rückwärts schauend und vergleichend: „Was habe ich gewollt, und wie oder wann habe ich es erreicht?“ diese Antwort wird euch klar dann Meine Hand und ihre Führung zeigen, wo stets das Endresultat ein Lob- und Preisgebet zu Mir sein wird! –
Mein Schreiber, weiß wohl, was Ich euch vorbehalten habe, aber seine Feder ist gebunden und wird euch nicht mitteilen, was euch pedantisch dann im Handeln hindern würde. Ihm habe Ich es wohl gezeigt, er ist auch deswegen ruhig über den Ausgang eurer Projekte, nur so viel ist ihm erlaubt, euch zu sagen:
Dass ihr das Vertrauen auf Mich nicht verlieren sollet! Dass ihr nicht Zwie- sondern Eintracht unter euch fördern sollet; Meine Hand führte euch bis heute, und wird euch nicht sinken lassen, nur müsset ihr, wollt ihr Meinen Weg begreifen, die irdischen Berechnungen bei Seite lassen, sondern geistigen Maßstab und höheres Ziel annehmen – dann wird der weltliche Himmel nicht so voll Zweifel hängen, ihr werdet eher in euren Meinungen zusammentreffen, weil in geistiger Hinsicht bei Erziehung der Seelen zur Ewigkeit keine verschiedene Ansicht und Meinung herrschen kann, denn es gibt nur Ein Ziel, und dieses Ziel ist Meine Kindschaft! Alles Andere ist Nebensache, und für Mich und Mein ewiges Geisterreich zu geringfügig. –
Werfet euch in Meine Arme! Handelt wie es euer Verstand in Welt-Sachen, und euer Gewissen in Geistes-Sachen eingibt. – Vertrauet stets auf Mich! und alle Berge von Hindernissen werden sich ebnen, alle Nebel verschwinden, und ihr werdet die Verhältnisse beurteilen lernen, wie sie es verdienen, und nicht wie selbe im aufgeregten Zustande euch scheinen.
Sagt ja doch ein Sprichwort bei euch: „Der Teufel ist nicht so schwarz wie man ihn malt,“ und Ich bin auch derselben Meinung, da Ich ihn doch persönlich nur zu gut kenne, aber auch die Verhältnisse sind nicht immer so verwirrt, als man glaubt, sondern nur die Ansicht ist verwirrter; verschaffet euch klare Übersicht über das was ihr wollt, und die Mittel zum Handeln werden bei Weitem leichter gefunden, weil sie eben nicht in der Ferne, sondern oft ganz nahe liegen.
Deswegen Mein Zulassen, um euch zu stärken, zu erproben, in wie weit ihr Meine geistigen Worte auch im praktischen Leben verwenden könnet; denn eure geistigen Augen müssen bei Weitem die Verstandes- und die körperlichen Augen an Schärfe übertreffen! –
Lernet also vorerst geistig sehen! Und ihr werdet bald die Hand erkennen, welche euch mit dem Faden der Liebe aus dem Labyrinthe der Zweifel herausfuhren will, und merken, dass alle Zulassungen nur deswegen geschehen sind, um euch noch mehr zu vereinigen, nicht euch zu trennen!
Amen!
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