Empfangen durch G. Mayerhofer, am 27. März 1870
Sage der lieben Schwester, sie solle sich nicht bekümmern wegen ihres Sohnes (als einzigem Kinde), Ich werde die Umstände schon so verketten, dass ihr zur rechten Zeit die geeignete Hilft und der rechte Rat wird.
Aber aus Allem, was jetzt an Mich durch dich und die andern Schreiber für Fragen gestellt wurden, zeigt sich noch immer, dass ihr Alle sehr wenig Vertrauen in Mich und in die innere Stimme eures Herzens setzen wollet; du selbst (Mein lieber Schreiber) bist Einer der Ersten, dem das Vertrauen in Mich bedeutend mangelt, indem du immer glaubst, das was du niederschreibst, sei etwa doch von dir selbst und nicht von Mir? bedenke aber doch, wie denn Solches sein kann? versuche es wie vorgestern Abends etwas zu schreiben, wenn Ich nicht will, und du wirst gleich ersehen, welch Stückwerk du da hervorbringen wirst, so dass du, wie du selbst einsahst, der Bittstellerin es nicht einmal übergeben kannst.
Was die andern lieben Töchter betrifft, so möchten Alle nur romantische Stellen in Meinen Worten finden, oder bestimmt ausgedrückte (persönliche) Lebens-VerhaltungsRegeln, damit ihnen dann von ihrer eigenen Willensfreiheit Nichts mehr übrig bliebe, und sie maschinenmäßig nur so handelten, wie Ich es dir oder Meinen anderen Schreibern in die Feder diktierte.
Aber bedenket doch, Meine lieben Kinder, wie kann dieses geschehen? soll Ich denn eurer Beurteilungskraft gar nichts mehr übrig lassen? oder soll Ich als Orakel vor euch dastehen? denn wenn ihr es genau betrachtet, so müsste, wenn Ich es einmal sage, auch Alles ebenso geschehen, wie Ich es ausgesprochen habe, da Mein Wort und Mein Wille dasselbe sind – wo bliebe dann eure Freiheit in den verschiedenen Verhältnissen des Lebens zu handeln nach Meinen Worten zum Besten eures Nächsten? wo bliebe diese notwendige Stählung eurer Willenskraft und eurer Liebe zu Mir? eurer Standhaftigkeit – in allen Fällen nur nach Mir und gemäß Meinen Geboten – nach Vollendung in der Wiedergeburt zu trachten? –
Bedenket das Alles, und ihr werdet selbst einsehen, dass, so wenig Ich euch eine Zukunft voraussagen kann (oder darf), dass es so geschehen muss und nicht anders, obwohl Ich Alles wohl weiß, wie es geschehen wird, indem Ich so Manches zulasse, aber nur zur Besserung der Menschheit; ebenso muss Ich euch auch verbergen, was da in eurem Handeln gerecht oder ungerecht, in der Folge für Resultate für euch und die Eurigen herauswachsen werden.
Und was hülfe euer Vorauswissen denn eigentlich? wenn es doch so geschehen muss, wie Ich es sagte, so ist es ja nicht der Mühe wert eurerseits, dass ihr euch dagegen sträubet, sondern nur, wie ihr auf deutsch saget, „alle fünfe grad sein lassen.“ Ist das vielleicht die
geistige Vollendung und Erziehung, die Ich euch geben will, oder die ihr von Mir erwarten könntet? –
Deswegen fraget nicht mehr: wie soll ich mich da oder da verhalten? was wird da oder dort, wie oder was geschehen? Es gibt hier nur zwei Dinge, die in Frage gestellt werden müssen; habt ihr trotz allem Lesen Meiner Worte, die Ich euch in die Hände geführt habe, noch nicht den eigentlichen Sinn alles dessen verstanden, was in all den Haupt- und Nebenworten, Naturzeugnissen und Gedichten enthalten ist? nämlich, dass ihr die Welt – Welt sein lassen, und ihre Verbindungen gar nicht beachten sollet!
„Sorget nicht für den morgigen Tag, denn jeder Tag hat seine Sorge!“ so steht es im Evangelium; was will denn das sagen mit anderen Worten? „Der dir heute dein leibliches und geistiges Brot gegeben, wird auch für den morgenden Tag sorgen, und wird, wie heute vielleicht in der Geduld, morgen dir eine Übung in der Sanftmut schicken, um dich zur geistigen Höhe Seines Ichs emporzusehen, und so auf diese Weise deine Seele zu üben, nach und nach Alles zu ertragen, was Er für dich, und als Beispiel für Andere, für nötig hält!“ –
Die zweite Frage ist, glaubt ihr Meinen Worten nicht voll, sondern nehmet ihr sie nur aus Neugierde, um stets etwas Neues zu erfahren so sind Meine Mitteilungen ja umsonst. Ich sehe es leider nur zu sehr, wie mit Allem, was Ich euch bis jetzt gegeben – besonders seit Ich Mich dir und deinen Mitknechte mitteile, – wie da mit Meinen Worten verfahren wird! kaum gelesen, werden sie – statt sich darein zu vertiefen, sich daran zu erwärmen, mehr und mehr hineinzudringen, ad acta gelegt und „requiescat in pace“ darüber gedacht. Wäre Ich nicht der allerliebevollste und geduldigste Vater, der Ich wirklich bin, so hättet ihr schon längst verdient, dass Ich euch nichts mehr kund gebe; denn „Gefühlspolitik“,wie ihr es nennet, will Ich mit euch nicht treiben, sondern Meine Zwecke stehen höher, es gilt die Bildung Meiner Kinder für die Ewigkeit, und da müssen dauernde Fundamente gelegt werden, nicht solche, die nur für den Augenblick passen, bei mir sind Tränen der Rührung noch lange nicht so viel wert, als selbe auch nur Einen kleinen Akt der Liebe in Meinem Namen geübt – aufwiegen könnten.
Deswegen ermahnet euch Alle! die ihr doch tagtäglich in Meinem Namen zusammenkommt, und fragt Mich nicht nach persönlichen und privaten Verhältnissen, sondern schwinget euch höher über die mit Schmutz bestaubten Felder der Welt, hinauf in jene Höhen, wo ihr alle diese Besorgnisse in ihrem wahren Werte kennen lernen sollet, und begreifet endlich, dass ihr nicht für diese Welt, sondern für Meine Himmel geschaffen seid, und jetzt durch Meine unendliche Gnade von Mir Selbst dazu erzogen werdet! –
Machet euch würdig eures Lehrers! veredelt euer Herz! lasset in selbes einströmen Meine Liebe und unbegrenztes Zutrauen zu Mir! Im Hinblick auf Dieses werden euch dann alle Zweifel schwinden, ihr werdet nicht mehr fragen: was soll mit meinem Sohne? was soll mit meiner Familie geschehen? u.f.w., sondern im Aufblicke zu Mir, der Ich euch mit Meinem Erdenwandel als Beispiel voranging, werdet ihr in euch selbst die Nichtigkeit eurer Besorgnisse erkennen, und ruhig alles abwarten, was Ich, euer stets liebevollster, euch nur am Gängelbande Meiner Liebe führender Vater euch gebe! –
Dieses Meiner lieben Tochter – und euch Allen, nebst Meinem väterlichen Segen. Sage ihnen Allen, dass Ich, wenn sie dieses lesen, Selbst in ihrer Nähe sein werde, und bereitwillig aufnehmen werde jedes Herz, das sich Meinen väterlichen Worten öffnen wird!
Amen, Amen,Amen!
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