Empfangen durch Jakob Lorber, am 5. Januar 1841
O Herr, lasse gnädigst ertönen Dein heilig Wort in mir, Amen. Jedoch wie allezeit in der Höhe und in der Tiefe, so auch diesmal nur Dein heiligster Wille geschehe! Amen, Amen, Amen in Deinem Namen! Amen!
Nun so vernehme und schreibe denn: (Matth. 7, 26.) Ich sage aber dir, wer nicht erfüllt Mein Evangelium, nachdem er es vernommen und nur einigermaßen durchdacht hat, siehe, der ist noch lange nicht geschickt zu Meinem Reiche, da er die Welt immer doch noch mehr fürchtet, denn Mich, – und möchte Mich lieben neben der Welt her; aber siehe, Ich bin nicht neben der Welt zu lieben, da die Welt durchgehends nicht in Meiner Liebe, sondern bis auf das letzte Stäubchen nur vermöge Meiner Erbarmung beständig in Meinen unerbittlichen Gerichten steht und besteht; denn Ich bin nur in der Liebe und Gnade erbittlich, aber ewig unzugänglich in Meinen Gerichten, die da sind die Heiligkeit Meiner ewigen Ordnung, zufolge Meiner unendlichen Weisheit.
So aber der (um ein Lichtwort Mich durch dich bittende) Bruder gelesen hat im Buche Meiner Liebe und Gnade, dass da gesagt ist: „Siehe die Kinder der Welt sind oft klüger, denn die Kinder des Lichts!“ (Luk. 16, 8.) – Warum mag er denn nicht anhören die Klugheit seines Weibes, und liebt dabei seine Kinder mehr, denn dass es billig wäre, und achtet nicht strenge darauf, dass die Kinder möchten treulich gehorchen ihrer Mutter in der häuslichen Klugheit, die da unvergleichlich doch besser ist, als alle nutzlosen Wissenschaften, mit denen er seinen Kindern die Köpfe anstopfen möchte lassen; o das ist durchaus nicht der rechte Weg zu Meinem Reiche (des ewigen Lebens im Liebe-Frieden)! –
Er kann ja allerdings die Kinder beschäftigen mit nützlichen Lehrgegenständen, aber dabei soll er nicht anderseits die Bestimmung des Mädchens und wieder anderseits die Bestimmung des Knaben aus den Augen und aus dem Herzen verlieren, sonst wird es ihm dereinst geschehen, dass er eine große Not an seinen Kindern erleben wird, die dann ihren ungebrochenen Willen über seinem Haupte aufbauen werden, und werden mit ihren ungebändigten Händen sein Herz erdrücken, da es jetzt schon zu schwach ist und zu nachgibig in vielen Dingen, um die nun noch weichen Hände der Kinder zu bändigen! –
Er sollte daher nicht anhören die allfälligen Klagen seiner Kinder, sondern nur allezeit unerbittlich und strenge genau untersuchen die Werke des blinden Gehorsams, sowohl gegen seinen Willen und gegen die häusliche Leitung der Mutter, die doch den größten Teil des Tages allein mit den Kindern zubringen muss; und soll sich aber auch zuvor liebevoll und rechtlich nachgibig, ohne deshalb von seinen Vaterrechten etwas hintanzugeben, mit seinem Weibe im Geheimen (d.h. nicht vor den Kindern) wohl einverständigen, und ihr in häuslicher Klugheit, nach Meinem Rate, ihren mütterlichen Wirkungskreis nicht allzusehr schmälern; dann wird das Ganze bald eine andere bessere Wendung nehmen.
Er möchte nur sehen in Mein Buch der Liebe und aller Gnade (Bibel), da Ich schon gesagt habe zu den Aposteln, wie ein gar großes Ding es ist um einen klugen und treuen Haushälter, welchen der Herr setzt über Sein Gesinde, damit er ihnen allezeit gebe zur rechten Zeit ihre Gebühr! Er solle nun auch die rechte Zeit nicht übersehen, und wohl nach Meinem Rate die Gebühr abwägen, dass da ja Niemanden weder leiblich und noch viel weniger geistig in seinem Kreise ein Eintrag oder Schaden geschehe; denn Ich sagte und sage dir nun wieder: „Selig ist der Knecht, welchen sein Herr finden wird also tun, wann er kommen wird; wahrlich sage Ich, Er wird ihn über alle seine Güter setzen.“ –
So aber dein Bruder nun auch ein Sachwalter und Knecht Meines neu geoffenharten „Wortes der Liebe und Gnade“ geworden ist; wie ist’s denn, dass er Mich erwartet, und Ich noch nicht kommen mag? – Das ist es, dass er sein Haus noch nicht fein genug bestellt hat;
wenn aber ein Haus nicht fein bestellet ist, da gleicht es noch stark einem vergoldeten Bleiklumpen, der zwar äußerlich glänzt, als wäre es Gold, und hat auch die Schwere des Goldes; aber höre, was den inneren Gehalt und Wert betrifft, da ist es denn doch nur erst ein wertloses Metall, und noch weit entfernt vom Golde, da es nur ein wenig Silbers in sich fasst, aber durchaus kein Gold.
So aber nun dein Bruder Mir ein recht treuer und williger Arbeiter an der Hecke Meiner Neupflanzung ist, und hat selbst eine gewisse Not mit seinem Weibe, die da schon vom Anfange der Welt mehr denn Mir gegeben, – so möchte er als noch immer Mein lieber „Willig“ tun, was da die Kaufleute tun, wenn unbillige Käuflinge auf den Markt kommen, und nicht wohl unterscheiden den Preis der Ware, und fangen an, denselben zu ihren Gunsten herabzuziehen; so lässt dann der Kaufmann einen kleinen Vorteil fahren, damit er nur seine Waren an den Mann bringt; – siehe, desgleichen solle Mein lieber „Willig“ nun tun, freilich anfangs nur in kleinen unmerklichen Beträgen, und so herab bis zum wohleinsichtigen Masse der gerechten Billigkeit, so wird dadurch sein Weib in ihrer Sphäre an ihm keinen unerbittlichen Stein nach ihrem Dafürhalten mehr finden, und bald nach seiner (geistigen) Ware selbst greifen. Sehet, wie oft muss Ich zu euch einen solchen Kaufmann machen, – und täte Ich es nicht, wo wäret ihr!? Wie Vieles habe Ich euch schon nachgelassen! und bedenket euch noch über Meine Ware, da ihr doch des Lichtes und nicht der Finsternis seid; so bedenket dann, wie schwer der Handel erst gehet mit Jenen, die da „geistig arm“, und „Kinder der Welt“ sind, voll Blindheit! –
Damit aber Mein lieber „Willig“ seine misslichen Haushaltungsverhältnisse in Betreff Meines Namens mit desto geduldigerem und hie und da nachgiebig prüfendem Herzen ruhig durchschauen möge, so gebe Ich ihm schließlich noch eine kleine Aufgabe, die er wohl überdenken solle, wenn Ich sage:
„Meinst du, dass Ich her(ab)gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde?“ (Matth. 10. 24–26) Ich sage euch aber, durchaus Nein! sondern Zwietracht; denn so in einem Hause irgend sein werden etliche Fünfe, die werden uneins sein unter sich, und werden sein 3 gegen 2 und 2 gegen 3; es wird da sein der Vater wider den Sohn, und der Sohn wider den Vater; die Mutter wider die Tochter, und die Tochter wider die Mutter; und wird sein die Schwieger wider die Schnur, und die Schnur wider die Schwieger.
Siehe, diese Aufgabe solle „Willig“ recht wohl überlegen, und es wird ihm ein großer Stein vom Herzen genommen werden; und sollte er aber diese Worte nicht alsobald begreifen, so wird er ja wohl wissen, wo „der arme Professor“ in derlei Dingen aus Mir – zu Hause ist, da ihm dann Alles treulich möchte gegeben werden, als das nötige Verständnis darüber in seinem „willigen“ Herzen, dass er Mir dann ein rechter Mann werden möchte nach Meinem Herzen.
Siehe, es erscheint im Lichte der Welt das Ding des Geistes gar oft als eine sich rein widersprechende Torheit; allem dem ist nicht also, denn so der Docht unter dem weißen Lichte schwarz wird, und die Asche über der schwarzen Kohle weiß; ist das nicht auch sogar in der Natur ein Widerspruch? und doch wer zweifelt, dass es nicht also wäre!
Daher, so ihr irgend auf Meinem Wege, Widersprüche findet, wie in der Natur und in eurem Welt- oder Leibesleben; dann denket, dass der Schiffer, so er seine Segel nicht gegen den Wind zu richten weiß, dass sein Schiff liefe gegen den Wind und gegen alle die Wogen des sturmbewegten Meeres, noch kein wohlunterrichteter Seemann ist! –
So eine Lehre gegeben wird, dass sie tauge zum Leben, so muss sie ja sein wie das Leben selbst, welches da ist eine Regsamkeit des Todes, da dadurch das Leben wird ein Leben im Angesichte des Todes, wie der Tod ein Tod im Angesichte des Lebens.
Nun schließlich ermahne Ich den Bruder (gutgewillten Leser) noch, dass er diese Schrift nicht
möchte seinem Weibe vorweisen, da es noch nicht an der Zeit ist; wohl aber werde Ich dem Knechte eine Weisung geben, wie er sich zu benehmen hat. Bisher aber ist noch kein Fehler geschehen (?), und so wird der Winter bald zu Ende werden. Nur das (Herzens-) Haus fein bestellen, das vergoldete Blech aus dem Hause schaffen, die guten Gelegenheiten weise benützen, Meinen Rat treu befolgen, ein guter Kaufmann und ein treuer Haushälter sein, bei Widersprüchen nicht kleinmütig werden, und alle seine Handlungen aus Liebe mit aller Geduld und Sanftmut lenken; da wird euch aller Sieg mit Meiner steten starken Hilfe ja doch gewiss nicht schwer werden! Amen! Das sage Ich, euer starker Helfer!
Amen, Amen, Amen!
Anmerkung. Natürlich ist eben vor allem nötig, sich selbst klar zu sein oder zu werden, ob man die Menschenpflänzchen (Kinder) für diese Welt nur, oder aber auch und hauptsächlich für die länger dauernde Himmelswelt der Ewigkeit und ihre Ordnung erziehen will!
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