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Sei ruhig und lerne beten

Empfangen durch G. Mayerhofer, am 7. Juli 1872

Mein lieber Sohn, nachdem alle Vernunft- und Beweisgründe umsonst sind, welche Ich dir seit geraumer Zeit, teils durch Meines Schreibers Mund, teils durch deine eigene Stimme im Herzen gebe, so muss Ich wieder zu dem letzten Mittel greifen und schwarz auf weiß dir beweisen, dass du in all deinen Urteilen, Suppositionen und Auslegungen Meines Wortes gänzlich unrecht hast und auf ganz falschem Wege, statt zur größeren Erkenntnis Meiner ewigen Liebe zu gelangen, du auf den Abweg geraten bist, wo du dir selbst mit Gewalt die Gaben deines liebenden himmlischen Vaters entziehen willst, welche Er doch nicht dem geringsten im Staube kriechenden Wurme vorenthalten hat.
Würdest du mit unbefangenem Blicke deine Führung, deine Lage und Meine Worte betrachten, so müsstest du finden, dass weder erstere so peinlich ist, als du sie dir malst, zweitens deine Schlüsse und Argumentationen alle grundfalsch und endlich in keinem Meiner Worte, sei es in den Diktaten an dich, oder in den Predigten für alle – ein solches Verdammungs-Urteil liegt, wie du es über dich selbst aussprichst! Du sprichst immer: „der Herr will Mich von hier fort haben!“ Wenn dem so wäre, wer könnte sich dann Meinem Willen entgegenstemmen?! Du gewiss nicht! Du sagst: „ich bin der Unwürdigste, Verworfenste unter euch! ich bin dem Untergange geweiht, von Ihm verworfen!!“
Wer sagt denn dir Solches? Wo kannst du Mir ein Beispiel aufführen, dass Ich jemand verworfen, verdammt habe? Wo steht geschrieben, dass Ich ein Gott der Vergeltung oder ein unerbittlicher Richter bin?! Im Gegenteil kannst du überall lesen, dass Ich die Sünder nicht mied, sondern sie eigens aufsuchte, und warum? Um sie vielleicht strenge zu richten und zu verdammen, oder nur um sie zu bessern, um sie unbarmherzig von Mir zu stoßen, oder sie liebend an Mein Herz zu ziehen!
Lese doch einmal die Bibel mit ruhigem Gemüte, vertiefe dich in Meine schon seit langer Zeit gegebenen Worte und du wirst in jedem Worte den Ausdruck der Liebe, der Verzeihung darin finden, aber nicht den des Verdammens, des Richtens!
Sieh, infolge deines hartnäckigen Verharrens bei einmal gefassten Ideen und Vorurteilen hast du das Beten verlernt, hast du verlernt, dich mit unbegrenztem Vertrauen in Meine Arme zu werfen und fühlst so das ganze Gewicht des Allein-stehen-wollens, wo du für dich und durch dich erreichen möchtest, was nur mit Meiner Hilft möglich ist, d.h. die Ruhe im Innern wieder zu gewinnen.
Und weißt du, was der Grund von allem diesem ist, es ist dein unbändiger Stolz – niemanden verpflichtet zu sein, von niemanden abzuhängen. Dieser Stolz trieb dich vom elterlichen Hause hinweg und sobald am einen oder andern Ort Freunde dich mit offenem Herzen empfingen, dich unterstützen wollten als Freund, so ertrugst du es nicht, du flohst wieder wo anders hin, um dort das nämliche Spiel zu treiben.
So geht es dir jetzt hier, deine Freunde nehmen Anteil an deinem Schicksal, reichen dir freundschaftlich die Hand, aber du willst nicht, dass man dich unterstütze; kaum einige Mittel in der Hand, gibst du ihnen zurück, was sie dir reichten, mit dem Gedanken in der Brust: „Ich will keine Unterstützung, und sei es auch von Freundeshand!“ –
Sieh, Mein liebes Kind, diesen Stolz zu bändigen und ihn in Demut zu verwandeln, ließ Ich es zu, dass du durch deine eigene Leidenschaft getrieben, in Verhältnisse kamst, wo eben ohne Unterstützung durch Freundeshand ein Weiterkommen nicht möglich, du einsehen mögest, dass Stolz, welchen Namen er auch besitze, stets eine schlechte Eigenschaft ist, welche Meinen Kindern nicht geziemt und in Demut verwandelt werden muss, bis du einsehen lernst, dass auch die Gaben aus Freundeshand Gaben aus Meiner Hand, Gnaden von Mir sind und du selbe mit dem Aufblick zu Mir als von Mir annehmen musst.
Du willst von hier fort, um in L. neue Verpflichtungen, neue Obliegenheiten einzugehen, bis auch dort wieder die Freundesliebe dich in die Weite treibt. Du begreifst nicht, dass das Wenige, was Ich dir jetzt hier zukommen ließ, dir gegeben wurde, um nach und nach dich anzugewöhnen, stets Meine Hand und Meine Führung darin zu sehen, stets willst du es besser machen und bist so kurzsichtig und siehst nicht, dass, je weiter du in deiner Seelen-Unruhe von hier weggehst, desto schwerer wird es dir – in allen Bedrängnissen gleich Rat zu haben.
Jetzt bist du geistig krank, wo ärztliche Hilfe manchmal gleich benötigt ist; bist du fern von hier, so musst du deine Klagen und Schmerzen erst dem Papiere anvertrauen, und nach Verlauf von Tagen erst kommt das Heilmittel in deine Hände, wo du wahrscheinlich desselben nicht mehr bedarfst, da der Sturm vorüber und deine Ansichten und Umstände sich geändert haben; du aber, statt von Freundeshand oder durch Mich Trost zu erhalten, allein gelitten, geduldet und gekämpft hast und vielleicht mehrenteils umsonst.
Ich kenne dein Gemüt und weiß, was ihm fehlt, und wie es zu heilen ist, deswegen lasse Mir die Kur über, dich von deinem Unabhängigkeits-Stolze zu heilen und bleibe ruhig dort, wohin Ich dich gestellt habe; und wenn der Zeitpunkt gekommen ist, wo du auch andern nützen kannst, so wird sich auch für dich der geeignete Weg finden, auf welchem du deine hier angebahnte geistige Erziehungsweise befördernd – dir und anderen nützlich sein kannst.
Sorge nicht für deine Freunde in der Ferne, für die sorge schon Ich besser als du, sondern benütze deine Zeit hier an deinem „Ich“ zu arbeiten, dass es gestählt werde, um einst schwereren Lagen und Umständen Trotz bieten zu können, Verhältnissen, denen du jetzt nicht gewachsen bist, welche nur dir allein Schaden, und deinen Nächsten wenig Nutzen bringen würden!
Lerne beten und vertrauen! Lerne dir Meine göttlichen Eigenschaften aneignen, dann wird Ruhe und Friede in deinem Innern wieder einkehren, und die Wahrheits- und Liebes-Sonne, die du jetzt nur durch lauter Vorurteils-Nebel siehst, wird dir wieder hell und klar leuchten, damit du deinen Vater im Himmel wieder erkennen mögest, welcher dich nie verlassen, und dir oft mit Seinem Segen am Nächsten stand, wenn du Ihn meilenweit entfernt glaubtest!
Dieses zum Troste mit Meinem Liebe-Segen!
Amen!

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