Empfangen durch Kath. Michel-M. (Triest), am 18. Juli 1871
Die Frage deines Bruders T. war zu voreilig, deshalb darin auch viel gemischtes Zeug zusammengebracht wurde; es ist noch nicht an der Zeit, der betrunkenen Menschheit selbes (unsere Schriften in die Öffentlichkeit zu bringen. D. Hsg.) zu überreichen.
Sehet nur, wie kleingläubig ihr alle unter einander seid; da Ich nicht täglich so wie ein Freund in der Fremde Mein Befinden (Bulletin) euch mitteile!
Sage Ich doch zu verschiedenen Malen: Gebet acht! (d.h. Wachet!) Bereitet Mir in euren Herzen eine kleine Wohnung, damit „der Herr der Herrlichkeit“ Seinen Einzug halten kann; habt ihr Mich je verstanden? Habt ihr je ein wahrhaftes Vertrauen gesetzt auf Meine verheißenden Worte? Bekenne selbst, und ein jeder von euch muss es bekennen, da es jetzt in der Prüfungszeit anfängt zu rumoren, – gleich Meinen Jüngern wollt ihr euch in Löcher, selbst nicht wissend wohin – verkriechen!
O wie schwach ist euer Glaube, dass Ich euch nicht verlasse, habe Ich euch bewiesen, du siehst, wie Ich dir immer nachgehe, sowie du bittest, komme Ich ja wieder, um dich zu trösten. Ich verlasse euch nie; aber eure Schwach-Liebe zu Mir zu prüfen – muss Ich Mich entfernen; daher gib dich getrost an deine Arbeit und der Segen des himmlischen Vaters wird dich begleiten.
Dein Vorhaben, deine Nebenmenschen zu trösten durch Worte der Liebe, und Vertrauen in Mich ihnen einzuflößen, ist ja vollkommen recht und deine Schuldigkeit und Meine Lehre, die Ich an die ganze Menschheit ergehen lassen will und auch immer ergehen ließ; aber die Menschheit oder vielmehr, ihr Eigendünkel ließ es nicht zu – die liebe und sanfte Vaterstimme zu vernehmen in ihren Herzen; deshalb hören sie nur mit dem Ohre, welches nicht ein aufnahmefähiges Organ für das Höhere ist, darum auch kein haltbares Resultat gefasst werden kann; dabei rufe Ich ja allen zu:
Wachet auf in euren Herzen, damit ihr der Vaterstimme ein nachhaltiges Gehör schenken könnt, welches dann auch feste Wurzeln des Vertrauens fassen kann, wo es kein Sturmgewitter mehr loszureißen vermag, wo ihr dann mit eurem lieben Jesus, Sohn, Vater und heiligen Gott das wahre Halleluja oder Auferstehungsfest feiern könnt.
Dieses dir und euch allen zum Troste von dem noch ganz missverstandenen Vater, Der nur aus Liebe Seine Kinder nach vollendetem Schuljahre prüft; wo selbe die Prüfung nicht bestehen, heißt es: Repetieren, das Jahr war eine ganz verlorene Zeit, Studieren heißt es wieder mit erneutem Mut und Eifer.
Es ist ja doch so wenig in allen den vielen geschriebenen Worten, der ganze inhaltschwere Punkt heißt nichts Anderes als: Liebe – und wieder reine Liebe eures heiligsten Vaters; mit dem Segen an alle!
Amen.
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