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41. Juden als Verteidiger des Christentums

Ein eigentümliches Vorkommnis in unserer Zeit:

(Abdruck aus einer Amerikanischen Zeitung.)
Vor einigen Wochen erschien in dem Brooklyn „Eagle“ ein Brief von dem Rabbiner Sparger, einem hervorragenden jüdischen Prediger, in welchem er nachzuweisen suchte, dass Christus entweder eine Mythe oder ein Betrüger war. Unter den Erwiderungen im „Eagle“ war eine von drei hervorragenden Juden, die höchst merkwürdig ist.
Diese Schreiber geben sich besondere Mühe, zu erklären, dass sie nicht orthodox sind, und zeichnen sich „Committee American Hebrew Freethinkers‘ Association“ (Komitee des Friedenkervereins amerikanischer Israeliten). Sie erklären, dass sie dem Brief des Rabbiners Sparger viel Aufmerksamkeit geschenkt haben; ebenfalls, dass ihre Ansichten von einer großen Anzahl „Juden geteilt werden, von Juden, die nicht rückwärts schauen, sondern die Dinge anblicken, wie sie in der Jetztzeit erscheinen.“
Die erste Frage, womit sie sich beschäftigen, ist: Hätte ein Betrug die vielen Proben bestehen können, welche das Christentum überstanden hat? Hätte das Christentum seinen Standpunkt behaupten können, hätte es sich zu einer solch fortschrittlichen Weltreligion, einer Religion, welche für jedes Land und jedes Volk auf der Erde passt, entwickeln können, wenn es auf einen bloßen Betrug gründet wäre?
Andere Religionen, sagen diese Schreiber, sind und waren immer auf gewisse Völker beschränkt. In dem Vergleich, welchen sie zwischen Christentum und Judentum und allen andern Religionen anstellen, bringen sie dann einen der stärksten Beweise für das Christentum hervor. Wir lassen sie selbst reden:
„Was wäre diese Welt, wenn nicht die christliche Religion in dieselbe gekommen wäre? Das Judentum würde sich sicherlich nicht zu einem solch‘ großartigen und weltumfassenden System entwickelt haben. Wir Juden waren unter der Bevölkerung der Erde nur wie eine Hand voll Leute; wir waren immer ein abgeschlossenes Volk; wir blickten auf andre Nationen mit Geringschätzung herab und mieden und verachteten sie. Das Christentum hingegen sucht jedes Volk und Land auf, bekehrt die Völker und macht sie besser; selbst wir Juden genießen heute in solchen Ländern die größten Vorrechte, wo die Leute die Lehren Christi am meisten befolgen.
Sei Christus nun eine Mythe oder eine Wirklichkeit, so viel ist gewiss: seine Lehren verbessern und veredeln Alle, die dieselben glauben und befolgen. Zudem liefert das Christentum heute keine Anzeichen von Schwäche, im Gegenteil, es ist stärker als je zuvor, und nimmt zu an Stärke, während alle andern Religionen durch den schnellen Fortschritt des Christentums zurückgedrängt werden und immer mehr zerfallen.“

Das Komitee zeigt dann, wie das Judentum unveränderlich sei, „eine Religion, welche eine glorreiche Vergangenheit habe, aber wenig Hoffnung gebe für die Zukunft“. Ihre Vorväter, sagen sie, betrachteten das ausführliche Zeremonialgesetz nicht als eine bloße bedeutungslose Zeremonie, sondern als eine Hinweisung auf etwas, das kommen sollte; die heutigen Juden aber haben gar keine Erwartung von etwas Zukünftigem. „Seit Christi Zeit ist unter uns kein Prophet aufgetreten, der Jesu als einem Betrüger entgegen getreten wäre. Das sind nun über achtzehnhundert Jahre. Für uns ist diese Tatsache ein Beweis, dass das Gesetz in Christo seine Erfüllung fand.“ Allerlei Stellen aus alten jüdischen Büchern werden angeführt, um den Beweis zu liefern, dass ein Teil des 52. und das ganze 53. Kapitel des Jesaias in Christo erfüllt wurden.
Der letzte Teil ihres Arguments ist besonders merkwürdig.
Wir lassen ihn folgen:
„Im Jahre 64 n. Chr. beschuldigte Kaiser Nero die Christen, Rom in Brand gesteckt zu haben. Dies war weniger als vierzig Jahre nach der sogenannten Himmelfahrt Christi, und eine große Zahl Christen wurden damals getötet. Sehr wahrscheinlich waren viele dieser Christen Juden, welche in Judäa zum Christentum bekehrt wurden waren, und dann nach Rom gingen, um der Verfolgung, welche über die Christen in Judäa hereingebrochen war, zu entweichen. Manche von ihnen hatten Christum vielleicht gesehen und mit Ihm geredet. Vielleicht waren manche Zeugen gewesen der vorgeblichen Wunder Jesu. Wäre kein wirklicher Christus gewesen, dann ist es höchst unwahrscheinlich, dass schon so früh Leute bereit gewesen wären, für ihren Glauben an eine Mythe zu sterben. Der Brand Roms ist eine unbestrittene Tatsache, und die Zahl der Christen muss groß gewesen sein, sonst wäre ihnen von den Römern nicht solche Aufmerksamkeit geschenkt worden.
Es ist unter uns ein gewöhnliches Ding, das Dasein der Person Jesu Christi zu leugnen, zu behaupten, dass Er eine bloße Mythe war, eine Fabel, die in dem Gehirn eines griechischen Schreibers ihren Ursprung hatte; aber welchen Beweis können wir bringen,dass Er nicht gelebt hat aus Erden?
Auf der anderen Seite haben wir die stärksten Beweise, dass Christus gelebt hat, und dass Er gerade in der Zeit kam, als die jüdische Nation das Kommen des verheißenen Messias erwartete. Bezüglich des Todes und der Auferstehung Christi schweigen wir. Als ehrliche, freidenkende Männer bekennen wir, dass wir uns im Zweifel befinden, und wenn irgend Jemand uns den Beweis liefern kann, dass der Messias noch nicht gekommen ist, sondern noch kommen soll, dann würden wir uns freuen, von ihm zu hören.“

Der ganze Brief ist jedenfalls eins der merkwürdigsten Zeichen der Zeit. –
Wie wir vernehmen, sollen jetzt viele Juden nach dem Evangelium Christi greifen, aber sie sind helle genug, auch wenn sie von der Wahrheit Jesu Christi freudig überzeugt sind, dennoch keiner der christlichen Kirchen sich anzuschließen. Beispiele dafür sind: der ungarische Ex-Rabbiner Lichtenstein, und der Russe Rabinowitsch, sie ahnen etwas Besseres, was der Herr auch für sie schon seit mehr als 50 Jahren zubereitet hat; zur rechten Zeit, wenn sie (und wir) vollends reif dafür sind, werden sie die Hütte Gottes bei den Menschen finden, und sich am köstlichen Hausbrot des himmlischen Vaters zu neuem Leben erquicken; so dürften auch da wieder Letzte die Ersten werden! O welche Freude – die Wiederkehr der lange in der Wüste heimatlos der Erbarmung Gottes Harrenden! Bitten wir, dass der heilige Vater sie doppelt segne, und dieser Segen auch uns und den noch halbheidnischen Christenkirchen zum Heil werde! *)

*) Soeben kam vom Einsender obigen Artikels aus Texas eine Mahnung, die Judenfrage
doch nicht zu optimistisch aufzufassen, denn – so meint er – „wie ich die Juden kenne aus vertrauten Mitteilungen, so ist ihre Tendenz im Grunde eine total weltliche, ihr Streben geht nach der Weltherrschaft, durch den Besitz des Goldes der Welt erstreben sie die Unterjochung der Völker (also der entschiedenste Konkurrent Roms und Vertreter des Antichrist), so wie sie durch Wucher und Spekulation einzelne Familien zu Grunde richten. Die Taufe macht schwerlich einen Juden zum Christen, dagegen machen Herrsch- und Habsucht die namenchristlichen Millionenjäger faktisch zu Juden; es wäre also nichts gewonnen durch einen Massenübertritt derselben zur christlichen Form; denn das alte Versle gilt leider noch:
Der Jude meint – er sei ein Christ Wenn er nur Schweinebraten isst,
Das macht – er sieht von Christi Lehr‘ Bei unsern Leuten auch nicht mehr!
Doch keine Regel ohne Ausnahme, so lange unsre Leute nicht das Gesetz Mosis respektieren, können sie ja doch nicht die Juden zu Christen machen wollen. Da gilt das gute Wort von Mirza Schaffy (Bodenstedt):
„Niemand hört dir gläubig zu, Wenn du sprichst: ich bin klüger als du;
Willst je du Andere belehren, Musst du dich erst zu ihnen bekehren.“ H. K.
Noch ist aber zu bemerken, dass unter „Israel“ neutestamentlich die Geistes-Kinder Abrahams bezeichnet sind, und diesen, den Neu-Salemiten, d.h. den Nachfolgern Jesu – die Verheißungen gelten – Und nicht den äußeren Juden; aber auch bei diesen kann, soweit sie guten Willens, der Herr Selbst eingreifen, so wie bei Saulus, den Er ja direkt mit Seinem Licht übergoss also kann’s ja auch im Größeren bei Seinen Gegnern geschehen, und dann werden die von Gott Selbst Belehrten auch ihre antichristliche Tendenz, das Streben nach Weltherrschaft aufgeben, und dem ew. Messias den Thron der Macht des Liebelichtes zu gewinnen mithelfen ! Das walte der liebe Gott, als Vater und Heiland! D. Hsg.

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