Ein Brief von H. S. M., am 29. Juli 1894
Es wäre eigentlich das ganze Heft Nr. 36 „Pfingst-Segen“ mit hierher gehörig, da die jetzige Ausgießung des Gnaden-Geistes als ein ganz besonders wichtiges Zeichen der Zeit zu gelten hat; doch möge der Hinweis darauf, und der kurze Bericht dieser Geistes-Schwester, als ein Zeuge für Viele gelten. D. Hsg.
Lieber Bruder im Herrn! O heute an diesem wichtigen Gedenktag an – die Zerstörung Jerusalems, sind wir sehr wehmütig gestimmt zum Vater erhoben, aber auch fröhlich, denn die Welt muss ja glauben an das verheißungsvolle Wort Jesu, das in Erfüllung gegangen ist, da es nach weltlicher Weise aufgezeichnet wurde. Der liebe Vater spricht (nun in mir):
„Ja für dieses arme meist verirrte Volk, die Juden, sollet ihr bitten und beten zu Mir. eurem Jesus Vater, dass Ich mehr bei ihnen kund werden kann; bittet auch für die Diener (Rabbiner), dass Ich Mich recht in sie versenken kann, dass die Herzen auch geöffnet werden, damit Meine Liebesstrahlen das Dunkle erleuchten könne.“
O wie viele Engel aus heiligen Höhen helfen dem Vater arbeiten mit Bitten und Beten (wie ich’s ersehe); o wir wollen auch herzlich gerne tun was in unseren Kräften steht für Alle, auch für die Feinde, deren wir besonders so sehr viele haben, und große Verspottung und Verhöhnung tragen müssen. (Nur ein kleines will ich dir, lieber Bruder, schreiben, also – wenn wir auf der Straße gehen, und treffen unsere früheren guten Kameraden, so speien sie aus vor uns. Weiter nichts davon.) Der liebe Vater spricht nun:
„O Kinder, wenn euch solches begegnet, da denkt an Mich, wie Ich litt, ihr tragt nur ein ganz klein Teilchen vom Kreuze; o Kinder, sprecht wie Ich als Ich am Fluchstamme hing: „Vater vergib, sie wissen ja nicht was sie tun!“
Der Satan will ja zerstören unser Haus, darum es der Außenwelt gar nicht so sehr zu verdenken ist, aber durch des allerbarmenden Vaters Gnade wird’s ihnen nicht gelingen. Es geht uns fast ähnlich wie unserem Luther, wir möchten mit ihm beten und singen: „Und wenn die Welt voll Teufel wär, wir fürchten uns doch nicht zu sehr, Gott wird uns helfen! Amen!“
Aber trotzdem lieber Bruder kann Ich dir doch schreiben – uns geht’s sehr wohl, und wir freuen uns im Herrn, denn Er lässt nimmer nach mit Seinen Winken und Worten:
„kommet zu Mir, Ich führe euch!“
Auch lieber Bruder will Ich dir ein erfreuliches Gesichte beschreiben, welches Ich geschaut habe. Vorigen Sonntag waren wir Alle in T. bei Geschwistern, und unterhielten uns vom Vaterwort; da auf einmal sah ich den lieben Vater kommen in hellblauem Mantel und sehr sanft strahlendem Angesicht; auf beiden Armen hatte er ein langes goldenes Band geschlungen. Er stand mitten unter uns, und gleich dann kamen zu beiden Seiten je ein schneeweißer Engel. Diese nahmen dass Band von des Vaters Händen, und dann stellten sie sich jeder an ein Ende, der Eine hielt das Bund, der Andere schlang es um uns Alle herum; gleich danach knieten sie zusammen nieder und priesen den heiligen Vater, Der zu gleicher Zeit uns Worte spendete (durch eins der anwesenden Werkzeuge, dort „Boten“ (Gottes) genannt). Als die Engel sich wieder aufrichteten, hatte ein Jeder ein sehr blinkendes Schwert in der Hand; auch war zu gleicher Zeit um das goldene Band eine Rosenranke mit sehr feinen Dörnchen gezogen. (Es ist sehr schon, wenn wir aus dem Liebes-Bunde heraus wollen, da ritzen uns die Dörnchen, und wir bleiben zurück, und schließen uns wieder fester zusammen. Wer aber mit Gewalt heraus will, der wird mit dem Schwerte geschlagen.) Dann kamen noch einige Engel hinzu, sie alle fassten an am Bande und trugen’s in die Höhe, und verschwanden.
O lieber Bruder, wenn man sich so in das Höhere versenken kann, tut das Arge der Welt und so Manches noch, gar nicht so weh. Du bist doch auch der Meinung. Und nun wünsche ich dir Gottes Segen, viel Glück und Freude, die ja nur der Vater dir verleihen kann. Es grüßen dich Alle.
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