Empfangen durch Jakob Lorber, Graz, am 2. Dezember 1848
An Meinen lieben A. H.
So dich, wie nun gar Manche, Kümmernisse dieser Erde treffen, wenn die Welt gefegt wird und gesäubert vom Unkraute Mein Acker; wenn allerlei Stürme über der Erde Gefilde dahin rauschen und brausen und toben, und die Menschen verzagen in großer Furcht vor der Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen, und ratlos werden die Fürsten, und voll Zitterns und Bebens, da tröste dich, und sage es laut in deinem Herzen: „Der Herr ist es, Der da führt ein solches Gericht mit denjenigen Völkern, die alle ob der Welt Seiner vergessen, sich selbst zu Göttern machten, und schätzten ihre Größe, Macht und Herrlichkeit nach der Größe ihres Mammons.“
Darum aber litten Meine wenigen Kindlein zu viel und mussten darben und sehr verachtet sein. Ich aber habe ihre Bitten erhört, und habe Schnitter gesandt zur Erde, da der Weizen samt dem vielen Unkraute reif geworden, auf dass sie sammeln Beides, den Weizen für meine Scheuern, und das viele Unkraut zum Verbrennen in dem mächtigen Feuer Meines Zornes, Meines Eifers und Meines großen Eifers.
Auf dass du und auch ihr alle Meine lieben und getreuen Freunde nun wie allezeit die rechte Stärkung findet in solchen Nöten und Drangsalen, da rufet mit David nach seinem 46ten Psalm und saget:
„Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns dennoch nicht, wenn auch die Erde unterginge, und die Berge mitten in’s Meer sänken, wenn gleich das Meer wütete und wallete, und von seinem Ungestüme alle Berge einstürzten. Dennoch soll die Stadt Gottes (Gottes Wort im Herzen) lustig bleiben in ihren Brünnlein (reine Erkenntnisse aus dem Worte Gottes), da die heiligen Wohnungen (die Liebe zu Gott) des Höchsten sind. – Gott mahnt in dieser Stadt, darum wird sie verbleiben; denn Gott hilft ihr früh. Die Heiden (Mammonsdiener) aber müssen verzagen, und die Königreiche (Herrschsüchtigkeiten) fallen; das Erdreich (Selbstsucht) muss vergehen, wenn Gott Sich hören lässt. Der Herr Zebaoth aber ist mit uns; der Gott Jakobs ist unser Schutz. Kommet her, und schauet die Werke des Herrn an, der auf Erden solches Zerstören anrichtet, der den Kriegen steuert in aller Welt, der den Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Kriegswägen mit Feuer vernichtet. – Seid stille und erkennet, dass Ich Gott bin; Ich lege nun Meine Ehre ein bei den Heiden, und lege sie auf Erden ein (spricht der Herr). – Der Herr Zebaoth ist mit uns; der Gott Jakobs ist unser Schutz.“
Wenn du solchen Psalm in deinem Herzen wohlverständig sagen wirst, so wird dich alle Furcht und Angst verlassen; denn Ich Selbst werde sie dir nehmen, und werde dich wieder aufrichten, wie ein fruchtbarer Regen das welke Gras; denn Ich allein kann wahrhaft nehmen und wahrhaft wieder geben; und Ich werde auch dir geben, und werde noch hinzugeben mehr als Ich dir genommen. Aber gib auch du, so du hast, gern Meinen Brüder und deinen Brüder; denn obschon Ich bin Gott der Herr, der Ewige, so bin Ich aber dennoch auch dein Bruder, und der Bruder deiner Brüder.
Tröste deinen Bruder, dessen Weib Ich zu Mir nahm; und er und sein Haus trauern nun, da Ich Meine liebe Tochter zu Mir zurücknahm. Ich sehe ihre Trauer, und habe Freude an ihren Tränen; aber Ich will sie alle trösten und stärken mit Meinem Geiste, mit Meiner großen Liebe! Darum sollen sie fürder nicht weinen; denn Ich werde sie sehr trösten und stärken, und werde machen, dass sie sehr jubeln werden und frohlocken in Meiner großen Liebe; denn Ich allein bin es, Der da gibt Traurigkeit und Freude, da Ich ein Herr bin aller Herzen, und was in ihnen ist.
Wohl hätte Ich sie noch länger können auf der Erde lassen; denn bei Mir sind alle Dinge gar wohl möglich; aber was würdest du wohl tun, so du eine Tochter irgendwo hättest in der Fremde zur Ausbildung, die Tochter aber sendet dir einen brennendsten Liebeseufzer um den andern zu, und gäbe dir aufrichtigst kund, wie endlos gern sie zu dir nach Hause käme, obschon ihr die Reise auch noch so beschwerlich scheine?
Siehe, du würdest trotz aller Bitten ihrer guten Erzieher in der Fremde am Ende dennoch den Bitten deiner Tochter all‘ dein Gehör schenken, und würdest ihrer großen Sehnsucht Gehör leisten. So ist es auch hier, was Ich hier tat, das tat Ich nicht so sehr Meinet-, als vielmehr der großen Sehnsucht Meiner lieben Tochter willen.
Darum saget auch nicht, dass Ich hier hart und unerbittlich gewesen sei; o nein, gerade das Gegenteil; denn so Vieler Bitten, die Einen hin, die Andern her, so gewähre Ich allezeit die Bitte nur dem Teile, der mit der stärkeren Liebe zu Mir bittet. Die schwächer Bittenden aber sollen den Trost haben, dass Ich auch ihre Bitten in das Buch des Lebens zeichne, und sie einst auch in aller Fülle werde gewähren lassen.
Das aber sei euer Trost, dass Ich wahrhaft bei euch bin und verbleibe für ewig.
Amen.
NEUOFFENBARUNG