Das Medium hatte die Erzaehlung des Geschauten beendet und erklaerte, weitere Bilder nicht mehr berichten zu koennen. Als es nun den Ring in gewohnter Weise an die Stirne legte, begannen jedoch die Darstellungen wieder derartig, als sei es persoenlich bei den Geschehnissen gegenwaertig.
mich zieht die Kraft, der ich den Anblick von Mallona verdanke, nach dem Sueden des Planeten, wo das grosse Reich der Sutonen liegt. ich ueberfliege das Meer von Nustra aus und gelange zu der kuehnen Kunststrasse: eine ungeheure Bruecke, deren Bogen sich von Insel zu Insel schwingen, bis das Festland Sutona erreicht wird. Teilweise lernte ich diesen Weg kennen, als ich den Sutor auf seiner Fahrt begleitete.
Jetzt taucht das Festland von Sutona auf. Eine weite oede Strandflaeche, sodann folgt ein unbewohnter Landstrich, halb Wueste, halb Steppe. Der Boden wird huegelig. Verschiedene Ortschaften erkenne ich. Jetzt bemerke ich einen breiten, ruhig fliessenden Strom, der seine Wasser dem Meere zutreibt. Eine grosse Stadt liegt an diesem Strom. Ein ungewohnter Anblick ueberrascht mich hier. ich sehe Schiffe. Die Sutonen benutzen den Fluss als Strasse fuer groessere Lasten, auch Floesse treiben auf dem breiten und tiefen Strom. Im Sueden erkenne ich maechtige Bergkuppen, eine Fahrstrasse zieht sich nach dorthin. ich folge derselben und bald umgibt mich eine Gebirgslandschaft, die immer imponierender wird. Die Berge steigen zu einer gigantischen Hoehe, die Gipfel sind umsponnen von Wolkenschleiern.
Die in der Steppe fast unertraegliche Hitze wird immer mehr gemildert durch einen kuehlen Suedwind, der von dem unabsehbaren suedlichen Gebirge niedersteigt.
Die gewaltigen Gebirgsmassen treten immer naeher zusammen. Der Weg zieht sich durch ein breites Tal. Zu meiner rechten Seite fliesst schnell der Fluss, auf dem von gewandten Sutonen gefuehrt die Schiffe gleiten. Jetzt naht sich die Hauptstadt, aufgebaut in einem Talkessel. Den Hintergrund bilden schnee-und eisbedeckte Riesenberge einer Alpenwelt, wie sie auf Erden nicht zu schauen ist und gegen die die schneebedeckten Berge des Grenzgebirges von Mallona und Nustra ein Nichts sind.
Entgegen der raffiniert verfeinerten Lebensweise der anderen Erdteile erblicke ich die Gebaeude der Hauptstadt von Sutona in einfacher Bauart. Unzweifelhaft ist zu erkennen, dass deren Bewohner den praktischen Lebensbeduerfnissen mehr Rechnung tragen als dem Vergnuegen und Wohlleben.
Immer tiefer zieht es mich ins Land. Die Hauptstadt liegt hinter mir. Der Fluss braust nun stuermend ueber Felsbloecke und verliert sich seitwaerts in einem Tale, waehrend ich der immer schmaler werdenden Fahrstrasse folge. Wilde Felsgruppen ueberdachen oft die Strasse; Wasserfaelle stuerzen bald rechts, bald links von bedeutenden Hoehen herab. Menschenleer ist die ganze Gegend, kein lebendes Wesen stoert die Majestaet dieser erhabenen Natur.
Jetzt oeffnet sich das Tal. Ein hoeherer Bergeskegel erhebt sich ploetzlich, umgeben von unuebersteigbaren Bergriesen, und auf diesem Berge erstrahlt im hellen Sonnenschein ein gewaltiges, wie von Cyklopenhaenden aufgebautes Schloss, das drohend hinablugt in das weite Land. Das ist Ksontus Schloss. Hier werde ich den Sutor wiederfinden und werde erfahren, was aus Muhareb geworden ist.
In einer hohen, weiten Halle mit grossen Fensteroeffnungen sehe ich den Sutor an einem mit Papieren belegten Tisch sitzen. Curopol, der Hoechstpriester und Vertraute steht neben ihm und reicht ihm Schriften, die er zeichnet und zurueckgibt. jetzt ist diese Arbeit beendet und der Sutor fragt:
„Welche Nachrichten brachte der Bote aus Mallona?"
„Herr, Karmuno hat gesiegt. Er ist Erbe des Thrones. Artaya wird sein Weib. Er ordnete im Namen des Tempels an, dass eifrig nach Muhareb gesucht werde und setzte eine Belohnung fuer den aus, der sichere Kunde bringt!"
„Wie steht es um Muhareb?"
„Wie immer, Herr, seht selbst!"
Curopol weist auf eine verschlossene Tuer, geht zu derselben und schiebt den Teppich etwas zur Seite. Der Sutor folgt und blickt hindurch.
Er sieht Muhareb an einem hohen Bogenfenster stehen, von dem aus sein Blick frei in das Tal und auf die herrliche Gebirgslandschaft schweifen kann. Das Gemach ist nicht sehr gross, doch hoch und luftig. Unbeweglich steht die ehrwuerdige Greisengestalt. Die Augen sind den Wolken zugewendet und schimmern im Glanze der Verzueckung, die Haende sind fest auf die Brust gepresst. Kein Zweifel, Muhareb ist in seinem Geiste nicht auf Ksontus Schloss, er lebt in den fernen Regionen unirdischer Freiheit, wohin der Koerper noch nicht folgen kann.
Nachdem die beiden ernst und mitleidig den unbeweglichen Greis betrachtet haben, wendet sich der Sutor ab. Curopol laesst den schweren Teppich niederfallen und spricht gedaempften Tones:
„So steht er lange Zeiten Tag und Nacht am Fenster, seitdem Upal ihn und den toten Juengling herbrachte. Nur manchmal steigt er hinab zur Gruft, in der die Koerper Fedijahs und Muravals ruhen. Er spricht nicht, isst und trinkt nur das Notwendigste und dennoch ist sein Geist nicht tot. Er lebt in besseren Regionen und wird dort ewig leben, wenn hier die Rache wuetet."
„Wo ist Upal?"
„Er hat den letzten Flug nach Mallona unternommen. Er wird uns Kunde bringen von dort. Moeglich, dass wir ihn noch heute sehen. ich fuerchte, er wird uns schlimme Nachricht bringen."
„Warum fuerchtest Du das?"
„Weil ich sicher glaube, dass Karmuno laengst die Hoehlen des Wirdu untersuchen liess, um nach Muhareb zu suchen; dass die Geheimnisse Upals ihm bekannt sind und er entdeckt haben wird, dass Upal rechtzeitig die Schaetze des Wirdu an sich nahm. Wohin soll Muhareb geflohen sein, wohin soll ihn Upal gebracht haben? Erhaelt Karmuno nicht durch die Priester von Nustra und Monna Nachricht, so weiss er, dass nur in Sutona die Fluechtigen zu suchen sind. Es ist unmoeglich, dass sich das Flugschiff lange in den oberen Koenigreichen ungesehen verbergen kann.
Karmuno weiss, dass Upal alles wagen wird. Nicht lange, so segeln weitere Flugschiffe durch die Luefte. Um den Widerstand der Nustraner zu brechen, hatte Arvodo den schnellen Bau von Luftschiffen gefordert, damit diese durch niederfallendes Nimah die Verteidiger der Paesse toeten. Gleich Upal werden sich andere Verwegene finden. Gereizt durch hohen Lohn werden diese vollbringen, was Karmuno befiehlt. Sind wir auch sicher hier vor Verrat?"
„Hier im alten Schlosse Ksontus lebt kein Verraeter. Upals Vorsicht schaetze ich, der Wege einzuschlagen weiss, auf denen niemand den Verwegenen sieht."
„Allvater gebe, dass es stets so bleibe!" antwortet Curopol, nimmt die unterzeichneten Papiere, gruesst und entfernt sich.
Es ist Nacht geworden. Wer jemals im Hochgebirge unserer Erde war, weiss, welch ein magischer Zauber sich in den warmen Sommernaechten ueber ein Gebirge breitet, das im Mondenschein erglaenzt. Weisse zarte Nebel steigen in phantastischen Gestalten, Geisterzuegen aehnelnd, aus den Schluchten auf, ringen sich empor zu den Hoehen und verschwinden im dunklen Aether. Die Stille des Weltalls breitet sich aus ueber die schlummernde Natur; ein tiefes Schweigen herrscht in den Bergen. Das ungewisse Mondlicht laesst Einzelheiten nicht erkennen und taeuscht dem auf einsamen Wegen dahinschreitenden Wanderer oft allerhand Erscheinungen vor, die bei naeherer Betrachtung zu nichts verfallen. So ist es auch hier.
Im Ruecken des Schlosses steigt die voll beleuchtete Scheibe des einen Mondes hervor. Ein zweiter Vollmond steht etwas hoeher. Die Sichel des dritten Mondes steht im Westen. Jetzt sehe ich, wie an der hoeherstehenden Mondesscheibe eine Figur vorueberzieht, aehnlich einem lateinischen T. So muss sich Upals Flugschiff in weiter Ferne ausnehmen. Auf dem Turme des Schlosses regt sich der Waechter. Auch er hat die Erscheinung bemerkt und meldet es dem vertrauten Diener des Sutor.
ich sehe, dass auf der breiten Plattform des Schlosses Vorbereitungen getroffen werden. Mangafackeln leuchten auf. Jetzt blitzt aus der Hoehe ein Lichtstrahl, dann noch einer. Es ist ein Signal, das Upal gibt. Eine laengere Zeit der Erwartung vergeht, da hoert man in den Lueften ein erst leises, dann staerker werdendes Rauschen. Das Luftschiff senkt sich langsam herab und steht alsbald ruhig und fest auf der Plattform.
Der Gondel entsteigen Upal und zwei in Maentel gehuellte Maenner. Curopol hat sich eingefunden und begruesst Upal. Dieser weist auf seine Begleiter und rasch begeben sich die Vier in das Innere des Schlosses.
In einem hell erleuchteten Gemache ruht auf einem Diwan der Sutor. Schnell tritt Curopol mit Upal herein. Der Sutor springt erregt auf und begruesst ihn. „Herr", redet ihn Upal an, ich bringe noch zwei Maenner mit mir, deren Antlitz Ihr sicher nicht zu sehen dachtet. Hier sind sie!"
Curopol fuehrt die Maenner herein. Als sie die gesenkten Haeupter erheben und helles Licht ihnen ins Antlitz leuchtet, erstaunt der Sutor, denn vor ihm stehen Arvodo und Rusar!
„Herr, wir sind Fluechtlinge, Verlorene, wenn Du uns nicht schuetzt", sagt mit bewegter Stimme der Feldherr.
„Wie ist das moeglich?" fragt staunend der Sutor. "Beide seid ihr hier, die feindlich gesinnten Brueder? Was ist geschehen, was tat Areval?"
„Nichts!" antwortet finster Rusar, "doch um so mehr Karmuno. Wir sind die Opfer seiner List!"
„Erzaehlt, wie alles kam!" ruft der Sutor aus.
„Sollen wir die Berichterstatter eigener Schande sein? Lass Upal reden, er weiss wie sich die Dinge aneinander reihten", wehrte Arvodo ab.
Auf ein Zeichen des Vizekoenigs berichtet Upal nun:
„Herr, der Feldherr hatte mich gesucht und meine alten Eltern gefangen gesetzt, als diese nicht aussagen konnten, wo ich waere. Als jedoch Arvodo auszog gegen Rusar, liess er sie frei. ich hatte das erfahren und darum machte ich mich auf nach Mallona, die Alten in Sicherheit zu bringen. Verkleidet kam ich nach der Hauptstadt, die im Glanze des grossen Opferfestes schwelgte. mir war es ein Totenfest: meinen alten Vater fand ich gestorben, die Mutter lag im Sterben.
ich kann nicht trauern, sondern muss mich freuen, dass Allvater sie in Schutz genommen, da meine Kraft dazu nicht ausreichte. Sie starb am Tage vor dem Opferfeste und am selben Tage noch ward sie begraben.
ich durfte nicht zoegern, denn Karmunos Spaeher lauerten, mich abzufassen, falls sie mich erblickten. Darum musste ich den Haenden guter Freunde die letzten Liebesdienste ueberlassen.
Am Tage des Opferfestes wurde Artaya zur Schoenheitskoenigin erkoren. Karmuno kroente sie und noch denselben Tag ward sie sein Weib. Areval bestaetige Karmuno als den Erben seines Reiches und liess vom Feldherrn seinen Ring abfordern, der ihm die gleiche Koenigsmacht gewaehrte. Listig hatte Karmuno in Nustra ueberall verbreiten lassen, dass den Nustranern Verzeihung wuerde, wenn sie sich freiwillig am Tage des Opferfestes unterwuerfen. Das Volk, erfreut, den Schrecken eines Krieges zu entrinnen, war damit gewonnen und in dem Heere Rusars schwand der Kampfesmut. Als Karmuno Erbkoenig war, wurde das Heer Arvodos zurueckgerufen. Den Nustranern wurde Verzeihung angeboten und Rusar als Vizekoenig seines Amtes entsetzt, da er zuerst das Schwert zog gegen Areval und sich Muhareb beugte.
Arvodo trotzte zornig dem Befehl zur Heimkehr, denn er wollte dem listigen Hoechstpriester die Krone streitig machen. Doch der Gehorsam ward ihm versagt, und Arvodo wurde so ein Feldherr ohne Truppen. Beide Brueder mussten fliehen, beide geaechtet durch Karmunos List. Auf der Hoehe des Gebirges trafen sich die Brueder. Sie konnten sehen, wie sich die Truppen, die sie einstens befehligten, verbruederten und nach Mallona zogen, dem neuen Erbkoenig zu huldigen. Der Krieg war aus, bevor er noch begonnen.
In Mallona ist noch Seltsames geschehen. Areval in dem Wahn, Muhareb lebe noch in den Hoehlen des Wirdu – liess einen Zufluss sprengen, um die Hoehlen unter Wasser zu setzen. Es sollte ein grosses Fest gefeiert werden, das den Sieg des Stammes Furo ueber den Todfeind Usglom bedeutet."
Erschreckt fragt Curopol: „Hat er es ausgefuehrt?" ,Er hat es ausgefuehrt. Hart ist der Felsen, doch dem Nimah muss er weichen. Dort wo einst Muhareb lebte und sich die Gaenge in das Innere ziehen, hat man einen schmalen Kanal gesprengt und dem Wasser Einlass gegeben."
„Die Wahnsinnigen!" murmelt Curopol, "und die Folgen solchen Tuns?"
„Sie waren erst nur gering. Areval war zufrieden, dass ein kleiner Fluss vom Meere sich ergiesst in Usgloms Reich und feierte den Sieg durch ein Fest, wie es nie zuvor geschehen. Es heisst, dass seit diesem Tage Arevals Geist umnachtet sei, er wird nicht mehr gesehen. Karmuno herrscht allein im Reiche. Ein Priesterkoenig ist jetzt Herrscher. Moege es Mallona nur gedeihlich sein!"
„Wann war das Fest?" fragt der Sutor.
„Vor drei Tagungen!"
„So kurze Zeit erst! War auch die Sprengung am selben Tag?"
„Nein, Herr, sie war am Tage zuvor, doch fuerchte ich, sie wird noch boese Folgen haben."
„Wie das?"
„Noch einmal habe ich die Hoehlen besuchen wollen, um die letzten Kostbarkeiten aus dem Schlot zu holen. Doch ich konnte nicht eindringen. Als ich mich dem Berge naehern wollte, quollen Dampf und giftige Gase aus dem Kamin. Unmoeglich war die Einfahrt. Auch bemerkte ich, dass die ganze Kratergegend lebhafter arbeitete als bisher. Der Zufluss, den die Sprengung geschaffen, hat sich erweitert und aus dem Berge selbst, dort wo das Meereswasser eindringt, stroemt heisser Dampf hervor. ich hoerte es zischen tief im Inneren des Berges.
Usglom ergibt sich nicht so schnell! ich floh darum diese Gegend, die ich aufsuchte, um einen Stoff zu sammeln, dessen ich zur Herstellung des Nimah noch bedarf. Und da ich wusste, ich finde ihn auch am Meeresgestade des Grenzgebirges, eilte ich im Flugschiff dorthin. Ein Gluecksfall liess mich die Brueder dort finden. ich nahm sie auf und kam so mit beiden nach Sutona."
„Ihr suchet Freistatt?" wandte sich fragend der Sutor an die Brueder.
„So ist es, gewaehrst Du sie uns?"
„Gewiss, doch wisst ihr selbst, mein Schutz ist engbegrenzt. Nicht offen koennt ihr hier verweilen. Aber verbergen kann ich euch und auf Ksontus Schloss seid ihr gesichert!"
„Ihr seid es nicht, wenn Allvaters Hand euch nicht schirmt!" toent eine eindringliche Stimme vom Eingang des Gemaches her. Alle blicken erstaunt dorthin und sehen Muhareb in der Tueroeffnung stehen. Seine hohe Gestalt ist gebeugt, sein Gang, als truege er eine schwere Last. Upal eilt auf ihn zu, ihn zu stuetzen, und er nimmt dankbar laechelnd seine Hilfe an. Vor Arvodo bleibt er stehen, sieht dem Feldherrn ernst ins Antlitz und sagt in vorwurfsvollem Tone:
„Wohin hat Ehrsucht Dich gefuehrt? Du bautest auf Deine Kraft, vertrautest Versprechungen. Wusstest Du nicht, dass Leidenschaft der Grund nicht ist, auf dem der Weise baut? Wo ist die Ehrbarkeit, die Kraft des Wortes, die Pflichterfuellung, Mitleid, Vertrauen und Glauben an den Vater alles Seins geblieben? -Erloschen, verstummt ist das Empfinden in der Brust fuer Guete, Wahrheit und Ehrlichkeit. Wer betruegt, der siegt nur so lange, bis auch den Sieger der Betrug zerstoert. Du hast es erfahren und gingst daran zu Grunde, wie unser ganzes Volk daran zu Grunde geht. Die Stunde der Vergeltung naht, sie ist schon da!"
In diesem Augenblick ertoent ein unheimliches fernes Donnern, anhaltend und tief grollend. Ein leises Zittern, das jeder deutlich empfindet, geht durch den Erdboden. Das Rollen verschwindet und erschreckt sehen sich die Anwesenden an. Nur Muhareb bleibt unberuehrt, reckt sich ploetzlich hoch auf und ruft glaenzenden Auges aus:
„Allvater, Du rufst mich. ich soll das letzte Elend nicht mehr schauen. Die Geschlechter hier sind verderbt, sie gehen zu Grunde, sie waren Deiner Liebe nicht mehr wert. Du hast versucht, sie aufzuruetteln, aber sie schliefen. Du straftest sie mit einem Herrscher, wie sie ihn verdienten, doch spuerten sie die Geissel nicht und blieben traege. Du knechtest sie durch jene, die sich Deine Priester nennen und siehe, die Finsternis, die diese rings verbreiten, tut ihnen wohl. Sie wollen nicht das Licht und bemuehen sich, es zu ersticken. Nun ist die Langmut erschoepft, die Strafe naht und anderen wird gegeben werden, was Du in reicher Fuelle hier ausstreuen wolltest. – Auch Dein Diener ist matt geworden, denn der letzte reine Mensch, Muraval, den ich erzog in Deinem Dienst, ist tot. Nichts haelt Deinen Zorn nunmehr zurueck. 0 nimm mich auf, lass mich das letzte Graessliche nicht schauen!"
Muharebs Stimme erstarrt zu einem leisen Fluestern. Sein Antlitz glaenzt wie im ueberirdischen Lichte. Die Augen nach oben gerichtet scheint es, als sehen diese eine andere, schoenere Welt. So bleibt er starr, hoch aufgerichtet, wortlos eine kurze Zeit. Ploetzlich atmet er tief auf, seine Zuege erschlaffen, sein Koerper faellt zusammen. Upal faengt ihn auf und laesst ihn sanft zu Boden gleiten. Die Anwesenden treten naeher. – Muhareb ist tot!
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