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Vom Fallen und Auferstehen des Christen, oder die Wege der Gnade

380. – Den 27. Januar 1884  Vom Fallen und Auferstehen des Christen, oder die Wege der Gnade

„Und Jesus sprach zu ihnen: ihr werdet euch in dieser Nacht alle an Mir ärgern; denn es stehet geschrieben (Zachar. 13, 7.) „Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden sich zer-
„streuen“ u.s.w.  (Mark. 14,27.)

Liebe Kinder!

Nachdem Ich dort Meinen Kindern das Abendmahl gesegnet  und es mit denselben genossen hatte, konnten sie trotz dieser so wohltuenden Friedensstunde – Meine obigen Worte doch nicht recht verstehen, als Ich sagte: „ihr werdet euch in dieser Nacht Alle an Mir ärgern!“ Sie waren zu sicher über sich selbst, und glaubten ihre Liebe zu Mir sei stark genug Allem tz trotzen, was sie hindern wollte Mir in der Nachfolge treu zu bleiben.

Doch Ich weiß es besser, und lasse es deshalb bei Meinen Kindern zu, daß sie dieselbe erproben können, und während ihre Liebe gegen Mich, legte ich mit Meiner Liebe gegen dieselben immer mehr zu, und stärkte sie nach solchen Niederlagen aufs neue. So war es auch bei Petrus der Fall! Er hielt zu viel von sich, und hätte in der Zukunft nach Meinem Hingange sich eine Überhebung über seine Mitbrüder zu Schulden kommen lassen; darum wollte Ich diesen seinen Fall nicht verhüten, sondern denselben desto mehr segnen.

Und wie es einst Petrus erging, welcher bei Euch in der Kirche als Symbol des Glaubens hingestellt wird, so ist es auch mit dem Glauben im Allgemeinen. Viele Christen sins stolz auf ihren kirchlichen Glauben, und meinen, daß wenn sie denselben festhalten, keine Macht ihnen die Seligkeit abstreiten könne, besonders weil sie Mich nach ihrer Art auch lieben; dennoch kommt es aber bei irgend einer Gelegenheit darauf an die Bedingungen der Liebe zu erfüllen; allein da weichen sie zurück und halten manche Wahrheiten von Mir, über die Liebe ausgesprochen, für unfassbar, für Überbürdung oder für falsch ausgelegt. Dies ist die Magd, die sie zur Verleugnung veranlasst; denn gleichwie eine Magd tätig sein muss im Dienen, so muss auch die Liebe tätig sein und dienen, und wenn die Liebe spricht: „Ich kenne ihn nicht“, damit er sich den weiteren Folgen oder Ansprüchen des liebetätigen (und also lebendigen) Glaubens nicht unterzuordnen braucht.

Auch in der Jetztzeit geht es so mit dem wahren Glauben! Soll derselbe sich offen zeigen, auch da, wo ihm eine Niederlage droht, sei es ein Verlust von Ehre oder Besitztum natürlicher Art, so wird derselbe gar oft auch von Solchen verleugnet, die meinen, daß sie in ganz inniger Verbindung mit Mir stehen, während sie doch in kurzen Zeitabschnitten Mir als Verleugner gegenüberstehen, weil sie nicht auf Mich, sondern auf die Weltmenschen blicken.

Gleich wie aber ein einziger Blick nach Mir Petrus wieder umwandelte, so gedenke Ich euch Alle, die sich zu Mir nach solchen Beirrungen wenden, wieder für Mich zu gewinnen, und wie jetzt Viele Mich wiederum verleugnen, und so der Glaube nun gleichfalls dem schwachen Petrus gleicht, so will Ich abermals der Welt Mich zuwenden mit der Frage: „Warum verleugnest du Mich, während du doch vorgibst, daß du ein Fels seiest, worauf Ich bauen könne?“

Die Kirche wird durch die vielen Ereignisse, die von Gottentfremdung zeugen, sich noch überzeugen müssen, daß ihr Glaube eine Niederlage erlitten hat, welche nur durch Mich Selbst wieder gut gemacht werden kann. Darum sehet auf Mich mit der Bitte: euch eines Gnadenblickes, wie Petrus zu würdigen, wenn auch ihr oft in die Lage kommet, Mich vor den Weltmenschen zu verleugnen!

Euer Vater!

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