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131. Nahender Gewittersturm, Josephs Rat. Die Vorahnung und Flucht der Löwen

  01] Es kamen aber die anderen, die sich ehedem nach allen Seiten der sehr gedehnten Fläche des Berges zerstreut hatten, mit ganz bekümmerten Gesichtern zurück.
  02] Denn sie ersahen aus dem südwestlichen Teile Ägyptens sich gar mächtige schwarze Wolken erheben, die allzeit Vorläufer großer Stürme sind.
  03] Nordöstlich gegen Ostrazine hin war freilich wohl alles rein; aber desto schauerlicher sah es über dem Gebirge, wie schon gesagt, südwestlich aus.
  04] Diese Zurückgekommenen rieten daher zu einer schnellen Heimkehr.
  05] Cyrenius aber sagte: »Wenn es an der rechten Zeit sein wird, werden uns schon diese mächtigen Weisen kundgeben;
  06] solange sich aber diese ruhig verhalten, da wollen auch wir uns kein graues Haar wachsen lassen!«
  07] Maronius und der Oberste sprachen aber: Du hast recht; aber gehe hin über diese kleine Anhöhe, und sieh, und du wirst sicher auch unserer Meinung sein!
  08] Denn da sieht es ja aus, als wenn alle Furien auf einmal die Erde in den Brand gesteckt hätten!«
  09] Cyrenius aber fragte den etwas schlummernden Joseph:
  10] »Freund und Bruder, hast du vernommen, was diese da mir für eine warnende Nachricht gebracht haben?«
  11] Und Joseph sprach: »Ich schlummerte und weiß kaum, wovon da unter euch die Rede war.«
  12] Und Cyrenius sprach: »So erhebe dich, und gehe mit mir auf diese Anhöhe, und du wirst den Stoff unserer Rede sogleich entdecken!«
  13] Und Joseph erhob sich und ging mit Cyrenius auf die Höhe.
  14] Als sie da anlangten, zeigte Cyrenius dem Joseph sogleich das höchst drohende Aussehen des herannahenden Sturmes.
  15] Und Joseph sprach: »Ja, was willst du da nun machen?
  16] Fliehen? – Wohin? In einer Viertelstunde ist der Sturm längstens da!
  17] Nach Ostrazine brauchen wir laufend anderthalb Stunden; bevor wir noch durch den oberen Teil der Gebirgswaldung kommen, hat uns der Sturm lange schon eingeholt!
  18] Was dann in der unsicheren Schlucht, wenn uns einige Legionen von Bestien umringen werden, – was sie bei großen Stürmen gerne tun?!
  19] Und wenn uns obendrauf noch reißende Wolkenbruchströme ereilen und uns schonungslos in die Tiefe mitreißen, – was machen wir dann?
  20] Daher bleiben wir lieber hier auf der Höhe, da (wo) wir höchstens naß werden, während uns im Walde allerlei Ungemach zustoßen kann!«
  21] Cyrenius war mit diesem Rate zufrieden und ging mit Joseph unter den Feigenbaum zurück.
  22] Aber die Gesellschaft des Cyrenius machte dabei dennoch sehr bedenkliche Mienen, – besonders als sie die drei Löwen auf einmal aufspringen und die Flucht in die Wälder ergreifen sahen.
  23] Und Maronius sprach zum Joseph selbst: »Siehe, die drei uns getreu gewordenen Bestien haben sicher im Vorgefühle für die Kalamität, die uns hier erwartet, die sie schützende Flucht ergriffen! Sollen wir nicht desgleichen tun?«
  24] Joseph aber sprach: »Der Mensch hat nicht vom Tiere zu lernen, was er tun soll, sondern vom Herrn der Natur!
  25] Ich aber bin der Meinung, daß ich klüger bin als das Tier; darum bleibe ich und werde den Sturm hier abwarten und nach demselben erst aufbrechen, – falls einer kommen wird!« Damit stellen sich nun alle zufrieden und bleiben, in banger Erwartung.

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