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Karfreitag. Mich dürstet (Joh. 19, 28.)

391. – 11. April 1884 Karfreitag „Mich dürstet“ (Joh. 19, 28.)   
 

Liebe Kinder!

„Mich dürstet!“ sind Worte, die Ich einst am Kreuze aussprach, nachdem das Blut in Strömen über Meinen Leib geflossen und er Tod nicht mehr ferne war. Es ist dieses Blut eine Entsprechung Meiner Liebe; weil Liebe und Leben nicht ganz getrennt werden können, so floß mit dem Blute auch Mein Leben und Meine Liebe für die Menschen; aber weil Mir von denselben keine Gegenliebe geboten wurde, sondern vielmehr Hass, so musste Ich verschmachten; denn es war für Mein liebendes Herz gar schwer, trotz der großen Aufopferung und der vielen unsäglichen Schmerzen, sogar von Solchen noch verachtet und verspottet zu werden, welchen Ich noch kurze Zeit vorher soviel Liebe und Wohltaten persönlich erwiesen hatte, denn unter der Rotte Meiner Feinde befanden sich Viele, welche Ich zuvor von schweren Leiden und Krankheiten geheilt hatte.
           
„Mich dürstet!“ Es ist der Durst ein großer Schmerz, ein tiefes Empfinden, daß etwas mangelt, die Entbehrung einer belebenden Erfrischung. Dieser Durst stellte sich bei Mir vielmehr in geistigem Sinne ein, denn als ein Bedürfnis für Meinen schmachtenden Leib; aber Meine Umgebung verstand diese Worte bloß dem äußerlichen Sinne nach, und brachte Mir Essig und Myrrhen, gleichfalls eine Entsprechung ihrer Herzen, die voll Hass und Bitterkeit waren; doch Ich nahm dieses Anerbieten nicht an.
           
So geht es auch heutzutage! Nur hat, weil Ich persönlich sichtbar nicht mehr unter den Menschen weile, nun der äußere Sinn dieser Worte aufgehört; aber leider um so mehr kann der geistige Sinn angewendet werden; denn „Mich dürstet.“ Auch jetzt wieder suche Ich bei Meinen Menschen Gegenliebe; aber Ich finde sie nicht, sie lassen Mich verschmachten in Meiner Liebeglut, und wenn es hoch kommt, so bieten sie Mir Essig und Myrrhen, oder statt Liebe, mit welcher sie Mich erfreuen und erquicken könnten, bringen dieselben eine falsche Bekehrung Mir dar, die in Zeremonien und Heuchelei besteht, und Solche welche bereit sind, Mir im Geiste der Wahrheit zu dienen, da sie die Liebe zu Mir dazu antreibt, werden verfolgt und statt Meiner nun geschmäht.
           
Es ist somit nun in geistiger Entsprechung die zeit da, wo Ich abermals ausrufe: „Mich dürstet!“ Darum, Meine lieben Kinder, sorget ihr Mir für eine Erfrischung, damit Meine Liebe nicht vergebens an euch gearbeitet hat, und bringet Mir in eurer Gegenliebe euer ganzes Herz. So wollen wir diesen Gedenktag an Meinen Leibestod in inniger Verbindung miteinander feiern, indem ihr suchet in Brod und Wein Meines Fleisches und Blutes teilhaftig zu werden; ja, nehmet die göttliche Liebe, die da stets fließet für euch, in euch auf, auf daß sie als Rechtspfand für Erlangung der Gelegenheit einst con euch vorgewiesen werden kann, wenn ihr dieselbe rein und lauter zu erhalten euch bemüht habt, und euer Aufnahmegefäß, euer Herz, nicht mit Unrat beschwert ist, wie ein Gefäß der Unehre, sondern als ein Gefäß, in dem Mein Blut oder Meine Liebe Eingang gefunden hat. In diesem Sinne nehmet hin den Kelch und das Brod, die Ich euch schon längst gesegnet habe als euer Vater!

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