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Palmsonntag: Von der Fußwaschung (Joh.13.)

390.-  (Palmsonntag) den 6. April 1884  Von der Fußwaschung  (Joh.13.)

Liebe Kinder!

Vor dem Feste der Ostern war es, als Ich Meinen Jüngern durch die Tat der Fußwaschung noch einen Beweis von Meiner Liebe und engverbrüderten Verbindung mit ihnen geben wollte; denn das Fußwaschen war sonst die Arbeit eines Dieners im Haufe, und darum wollte Ich damit sagen, daß Ich auf die Erde gekommen sei, um zu dienen, und sie zu reinigen von all ihrem Unflat, auch wenn dieses durch die tiefste Erniedrigung für Mich geschehen sollte.
           
Ihr sehet an dieser Handlung, wie der Glaube an einen hocherhabenen, majestätischen König- und Richter-Gott so gar nicht mit der Fußwaschung stimmen will; denn es ist den Lehrern eines unzugänglichen Gottes unbequem, die tiefe Liebe Gottes in diesem Akte herauszufinden. Darum auch Petrus, welcher immer als dem Glauben entsprechend redete, sprach: „Herr, solltest Du mir die Füße waschen?“ Er wollte damit andeuten, daß diese Herablassung eine Entwürdigung Meines Wesens sei; denn teilweise war diese seine Äußerung einem Herzen entsprochen, welches mit Ehrfurcht und Achtung gegen Mich erfüllt war; darum Ich ihm auch erwiderte:
           
„Werde Ich dich nicht waschen, so hast du keinen Teil an Mir!“ Ich musste ihn von den ihm noch anklebenden Vorurteilen, welche er in mancher Beziehung noch gegen Mich hatte, reinigen, und ihn Meine herablassende tiefe Liebe fühlen lassen, damit er sich inniger an Mich anschließen konnte, weil nur die Liebe dieses Band zwischen Mir und den Menschen beseitigen kann, und alle Meine anderen Eigenschaften für den Menschen zu unnahbar sind. Dieser Hauptpunkt Meiner Lehre ist aber leider in der Jetztzeit ganz verdunkelt, und kann nicht mehr begriffen werden, daß Ich in Meiner herablassenden Liebe nun abermals Mich erniedrige, um Meinen Kindern die Füße zu waschen, durch das Wasser der Wahrheit, welches Ich direkte zu denselben bringe, um sie zu reinigen, (von ihren irrtümlichen Ansichten). Joh. 17, 17.
           
Es wird dieser trauliche Verkehr Meines Vaterherzens mit Meinen Kindern, welche Mich suchen und die Meine Stimme erkennen, in dem, was innerlich in ihnen vorgeht, nur von gar Wenigen anerkannt; denn da heißt es, hauptsächlich von Seite der Gelehrten der Kirche, mit Hohn und Spott – „Gott ist viel zu ehrwürdig, zu erhaben und anbetungswürdig, als daß Er sich mit einzelnen Menschen auf diese Weise abgäbe.“
           
Ich möchte Solche fragen, was sie überhaupt von ihrem Gott halten? Nach ihrer Ansicht müsste Ich es ihrem Stolz und Eigendünkel noch weit zuvortun, um hoch über sie hinaufgestellt werden zu können. Wo aber bliebe da Meine Lehre und Mein Beispiel in Meinem Erscheinen auf Erden, als eine Wahrheit, welche stets und überall das Symbol der Demut und Liebe an sich trägt!
           
Entweder können sie Mich als Jesus gar nicht brauchen, oder sie müssen zugeben, daß Ich von Ewigkeit her immer Derselbe bin, Welchen die Liebe stets drängt, Sich mit Seinen Menschenkindern zu vereinen, welches Drängen nie aufhören wird, so lange es Menschen gibt; daher auch dieser Verkehr zwischen Mir und den Menschen stets bei Einzelnen stattfindet, nicht nach außen und für den Verstand fassbar; denn ein Solcher erkennt das Wirken des h. Geistes in ihm, welcher da aufdeckt, wie Alles Gnade ist, was in ihm und um ihn vorgeht, um ihn dadurch tüchtig zu machen zu einer immer innigeren Verbindung mit Mir.
           
Diese innere Fußwaschung, welche Ich Selbst übernehme, ist es, gegen welche so Viele sich sträuben, meinend, daß Ich dazu zu groß, zu erhaben und zu unnahbar sei? So lange aber dieser Glaube nicht beseitigt wird, gilt das von Mir an Petrus gerichtete Wort: „Werde Ich dich nicht waschen, so hast du keinen Teil an Mir!“ So bin Ich abermals bereit, Meine Kinder mit dem reinen Wahrheits-Wasser zu bedienen, auf daß sie ihren Lebenswandel reinigen von allem, was nicht mit Meiner göttlichen Liebe übereinstimmt, auf daß wir immer mehr vereint werden! 

Amen!  Euer Vater Jesus.

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