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Winke über die Versöhnungslehre

406. – 13. Juli 1884  Winke über die Versöhnungslehre

„Ich bin ein guter Hirte; Ich erkenne die Meinen, und bin bekannt den Meinen! Darum liebt Mich Mein Vater, daß Ich Mein Leben lasse, auf daß Ich es wieder nehme. „Niemand nimmt es von Mir, sondern Ich lasse es von Mir selber. Ich habe Macht es zu lassen, und habe Macht es wieder zu nehmen. Solches Gebot habe Ich empfangen von Meinem Vater.“ (Joh. 10, 14.-18.)
 

Liebe Kinder!

In diesen Worten ist ganz deutlich ausgesprochen, wie Ich in Mir Selbst das Erlösungswerk wählte, d.h. wie in Mir die Weisheit sich der Liebe unterordnete und demnach handelte; „denn solches Gebot habe Ich empfangen von Meinem Vater.“ Es hätte Meine Weisheit noch viele Mittel und Wege, die Menschen wieder mehr zu geistigem Streben anzutreiben; aber doch oft mehr zwangsweise, verbunden mit allerlei Strafgerichten, welche die Menschen schwer fühlen müssen; aber Meine Liebe trat der Weisheit entgegen, und wollte lieber durch die größten Liebesbeweise die Menschen locken, Mich wieder zu lieben.
           
So gab Ich ihnen für alle Verhältnisse des Lebens ein Beispiel, wie sie sich verhalten sollen, sowohl im Geben, als im Nehmen, im Lieben, im Verzeihen, in der Selbstverleugnung und in der Armut. Wenn es euch ernst ist, euch nach diesem Beispiele zu richten, so werdet ihr fast staunen, wie Ich Alles durchlebt habe, was nötig war, um den irdischen Menschen zu vergeistigen; dazu habe Ich alle Macht aus Mir Selbst genommen, nämlich aus dem Geiste.
           
Meinen Leib machte Ich dem Geiste völlig untertan, *) weil der Geist sich mit dem Leibe vereinigen wollte, um einst in Gemeinschaft mit ihm im Himmel zu sein, und somit übergab der Geist auch seinen Willen an den Leib, und ließ denselben wählen, zu welchem Streben er sich entschließen wollte, was die Worte besagen „der Vater hat alles dem Sohne übergeben.“
           
Weil aber auf diese Weise Vater und Sohn Eines sind, so können sie nicht getrennt werden! Denn der Vater ist das Innewohnende und Anregende, der Leib die äußere Erscheinung und das Ausführende, wie ihr an euch selbst sehet. Wenn aber der Vater das Innewohnende und Anregende ist, wie kann Derselbe nachher durch den Sohn dadurch Versöhnt werden, daß der Leib sich töten lässt! Ihr sehet hieraus, wie grundfalsch die Versöhnungs-Lehre in der Christenheit lautet, und wie diese Lehre  Mein ganzes Wesen entstellt.
           
Es ist daher nötig, einen richtigen Begriff von Meiner Menschenwerdung, welche zur Erlösung für die Menschen geschah, zu geben, und darum muss Ich ganz von vorne anfangen mit Belehrung der Menschen, Mich denselben als Den zu erkennen gebend, Der Ich in Wahrheit bin! Sobald nun ein Mensch redlich sucht und darüber nachdenkt, so wird ihm vom h. Geiste eine Erleuchtung zu Teil, die ihn aus allen Zweifeln reißt. Machet auch ihr eure Mitmenschen auf dieses Kapitel aufmerksam, und wer es mit Liebe zu Mir liest, dem soll zur Jetztzeit der wahre Sinn desselben aufgeschlossen werden.

Amen! Euer Jesus-Vater.

*) siehe Jugendgeschichte Kp. 298, 299. D. Hsg.

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