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Lebenswinke beim geistigen Streben

435.  –  11. Januar 1885 Lebenswinke beim geistigen Streben

Jesus aber sprach zu ihm: „Wer seine Hand an den Pflug Legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reiche Gottes!“ (Luk. 9, 62. 2. Petri 2. 20 – 22.)

Liebe Kinder!

Es gibt Menschen, welche beim Anhören einer Predigt oder sonst einer Anregung im Geistigen zu Mir kommen mit den Worten: „Ich will Dir folgen wo Du hingehst!“ wie es auch der Fall bei Jenem war, welcher Mir nachfolgen, aber zuvor noch alles ordnen wollte, ehe er ernstlich es mit Mir halten wollte. Gleichwie Diesem, so geht es noch vielen Meiner Nachfolger, – „der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach,“ – die Seele ist noch ganz in Sorgen verstrickt für ihren leiblichen Organismus, dass derselbe gut gepflegt wird, und alles was in dieser Beziehung ihr Genuss bietet, nimmt ihre Neigung in Anspruch.

Das Vereinen mit dem Geiste, als dem Haupt- und Mitbewohner des Leibes, ist für sie ein schweres Unternehmen, weil derselbe nach Göttlichem und Unsichtbarem strebt, und dessen Liebe von der Art ist, dass er dieselbe entäußert, während die Seele Selbstliebe hat und daher – statt sich mitzuteilen, lieber anzunehmen sucht, weil sie selbst genießen will. Darum ist es stets ein Kampf für die Seele, in das Drängen des Geistes einzugehen, und daher wird demselben allerlei Beistand geboten, sowohl von Außen her, durch das h. Wort Gottes oder durch den Verkehr mit solchen Menschen, die schon mehr sich zu vergeistigen streben, dann auch noch hauptsächlich durch die den Menschen umgebenden Schutzgeister, deren Einfließen verstärkt werden kann durch Fürbitte anderer Menschen, zumeist Solcher, mit welchen solche eine Seele in geistiger Liebe-Verbindung steht.

Dieser Beistand wird durch das Wort „Gnade“ bezeichnet, welche sich bald in dieser, bald in jener Weise äußert, und stets dahin zu lenken suche, dass die Seele immer mehr Eins wird mit dem Geiste; denn nur so kann sie eingehen in das Friedens- oder Himmelreich (Wiedergeburt); es ist ihr sonst keine andere Bedingung gestellt, weil auch kein anderes Ziel zur Seligkeit ihr gegeben werden kann, als der Friede, oder ihr Einverständnis mit dem göttlichen Geiste (in ihr), der zwar in kleinster Form, aber doch als von Gott abstammend die wahre Demut und die reine Liebe in sich bergend, den Einfluss auf das körperliche Organ, also auf den Leib und dessen Glieder, als dem Diener für Geist und Seele mit dieser Teilt; dabei aber dem Urteile (oder der Entscheidung) der Seele im Ausüben der schöpferischen Gedanken bis auf einen gewissen Grad sich unterwirft, und so nach und nach die Seele, besonders durch die Gnade zu sich zieht, so dass sie das Gute immer mehr erkennt und wählt, und so sich stets mehr Göttliches aneignet, um einst vereint mit dem Geiste zu der Freiheit sich wieder zu erheben, welche ihr durch ihr entgegen gesetztes Wollen entzogen ward. So hätte der Mensch die Hand an den Pflug gelegt, um den )Herzens-) Boden vom Unkraut zu säubern, und gute Früchte dort anzubauen; wenn aber derselbe wieder dem natürlichen Zustande der Seele sich mehr zuneigt, dann ist er nicht tauglich, zum Reiche des Friedens zu gelangen.

Euer Jesus.

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