438. – 31. Januar 1885 Verrat – Zur Gefangennehmung Jesu
„Und banden Ihn, führten Ihn hin, und überantworteten Ihn dem Landpfleger Pontius Pilatus. Da das sah Judas, der Ihn verraten hatte, dass er verdammt ward zum Tode, gereute es ihn, und brachte wieder die 30 Silberlinge den Hohenpriestern und den Ältesten und sprach: ich habe übel getan, dass ich unschuldig Blut Verraten habe u.s.w.“ ( Matth. 27, 1 – 10.)
Liebe Kinder!
In diesem Abschnitte von Meiner Leidensgeschichte, wird die Übergabe Meiner Person an den Richter erzählt, welchem zuerst noch über Mein Vergehen berichtet werden musste, indem er selbst keine Schuld an Mir finden konnte, während doch die Pharisäer und Obersten des Volkes Mich hart zu verklagen anfingen. Da das Judas sah, reute es ihn, dass er Mich Verraten hatte.
Der geistige Zustand heutzutage gleicht wiederum der Zeit Meiner Gefangennehmung, indem ebenfalls viele Leiter des Volkes darauf bedacht sind, Meine göttliche Persönlichkeit anzuklagen, und Meine Ehre zu schmälern vor solchen Seelen, welche Mich noch als ihren himmlischen Vater und Gott nicht persönlich verfolgen können, so lassen sie ihren Hass an Meinen Kindern aus, und geben sich oft viele Mühe, aus deren Mitte eine Seele an sich zu ziehen, um dieselbe zu einem Judasdiener zu machen.
Leider ist dieser Fall auch schon oft in solchen Gemeinschaften vorgekommen, welche treu zu Mir zu halten sich eifrig bestreben, dass sich eine Seele von eitlem und materiellem Gewinne verlocken lässt, über ihre Mitbrüder und Schwestern Böses auszusagen, und dadurch nicht allein diesen, sondern Mir Selbst den größten Schaden zuzufügen; sie berechnen die schweren Folgen solchen Verrates nicht, bis es zu spät ist dieselben abzuhalten, weil sie gleich Judas denken: dass Ich wunderbar Denen helfen werde, welche Mir angehören, und Mich dadurch als einen mächtigen Gott beweisen; darum ist diese Sünde des Verrates groß, indem solche Seelen dem Satan gleichen, welcher Mich versuchen wollte mit den Worten: „Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.“
Solche Seelen, welche einmal durch die Gnade zur wahren Erkenntnis von Mir und Meinem Wesen gelangt sind, haben viele Verantwortung auf sich und müsse es sehr genau nehmen, Mich vor der Welt so zu bekennen, wie der h. Geist es sie lehrt; aber dieses Bekennen soll nicht allein in Worten sich äußern, sondern auch in der Liebe gegen die gleich gesinnten Brüder, und wenn ein Glied leidet, sollen alle Glieder mitfühlen, anstatt den Schaden des Bruders anders Denkenden preiszugeben. Es wird in dieser Beziehung viel gefehlt, und der Segen, welcher auf einer Gemeinschaft liegt, dadurch gestört, was oft gänzliche Niederlage einer Seele herbeiführt.
Hier sollte das Heiligtum der Treue, der Liebe, des Stilleseins über allerlei Vorkommnisse viel genauer beobachtet werden; denn nur so kann Ich in eure Mitte treten; nur diese Liebe unter einander deckt eure Unwürdigkeit zu! Wenn Ich Mich auf diese Treue, welche ihr einander erzeiget, verlassen kann, so will Ich euch stärken zur großen Arbeit; darum sorget, dass diese Hauptbedingung erfüllt wird, ehe ihr Andere unter euer mangelhaftes Dach bringen wollet; brauch ihr doch selbst öfters die Worte: „An den Werken soll man sie erkennen!“ darum zeiget, Wer heute Kette geschmiedet hat, zum unauflöslichen Bunde, durch treues Zusammenhalten, und ziehet euch zurück, wo euch die Welt schmeichelt Größeres auszuführen, als Ich euch bis jetzt angeordnet habe; bleibet in der Demut! Und ihr bleibet dann bei Mir!
Euer Vater!
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