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218.  Führe uns nicht in Versuchung

218
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20. Februar 1881
Matth. 6

Liebe Kinder!

Bei jedem Worte, das ihr betet, sollet ihr euch prüfen, ob es euch redlich aus dem Herzen kommt; sonst ist es ein Gräuel vor Mir, hauptsächlich ist dabei dasjenige Gebet gemeint, das Ich euch Selbst lehrte, das Vaterunser, welches alles enthält, was zu eurer Selbstprüfung nötig ist, und wollet ihr Meine Kinder sein, so sollen euch die Worte eines so liebevollen Vaters doppelt wichtig sein; besonders die Worte: "Führe uns nicht in Versuchung!"
Dabei sollet ihr zuerst bedenken, wie vielfach eine Versuchung stattfinden kann!
Zuerst könnet ihr durch zu große Armut zum Murren und Zweifeln versucht werden, weil ihr glaubt, daß ihr als Kinder eines reichen Vaters auch im Äußern mehr mit Glücksgütern bedacht sein solltet, damit die Leute an euch merken könnten, daß ihr bevorzugt seid.
Welch große Versuchung liegt in solchem Begehren, wie weit entfernt sie euch oft von Mir, daß ihr undankbar seid für eure Gnadenführung; während Ich doch eure Schwachheit besser kenne, und wohl weiß, was Ich euch zulassen kann, damit selbe nicht die Oberhand gewinne; denn die Armut ist die Wächterin, damit der Stolz, die Überhebung und die Genußsucht in ihren Schranken bleiben.
Darum sollet ihr, wenn ihr in eurer Armut betet, nicht um Wohlstand bitten, sondern sogleich bedenken, daß Meine Liebe dieselbe nun einmal für euch gut fand; denn äußere Armut hat schon manchem zu geistigem Reichtum verholfen, während äußerer Reichtum meistens ein Hindernis des geistigen Wachstums ist.
Deshalb lasse Ich Meinen Kindern und zwar den meisten ihren Führungen beides in verschiedenen Abwechslungen zukommen; damit sie sich nicht entschuldigen können, als ob Ich ihnen ein unpassendes Verhältnis zu ihrer geistigen Ausbildung auferlegt habe? Seid daher ruhig darüber; denn Jeder erhält dasjenige, was ihn am meisten zum Ziele bringt.
Wie viel Undank ist Mir schon geworden, wenn Ich, um die Seelen nach ihrer eigenen schlechten Wahl zu befriedigen, die Verhältnisse solch murrender Menschen oft auf wunderbar schnelle Weise nach ihrem Wunsche und gemäß ihrer Ansicht in eine bessere Lage wandelte, während Ich wußte, daß sie dieselben nicht ertragen können, und Ich nachher mit desto mehr Strenge ihnen zur Umkehr helfen muß.
Darum könnet ihr nach einer Betrachtung eurer selbst statt "führe uns nicht in Versuchung" sagen: "lasse uns nicht gelüsten über Deine weisen Anordnungen zu murren, welche stets nach dem Maße unserer Kraft bemessen sind, und wenn wir dennoch schwach werden, so erlöse uns von dem Übel, hauptsächlich auch insofern, daß wir eine Niederlage nicht auf die Rechnung anderer Menschen laden, sondern auch in dieser Versuchung durch Deine Gnade bewahrt bleiben.."
Denn der Mensch ist zu sehr geneigt, seine Führungen, seine Verfehlungen, sein Mißlingen, ehe er sich selbst genau prüft, auf die Einwirkung seiner Nebenmenschen zu schieben; er tritt oft frech genug mit einer Anklage vor Mich als den Allwissenden, anstatt mit Selbstprüfung und Reue; und das tun oft auch solche, welche meinen, sie haben einen Vorzug bei Mir, weil sie eines besonderen Nachlaufens Meiner erbarmenden Gnade sich rühmen, was auch oft durch besonders starke Beeinflussung stattfindet, jedoch nicht wegen ihres Verdienstes, sondern weil oft noch besonders gefährliche Feinde in ihrem Herzen sie beherbergen. Zur Erziehung solcher Seelen gehört von Meiner Seite große Langmut und Geduld; denn sie bereiten Mir viel Unehre und mißbrauchen Meine Liebe!
Darum sagte Ich: wenn ihr betet, so gehet ins Kämmerlein eures Herzens, und haltet dort zuvor Umschau wie es beschaffen ist, damit ihr nicht versucht seid, unreine Begierden und Leidenschaften vor Mir zu entschuldigen, sondern bittet um Beistand, dieselben zu beseitigen.
Nur so wird eure Bitte: "Führe uns nicht in Versuchung" von Mir erhört werden!

– Amen, Amen, Amen!

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