21. Oktober 1883
Johs. 13. 31
"Nun ist des Menschen Sohn verklärt, und Gott ist verklärt in Ihm!"
Liebe Kinder!
Diese Worte sagte Ich zu Meinen ersten Jüngern, nachdem Ich noch das Mahl mit ihnen genommen hatte, und auch Mein Menschliches nun so verkläret war, daß Ich den Bissen für Meinen Verräter eintauchen und denselben ihm mit Liebe überreichen konnte, weil Meine Natur jetzt gleichfalls so von allerlei Leidenschaft gereinigt war, daß der Zeitpunkt nun da war, wo Ich sagen konnte: "des Menschen Sohn" (oder das Organ, welches Meinen Geist in menschlicher Form umgab) "ist jetzt gleichfalls so von Liebe durchdrungen (weil die Seele sich ganz vergöttlicht hatte und nur noch das wollte, was der Geist wollte, also nur Göttlich-Gutes) "daß nun des Menschen Sohn verkläret ist, und Gott ist verkläret in ihm."
Diese Worte sind von so tiefer und hoher Bedeutung, daß ihr sie noch nicht ganz zu erfassen vermöget; sie beziehen sich auf das ganze Erlösungswerk, und lassen einen Einblick tun, wie dasselbe richtig verstanden werden solle.
"Gott ist verkläret in ihm", im Menschensohne; Jesus ist dieser Mensch, welcher den Leib wieder nach Seiner göttlichen Bestimmung gebrauchte, und denselben durch und durch heiligte, und dadurch Zeugnis ausstellte, daß in demselben alle Eigenschaften verborgen liegen, welche dazu gehören selig zu werden; und damit ward gezeigt, daß der menschliche Leib von Mir aus so vollkommen beanlagt geschaffen wurde.
Daß aber nun diese Anlagen beim Menschen nicht mehr so klar und kräftig vorhanden sind, daran ist sein freier Wille schuld, welcher das Böse mehr liebte als das Gute, weil er vom Geiste der Lüge zu stark beeinflußt wird, indem derselbe nicht die gleichen Schranken einhält, gegenüber dem freien Willen des Menschen, wie die göttliche Liebe, welche nur beglücken, aber nicht erobern will, um durch Besitz zu prahlen und den Hochmut zu steigern, wie es beim Satan der Fall ist.
Diese zwei entgegen gesetzten Beweggründe sind im Menschen auch vorhanden; Geist und Seele stehen deshalb in stetem Kampfe gegeneinander, und wie das Sprichwort bei euch sagt: "der Stärkere wird Meister", so geht es auch hier, oft ohne daß der Mensch es merkt; erst wenn er, teils durch die Lehre, teils durch sonstige Mittel auf sich selbst (sein Inneres) aufmerksam gemacht wird, dann erkennt er sein Doppelwesen, und sein freier Wille kann abermals wählen. *)
Wählt er den Zufluß des Geistes, welchen er durchs Gebet leicht erlangen kann, welcher sich dadurch kundgibt, daß er mir zuneigt, so nehme Ich seinen weiteren (geistigen) Fortschritt in die Hand, und leite denselben Selbst; ist er aber gleichgültig über sein Wesen, so geht er für Mich verloren, oft für lange Zeiten, und es kostet viele Mühe denselben noch selig zu machen, wenn er mit dem Doppelwesen ohne entschiedenen Willen Drüben ankommt, weil er das Recht, das durch den Menschensohn sanktioniert (bestätigt, geweiht) wurde, (nämlich den Leib schon hier so zu verklären, daß er ins ewige Leben eingehen kann) gar nicht beachtete, sondern denselben vielmehr durch allerlei Ausschweifungen vertierte.
"Gott und Mensch in Einer Person"; also auch der Leib kann vergeistigt werden, und bildet so Eins mit Gott; dies ist das große Geheimnis des Erlösungswerkes, welches von Gott dem Vater Selbst ausgeführt worden ist, unter dem Namen – Jesus Christus!
Darum sagte Ich: "Gott ist verkläret in ihm, so wird Ihn Gott auch verklären in Ihm Selbst"; unzertrennlich wird die Menschenform mit der Gottheit bleiben, weil in derselben die höchste Aufgabe gelöst wurde, nämlich das Verlorene wieder zurückzuführen in die göttlichen Tugenden des Himmels, um dort ewig vereint in seinem Urheber zu bleiben.
Sehet, liebe Kinder, dieses Geheimnis ist groß, aber es enthält eine frohe Verheißung, nämlich: daß ihr die Wiedergeburt erlangen könnet, so ihr ernstlich danach strebet! Amen!
*) Die Seele ist „Welt“, und ihr Organ ist der natürliche Kopfverstand, der dem Geist als göttlicher Funke im Herzen widerspricht, als Antichrist im Menschen. D. Hsg.
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