← Zurück zu „Vaterbriefe Band 1“

„Vom achten Gebot“

43. – 21. Januar 1878  "Vom achten Gebot"
 
Meine lieben Kinder!
Da ihr in jetziger Zeit die Bitterkeit der Verleumdung zu tragen habt, so will Ich etwas schreiben lassen über das falsche Zeugnisreden gegen den Nächsten.
 
In diesem Falle ist jeder Mensch der Nächste, und verdient, daß ihr nur mit Liebe und Wohlwollen gegen ihn urteilet; denn wie viel Unheil durch liebloses Richten angestellt wird, könnet ihr jeden Tag in der Welt sehen; aber noch weit mehr schadet eine verleumderische Zunge sich selbst und ihrem geistigen Fortschritte.
 
Es ist diese Sünde der größte Beweis von Lieblosigkeit; denn wenn auf diesem Boden nicht ernstlich gewacht wird, kann die Liebe keine Wurzel fassen. Nicht nur sollet ihr nicht falsch reden, sondern auch alle argen Gedanken auszumerzen suchen.
 
Es ist ein Hauptkennzeichen Meiner wahren Kinder, daß sie nicht lieblos reden von ihren Mitmenschen; denn dieses Kennzeichen wird auch von den Weltmenschen wert geschätzt, und wirkt mehr bei denselben, als jede andere Tugend, welche sie euch auch oft nicht abstreiten können; darum Ich es zulasse, daß gerade diejenigen, welche Mich suchen, von ihren Mitmenschen scharf beobachtet, und verleumdet werden. Diese sind Wächter für sie, damit sie dann nicht allein um Meinetwillen, sondern wegen ihres eigenen Ich`s es sich zur Aufgabe machen, kein Ärgernis zu geben, wodurch ihr Streben wieder mehr gehoben wird; denn, wenn ihr euch genau prüfet, so werdet ihr finden, daß ihr ebenso viel um euer selbst willen tut und unterlasset, als für Mich.
 
Wenn nun eine Verleumdung über euch kommt, so soll diese bittere Erfahrung euch auch noch dazu dienen, daß ihr desto gewissenhafter im Urteilfällen seid, und ihr in solchen Fällen nicht mit Klagen oder Anklagen zu Mir kommet, sondern bittet zuerst für euch um Liebe, die verzeiht, weil sie auch darin Meine väterliche Zulassung erblickt, und den damit verbundenen Segen erkennt; dann nehmet euch ernstlich vor, niemand eine solche Betrübnis durch Verleumdung zu bereiten, wie ihr sie empfunden habt und hoffet, daß alles zu eurem Besten dient. Amen!

← Zurück zu „Vaterbriefe Band 1“