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„Der Herr bei den Jüngern zu Emmaus“

121. – 29. Juni 1879 "Der Herr bei den Jüngern zu Emmaus"
 
Liebe Kinder!
Als Ich einigen von Meinen Jüngern nach der Auferstehung erschien, mit ihnen redete, und dann von ihnen scheiden wollte, da baten sie Mich: "Bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget!"
 
Diese Bitte geschah bei ihnen aus Nächstenliebe, sie wollten Mich als einen Fremdling, der ihnen lieb geworden beherbergen, weil Ich über Punkte mit ihnen sprach, die in ihrer Bekümmernis ihre Herzensfragen beantworteten.
 
Es war nicht allein dunkel vom natürlichen Abend um sie her, sondern auch das Licht, welches sie durch Meine Lehre und Meinen Umgang in geistigen Erkenntnissen empfangen hatten, war getrübt durch Meinen Tod, welchen Ich erlitt.
 
Wie konnte es auch anders sein, sie hatten ja die höchsten Begriffe von Meiner Allmacht und Liebe, und konnten deshalb nicht fassen, warum Ich Mich so martern ließ, und dann vollends das leere Grab, also eine gänzliche Hinwegrückung (nach ihrem Sinne) machte sie vollends konfus; nur in ihrem Herzen konnte die Liebe zu Mir nicht ausgerottet werden.
 
Sie waren traurig, nicht wegen verfehlten Hoffnungen, welche ihnen Ansehen und Macht bringen sollten, sondern Mich Selbst und Meinen Verkehr vermißten sie; darum sie auch ihren Begleiter mit großer Liebe bei sich behalten wollten. Er sprach ja zu Meiner Rechtfertigung mit ihnen und tröstete sie.
 
Ich ging denn auch hinein mit ihnen, und setzte Mich zu ihrem Tische, und brach das Brot, damit sie Mich erkannten.
 
So, liebe Kinder, soll auch euer Herzenszustand sein, wenn euch um Meinetwillen wie Mir Spott und Hohn angetan wird, und ihr betrübt und einsam euren Weg gehet, und dann still das Heimweh nach Mir in euch traget; da schätzet alles hoch, was ihr von Mir zu hören und zu lesen erhaltet, seid brüderlich mit Denen, die gleichfalls Mich als den Herrn suchen, es wird auch da der Eine bälder Mich erschauen als der Andere, und euch verkünden "ich habe den Herrn gesehen, Er ist auch in Mir auferstanden".
 
Obgleich Ich nicht von euch weiche, sondern alle Tage euch zur Seite bin, so ist doch das Erkennen, daß Ich es bin, eine erhöhte Seligkeit, wenn Ich Einzug halte und Wohnung nehme, und das Brot mit euch teile, d.h. Meine göttliche Liebe euch so zufließen lasse, daß ihr gestärkt werdet und Mich erkennet. Nach solcher Stärkung, welche dem Glauben das Siegel aufdrückt, wird der heilige Geist Sein Amt fortsetzen; denn in der Überzeugung, daß der Herr bei euch ist, und die Gnadenströme nur von Ihm ausfließen, könnet ihr getrost dem heiligen Geiste das Ohr öffnen, damit er euch in alle Wahrheit leite.
 
Auch vor euren geistigen Augen, die ihr durch den direkten Verkehr in vertrauterem Umgang mit Mir stehet, bin Ich wiederum in ein Grab gelegt, durch den Spott und Hohn, welchen die Gelehrten über Mich schreiben, um das Licht des Geistes in den Herzen zu vertilgen, und ihre eigenen Verstandes-Ausgeburten groß zu ziehen.
 
Wenn ihr nun einsam wandelt auf eurem Lebenswege, heimweh-krank, weil ihr Mich nicht finden könnet, so liebet Solche, welche euch am Weg begegnen, nehmet sie auf in Liebe in Meinem Namen; auch sie können euch oft Aufschlüsse geben über Mich, und Ich will dazu kommen und euch das Brot reichen, das nötig ist Mich ganz zu erkennen, als Den, Dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist, auch über eure Herzen, wenn ihr die Türe selbst dazu aufschließet.
 
So nehmet auch heute Meinen Segen; Meine Gnadensonne erhellet euch den Weg, welchen ihr gehen müsset, Mich suchend, damit ihr Mich findet, ehe die Nacht völlig herein bricht. Amen!

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