181. – 20. Juni 1880 "Wachet, betet und trauet eurer eigenen Kraft nicht zu viel!"
Liebe Kinder!
Immer muß Ich euch wieder die Worte der Ermahnung zurufen, so auch heute in den Worten, Lucä 12. 34 wo Ich sagte: "Seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn Er von der Hochzeit kommt!" Solches Warten ist ein frohes, freudiges, denn die Wartenden wissen, daß der Herr ebenfalls freudig zu ihnen kommt, nachdem er eine Vermählung oder Verbindung zuvor gefeiert hat.
So sollet auch ihr euch freuen und wissen, daß Ich mit euch ein Vermählungsfest feiern will, nachdem ihr Mich erkannt und in euer Herz aufgenommen habt. Es soll euch aber auch kein Muß sein, die damit verbundenen Bedingungen zu halten, sondern ein Bedürfnis, denselben nachzukommen, daß Ich nicht allein euch diene, sondern auch ihr im Gegendienste Mir gegenüber eure Seligkeit findet.
Also will Ich mit euch zu Tische sitzen und ihr mit Mir; ihr sollet die wahre geistige Stärkung von Mir in dem steten Umgang mit Mir erhalten, und Ich will in euch und durch euch wirken; aber seid wachsam! denn diese große Ehre welche euch dadurch zu Teil wird, ist dem Feinde wohl bekannt, und er sucht euch auf alle mögliche Weise um dieselbe zu bringen. Weil er weiß, daß ihr fest halten wollet – Mich aufzunehmen, so hinterlistet er euch dadurch, daß er euch eingibt: "heute hat es schon noch Verzug, dies oder jenes zu erfüllen oder zu verleugnen, ich will dann desto eifriger anfangen, wenn es Zeit ist," und so verschleicht eine Zeit um die andere, und man läßt Mich vor der Tür stehen und warten, während dem Feinde in allen möglichen Dingen gedient wird, und er das Recht hat, die Wohnung des Herzens als die Seinige zu beanspruchen.
Darum ist es so nötig, euch auf die feinen listigen Anläufe aufmerksam zu machen, welche eben noch immer die Scheidewand zwischen Mir und euch herbeiführen. Darum wachet! betet! und trauet eurer eigenen Kraft nicht zu viel zu; dagegen verlasset euch immer mehr auf Mich, und wähnet Mich nicht ferne von euch, nicht als ob gleichsam ein besonderer Akt kommen müßte, um Mich euch vorzustellen, sondern jede Stunde eures Lebens soll als eine Empfangsstunde Mir gewidmet sein!
Da werdet ihr Mir einwenden, warum Ich euch denn so viel materielle Arbeit angeordnet habe (daß ihr dadurch viel sorgen und arbeiten müßt), so daß ihr gar oft nicht Zeit zum Beten habt!? Sehet, diese Frage will Ich jetzt beantworten in dem Beispiele vom Vater und Sohne; der Vater will seinem Sohne das Geschäft übertragen oder doch teilweise ihn mitarbeiten lassen.
Er wird aber nicht verlangen, daß der Sohn immer sichtbar in seiner Nähe bleibt, sonst wäre derselbe ja seiner Freiheit beraubt; er verlangt auch nicht, daß er stets von ihm reden soll, sondern wird es sogar so einrichten, daß dem Sohne Gelegenheit geboten ist, seinen eigenen Grundsätzen gemäß zu handeln, aber daß diese Grundsätze mit den Seinen übereinstimmen, das wird der Vater verlangen, nachdem er mit vieler Liebe und Arbeit dem Sohne alles geboten hat, wodurch der Sohn des Vaters Liebe überzeugt werden konnte. Darum verlangt der Vater nun Gegenliebe, welche sich dadurch bekunden muß, daß der Sohn stündlich und täglich veranlaßt wird, zwischen zwei Anziehungspunkten, welchen er zugeht, zu wählen; denn wo diese Liebe anfängt sich dem Vater zuzuwenden, da wird auch auf der andern Seite mehr gewirkt, diese abzuwenden. Dies ist der Standpunkt zwischen euch und Mir!
Fühlet ihr Meine Liebe und wollet ihr Mich wieder lieben, so entsteht durch die Verhältnisse in euch und um euch Widerspruch und Kampf, welcher notwendig ist, um eurer Selbständigkeit willen; denn sonst könntet ihr ja nicht wählen, und zu diesem Zwecke sind die vielerlei Entwicklungen und Verwicklungen nötig, so daß ihr oft meinet, durch diese gehindert zu werden – Mir näher zu kommen; aber da stehe Ich vor der Tür, stets bereit einzutreten, wenn der Feind gleich glaubt, er dürfe jetzt toben wie er wolle.
Ein einziger Notschrei zu Mir und es ist geholfen. Diesen Notschrei sollet ihr euch vorbehalten in allem,. was ihr tut, und bedenken, daß ihr Meinen Beistand sehr nötig habet, wenn ihr einmal auf Meine Seite getreten seid, und der Feind jede Minute lauert euch zu bestürmen.
Denket deshalb an Mich in allen Zeiten und Unternehmungen, und das genügt Mir.
Ich bin kein Mensch, der äußere Form und Unterhaltung anspricht, sondern ein göttlicher Vater, Der alles mit dem Maßstabe der Liebe bemißt, und kleine Abweichungen in Segen verwandelt, wenn das Herz strebsam und redlich ist, und gerne wachen will. Also seid nicht ängstlich in Zeiten und Geschäften, wo ihr meinet, ihr habt euch zu weit von Mir entfernt, sondern gedenket sogleich an Meine Worte: "Siehe, Ich stehe vor der Tür. Machet die Türe weit auf und Ich wohne bei euch!" Euer Vater in Jesu. Amen!
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„Wachet, betet und trauet eurer eigenen Kraft nicht zu viel!“
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