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19. Kapitel – Von der Nacht

Von der Nacht

110. Das Wort "Nacht" fasset sich erstlich auf dem Herzen und grunzet der Geist mit der herben Qualität, doch der herben Qualität nicht ganz begreiflich. Hernach fasset sichs auf der Zungen. Weil es aber auf dem Herzen grunzet, so schleußt die Zunge das Maul derweil zu, bis der Geist kommt, und fasset sich auf der Zungen. Dann macht sie das Maul geschwinde auf und lässet den Geist hinaus.

111. Daß sich das Wort erstlich auf dem Herzen fasset und grunzet mit der herben Qualität, bedeut, daß sich der Hl. Geist habe in der Finsternis gefasset über dem Herzen Gottes in der siderischen Geburt der sieben Quellgeister. Daß er aber mit der herben Qualität grunzet, bedeut, daß die Finsternis sei ein Widerwille wider den Hl. Geist gewesen, an dem der Geist einen Mißfallen hat getragen.

112. Daß er aber gleichwohl durch die finstere Straße gehet, bedeutet, daß der Geist durch die Finsternis, welche noch in stiller Ruhe ist, auch gehe und die zum Lichte gebäre, so sie nur stille hält und nicht das Feuer anzündet.

113. Allhier soll billig die richtende Welt sehen, welche den Menschen in Mutterleibe will verdammen, da er doch nicht weiß, ob das Zornfeuer von den Eltern in der Frucht sei ganz angezündet oder nicht; daß auch der Geist Gottes in der Finsternis wallet, welche noch in der Ruhe stehet und kann die Finsternis wohl zum Licht gebären. Dazu ist aber nun des Menschen Geburtstunde dem Menschen sehr zuträglich und auch manchem sehr schädlich, aber nicht zwinglich.

114. Daß sich aber das Maul zutut, wenn sich der Geist über dem Herzen fasset und die herbe Qualität grunzet gegen und mit ihm, bedeut, daß das ganze Revier oder der ganze Locus dieser Welt ist in der siderischen und auch in der äußersten Geburt ganz finster gewesen und von dem starken Ausgange des Geistes lichte worden.

115. Daß sich aber der bittere Geist nicht aufwecket, indem der Geist durch seinen Locum gehet, bedeut die finstere Nacht in der äußersten Geburt dieser Welt, die hat das Licht nie ergriffen und wirds auch in Ewigkeit nicht ergreifen.

116. Dannenhero kommt, daß die Kreaturen nur mit den Augen das siderische Licht sehen, sonst wo die Finsternis nicht noch in der äußersten Geburt wäre, so könnte der siderische Geist durch Holz,und Steine sehen, sowohl durch die ganze Erden, und würde von nichts abgehalten, wie es im Himmel ist.

117. Aber nun ist die Finsternis von dem Licht geschieden und bleibet in der äußersten Geburt. Darinnen ruhet der Zorn Gottes bis an Jüngsten Tag, alsdann wird der Zorn angezündet werden, und wird die Finsternis das Haus der ewigen Verderbnis sein. Darinnen wird Herr Luzifer mit allen gottlosen Menschen, welche in die Finsternis im Zornacker gesäet haben, ihre ewige Wohnung haben.

118. Die siderische Geburt aber, in welcher jetzunder das natürliche Licht stehet und darinnen die heilige Geburt geboren wird, die wird am Ende dieser Zeit auch angezündet werden, und wird sich der Zorn und die heilige Geburt voneinander scheiden, denn der Zorn wird die heilige Geburt nicht begreifen.

119. Es wird aber der Zorn in der siderischen Geburt dem Hause der Finsternis zu einem Leben gegeben werden, und der Zorn wird heißen das höllische Feuer, und das Haus der Finsternis, welches ist die äußerste Geburt, wird heißen der Tod, und König Luzifer wird darinnen Gott sein und seine Engel mit allen verdammten Menschen werden seine Diener sein.

120. In diesem Schlunde wird nun allerlei höllische Frucht und Bildung aufgehen, alles nach höllischer Qualität und Art, gleichwie im Himmel himmlische nach himmlischer Qualität und Art.

121. Also kannst du verstehen, was die Schöpfung Himmels und der Erden bedeut und ist, und was Gott den ersten Tag gemacht hat, wiewohl die ersten drei Tage mit Abend und Morgen nicht sind abgeteilet gewesen, sondern es wird eine Zeit als 24 Stunden gerechnet, wie es in der Höhe übern Monden eine Zeit und Tag ist.

122. Zum andern wird auch darum für einen menschlichen Tag gerechnet, dieweil ohne Zweifel der Erdboden alsbald seine Umwendung hat angefangen und sich in solcher Zeit, weil Gott das Licht von der Finsternis geschieden hat, einmal umgewendet hat und seinen Lauf zum erstenmal verrichtet.

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