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20. Kapitel – Von dem andern Tage

Von dem andern Tage

  Von dem andern Tage stehet geschrieben: Und Gott sprach: Feste werde eine Feste zwischen den Wassern und die sei ein Unterscheid zwischen den Wasser. Da machte Gott die Feste und scheidete das Wasser unter der Festen von dem Wasser über der Festen, und es geschah also, und Gott nennete die Feste Himmel; da ward aus Abend und Morgen der andere Tag, Gen 1,6-8.

2. Diese Beschreibung zeiget abermal an, daß nicht der teure Mann Moses der Autor dazu sei, denn es ist ganz unverständig und einfältig geschrieben, wiewohl es doch gar trefflichen Verstand hat.

3. Ohne Zweifel hat solches der Hl. Geist nicht wollen offenbaren, damit der Teufel nicht alle Geheimnisse in der Schöpfung wüßte. Denn er selber, der Teufel, weiß nicht die Schöpfung des Lichts, wie der Himmel aus dem Mittel des Wasser ist gemacht.

4. Denn er kann das Licht und die heilige Gebärung, welche im Wasser des Himmels stehet, weder sehen noch begreifen, sondern nur die Gebärung, welche in der herben, bittern, sauren und hitzigen Qualität stehet, davon die äußerste Geburt ist entstanden, das ist sein königlich Schloß.

5. Nicht also zu verstehen, daß er in dem elementischen Wasser keine Gewalt habe, dasselbe zu besitzen, denn die äußerste verderbte Geburt in dem elementischen Wasser gehöret auch zum Zorn Gottes, und ist auch der Tod darinnen wie in der Erden.

6. Allein der Geist in Mose meinet allhie viel ein ander Wasser, das der Teufel weder verstehen noch begreifen kann. So es aber hätte sollen eine solche lange Zeit erkläret sein, so hätte es der Teufel von dem Menschen erlernet und hätte ohne Zweifel seine höllische Spreu auch drein gestreuet.

7. Darum hat es der Hl. Geist verborgen gehalten bis auf die letzte Stunde vorm Abend, da seine tausend Jahre vollendet sind, da er soll wieder los werden auf eine kleine Zeit, wie in der Offenbarung zu lesen ist, Apok 20,3.

8. Weil er aber jetzo von den Ketten der Finsternis los ist, so läßt Gott allenthalben in dieser Welt Lichter aufstecken, damit ihn die Menschen sollen lernen kennen und sich vor ihm hüten.

9. Ob er nicht los sei, gebe ich einem jeden zu erkennen. Schaue nur die Welt bei dem hellen Lichte an, so wirst du finden, daß jetzo alle vier neuen Söhne, welche der Teufel hat geboren, als (1) Hoffart, (2) Geiz, (3) Neid, (4) Zorn. Diese regieren jetzo die Welt und sind des Teufels Herze, seine animalischen Geister.

10. Darum schaue die Welt nur recht an, so wirst du befinden, daß sie gänzlich mit diesen vier neuen Söhnen des Teufels inqualieret. Darum ist sich nun vorzusehen, denn das ist die Zeit, davon alle Propheten haben geweissaget und Christus saget im Evangelio: Meinest du auch, daß des Menschen Sohn wird Glauben finden, wenn er wird wiederkommen, die Welt zu richten? Luk 18,8.

11. Die Welt meinet wohl, sie stehe jetzt im Flor, weil sie das helle Licht hat über sich schweben, aber der Geist zeiget mir, daß sie mitten in der Höllen stehe. Denn sie verlässet die Liebe und hanget am Geize, Wucher und Schinderei; es ist keine Barmherzigkeit bei ihr.

12. Ein jeder schreiet: Hätt ich nur Geld! Der Gewaltige sauget dem Niedrigen das Mark aus den Beinen und nimmt ihm seinen Schweiß mit Gewalt.

13. In Summa, es ist nur Lügen, Trügen, Morden und Rauben, und heißt wohl recht des Teufels Nest oder Wohnhaus.

14. Das heilige Licht ist jetzo nur eine Historia und Wissenschaft. Der Geist will darinnen nicht arbeiten, und vermeinen, das sei der Glaube, den sie mit dem Munde bekennen.

15. 0 du blinde und törichte Welt, voll des Teufels! Es ist kein Glaube, daß du weißt, daß Christus für dich gestorben ist und hat sein Blut für dich vergossen, daß du sollst selig werden. Es ist nur eine Historia und Wissenschaft. Der Teufel weiß es auch wohl, es hilft ihm aber nichts, also auch du törichte Welt, lässets bei der Wissenschaft bleiben, darum wird dich deine Wissenschaft richten.

16. Willst du aber wissen, was der recht Glaube sei, so merke: Dein Herz muß nicht mit den vier Söhnen des Teufels inqualieren in Hoffart, Geiz, Neid, Zorn, Wucher, Schinden, Schaben, in Lügen, Trügen und Morden, dem Nächsten den Bissen vor Geiz aus dem Halse reißen und nur Tag und Nacht auf List sinnen, wie du möchtest dem Hoffart-Geiz-Neid- und Zornteufel wohl hofieren und genugtun, dich in weltlichen Lüsten zu üben.

17. So spricht der Geist in seinem Eifer des Zorns Gottes in dieser Welt: Weil dein Geist und Willen mit den vier Lastern des Teufels inqualieret, so bist du nicht ein Geist mit Gott, und wenn du mir gleich alle Stunden deine Lippen bötest und deine Knie vor mir beugtest, so mag ich doch deiner Arbeit nicht, ist doch dein Odem ohne das immer vor mir. Was soll mir der Weihrauch im grimmen Zorne? Meinest du, ich wolle den Teufel in mich lassen oder wollte die Hölle in Himmel heben?

18. Kehre um und streite wider die Bosheit des Teufels, und neide dein Herz gegen den Herrn deinen Gott und wandele in seinem Willen. Wird sich dein Herze zu mir neigen, so will ich mich auch zu dir neigen, oder meinest du, ich bin falsch wie du?

19. Also sage nun ich: So dein Herze in deiner Wissenschaft nicht mit Gott inqualieret aus einem rechten Fürsatze der Lieb so bist du ein Heuchler, Lügner und Mörder vor Gott; denn Gott erhöret niemandes Gebet, das Herze richte sich denn in Gehorsam ganz in Gott.

20. Willst du wider den Zorn Gottes kämpfen, so mußt du den Helm des Gehorsams und der Liebe anziehen, sonst brichst du nicht durch; brichst du aber nicht durch, so ist dein Streit umsonst, und bleibest einmal ein Diener des Teufels wie das ander.

21. Was hilft dich deine Wissenschaft, wenn du nicht willst darinnen streiten? Nicht, es ist eben, als wenn einer einen großen Schatz wüßte und suchte den nicht, den er doch wohl wüßte zu bekommen, und stürbe Hungers bei seiner Wissenschaft.

22. Das saget der Geist: Viel Heiden, die deine Wissenschaft nicht haben und streiten aber wider den Grimm werden dir das Himmelreich zuvor besitzen. Wer will sie richten, wenn ihr Herze mit Gott inqualieret, ob sie den gleich nicht kennen und arbeiten doch in seinem Geiste in Gerechtigkeit und Reinigkeit ihres Herzens in rechter Liebe gegeneinander. Die bezeugen ja, daß das Gesetze Gottes in ihrem Herzen sei, Rom 2,15.

23. Weils du es aber weißt und tusts nicht, jene aber wissens nicht und tuns doch, so richten sie mit ihrem Tun deine Wissenschaft, und du wirst als ein Heuchler erfunden, ein unnützer Knecht, der in den Weinberg des Herrn ist gestellet und will darinnen nicht arbeiten.

24. Was meinest du wohl daß der Hausvater wird sagen, wenn er sein überantwortet Pfund wird von mir fordern, und du wirst in die Erde vergraben haben? Wird er nicht sagen: Du Schalksknecht, warum liehest du nicht mein Pfund auf Zins aus, so hätte ich das Meine mit Wucher gefordert?

25. Und es wird von dir das Leiden Christi gar genommen und den Heiden gegeben werden, welche nur ein Pfund hatten und gewähereten dem Hausvater fünfe, und du wirst mit den Hunden heulen müssen.

26. Nun merke: Wenn man nun will recht betrachten, wie Gott habe das Wasser unter der Festen von dem Wasser über der Festen geschieden, so finden sich allhier gar große Dinge. Denn das Wasser, das auf Erden ruhet, da ist eben ein verderbet und tödlich Wesen wie die Erde und gehöret auch zu äußersten Geburt, welche mit ihrer Begreiflichkeit im Tode stehet gleichwie die Erde und Steine.

27. Nicht der Meinung, daß es gar von Gott verstoßen sei, denn das Herze darinnen gehöret noch zur siderischen Geburt, aus welcher die heilige Geburt geboren wird.

28. Es stehet aber der Tod in der äußersten Geburt; darum ist das begreifliche Wasser von dem unbegreiflichen geschieden worden.

29. Nun sprichst du, wie das ist? Siehe, das Wasser in der Tiefe über der Erden, welches mit dem Element Luft und Feuer inqualieret, das ist das Wasser der siderischen Geburt, darinnen das siderische Leben stehet und darinnen vornehmlich der Hl. Geist wallet, auch dadurch die dritte und innerste Geburt gebäret, dem Zorn Gottes darinnen unbegreiflich. Es ist auch dasselbe Wasser vor unsern Augen gleich der Luft anzusehen.

30. Daß aber wahrhaftig Wasser und Luft und Feuer in der Tiefe über der Erden ineinander sei, kann ein jeder vernünftige Mensch sehen und verstehen.

31. Denn du siehest oft die ganze Tiefe gar hell und lauter und in einer Viertelstunde mit Wasserwolken bedeckt.

32. Das ist, wenn sie die Sternen von oben und das Wasser auf Erden von unten anzündet, so gebäret sich alsbald Wasser, welches wohl nicht geschehen würde, so nicht der Zorn in der siderischen Geburt auch stünde.

33. Weil es aber alles verderbet ist, so muß das obere Wasser im Zorn Gottes der herben, bittern und hitzigen Qualität der Erden zuhilfe kommen und ihr Feuer löschen und sie sänftigen, damit das Leben immer kann geboren und auch die heilige Geburt zwischen dem Tode und Zorn Gottes könnte geboren werden.

34. Daß aber auch das Element-Feuer in der Tiefe in Luft und Wasser regieren und sei, siehest du ja an dem Wetterleuchten. Auch so siehest du, wie das Licht der Sonnen das Element-Feuer auf der Erden mit ihrem Anstoße anzündet, da es doch manchmal in der Höhe in des Monden Zirk gar kalt ist.

35. Nun aber hat Gott das begreifliche Wasser von dem unbegreiflichen geschieden, und hat das begreifliche auf die Erden gestellet und das unbegreifliche ist in der Tiefe blieben in seinem eigenen Sitze, wie es von Ewigkeit gewesen ist.

36. Weil aber der Zorn auch in demselben Wasser in der Tiefe über der Erden ist, so gebäret sich stets durch die Anzündung der Sternen und des Wassers im Zorne solch begreiflich Wasser, welches mit seiner äußersten Geburt im Tode stehet.

37. Welches, weil es mit der innersten Geburt mit der siderischen inqualieret, dem Salitter der verderbten Erden zuhilfe kommt und seinen Zorn löschet, damit in der siderischen Geburt alles im Leben stehet und die Erde durch den Tod das Leben gebäret.

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