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22. Kapitel – Von den Metallen in der Erden

Von den Metallen in der Erden

84. Mit den Metallen hats eben eine Substanz und Geburt wie mit den Gewächsen über der Erden. Denn das Metall oder Erz ist in Zeit der Anzündung des Zorns im anstehenden Rade des siebenten Naturgeistes im Gewirke der Liebe gestanden, da sich hinter dem Feuerblitz das sanfte Wohltun gebäret, darinnen der heilige Himmel stehet, der sich in dieser Geburt, wenn die Liebe Primus wird, in solcher holdseligen Klarheit und schönen Farben erzeiget, gleich dem Golde, Silber und edelsten Steinen.

85. Aber das Silber und Gold in der toten Begreiflichkeit ist nur ein finsterer Stein gegen der Wurzel der himmlischen Gebärung. Ich setzte es nur darum hieher, daß du wissest, wovon es seinen Ursprung hat.

86. Weil es denn ist das schönste Aufsteigen und Gebären in der heiligen, himmlischen Natur gewesen, so wird es auch in dieser Welt vom Menschen vor allen andern geliebet. Denn die Natur hat dem Menschen wohl in sein Herze geschrieben, daß es besser sei als andre Steine und Erde. Sie hat ihm aber den Grund nicht können offenbaren, wovon es worden oder herkommen sei, dabei du nun die Morgenröte des Tages merken kannst.

87. Des Erzes ist aber viel und mancherlei, alles nach dem, wie der Salitter in dem Naturhimmel in seinem Aufsteigen im Licht der Liebe ist Prirnus gewesen. Denn ein jeder Quellgeist in der himmlischen Natur hat aller Quellgeister Art und Eigenschaft an sich, denn er wird immer mit den andern infizieret, davon das Leben und die unerforschliche Geburt Gottes entstehe. Aber nach einer Kraft ist er Primus, und das ist sein eigen Corpus, davon er den Namen hat.

88. Nun aber hat ein jeder Quellgeist die Eigenschaft der ganzen Natur, und ist sein Gewirk in Zeit der Anzündung des Zorns Gottes mit in Tod einkorporieret worden, und ist aus eines jeden Geistes Gewirke Erde, Steine, Erz und Wasser worden.

89. Darum findest du auch nach jedes Geistes Qualität in der Erden Erz, Steine, Wasser und Erden. Und darum ist die Erde so viel und mancherlei Qualität, alles nach dem, wie ein jeder Quellgeist mit seiner instehenden Geburt in Zeit der Anzündung ist Primus gewesen.

90. Die Natur hat gleichwohl dem Menschen so viel offenbaret, daß er weiß, wie er von eines jeden Quellgeistes fremdem infizierten Eingeburt kann die fremde Materiam abschmelzen, damit derselbe Quellgeist in seinem eigenen Primat Primus bleibet.

91. Dieses hast du an Gold und Silber ein Exempel. Du kannst dasselbe nicht eher rein machen, daß es rein Silber und Gold sei, es werde denn siebenmal im Feuer geschmelzet. Wenn das geschieht, so bleibts in mittlern Sede im Herzen der Natur, welches ist das Wasser, in seiner eigenen Qualität und Farben sitzen.

92. Erstlich muß ihm die herbe Qualität, welche dem Salitter im harten Tode gefangen hält, abgeschmelzet werden; das ist der grobe steinichte Abraum. Hernach der herbe Tod vom Wasser, davon wird ein giftig Scheidewasser, welches stehet im Aufgang des Feuerblitzes im Tode. Welches ist ein böser, ja der allerböseste Quell im Tode, ja der herbe und bittere Tod selber, denn das ist der Locus, wo das Leben, welches im süßen Wasser entstehet, ist im Tode erstorben. Das scheidet sich nun in der anderen Schmelzung.

93. Zum dritten wird der Bittere, welcher in der Anzündung des Wassers im Feuerblitz entstehet, abgeschmelzet, denn derselbe ist ein Wüter, Tober und Zerbrecher, und kann kein Silber noch Gold bestehen, wenn der noch nicht getötet ist, denn er macht alles bröde und erzeiget sich in mancherlei Farben, denn er reitet durch alle Geister und nimmt aller Geister Farben an sich.

94. Zum vierten muß der Feuergeist, welcher stehet in der grausamen Angst und Wehetun des Lebens, auch abgeschmelzet werden, denn er ist ein steter Vater des Zorns, und aus ihm gebäret sich die höllische Wehe.

95. Wenn nun dieser vier Geister Zorn getötet ist, so bleibet der Erzsalitter in dem Wasser eine zähe Materia und siehet dem Geist, welcher in demselben Erze Primus ist, ähnlich. Und das Licht, welches im Feuer stehet, färbet ihn nach seiner eigenen Qualität, es sei Silber oder Gold.

96. Und siehet nun die Materia in der vierten Abschmelzung dem Silber oder Golde ähnlich. Es bestehet aber noch nicht und ist noch nicht genug zäh und rein; der Leib besteht wohl darinnen, aber nicht der Geist.

97. Wenn es nun zum fünften Mal geschmelzet wird, so steiget der Liebegeist in dem Wasser durchs Licht auf und macht den toten Leib wieder lebendig, daß also die Materia, die von den ersten vier Abschmelzungen ist blieben, wieder die Kraft bekommt, die desselben Quellgeistes, welcher in diesem Erze Primus ist, Eigentum ist gewesen.

98. Wenn es nun zum sechsten Mal geschmelzet wird, so wird es etwas härter. Da beweget sich das Leben, welches in der Liebe ist aufgangen, und reget sich, und von demselben Regen entstehet der Ton in der Härtigkeit, und krieget das Erz einen hellen Klang, denn die harte, kochende und bitter-feurige Materia ist weg.

99. In dieser sechsten Schmelzung, halte ich dafür, sei die größte Gefahr bei den Alchymisten mit ihrem Silber- und Goldmachen. Denn hie gehöret ein recht subtil Feuer zu, und kann bald verbrannt und taub werden, und auch viel zu blind durch ein zu kalt Feuer. Denn es muß ein Median-Feuer sein, daß der Geist im Herzen nicht aufstehen werde, sondern fein sanft walle. So krieget es einen feinen süßen und sanften Klang, und freuet sich immer, als sollte sichs wieder im Lichte Gottes anzünden.

100. So aber das Feuer in der fünften und sechsten Schmelzung ist, so wird das neue Leben, welches sich in der Liebe hat im Aufgang des Lichts Kraft aus dem Wasser geboren, wieder in der Grimmigkeit, im Zornfeuer angestecket und wird aus dem Erze ein verbrannter Schaum und Abraum, und hat der Alchymist Dreck für Gold.

101. Wenn es nun zum siebenten Mal geschmelzet wird, so gehöret noch ein subtiler Feuer dazu, denn daselbst steiget das Leben auf und freuet sich in der Liebe, und will sich in unendlich erzeigen, wie es vor der Zeit des Zorns im Himmel hat getan.

102. Und in dieser Bewegung wird es wieder fett und geil und nimmt zu, und breitet sich aus und gebäret sich die höchste Tiefe aus dem Herzen des Geistes ganz freudenreich, gleich als wollte es einen englischen Triumph anfangen und sich in göttlicher Kraft und Form in unendlich, nach der Gottheit Recht, erzeigen. Und dadurch bekommt der Leib seine größte Stärke und Kraft, und färbet sich der Leib mit dem höchsten Grad und krieget seine rechte Schönheit und Tugend.

103. Und wenn es nun kalt gemacht wird, so hat es seine rechte Kraft und Farbe, und mangelt an nichts als nur an dem, daß sich der Geist nicht kann ins Licht mit seinem Leibe erheben, sondern muß ein toter Stein bleiben, ob er wohl viel kräftiger ist als andere Steine, noch bleibet der Leib gleich wohl im Tod.

104. Und das ist nun der blinden Menschen irdischen Gott, den sie lieben und ehren, und lassen den lebendigen Gott, der im Centro verborgen stehet, immer in seinem Sede sitzen. Denn das tote Fleisch begreift auch nur einen toten Gott und sehnet sich auch nur nach einem solchen toten Gott. Aber es ist ein Gott, der manchen Menschen hat in die Hölle gestürzet.

105. Du darfst mich darum für keinen Alchymisten halten, denn ich schreibe allein in Erkenntnis des Geistes und nicht durch Erfahrenheit. Wiewohl ich zwar allhie etwas mehrers anzeigen könnte, in wieviel Tagen und in welchen Stunden solche Dinge müssen präparieret werden, denn man nicht Gold in einem Tage machen kann, sondern es gehöret ein ganzer Monden dazu.

106. Es ist aber nicht mein Fürnehmen, mich auf das zu versuchen, sintemal ich nicht weiß mit dem Feuer umzugehen, auch so kenne ich der Quellgeister Farben in der äußersten Geburt nicht, welches großer Mängel zweene sind, sondern ich kenne sie nach einem andern Menschen, der nicht in der Begreiflichkeit stehet.

107. Bei der Beschreibung der Sonnen wirst du etwas mehrers und tiefers davon finden. Meine Meinung ist allein dahin gerichtet, die ganze Gottheit, als viel mir in meiner Schwachheit begreiflich ist, zu beschreiben, wie dieselbe sei in Liebe und Zorne, und wie sie sich jetzo in dieser Welt gebäre. Von den köstlichen Steinen wirst du bei der Beschreibung der sieben Planeten finden.

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