Vom Menschen und Sternen
71. Wie nun die Tiefe oder das Haus dieser Welt ist ein finster Haus, da sich die Leiblichkeit ganz dicke, finster, ängstlich und halb tot gebäret und nimmt von den Planeten und Sternen sein Wallen, welche den Leib in der äußersten Geburt anzünden, davon der Elementen Beweglichkeit entstehet, sowohl das figurliche und kreatürliche Wesen, also ist auch das Fleischhaus des Menschen ein finster Tal, da zwar die Ängstlichkeit zur Geburt des Lebens innen ist und sich immer hoch bemühet, in willens sich ins Licht zu erheben, davon sich möchte das Leben anzünden.
72. Weil sich aber das Herze Gottes im Centro oder Kern verbirget, so kann es nicht sein, gebäret derowegen die Ängstlichkeit nicht mehr als einen Samen. Das Fleischhaus gebäret einen Samen seines gleichen wieder zu einem Menschen, und des Geistes Haus in dem Instehen der sieben Geister gebäret in dem Samen einen andern Geist seines gleichen wieder zu einem Menschengeist.
73. Und des verborgenen Herzens Haus gebäret ihm auch wieder einen solchen Geist, der dem Fleischhause und auch den siderischen Geburtgeistern im Leibe verborgen stehet, gleichwie das Herze Gottes in den sieben Geistern Gottes in der Tiefe dieser Welt in den Geistern verborgen stehet und sie nicht anzündet bis nach dieser Enummeration oder Zeitrechnung.
74. Dieser dritte Geist ist die Seele im Menschen, und inqualieret mit dem Herzen Gottes als ein Sohn oder kleines Götterlein in dem großen unermeßlichen Gott.
75. Nun diese drei unterschiedlichen Regimente werden in dem Samen geboren, welcher seinen Ursprung im Fleische nimmt, wie ich davorne angemeldet habe.
76. Nun merke die verborgene Geheimnis: Ihr Naturkünder, nun merket die Porten der großen Geheimnis: Aus der ängstlichen Kammer in dem Leibe dieser Welt aus den sieben Geistern Gottes sind aufgangen die Sternen, die zünden an den Leib dieser Welt, und aus dem Leibe gebäret sich nun die Frucht oder der Same, welcher ist Wasser, Feuer, Luft, Erde.
77. Die Erste ist des siebenten Geistes Gottes Frucht, welcher ist die Natur der Leiblichkeit, darinnen sich die andern sechs Geister wieder gebären und den Salitter des siebenten Geistes in unendlicher Gestalt und Formen figurieren, also daß die Erde auch ihren Samen gebäret, welches ist die Frucht der Gewächse, wie solches vor Augen ist.
78. Nun ist des Menschen Fleischhaus auch ein solch Haus wie die finstere Tiefe dieser Welt, darinnen sich die sieben Geister Gottes gebären.
79. Weil aber der Mensch ein eigen Leib ist, der da ist ein Sohn des ganzen Leibes Gottes, so gebäret er auch einen eigenen Samen nach dem Regiment seiner körperlichen Quellgeister.
80. Der Leib nimmt seine Speise von dem Samen der sieben Geister Gottes in dem Leibe der großen Tiefe, welcher ist Feuer, Luft, Wasser, Erde. Von der Erden nimmt er die Geburt der Erden oder die Frucht, denn er ist viel edler als die Erde. Er ist eine ausgezogene Masse aus dem Salitter aus dem siebenten Naturgeiste.
81. Denn als der Leib der Natur durch die Teufel angezündet war, so zog das Wort oder Herze Gottes die Massam zusammen, noch ehe als der verderbte Salitter zusammengedrückt war, welcher nun Erde heißt, von wegen der harten Grimmigkeit oder Verderbung.
82. Als aber die Erde zusammengedrückt war, so stund die Massa in der finstern Tiefe in dem erschaffenen Himmel zwischen der ängstlichen Geburt und der Liebe des Herzens Gottes bis an den sechsten Tag. Da blies das Herze Gottes das Licht des Lebens aus seinem Herzen in der Massa innerste oder dritte Geburt.
83. Als dieses geschah, so fingen in der Massa die sieben Quellgeister an zu qualifizieren, und gebar sich in der Massa der Same der sieben Quellgeister, als Feuer, Luft und Wasser, wie in dem Leibe der Tiefe.
84. Also ward der Mensch eine lebendige Seele nach Art und Weise, wie da ist aufgegangen die Sonne und daraus die sieben Planeten
85. Das Licht im Menschen, welches das Herze Gottes hat neingeblasen, bedeut die Sonne, welche in der ganzen Tiefe leuchtet, davon du bei der Schöpfung des Menschen wirst klarer finden.
86. Nun siehe: Gleichwie in der Tiefe dieser Welt durch Anzündung der Sternen wird aus dem Leibe der finstern Tiefe ein Same geboren gleich dem kreatürlichen Leibe, also auch in gleicher Gestalt wird in dem Fleischhause des Menschen ein Same geboren nach der sieben Quellgeister ewigem Geburtrecht.
87. Und in dem Samen sind drei unterschiedliche Dinge, da je eines das andere nicht ergründen kann. Und sind doch nur in dem einigen Samen, und inqualieren auch miteinander als ein Wesen, und ist auch nur ein Wesen und auch drei unterschiedliche Dinge nach Art und Weise der Dreiheit in der Gottheit.
88. Erstlich ist der ganze Körper des Menschen, der ist ein finster Haus und hat außer der sieben Geister Qualifizieren keine Beweglichkeit, sondern ist ein finster Tal gleichwie der Leib der Tiefe dieser Welt.
89. Nun ist in dem finstern Leibe des Menschen auch ein solch Regiment mit den sieben Geistern gleichwie in dem Leibe der Tiefe. Wenn die sieben Geister nach der Gottheit Geburtrecht qualifizieren, so gebäret sich aus dem Ringen der sieben Geister ein Same nach ihres gleichen.
90. Derselbe Same hat nun erstlich eine Mutter, das ist die finstere Kammer des Fleischhauses. Zum zweiten hat er eine Mutter, das ist das Rad der sieben Geister nach Art der sieben Planeten. Zum dritten hat er eine Mutter, die wird im Zirkel der sieben Geister geboren inmitten und ist das Herze der sieben Geister.
91. Das ist nun die Mutter der Seelen, welche die sieben Geister durchscheinet und lebendig macht. Und an dieser Stätte inqualieret der Same mit dem Herzen Gottes, aber nur derjenige, in welchem das Licht angezündet wird. In welchem aber das Zornfeuer brennet, da bleibet diese dritte Mutter in der finstern Kammer gefangen.
92. Und ob sie gleich die dritte Mutter ist, so bleibt sie doch eine Närrin, so das Licht in ihr sich nicht anzündet, gleichwie die Tiefe dieser Welt eine Närrin vor dem Herzen Gottes ist, in dem das Rad der sieben Geister in so großer Ängstlichkeit stehet, in so vielem Verderben und Erlösen, in Hitze und Kälte, wie vor Augen ist.
93. Wenn aber die dritte Mutter im Lichte angezündet wird, so stehet sie im geschaffenen Himmel des heiligen Lebens und durchleuchtet die andere Mutter, davon die sieben Geister einen freundlichen Willen bekommen, welcher ist die Liebe des Lebens, wie du kannst davorne im 8. Kapitel von der Liebegeburt Gottes lesen.
94. Die dritte Mutter aber kann sie nicht immer beharrlich durchleuchten, denn sie stehet in dem Hause der Finsternis, sondern sie gibt ihr manchmal einen Blick, gleich als wenns wetterleuchtet, davon die dritte Mutter manchmal auch ganz lüsternd wird und sich hoch erfreuet, aber von der Grimmigkeit des Zorns Gottes bald wieder zugeriegelt wird.
95. Auch so tanzet der Teufel auf dieser Porten, denn es ist die Gefängnis, darinnen der neue Mensch verborgen lieget und darinnen der Teufel gefangen liegt.
96. Ich meine aber in dem Hause der Tiefe dieser Welt, wiewohl das Fleischhaus und die Tiefe alles zusammen miteinander inqualieret als ein Leib, und ist auch ein Leib, allein unterschiedliche Partes, oder Glieder.
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