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VOM HEILIGEN LEBENSGROSCHEN

VOM HEILIGEN LEBENSGROSCHEN

Es ist etwas großes um das Bekenntnis, wer sich nicht versteckt, sondern an das Wort in der Johannes-Offenbarung denkt:

Der bezeugt das Wort Gottes, und das

Zeugnis von Jesu Christo, was er gesehen hat. OJ. l, 2

Die Menschheit irrt umher; denn den Rest der letzten Zeit hält UR in Seiner rechten Hand. Die bezeugen das Wort Gottes, die sich nicht fürchten und ihren Herzweg vorgezeichnet sehen, alle diese stehen mitten in der armen Menge und sind mit an Zeit und Leben der Materie gefesselt.

Ein lebendiges Zeugnis kommt aus Gottes Gnadengeist, Wahrheit, Licht und Liebe. Wenn in unsern Tagen Licht und Zeugnis, Liebe und Wahrheit auch noch wirken, dann steht vor uns:

Ein Lichtlein nur am Rande aller Deiner Herrlichkeit!

Ich sah den Dom, wo die Scharen ein- und ausgehen und allewege drinnen sind, alle Himmlischen und auch alle Irdischen:

die überwunden haben durch des Lammes Blut

und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben

ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod! OJ. 12, 11

Und ich hatte drei Groschen, einen falschen und zwei echte. Der falsche glänzte, die echten sahen abgegriffen aus. Im Tor war eine Ritze, in die ich erst den falschen Groschen warf, der als Gravur drei Blätter hatte. Er brannte in der Hand, und ich wollte sehen, was das Tor mit diesem tat. Es spie ihn aus, dazu einen wertlosen Tand. Danach nahm ich einen echten Groschen und warf ihn in die Ritze. Das Tor behielt ihn ein, doch es öffnete sich nicht. Jemand sagte mir, daß ich den andern Groschen aufbewahren solle; denn die Zeit sei noch nicht für ihn da.

Ich sah im Dom den Heiligen Herd, darauf viele Lichte, große, kleine und kleinste. Die ein- und ausgingen, trugen ihre Lichte hin zu. Ganz am Rande stand ein Licht mit kleinem Schein. Ich deutete darauf und sagte: ‚Dies ist mein Licht! Ist‘s auch sehr klein, ganz am Rande aller wunderbaren Herrlichkeit, so steht es doch auf Gottes Hochaltar, gibt Zeugnis und ist angezündet worden an der Heiligen Lebensflamme, die inmitten brennt.‘

Nicht die Person — das Bild spricht für sich selbst. Alle, die ‚bezeugen‘, gehen in das Herz des Vaters ein und spielt es keine Rolle, wo man sich befindet: auf Erden, auf irgend einem Stern, am ORT, von dem der gute Heiland sagt:

Werdet vollkommen,

wie euer Vater im Himmel vollkommen ist!

Wer die Zeugenschaft besitzt, sieht Gottes große Herrlichkeit und Offenbarung im Himmel und in allen Schöpfungsräumen. Denn das All ist Sein! Inmitten, überallhin strahlend, Seine wundersame Lebensflamme, an der jedes Lichtlein anzuzünden ist, daß es brennt ohne zu verlöschen, wie URs Herdflamme ewig nie verlöscht.

Dann ist echt und falsch mühelos zu unterscheiden, auch wenn das Falsche drei Lebensblätter zeigt. Man lernt entscheiden, sich vom Tand zu trennen, es aus der Hand zu geben, weil es trotz oder erst recht wegen seines trügerischen Glanzes brennt.

Wo wirft man diesen falschen Groschen hin? Darf die Welt damit belastet werden? Ist das Irdische zu verachten, das Gott als Mittel zum heiligen Zweck benutzt? Wohin mit dem Raub der Welt? O, das Tor heißt CHRISTUS; und Sein Opfer, allen ausnahmslos gebracht, ist der enge Spalt, wohinein man alles werfen kann: Sünde und Glaube, Seele und Geist, Leben und Hingabe, Stillesein und auch das Zeugnis.

Ja gerade jede Sünde und die ganze Unzulänglichkeit soll man in diesen hehren Opferritz, in Jesu Opferstock werfen; denn so

Der für uns sorgt. 1. Pet. 5, 7

Wohl wird das Falsche wieder ausgeworfen, aber vom ERLÖSER. Wir wissen nicht, was im Tor (Durchgang) mit diesem vor sich geht. Daß es zur Entlastung dient, beweist, daß der Tand mit ihm auch ausgeworfen wurde — und fiel tief hinab.

Doch die heilige Tiefe, weit unter der Materie, fängt auch das Verworfenste, unser Falsches, auf, das wir abzulegen haben. In der großen erbarmenden Heilstiefe wird jedes Staubkorn für den nächsten Schöpfungstag zum Samen umgewandelt; denn:

Gott verliert nichts: Er gibt auch nichts verloren!

Nun besitzen wir zwei echte Groschen. Wo kommen diese her? Sind sie ein erworbener Verdienst? Geschenk oder Lohn — ?

Ein Lichtlein nur am Rande aller Seiner Herrlichkeit! Inmitten die heilige Lebensflamme, URs ewiges Feuer, der Gnadenstrom, das ‚Licht vom Licht aus Gott geboren‘! Empfinden wir das Leben aus dem EWIG-VATER, so haben wir zuvor den Zehrgroschen erhalten, das Pfund vom Gleichnis nach Lukas Kap. 19.

Wer nicht fragt: ‚Herr, was bringt Dein Groschen ein‘, den wird Seine Liebe hundertfältig segnen, bis man zum zweiten, dem eigenen Groschen kommt. Dieser gilt dem Zeugnis und der Dienstbarkeit. Mit GOTTES Groschen ist die Nächsten- und die Feindesliebe, ist das Zeugnis an JESU zu bewahren, daß man die Welt nicht liebt bis an den Tod. Das geistige Leben samt Hingabe an das ewige Reich ist über alle Dinge zu erheben.

Aber eben unseren Groschen, den zweiten, wenn er sich auch nur aus purer Gnade sammeln ließ, geben wir dahin im Dienst an unseren Herrn und Heiland von alters her, an unsern ewigguten, barmherzigen und himmlischen Vater, an den trostreichen

GOTT !

Vor dem Tore steht man aber nicht erst, wenn die Erde hinter uns versinkt und der Tod die Brücke vom armgewordenen Diesseits in das reiche Jenseits bildet. Man steht täglich, immerfort davor, weil ja keiner weiß, wann es sich öffnet. Gerade darum sind wir in der Liebe, im Glauben, in aller Hingabe und im Zeugnis an unsern Herrn und Heiland JESU CHRISTI jederzeit befähigt, einen Groschen in den Opferritz von Golgatha zu werfen.

Welchen geben wir hinein? Gottes Groschen, den wir einst bekamen, als wir im Licht geboren wurden?, oder unseren, den wir freilich nur mit unseres Vaters Hilfe sammeln konnten? Es wäre eine Lebensarbeit wert, die Entscheidung aus uns selbst zu holen, weil in der Freiheit der Entscheidung unsere Seele sich an die Erlöser-Seele binden läßt.

Es ist besser, niemals Gottes heiligen Lebensgroschen aus der Hand zu geben; wir haben ihn von GOTT erhaften. Aber unsern Groschen, der durch unser Zeugnis auch geheiligt werden kann, — er ist unsere Rückgabe, unser freies Soll! Hingabe, Dienstbarkeit, Nächsten- und Feindesliebe, Demut, Wahrhaftigkeit und unser Zeugnis an dem Blute unseres Vaters JESU CHRISTI, — er ist täglich einzuwerfen als unser Scherf, mit voller Freude aufgeopfert.

Wenn wir einstens bei der Heimkehr in des Vaters hohes Reich als

‚Lichtlein am Rande aller Seiner Herrlichkeit’

erkennen werden, nach diesem unsere Hände strecken und in freudiger Gewißheit rufen: ‚Dies ist mein Lichtlein, ich habe es an Gottes Heiliger Lebensflamme angezündet‘, dann stehen wir im Glanz des Himmels da, und es wird uns sein wie Träumenden. Ps. 126, 1

Stellen wir die kleinen Lichtlein dicht zusammen, geschart um die Opferflamme auf dem ‚Hochaltar der Liebe‘, dann wird unser Zeugnis von der Licht-Offenbarung Gottes, angefangen für uns im Garten Eden bis in unsere Zeit, in der der Herr nicht sparte, das lebendige Wort zu spenden, der schöne Lichtkranz sein, der noch die ganze Welt umspannt. Diese Hoffnung bewahren wir im Herzen und im Gebet, in der Bitte und in allem demütigen Dank.

O Vater, wir sind kleine Lichtlein; aber wir sind Dein!

Dir sei Preis, Lob, Dank und Ehre dargebracht. Amen.

4. 8. 54,  A.W.

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