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Lebenswinke für brave Kinder

Empfangen durch G. Mayerhofer, am 12. Oktober 1874

Mein lieber Sohn, du möchtest den Kindern deines heimgegangenen Bruders einige Worte auf die Reise mitgeben, besonders seiner Tochter, die vielleicht mehr zu kämpfen hat, als alle andern, und du siehst dich in Verlegenheit wegen dem letzten Worte, welches du für deinen Bruder erhieltest, ehe er seine neue Stellung angetreten, weil zwischen dem jetzigen Wirklichen und dem dort Gesagten Widersprüche entstanden sind, die ihr nicht zu entziffern wisst.
Nun, wie du im Gespräche dich oft ausgedrückt hast, und wie du es auch innerlich denkst, nämlich, „damit Wir Beide keine schlechte Figur machen“, so will Ich, Der das erste Wort dir gab, (bezieht sich auf den vorausgehenden Abschnitt „Zum Abschied“, S. 263 in diesem Dokument) mit dem Heutigen deine Besorgnisse verscheuchen, und die Widersprüche aufklären, damit ihr begreifen lernt, dass Ich nicht doppelzüngig bin, sondern stets nur das Wahre und selbes auch zum rechten Zeitpunkte rede.
So höre denn, Mein Kind: Schon oft habe Ich euch gesagt, erstens, dass es Gesetze in der Natur gibt, welche Ich als Gott einmal hingestellt nicht abändern kann, ohne zu eurer Wankelmütigkeit herabzusinken und Mein göttliches Selbst zu verleugnen, und zweitens, dass unter diesen Gesetzen eben auch das des freien Willens ist, welches Ich ebensowenig antasten kann, wie alle andern.
Nun, diese beiden Betrachtungen auf vorliegenden Fall angewendet, muss Ich euch aufmerksam machen, dass dein Heimgegangener Freund oft von Mir innerlich Mahnungen erhielt, „sich zu schonen, andere Rücksichten bei Seite zu setzen, und nicht so gegen seine eigene Gesundheit anzustürmen, da Ich ihm keinen andern Körper geben kann, als wie allen Menschen, und die Gesetze der Erhaltung desselben so sind, dass – wenn er mutwillig dagegen fehlt – er die Schuld und den Jammer, welchen er sich und den Seinen zuzieht, selbst verantworten muss, und es nicht Mir in die Schuhe schieben darf.“
Dein Bruder hörte nicht darauf, als freies Wesen tat er, was ihm das beste dünkte, und erlag den Gesetzen der menschlichen Natur. –
Sehet in der Geschichte die Märtyrer, welche für Mich und Meine Lehre den qualvollsten Tod oft starben, was glaubt ihr denn da, hätte es sich nicht geziemt, dass Ich einen Menschen in Schutz nehmen sollte, der Alles opferte, selbst sein Leben für Mich und aus Liebe zu Mir! Und wie ihr wisst, Ich half ihnen nicht! ebenfalls Widersprüche genug gegen Meine Sanftmut, Gerechtigkeit und Liebe, und doch, wollt ihr es von Meinem Standpunkte aus ansehen, so ist es nicht also. –
So mancher Begeisterte hatte sich den Martertod ersparen können, den Ich selbst nicht wollte, allein er trieb seinen Eifer zu weit, und musste selben bitter bezahlen, denn ihr wisst nicht, ob – wäre er nicht gestorben, er mir vielleicht besser genützt hätte, als wie durch seinen voreiligen Tod.
Dass Ich dann die Umstände doch wieder zu Meinem und aller Menschen Besten benütze, ist eine andere Sache; denn wenn selbst das Böse in Meiner Hand Gutes hervorbringen muss, um so mehr Getanes aus Liebe zu Mir, wenn gleich in zu großem Eifer. So war es auch mit deinem Bruder, Ich sagte ja am Schlusse des Wortes: „Gut gehst du von hier, und besser sollst du zurückkehren, dieses ist euer und Mein Wunsch! –
Allein Ich wusste wohl, dass dein Bruder in seinem Amtseifer schwer sich halten lassen werde, gab ihm von Zeit zu Zeit Winke und Mahnungen, er befolgte sie aber nicht, und so kam er früher in Mein Geisterreich, als er es hoffte und Ich es wünschte. –
Geschehen ist es, und nun beginnt für seine Kinder eine ganz andere Laufbahn, als selbe sonst gewesen wäre; Ich werde sie nie verlassen, und sie werden Meine Hand oft bemerken, so lange sie nicht halsstarrig nur ihrem anstatt Meinem Willen nachgehen wollen.
Der Verlust, welchen sie erlitten haben, ist schwer für sie; allein heilbringend kann er deswegen doch werden, daher möge es ihnen selbst zur Lehre dienen, nicht voreilig, sondern wohlbedacht zu handeln, da sie jetzt aus ihrem eigenen Leben ersehen, welche Folgen selbst ein übertriebener Liebeseifer haben kann. –
Dich hat dein Bruder als Stellvertreter auf dieser Erde gewählt, sei ihnen also auch Vater im strengsten Sinne, sei ihr geistiger Führer in schweren Augenblicken, sei ihr Tröster und Rater, und so lange deine Adoptiv-Kinder deiner und auch Meiner Stimme Gehör geben, so lange werden sie sich nie verlassen sehen; nur rate auch ihnen, sie sollen Meinen Gesetzen nicht zuwiderhandeln, und ihren freien Willen nicht missbrauchen; dann werden sie auf dem (goldenen) Mittelwege nicht so viel zu bereuen, aber auch nicht zu viel zu hoffen haben, wo Enttäuschungen nur bittere Erfahrungen zur Folge haben. –
Sage deinen Kindern: sie sollen ihrem Vater nachfolgen, wie er ein Beispiel der Sanftmut und Duldung war, und sie sollen seine Lehre nie vergessen; denn die Saat wurde ja ausgesät, um Früchte zu tragen, und Ich glaube, auch dieser Same geistiger Abkunft ist dann nicht auf dürren Boden gefallen, er geht also auf, damit die Worte des Vaters in den Kindern Früchte tragen, und dein verstorbener Freund in Jenseits, mitgenieße, was er im irdischen Leben nicht mehr erlebte. –
Dieses als Leitstern allen, von Mir ihnen durch dich gegeben, damit sie meine Worte verstehen lernen, und nicht – am Buchstaben hängend – glauben, Ich hätte Mich vielleicht geirrt.
Amen.

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