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Der Sternpriester. Vom isolierten Licht, und anderes

2.T-Kapitel 3

Der Sternpriester. Vom isolierten Licht, und anderes

An einem Wandteil der Rustane, flankiert von besonders schönen Säulen, stehen mehrere sesselartige Stühle. Jeder hat ein kleines Tischlein. Hier ist der Blick zum breiten Durchbruch frei, durch welchem, kaum mit etwas Ähnlichem auf Erden zu vergleichen, in herrlicher Erhabenheit eine Mittelsonne ihre Strahlen sendet. In ihrem Zellgebiet ist sie die regierende Sonne, und der Stern ist der erste ihrer Ordnungsfolge.

Da alle Himmelslichter durch den ewigen geformten Wandel einen ebensolchen Lebensausdruck haben, gibt es auch für jede Lichtraumzelle sogenannte Tage [VH19], die ihre Morgen, Abende und Nächte kennen, allerdings mit den Planetentagen der Materie nur annähernd vergleichbar sind.

Die Sonne beginnt sich zu vergolden. Ihr Licht dringt wundersam wie eine Flut in die Rustane, auf die vorerwähnten Stühle, wohin der Priester seine Schritte lenkt. Ehe sie sich setzen, steht jeder eine Weile still mit Gott verbunden da. Die Rustane hat wohnlich eingerichtete Teile, und so wirkt sie trotz der weiten Wandelfläche heimisch. Auf jedem Tische stehen weingefüllte Becher und kleine Silberschalen mit je einem Brot.

Was sie hören werden, ruht schon in den Sternenleuten, haben sie ja selber die Verbindung mit dem Vater, ihrem Liebe-Gott. Aber wie bereits erwähnt: Die ständige Entwicklung des Geschöpfes ist die Freude, vom Schöpfer herrlich zubereitet. Darum streifen sie die anfängliche Trauer ab, weil Hellaskus sie verläßt. Neue Erkenntnisse bringen neue Freuden. Der Priester drückt jedem fest die Hand. Dann fängt er mit seiner für das Stadium des Myrääon letzten Rede an die Landordner an.

„Ihr Gott-Geliebten, meine Freunde! Von Seinem Reichtum streute Gott den Segen aus, unter dessen Fülle wir gemeinsam standen. Was am sechsten Schöpfungstag der Liebe durch Gehorsam und durch Fleiß erworben ward, dazu die Lebenskrone, die Gott mit einem Wege nach Lo-Ruhama verband, zum Heil für die Getreuen, hat sich allezeit gesteigert, wodurch zugleich auch eure Volkschaft auf Myrääon gut vorangekommen ist. Dennoch gibt es immer Steigerungen. Und hat Gott-Vater UR Sein hehres Opfer dargebracht, dann wird sogar uns Fürsten sein, als träumten wir! (Ps. 126, 1)

Ragu-Ela, bringe deine Frage vor.“ Der Genannte, ein ernster Mann [VH20], sieht ins panoramahafte Sonnengold, bevor er sagt: „Ganz erhaben, wie der Höchste alles fügt. Es dünkt mich allzeit gut, daß wir einander alles sagen können — und auch müssen; es wäre sonst das Leben arm. Aber ein Hellaskus, dessen Fürstenname GABRIEL lautet, sieht unser Denken ganz genau.

Noch schöner ist es, daß kein Hoher einfach alles kündet, was er weiß! Er zieht die zu Belehrenden in das Gespräch, als ob er auch erst hören müsse, was der andere zu sagen hat. Und das — mir kam es immer heilig vor — tut der VATER auch, wenn Er mit uns redet. O du Seligkeit!“ In Ragu-Elas Augen glänzen Tränen, die sich im Gold der Abendsonne spiegeln.

Hellaskus denkt: ‚Wie oft haben wir, des Vaters liebe Große, das erlebt.‘ — Ragu-Ela spricht gedämpfter weiter: „In Erinnerung solch hoher Gnade wollte ich die Frage bannen. Du hast die Steigerung erwähnt, wenn GOTT Sein Opfer an die Schöpfung gibt. O — wer möchte dieses nicht verstehen? Trotzdem:

Wieso gibt es Steigerungen, sagen wir im Ablauf von gegrenzten Zeiten, wenn des Vaters hohe Führung aus der UR den Kindern gilt? Liebt Er sie denn später mehr, als es in der Vorzeit war? Steigert sich aus Ihm das Fühlen von Begriffen, oder sind wir trotz des Lichtanteiles noch so sehr ‚Geschöpf‘, daß wir an solchen Vorgang angebunden sind?

Wie ein Strom läuft unser Leben hin. Ich saß oft an unseren vier Strömen (1. Mo. 2, 10) [VH21], deren breite Wasser wie getragen in das Sternmeer münden. Mir war, als ob ich selbst ein Tropfen sei; und das Meer sei Gottes Fülle, in die hinein wir alle kommen, in die Er alle Kindgeschöpfe nimmt. Doch nach deinem Wort, Hellaskus, dessen Wahrheit ich mich beuge, wäre das zerronnen und das — verzeih — tut irgendwie im Herzen weh.

Ich möchte etwas daraus halten, ganz fest; und nun . . .“ Ragu-Ela schweigt. Kann er sagen, Hellaskus hätte ihm das Schönste aus der Schau verwischt? Schon aber spürt er dessen Hand auf seinem Haupte segnend liegen. Immer tönt die milde Stimme wie Liebkosung, bei Besprechungen so gut wie bei der Predigt. In die Wärme dieser Stimme kann sich jeder flüchten, — auch im Licht. Nun tönt sie beruhigend durch die Rustane.

„Ragu-Ela, auch das Letzte wäre wahr. Wir beschauen nun dein Bild und reihen es in die herzliche Barmherzigkeit des Vaters ein. Du hast sehr tief gesehen. Ja, alle Wasserläufe — im Empyreum nur in geistiger, in Lo-Ruhama zumeist in materieller Art — dienen nach der Weisheit URs immer einem hehren jedem Werk gegebenen Zweck. Darüber hinaus werden sie zum Segen jener Länder eingesetzt, durch die sie ihre Fluten tragen müssen.

Du denkst erfreut, dann könne auch nicht irrig sein, was du wegen der genannten Unterschiede fühltest. Aber habt ihr jetzt mein Wort gehört, so wird ja eure Freude wachsen, woran ihr schon das Beispiel seht, was die Steigerungen für Bewandtnis haben. Es braucht also keine weitere Erklärung, daß Gottes Hoch-Opfertat für alles Leben ein zusätzliches ‚Vorwärts‘ bringt, wenn sich für Lo-Ruhama das ‚Kehre-um‘ ergibt.

In zunehmender Glückseligkeit konnten alle Gott-Geliebten bis zur Schöpfungswende viele Lebensgüter sich durch Treue, Fleiß, Gehorsam und durch Opferwilligkeit erwerben. Es liegt im Bund verwahrt, daß sich die Güter nach und nach enthüllen. O, nicht voll bewußt — Gott hatte dafür eine Decke ausgebreitet — fühlten alle Lichtbewohner jene schwere Schöpfungswunde, die Lo-Ruhama dem Liebetag geschlagen hatte; und sich selbst zu allermeist.

Nichts hätte diese Wunde heilen können, wenn nicht der HERR der Helfer war! Er nahm zu einer Seligkeit, die niemand voll erfassen kann, von unserm ‚Haben‘ bis zur Schöpfungswende, und machte daraus eine Salbe (Hohel. 1, 3), mit der Er nach dem Opfer alle heilt, die das Blut der ‚Schöpfungswunde‘ tragen. Das sind in erster Linie wir, die für Lo-Ruhama auf manche Herrlichkeit verzichtet haben.

Zweitlinig sind es alle Hingestürzten, die diese Hilfe brauchen. Darum legten wir sieben Fürsten bei dem Fall mit bewußter eigener Verantwortung für uns und alle Treuen auf den Heiligen Herd im Empyreum nieder: Die Verwahrung des erlangten Reichtums und unsern höchsten Schatz, nämlich die in der Schöpfungsfreiheitsprobe selbst erworbene Kindschaft Gottes.

Daß damit ein gewisser Fortschritt unterblieb, zwar nur äußerlich empfunden, ist gegeben. Doch des Heiligen Herdes große Bundeslade hält unser Gut verwahrt. Wenn das heilige ‚VOLLBRACHT‘ erklingt, dann öffnet sich die Lade und der Reichtum quillt heraus: auch die Kindschaft, unser höchstes Haben!

Daß somit Steigerungen folgen, die Zeiten überflutend und nicht eigentlich erst kommend, ist euch klar geworden. Mit Gottes Opfer erlangt jedes Mitopfer auch sein ‚Mit-vollbracht‘, was jedem gilt, der Lo-Ruhama gedient hat oder dienen wird, ob ein- oder mehrere Male bleibt sich gleich. Hier kennt die Gnade nur das eine Maß, das an Gottes Hüfte hängt.

Würde alles Aufwärts samt der Kindschaft pur mit Gottes Opfer gang zusammenhängen, würden wir noch sehr ‚geschöpflich‘ sein, dann wäre gleichfalls Gottes heiliges UR-Lebensprinzip der Wandlung unterworfen und an die Zeitläufe sowie Raumentwicklung, nicht zu letzt an des Geschöpfes Auf und Ab gefesselt. Das zerbräche aber jede Anerkenntnis von URs Vollkommenheit, dazu die Vollendungsmöglichkeit der Kinder. Dann wäre UR nicht das, was Er ist !

Unangetastet bleibt Seine ewige Vollkommenheit! Von der Warte der Entwicklung aus können wir die UR-Vollkommenheit erkennen und zu unserem Segen daran glauben. Denn für uns offenbart sich Seine Herrlichkeit, Heiligkeit, Güte und herzliche Barmherzigkeit. Gerade von der Letzteren habe ich noch einiges zu sagen, zumal ich ja dem Werke gegenüber deren Träger bin.“

Hellaskus ißt und trinkt. Man folgt seinem Beispiel nach, und im weiteren Verlauf wird zwischendurch das kleine Mahl verzehrt. Auch ein ‚Abendmahl‘; denn jeder denkt dabei an das kaum vorstellbare Opfer ihres hohen allgeliebten Herrn. Und wie wiederholt geschehen, hebt Hellaskus wie segnend seine Hände hoch. Alle senken still ihr Haupt. Er sagt:

„Was ist Barmherzigkeit? Das Recht erschöpft sich nicht in einer Gnade, die man in Lo-Ruhama erheischt, ohne Ahnung, was sie ist und wie sie wirkt. Da dort beide Menschenarten [VH22] gern die Sünden von sich streifen, aber in der Weltlust leben möchten, ist‘s nach ihren engen Horizonten zu verstehen, wenn sie meinen, durch Gottes Gnade müßte alles Unrecht wegzuwischen sein.

Aus der Täuschung, die man sich von Gottes Gnade macht, kommt des Menschen Gnädigsein. Aber Gott sieht‘s nach der Grundgerechtigkeit und Allmacht an. Gepaart sind Allmacht und Erbarmung, die Gnade und das Recht. Doch sie treten aus der Paarung wechselseitig auf. Wie heilig daraus UR die große Tat-Jahr-Bahn gezeichnet hat, können selbst die Gott-Geliebten entsprechend ihrem Fortschritt bloß von Zeit zu Zeit erkennen.

Brauchen wir Barmherzigkeit und eine Gnade, da wir treu geblieben sind? Recht und Allmächtigkeit sind in der Kreuzung — vom Standpunkt der Geschöpfe aus betrachtet — die Suveränität des Lichtes, während Gnade und Erbarmung allgemein nur auf den Fall bezogen werden. In einer Hinsicht stimmt das auch, soweit damit die ganze Opferung des Empyreums angesehen wird.

Von höherer Erkenntnis her ist ‚alles auf Alles‘ auszulasten, so wie Gott den Seinen durch die Seinen hilft. Doch es gibt auch einen ‚Standpunkt Gottes‘, der ohne Zweifel die Superiorität besitzt. Wohl spricht die Allmacht ebenfalls: ‚Alles für alles‘!, und von dieser Allmachtswarte aus ist der Urgrund zu erkennen, auf dem die Werke ihr Gefüge haben.

Hierin ganz besonders lag für jeden Schöpfungstagesbau als eine erste Wurzel jene Auswirkung für Gottes sieben Eigenschaften, die Er Sich als Geister, Sterne, Fackeln und als Leuchter auserkor. Aus dieser Wurzel, rein ursächlich URs hochpersönliche Angelegenheit und nicht das Geschöpfliche betreffend, müssen daher Seine sieben Grundlebensstrahlen unbedingt und unaufhörlich alle Schöpfungswerke überfluten.

Anders gäbe es ja Teile, wären sie auch noch so klein, die von der Strahlung nichts bekämen und somit ohne jede Lebensbindung mit der Gottheit wären. Doch das gibt es ewig nicht! Sogar Lo-Ruhama als Tochter besitzt, zwar ungewollt und von sich fortgestoßen, das Lebensband, den BUND!

Aber eine zeitweilige Auswirkung der Eigenschaften kann je nach Einstellung der Kindgeschöpfe decken und enthüllen. Das Enthüllende muß nicht immer offenkundig sein. Viele Dinge zeigen sich erst nach des Vaters Opferung, obwohl sie längst vorhanden sind. Nicht gleich verständlich ist, daß Recht und Allmacht unsere Güter decken, woraus jedoch genau erkenntlich wird, wie diese Hauptgrundzüge suverän im Empyreum wirken, während Gnade und Barmherzigkeit den Ge treuen die erwähnten Steigerungen geben.

Viele Inkarnierte glauben, daß Lo-Ruhama der Gnade und Barmherzigkeit bedarf. Das trifft in Hinsicht aller Opfer, auch für die Gesamterlösung, zu. Doch von Gottes Warte aus sind der waagerechte Kreuzesbalken das Recht und die Allmächtigkeit. Nämlich:

» Bis hierher und nicht weiter! Keiner kommt am Kreuz vorbei, wer du auch bist, wann und wo du lebst! Das Kreuz als LIEBE Meines Schöpfungstages, wo der Fall geschah, ist das ‚Siegelzei chen‘ jedes Urteils Meines richterlichen Rechts! Für die Kinder, die sich von Anfang an dem Kreuz und seiner Opf erfolge willig beugten, steht sein Stamm als Halt und Hilfe da, als ‚Gnade und Barmherzigkeit‘! An diesem Stamme wird ein jeder seinen Anhalt finden, der das ‚Heilige Halt von Recht und Allmacht‘ anerkennt! «

Im Reiche wirkt die Gnade und Barmherzigkeit so wunderbar, daß alle Treuen aus der Allmacht auch ihr Recht erhalten. Denn beim Einstieg in die Todeszone (S. 20, 6) wird das Lichtbewußtsein zugedeckt, also auch die Kindschaft, unser hohes Haben. Weil der Schöpfer aber auch der VATER, die Güte, Macht, Gerechtigkeit und Treue ist, bleibt ER keinem Kinde etwas schuldig.

Er zahlt den Taglohngroschen (Matt. 20, 2) aus, daß wir bekennen müssen: ‚Herr, Du hast zuviel bezahlt; ich tat nur, was ich schuldig war zu tun!‘ Umgekehrt steht in Lo-Ruhama die Allmacht und das Recht voran, weil die Gestürzten sie herausgefordert haben. Ohne RECHT und ALLMACHT können sie in ihrer armen Ferne nie bestehen.

Kreuzweis gewechselt wirken zwischen Licht und Finsternis die beiden Paarungen der Gottheitkräfte, weil die uns zukommende Gnade und Barmherzigkeit, wie für Lo-Ruhama das Recht und die Allmächtigkeit, beständig sind. Aus diesen, aus denen wir den Taglohngroschen auch erheischen dürfen, wird für die arme Tochter von Barmherzigkeit und Gnade eine Salbe hergestellt.

Aus Soll und Haben ist — zwar mit höchster Opferung — der gesamte Fall zu heilen und wird niemand ohne Rettung sein. Damit verbunden ist das isolierte Licht (S. 8, 5), das ihr sehen und bereits erkennen könnt, auch daß es wie direkt über eueren Stern geleitet wird. In Demut dachtet ihr: Warum gerade über uns? Jede Volkschaft unsrer Sonnen und der Sterne hat zumindest ebenso das Recht, diese hehre Lichtbahn zu besitzen.

Eure Demut ist Gott wohlgefällig; sie ist ein Stück der Bahn, auf dem der Strahl nach unten fällt. Die Demut aller Gott-Geliebten, die sich freuen, weil es euern Stern betrifft, ist derselbe Weganteil, den der HERR für Seinen Fuß benutzt. Serpharma kann uns sagen, was eben in ihr wach geworden ist; und jeder kann dazu ein gutes Wort erhalten. Nun, was hatte dich bewegt?“

Serpharma hebt ein wenig ihre Hände; sie will erst nehmen, was sie auszugeben hat. Das feine, liebliche Gesicht ist vom Schein der Abendsonne überstrahlt. Dankbar erwidert sie: „O Hellaskus, guter Priester, du gabst uns viel, daß es genug der großen Gottesgüte ist. Allein — niemals losgelöst vom Vater der Barmherzigkeit, so möchten wir im Lichte leben.

Es ist mein Wunsch, daß in der neuen Nacht, die uns zur schönen Ruhe zubereitet wird, deine Lehre in uns widerhallt, damit aus ihr die Himmelswurzel ewig in uns bleibt. Mein Gedanke aber ist: Der Schöpfer bildete aus Seinen unmeßbaren Herrlichkeiten einen Sonderstrahl: Das isolierte Licht! Wir sehen es, obwohl das Empyreum Licht im Lichte ist.

Wie möglich zeigt sich diese Bahn, auch vorauszusehen, wie der Herr zur armen Tiefe niederlangt? Ich glaube, ER, der Vater, ist in Seiner Offenbarung an die Kindgeschöpfe ohnehin ein isoliertes Licht, ein Stück der heiligen UR-Wesenheit, soweit das Kindvolk es erfassen und ertragen kann.

Soweit ist mir das verständlich, nicht aber Seine Opferbahn, und wie sie sich als Lichtstrahl in die Dunkelheit ergießt. Natürlich kann Er Seine Herrlichkeiten teilen, kleiner oder größer leuchten lassen. Immerhin — die Spaltung Seiner Lichtperson, zumal in jener Einzelbahn, die gleich einer dünnen Schnur das All durchläuft, deren Tragfähigkeit wir auch noch nicht ermessen, muß aus einem tiefsten Urgrund kommen; denn wie anders wäre es sonst möglich, ihn nach unserer Erkenntnis zu verstehen.

Sicherlich wird an die feine Schnur Lo-Ruhana gebunden und mit unvorstellbar väterlicher Allmacht und Erbarmung, mit Recht und Gnade wieder hochgezogen werden zu des Lichtes Herrlichkeit, zu URs Ehre, zu unserer Freude, zur Erlösung unsrer armen Schwester samt ihrem ganzen Haus. Bitte, Priesterfreund Hellaskus, sage uns dazu ein Wort, wenn wir es schon wissen dürfen, auch, weshalb die Welle über unsern Stern Myrääon geht.“

Der Priester nickt mit hellen Augen allen freundlich zu. Jeder freut sich, eine neue Offenbarung über den für sie zum Teil noch unerhellten Punkt zu hören. Glückselig warten sie, was — allerdings im allgemeinen durch die Art der Frage teils vorausgeahnt — jetzt kommt. Das bestätigt auch Hellaskus, indem er diese Frage lobt. Er erwidert:

„Serpharma hat recht gut hineingeleuchtet und braucht es weniger Erklärung, wie das heilige Geheimnis anzusehen ist. Nun zuerst: Der Schöpfer isoliert nicht Seinetwegen Strahlenteile Seines Lichts, um etwas zu erreichen, wozu Er an und für sich Seine Allmacht wirken lassen kann. Ihr wisset es, daß eben diese Allmacht sich zumeist in das Gewand der Liebe kleidet, welche Eigenschaft an unserm sechsten Schöpfungstage dominiert.

Daß wir solche Strahlung sehen, ist das Natürliche des Lebens, im Empyreum eine Wirklichkeit, in Lo-Ruhama jedoch zum wesentlichsten Teil allein durch die Allmächtigkeit gegeben. Wer in die Todeszone geht, dessen essentieller Leib wird zugedeckt und ist während dieses Ganges nicht zu sehen.

Dagegen zerfällt der substantielle Inkarnierungsleib, sobald der Inkarnierte die Planetenwelt verläßt. Das gilt auch für jene aus dem Fall. Im Licht ist unser Dasein pure Wirklichkeit, obwohl der Geist samt Seele aus dem Lichtleib strahlt. Hier kann jeder jeden sehen und erkennen. Nichts ist kompakter im ganzen Universum als unsere Lichtlebendigkeit.

Strahlen, zu hohem Zwecke isoliert, müssen sich stets zeigen. In erster Ordnung ist‘s ein UR-Gesetz des Opfers wegen, daß die Armut diesen Strahl erkennen muß. Sie hat ihn ja herausgefordert. Wie UR sie an den Faden hängt (Sankt Sanktuarium, Kap. 1), daran hält und ganz nach Oben zieht, genauso muß Lo-Ruhama die ‚Bahn des höchsten Opfers‘ völlig sehen und erdulden!

Die innerliche Darbietung verlangt die äußerliche Sichtbarkeit, weil ja sonst die Inkarnierten keinen Anstoß, keinen Anhalt fänden. UR wäre es ja möglich, das Opfer auf der Himmelsbasis durchzuführen und könnte dennoch allumfassend sein. Aber Seine unermeßlich große Güte verleiht für das so tiefst gefallene Ihm teure Kind der Opfermacht aus Seinem Wesen die äußere Gestalt; das außerdem kraft der Bedingungen des Tat-UR-Jahres.

UR hat im Opfer viel von Seinem souveränen Herrschaftswillen, der hehren Ordnung, hohen Weisheit, der Heiligkeit des Ernstes durch die Geduld, Liebe und Barmherzigkeit bedeckt, zeigt aber nun des Opfers Wahrheit in der Form: ER geht in jene Todeszone, um durch einen Tod den armen Fall zum Leben zu erwecken und zum Lichte zu erheben, das Verschmutzte wieder rein zu machen, alles auszuheilen, was verletzt und elend ist.

Diese Tat läßt sich nicht ganz erfassen. Das braucht auch nicht zu sein; sonst wäre UR in aller Hoheit zu erfassen. Das kann aber unsre Himmelsfreude absolut nicht steigern, weil nur dort es eine Stiege gibt, wo sich neue Höhen zeigen. Niemals wird ein Lichtkind müde werden, wenn es einen um den andern Berg erklimmen muß — oder scheinbar nicht zum Ziele kommt.

Wir kennen das Hinauf! Jeder Schritt ist ein erreichtes Ziel vom Ziel. Wie das Licht im Lichte wohnt, so leben wir im Vater UR, vor Ihm stehend und zu Seinen Füßen sitzend. Was wir scheinbar nicht erfassen, tragen wir in Wirklichkeit in uns als Triebkraft unseres Wesens, als Inhalt unseres Lebens.

Der Sonderstrahl verläuft wie eine dünne Schnur, weil Lo-Ruhama nicht mehr ertragen könnte. Anders gäbe es kein ‚Kehre-um‘, kein ‚Komme-heim‘, sondern ein Vergehen in des Lichtes Last. Und bedenkt: Bedarf es mehr als eines Winkes, eines Splitters vom Gedanken, um eine Schöpfung aus den Angeln oder auch in sie hinein zu heben, jenachdem es nötig ist? Darum glaubt: Der isolierte Strahl ist das

Forum der Gerechtigkeit, in welchem

UR die Grundschuld tilgen wird!

Daß über euern Stern der Strahl verläuft, hat jenen Zweck: Die Lichtraumkörper sind der Reihe nach erschaffen, was nicht unbedingt ein Wertmaß ist. Im vierten Sonnenring war nächst der ersten Sonne euer Stern der erste. Darum geht das isolierte Licht über ihn. Die vierte Ringsfäre entspricht auch der Vierwesenheit und daß UR aus Seinem ganzen Wesen die Erlösung hob.

Weil es der ersten Tochter gilt, geht die Bahn von der UR-Sonne im Heiligtume aus durch alle Sphären im Strahlbereiche der Barmherzigkeit, weil diese — immer krönend — die direkte Richtung zu Lo-Ruhama ergibt. Doch es war die vierte Fackel, die nach dem Siege Michaels das Kind in seine Ferne trieb.

Michael verschloß das Himmelseden, und das arme Kind floh vor des Ernstes Heiligkeit. Deshalb wird im vierten Ring, im Bereich der siebenten Strahlsphäre der Weg inmitten sein, zugleich den MITTLER offenbarend. Über den Myrääon ist der isolierte Strahl in Lo-Ruhama zu sehen, zumal auf jener kleinen Welt, die URs Opfertat erlebt. Das ‚Opferblut‘ durchrinnt den ganzen Fall, die ‚heilige Erlösung‘ aber auch die Lichtregionen. Weiteres lernt ihr wie alle Gott-Geliebten in der Hohen Zeit, was zugleich bedeutet: Es ist höchste Zeit, das arme Kind zu retten! — —

Eure Sonne berührt den Horizont, und ich gehe nun hinab. UR-Vater segnet euch, IHM sei Dank für diese Gnadenzeit.“ Hellaskus steht auf, von den Landordnern dicht umringt. Sie sehen, lichtdurchglüht und andachtsvoll, hoch gehoben in das Innerste des Heiligtums, als ob sie jetzt vor ihrem Hochpriester Melchisedek knien könnten. So vereint, verspüren sie die gute Kraft, die sie aus Hellaskus Herzen überkommt. Und er betet:

„Heilig-Höchster, allgeliebter Vater UR! Dir gebe ich den guten Tag, den Deine Hand uns gab, mit Dank zurück; und mit einer Bitte will ich Deine Nacht entgegennehmen. O, heilig sind die Nächte, in denen Du für alle Kinder Deine Mühe walten läßt. Und auf daß wir wissen, soweit geschöpflich möglich, wie Deine hehren Nächte sich gestalten, darum gabst Du auch den Lichtraumzellen Tag und Nacht [VH23] im Ablauf hehrer Schöpfungstage.

Für die Freunde hier auf ‚Deinem Stern‘ ist ein großer Gnadentag vorbei; wir können ihn nicht halten und am ‚Vorbei‘ keinen Anteil haben. Das aber bleibt, was Du Zeit und Raum zur hohen Seligkeit und Freude Deiner Kinder anvertraust: Güte und Barmherzigkeit, die Funken aus den Strahlen Deiner hehren Eigenschaften, Deiner heiligen UR-Wesenheit, die wir als Kindgeschöpfe haben dürfen, da von sich unser Leben ewig nährt.

Doch für Dich, o Ewig-wahrer UR, bleibt jeder Tag und jede Nacht bestehen in den Unendlichkeiten aller Deiner Werke! Du schaffst bei Tag so viele Dinge, die wir erst später merken, wenn sie sich für uns zum Heile offenbaren; und in den Nächten sammelst Du und streust den Samen aus, wie es Deiner Schöpferherrlichkeit, Deinem Herrschaftswillen wohlgefällt!

HERR, Preis, Ehre, Lob und Dank sei Dir gebracht für Deine große Freundlichkeit, unter deren Schutz und Schirm wir leben. Nun segne Deine Kinder auf Myrääon, gib ihnen ihren Teil an Deiner Bahn, die sich über sie zum Abgrund senkt. Gib auch mir den Anteil dieses hohen Heils und lasse mich das Letzte wirken, bevor DU SELBST als MENSCH Dich offenbarst.

O sieh, wie die Schlange ihre Teufel auf die Erde hetzt, um ihrer Rettung festen Anker zu zerstören. Und können die Getreuen, die mit Dir die gleiche Straße pilgern, der Zerstörung keinen vollen Riegel setzen, so wirst doch DU, Allmächtiger, aus Deinem hohen Recht die letzte Pforte öffnen!

Gnade und Barmherzigkeit werden über Bitten und Verstehen ihnen jenen Sieg bewahren, nach dem Lo-Ruhama in ihrer schrecknisvollen Kerkerzeit vergeblich ihre Krallen streckt und nur die eigene Last in den zerschundenen Händen hält. Heile, Herr! Heile alle Wunden durch die Wunden, die DU in Deinem Kreuze sammelst!

Segne meinen Vorstrahl, den ich geheim und offen bringen soll, wie es nötig ist. O UR, Ewig-Heiliger, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger, Dein bin ich, der Fackelträger der Barmherzigkeit!“

Die Sonne überglüht den Stern mit einer Lohe. Eine segenslange Zeit liegt sie wie zwei Feuerzungen auf des Priesters Haupt. Die Landordner sehen ergriffen zu, völlig hingegeben an die himmlische Enthüllung. Sie wissen nachher kaum zu sagen, wie der Abschied vor sich ging. Hellaskus gibt den Männern seine Hand, die Frauen küßt er auf die Stirnen. Vom westlichen Ausblick der Rustane sehen sie dem Fortgang des geliebten Lehrers zu. Das isolierte Licht formt eine breite Spur, auf der der hohe Cherub niedersteigt zur armen auserwählten Welt.

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