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Ein symbolischer Kampf. Hohe Lehre an die Römer. Zeige uns deinen Gott

3.T-Kapitel 11

Ein symbolischer Kampf. Hohe Lehre an die Römer. Zeige uns deinen Gott

„Wer bist du? Zeige deinen Waffenschein!“ Eine Ronde hält Simeon an. „Ich brauche keinen, Hauptmann Venitrius.“ „Du brauchst keinen? Und woher kennst du mich?“ Mißtrauisch mustert der Römer das ihm fremde Waffenzeug. „Du bist stadtbekannt, Venitrius, und zwar von keiner guten Seite her.“

„Dir zeige ich die ‚gute Seite‘! Los“, befiehlt er, „umstellt den Kerl, und dann ins Tribunat! Der Quirin wird dir die ‚Güte‘ schon plausibel machen!“ „Möglich.“ Simeon zieht das Schwert heraus. „Tu deine Waffe weg!“ „Das kannst du mir befehlen, wenn sich erwiesen hat, daß ich sie nicht tragen darf. Übrigens — wir haben nun zum zweitenmal denselben Weg,“ lacht Simeon.

Es hat kaum den Anschein, als würde Simeon eskortiert. Da versucht der Römer, mit List Simeon das Schwert zu nehmen. Es gelingt ihm nicht. „Laß das sein“, sagt Simeon gütlich, „wir werden schon noch einig, nur nicht jetzt.“ Venitrius ist erbost. Erstmals, daß sein Meistergriff danebenging.

Er befiehlt seiner Ronde, schärfstens auf Spione achtzugeben; der Tribun eigne sich für Juda nicht. Simeon blitzt ihn an: „Darfst du so was sagen?“ Jener redet sich mit rotem Kopf heraus: „Er ist zu gut, habe ich gemeint.“ Simeon gebietet einem Mann, ihn als Besuch anzumelden. „Besuch klingt gut“, murmelt Venitrius, „bin gespannt, was sich da tut.“

„Hochedler, höchster, ehrwürdiger Quirin“, fängt der Melder an. „Vorreden liebe ich im Hause nicht“, wird er unterbrochen. „Es ist ein fremder Krieger da, der dich besuchen will. Ich denke . . .“ „Wir schenken dir dein Denken“, fällt Cornelius belustigt ein. „Er ist arretiert“, wagt jener noch zu sagen. „Ha“, lacht Cyrenius, „sie haben ihn geschnappt!“ Darüber freut er sich. Cornelius sagt aus besserem Wissen: „Wir werden sehen, wer wen.“ „Du meinst doch etwa nicht . . .? Hopp, herein, der Besuch und unser Hauptmann!“ befiehlt Cyrenius kurz.

Als sie kommen, hinterdrein Forestus strahlenden Gesichts, sind beide Römer sehr verwundert. Was sie sehen, ist kein alter Mann und keine Wehr ‚aus irgend einem Winkel dieser Welt‘, wie Cyrenius es sich dachte. Simeon grüßt mit seinem Schwert, wie der Cäsar bisher niemals besser sah.

„Du bist Simeon, der heute bei uns war?“ „Ja, erster Augustianer. Du erlaubtest mir, meine Waffen anzulegen.“ „Er sagte, er brauche keinen Schein“, meldet sich Venitrius, „ich nahm ihn fest.“ „Stimmt nicht; dazu gehörte die Entwaffnung“, tadelt der Tribun. „Wir sind ganz friedlich unsern Weg gegangen“, lächelt Simeon, „Er wollte zwar, doch es war ihm nicht geglückt.“

„Einem Hauptmann Roms?“ Cyrenius rollt die Stirn zusammen. Venitrius läuft wie ein Puter an. „Das mache ich noch wett; ich fordere ihn zum Zweikampf auf!“ „Hier angenommen“, sagt Simeon überraschend schnell. „Na, na“, macht Forestus, „das geht windschief aus.“ „Für wen?“ fragt der Quirin verärgert. Forestus läßt sich aber nicht beirren. „Wenn ich Venitrius wäre“, sagt er ruhig, „dann würde ich erst Wehr und Waffen des Geforderten genauest untersuchen. Es wäre mir zu fremd“, deutet er darauf.

„Bei Merkur, er hat recht!“ pflichtet der Quirin ihm bei. „Doch Venitrius hat gefordert und Simeon nahm an; also muß der Kampf vor unsern Augen ausgetragen werden.“ Auf Roms Waffen und eines Römers Geschicklichkeit baut er ohne weiteres. Allerdings „Gib mir zur Prüfung Schwert, Schild und Helm“, verlangt Cyrenius. Simeon legt alles auf den Tisch.

‚Jeder greift danach und — sieht verwundert drein. Welch leichtes Kinderzeug, damit ist nichts anzufangen. Forestus legt die Dinge hin: „Diese Waffen würde ich nicht kreuzen.“ „Feigling!“ zischt Venitrius. Der Gescholtene braust auf: „Ich lasse mich vor unserem Quirin und dem Tribun nicht Feigling nennen! Nimm zurück, oder du steckst heut‘ zwei Niederlagen ein!“

„Des Fremden Niederlage und die Deinige“, höhnt Venitrius. „Aus!“ Cornelius nimmt sich ihn vor: „Im Beisein Vorgesetzter darfst du Kameraden nicht beschimpfen. Den ‚Feigling‘ nimm zurück!“ Es bleibt Venitrius nicht erspart, als zähneknirschend zu gehorchen. Das steigert seine Wut, die der Fremde spüren soll. Simeon hat seinen Helm indessen aufgesetzt und sagt gelassen:

„Erst zeige ich, was ich mit dem ‚Spielzeug‘ mache. Dann steht dem Hauptmann frei, zurückzutreten.“ „Kriegst wohl Angst?“ Simeon aber biegt sein Schwert, bis Knauf und Spitze sich berühren. „Bitte nachmachen.“ Venitrius biegt‘s mit großer Mühe kaum zu einem viertel Bogen. Auch Cornelius und Cyrenius gelingt nicht mehr. Forestus bringt es ein paar Zolle weiter.

„Ich danke für das Kinderspiel.“ Er hebt den schuppenglänzenden Koller hoch. Er wiegt kaum mehr als eine Toga. So gern Cyrenius den Kampf gesehen hätte, warnt er Venitrius. Doch der ruft besessen: „Im Hofe will ich kämpfen!“ „Nein“, der Quirin schlägt hart mit seinem Marschallstabe auf den Tisch.

Wie? Kennt Simeon Roms Finessen? Er greift an, weicht zurück, gibt Nebenhiebe und bringt Venitrius in Schweiß, ohne daß der einen Hieb placieren kann. Plötzlich fremdes Kämpfen, daß Cyrenius nicht mehr fragt, ob Roms Aar zu retten sei. Schwert, Schild, Wendung wirbeln durcheinander; man sieht nur noch ein Gefunkel. Venitrius ist am Fallen, das Schimpflichste, was ihm passieren kann. Simeon fängt ihn auf. Sie stehen gegenüber, der Römer schwer erschöpft, Simeon wie nach einem guten Schlaf. Er sagt:

„Du verdienst einen Orden, hast mit großem Mut einen unbekannten Krieger angegriffen, ohne dessen Griff und Wehr zu kennen. Das macht dir nicht gleich einer nach.“ Jener glaubt zu träumen. Die bittere Schmach leitet der Sieger, wenn auch nicht in einen Sieg, in eine Ehre über? Er braucht eine Weile zum Besinnen. Forestus gibt ihm einen leichten Wein.

Nach einem tüchtigen Schluck und halb ängstlichen Blick auf den Quirin gesteht er ein: „Du hast mich besiegt, und Forestus hatte recht. Hast du die Waffen schon gekannt?“ fragt er diesen. „Ich sah sie heut‘ das erstemal.“ Cyrenius macht dem Kampf ein gutes Ende. Er nimmt Simeons Rechte und sagt:

„Du bist ein Ritter, wie ich keinen sah, ein Arbiter elegantiarum, (vornehmster Gemütsadel), wie es wenige gibt. So handelt nur ein Mann, dessen Geist in höheren Regionen lebt. So sei es auch! Komme her, Venitrius!“ Der Quirin steckt eine kleine blitzende Nadel dem Hauptmann an den Halsrand seiner Tunika, die die Legionäre meistens unter ihrer Rüstung tragen.

Venitrius verneigt sich, glührot vor Freude. „Hauptmann“, sagt Simeon, „kein Römer könnte mich besiegen, und du kannst den Orden des Quirins in Ehren tragen. Der Kampf sollte dir zur Lehre sein. Von euerm Standpunkt aus gesehen ist es gut, wenn einer tapfer ist. Das aber bloß in offener Schlacht, wenn die Völker es nicht anders haben wollen. Besser wäre, die Rosse würden Felder pflügen; und Erz, Eisen oder Keulen sollten statt zu mörderischen Waffen friedlicheren Zwecken dienen.

Du hast die Juden oft herausgefordert, bis deren Galle überlief. Dann nahmst du sie gefangen. Du denkst, wenn du kein Dutzend in der Woche ‚sammeln‘ kannst, hättest du dich nicht bewährt. Ich stelle dir Forestus nicht als Beispiel hin; doch seit er Jerusalem durchstreift, wurde niemand inhaftiert. Er spricht zum Guten, wo sich im Zorn die Lippen öffnen, weil das Volk seit rund sechzig Jahren euch erdulden muß. Gestern sagtest du: ‚Läßt der Tribun statt des stolzen Aar noch weiterhin die Friedenstaube fliegen, dann rostet mir die Rüstung ein.“

„Wer hat das verraten?“ Kleinlaut gefragt. Cornelius lacht: „Wenn wir mit der Friedenstaube weiterkommen, so will ich sie als Helmzier wählen. Dann . . .“ „. . . wirst du ein Himmelszeichen tragen“, vollendet Simeon. „Und noch das, Venitrius: Es gibt Leute, die andern von der Stirne lesen, was dahintersteht. Denke, ich sei so einer. Später wirst auch du noch Höheres erfahren.“

Der Quirin geht hin und her. Absichtlich schickt Cornelius den Hauptmann auf die Streife. „Mit der Taube“, flüstert er ihm zu. Es klingt allerdings mehr nach Befehl und manch Söldner wundert sich in Zukunft, daß der ‚Bluthund‘, wie er sogar bei ihnen heißt, auf einmal zahm geworden ist.

„Sonderbarer Mann“, nimmt Cyrenius sich Simeon vor, „wo kommst du wirklich her? Mir noch weiszumachen, du wärest ein Hebräer, siebzig Jahre alt und was deine Tafel fabuliert, dazu ist‘s zu spät. Ich hätte ungern in des Hauptmanns Haut gesteckt. Oder du, Forestus?“ Den schüttelt es. „Bei “ Nein, kein Götzenname mehr, „— bei der Wahrheit“, sagt er rasch.

„Mir war, als hätte Simeon sieben Schwerter in der Hand.“ „Ich erkläre es euch gern“, bestätigt Simeon zur weiteren Verwunderung der Römer. „Iß und trink“, fordert Cyrenius freundlicher auf, „dann beantworte meine Fragen. Der Imbiß ist erledigt, und die Becher werden frisch gefüllt.

„Meine Tafel stimmt“, plaudert Simeon, „irdisch, weil der Tempel eine braucht, und im Sinne einer Eigenschaft, die ich vom Empyreum her besitze.“ „Bloß eine?“ droht Cyrenius schalkhaft. „Bist du so bescheiden oder deckst du zu?“ „Keins von beiden! Das Licht kennt sieben Eigenschaften, aus denen viele Nebenstrahlen fließen. Jedes Himmelsvolk lebt eine Strahlung aus; doch ein jeder Reichsinsasse hat noch einen Neben- oder Volkschaftsstrahl.

Mehrere Völkerteile oder Sippen bilden einen Ring auf Sonnen oder Sternen, die zu ihrem Aufenthalte dienen. Um euere Sonne kreisen mehrere Planeten; selber wandelt sie im Verein mit gleichgearteten Lichtern um ein nächst größeres, und so weiter. Genau so ist es mit den Himmelsvölkern.

Ihr sahet mal ein Wunder der Natur, einen siebenstämmigen Baum. Jeder Stammteil hatte sieben Äste (Sach. 4, 2), aber so, als ob alle neunundvierzig diesem Stamm entwuchsen, der keine Spaltung zeigte. An jedem Hauptast waren viele Nebenzweige, überwuchert mit Blättern ohne Zahl. Das ist ein rechtes Sinnbild dessen, was ich vom Lichte sagen will.

Die Wurzel gleicht der Schöpfermacht und -herrlichkeit des einen Gottes. Ihr habt viele Götter. Im euch unbekannten Westen betet man die Sonne als Symbol des Lebens an, was erkennen lehrt, daß nicht Namen ausschlaggebend sind. Es gibt nur einen Herrn des Universums. Wenn also, da braucht der eine heilige Gott keine Untergötter, wie geschrieben steht: ‚Ich bin der Herr, dein Gott; du sollt keine Götzen haben neben Mir!‘

Dieses Grundgesetz gilt allen, und daß sich niemand Nebengötter machen soll. Sieh, mein Quirin, Rom hat einen Cäsar, jedes Hauptamt einen Obersten, von denen du zur Zeit der Erste bist. Bist du aber der Augustus selbst? Ach nein! So sehr man dich verehrt, gilt die höchste Ehre nur dem Herrscher. Ihr Oberen habt eure Helfer, und diese wieder ihre Unterhelfer, und so fort. Das Ganze nennt man ‚Volk der Italier‘.

Durch den Vergleich soll das Ewige leichter zu erfassen sein. Der Schöpfer ist zugleich der höchste Priester. Wohl hat jede Volkschaft einen Lehrerpriester; aber diese werden nicht verehrt. Man liebt und achtet sie, wie du von vielen geliebt und geachtet wirst. Auch ich tue das, nur weniger von der Erde als vielmehr vom Empyreum her, wo wir uns schon lange kannten.“

„Ich widerlege nicht das Hohe, was du sagst; bekannt warst du mir aber nicht. Entsteht ein verbindendes Gefühl, so ist‘s ein Werdendes, aber kein Gewesenes.“ „Mir ging es ebenso“, nickt Cornelius. „Nun ist‘s, als kenne ich ihn längst.“ „Mag sein“, sinniert Cyrenius, „nur bis ich wirklich weiß, daß es so und nicht anders ist, muß ich erst mal hören, was du noch zu sagen hast. Sprich also weiter.“ Simeon sagt freundlich:

„Eure hohle Götterlehre ist dir längstens aufgegangen, mußt aber schweigen, weil der Cäsar daran glaubt. Da er guten Herzens glaubt, werden ihm die Götter einst wie Nebel schwinden. Würdet ihr statt an die Götter an die UR-Lichtkräfte Gottes glauben, so könntet ihr in Bälde GOTT begegnen, leibhaftig; denn mein Auftrag lautet, euch mit einzuweihen, wie es vorgesehen ist.“

„Wie sieht dieser UR-Gott aus? An was erkennt man Ihn?“ Cyrenius fragt es unbewußt ängstlich. Er ist sich nicht im klaren, ob das Wahrheit ist. „Liebt ihr nur das Reiche und Gewaltige oder auch das Arme und Geringe?“ Wie Schuppen fällt es von der hohen Römern ab: Es ist ein Entscheidungsakt. Der Kampf ? Wer weiß, welche Ouvertüre dieser war — — —

„Du weißt so vieles, sonderbarer Mann“, sagt Cyrenius, „du wirst also wissen, daß ich am Hofe des Cäsaren, im Hause reicher Eltern aufgewachsen bin. Aber zwischen Hoch und Nieder wählen? Ich liebe Kinder, Tiere, und bestrafe jede Roheit gegen beide. Auch kleine Lebewesen sind mir irgendwie des Schutzes wert. Ob das deinen Gott zufriedenstellt, — hm — scheint mir zweifelhaft zu sein.“ Der Quirin sieht Cornelius an.

„Mir auch, mein hoher Bruder. Von dir liebevoll erzogen, habe ich gelernt, zu denken und zu fühlen, wie du es tust. Forestus können wir ins Schlepptau nehmen, er ist genauso eingestellt.“ Dessen Wangen röten sich; es ist eine Ehre, sozusagen hinter dem Quirin und dem Tribun einhermarschieren dürfen.

„Man kann manches nicht verstehen“, fügt Cyrenius an, „auch kaum gleich. Erkläre es uns näher.“ Simeon lächelt: „Gern! Was einer nicht versteht, will allgemein der Mensch nicht kennen lernen, weil er spürt, daß er dann vieles abzulegen hat, was er liebt und nicht herzugeben wünscht. Es heißt einfach: Das kann ich nicht verstehen; oder: Wer weiß, warum das so geschah! Und man wirft das Ungewohnte hinter sich.

Das tritt ihm aber unversehens wieder in den Weg und ist seine Lichterziehung, die nicht selten weltlich wirkt. Gott hat das Ende in der Hand. Jedes dingliche Ende führt ER allein hinaus.“ „Und was kommt dann?“ „Ein neuer Anfang. Jede Sache bringt am gesetzten Ende einen neuen Lebenstrieb, wie im Samen neuer Samen keimt, sobald der Muttersamen ausgewachsen ist, ob Grashalm, Rebstock, Blümchen oder eine mächtige Zypresse.

Jedem dinglichen Ende — ewige Endlichkeiten gibt es nicht — liegt Werdendes zugrunde. Im Schöpfungsablauf, in dem sich die Materie spiegelt, ist ein Ende keine ferne Unbegreiflichkeit. Je ein Ende und ein Anfang sind des Augenblickes festgefügtes Ganzes, in das hinein der Schöpfer Seine Lebenskinder stellt. Unsre Endlichkeiten ruhen herrlich eingebettet in des Schöpfers heiliger Unendlichkeit!“ Simeon schaltet eine Pause ein. Die Römer brauchen Zeit, um das Schwere aufzunehmen.

Endlich fragt Cornelius: „Und dein Gott? Wann, wie, wo kann man Ihm begegnen? An was erkennt man Ihn?“ „Die Frage, wiederholt, ist für euch ein gutes Zeichen; auch die Bestätigung, daß ihr nicht nur Macht und Pracht der Erde liebt. Quirin Cyrenius dachte, wieso ich dieses nicht auch wüßte. Höre erst noch eines, dann will ich euch ein Lichtgeheimnis sagen, das im Tempel außer Mutter Hanna bisher niemand wirklich weiß.“

„Wer ist Hanna?“ fragt Cyrenius. Bevor Cornelius berichten kann, hält Forestus einen Vortrag. Er legt sich ordentlich ins Zeug. „Du liebst sie wohl?“ „ja“, klingt es unerschütterlich zurück, „und wenn der hochehrwürdige Quirin sie kennenlernt, dann “ stehe ich für nichts, will er sagen, drückt aber beide Hände auf den Mund. „Auch lieben?“ lacht Cyrenius erheitert.

„Man muß sie lieben“, bestätigt Simeon. „Nun das eine: Wäre ich inkarniert — ich erkläre das ein andermal — ‚ könnte ich nicht alles sehen. Wie ich gekommen bin, kann ich jedem ohne Mühe auf den Grund des Herzens blicken. Es dient dem Menschen, sich vor sich selber zu enthüllen. Aber manche, zu denen ihr gehört, schämen sich, öffentlich die Milde auszuüben. Ihr tut es lieber heimlich, wozu euch eures Geistes Stimme treibt.

Andere wieder prüfen weniger ihr Tun und Lassen. Beides ist an sich nicht schlimm. Besser ist es, erst zu überlegen, was und warum man etwas tut. Man darf es sehen, daß eines Menschen höchste Zierde Liebe, Güte, Nachsicht und Erbarmung ist. Wer durch Lebensbeispiel wirkt, wirkt aus Gottes hohem Geist!

Gerade die Erbarmung fehlt den Menschen, die von Gottes Strahlen reich gesegnet sind. Du hast dich gewundert, o Quirin, weil ich nur eine Eigenschaft besäße. Höre:

Sieben Grundlebensstrahlen sind das ewig-hohe Forum der Allmächtigkeit!

Die siebente ist die Barmherzigkeit. Ich — “ Simeons Gesicht wird himmlisch, „ — bin ihr Träger. Es gibt sieben Reichsfürstenpaare, Träger dieser Eigenschaften. Im Lichte sind sie je ein Cherub und ein Seraph, positiv und negativ geeinter Kraftgrundstrahl, über welche der Allmächtige Sein UR-Licht fließen läßt, weil keins der Nachgeborenen es als Essenz ertragen könnte.

Jederlei Geschöpf erhält das Rein-Himmlische entsprechend seiner Tragfähigkeit und wird — wunderbar beseligt — seine Ewigkeit in der UR-Ewigkeit erleben. Bekäme es das UR-Licht und die Eigenschaften unverdünnt, dann müßte es vergehen, weil es als Urpartikel von der Gottheit wieder aufgenommen würde, oder jedes Geschöpf müßte selbst zu einem Gotte werden.

Dabei kann kein Universum existieren; es würde jedes Lebewesen selbst Geschöpf und Schöpfer sein, aber — ohne Lebensäußerung, weil die Kräfte pur vom UR-Licht stammen, von denen jedem Kindgeschöpf sein Fünklein wird. Und keines könnte aus dem andern schöpfen. Das es das nicht gibt, werdet ihr begreifen, wenn ihr GOTT begegnet seid. Damit komme ich zur Frage: Wie sieht der UR-Gott aus? An was erkennt man Ihn?

Erstaunet nicht: Er kommt ärmlich und gering. Weder Tempel noch Paläste, keine goldnen Pfühle wird Er wählen. Das deshalb, was ein Beispiel lehren soll. Schon an Hauptmann Forestus trauen sich die niedrigeren Leute nicht heran, um ihm zu sagen, was sie drückt, man fordere sie denn in Strenge auf. Weit weniger geschähe das bei dem Tribun oder gar bei dir, Quirin.

Trotz deines gütigen Gesichts drückten sich die Leute in die Winkel. Bemerktest du den Mann am Tore zu Jerusalem, durch das du eingeritten bist? Er hatte von dem Einmarsch keine Ahnung. Ein Stoßgebet blieb ihm im Halse stecken; er wähnte sich dem Tode nah. Vor Schreck ist er noch krank. Morgen geht der Tempelarzt zu ihm. Es sind arme Leute, denen Naxus alles nahm, bis auf die Lumpen ihres Leibes und die Hütte, die am Einsturz ist. Sie kamen heute in den Tempel, um Hilfe zu erheischen.“

Cyrenius sagt barsch: „Seh‘ ich wie ein Menschenfresser aus? Wenn jener Mann — ich erinnere mich, er sprang wie ein Hase über Stock und Stein — ungewollt den Schreck bekam, so durfte er sich an mich wenden.“ „Das konnte er, wenn er Vertrauen hatte. Das — du siehst es ein — ging dem Volk verloren.

Wärest du in schlichter Art dahergekommen, nicht in Purpur, Seide und Geschmeide, nicht auf prächtig aufgezüumtem Roß, dann, wäre er nicht ausgerissen.“ „Hm, das leuchtet ein“, bekennt Cyrenius. „Wie bezieht sich das jedoch auf deinen Gott? Schließlich kann er nicht auf einem Esel reiten!“ (Sach. 9, 9; Joh. 12, 15)

„Wenig Hohe wollen sagen wir der Ethik wegen — Macht, Ruhm und Reichtum fallen lassen. Gott verlangt ja nicht, alles wegzuwerfen; vielmehr kommt es darauf an, ob man damit praßt und prahlt oder aber seine Gaben recht verwendet. Wer weiß, daß das Weltliche beim Tod zurückzulassen ist und mit seiner Macht ein wahrer ‚Statthalter‘ Gottes werden will, der wird in jeder Hinsicht sich und seinen Untergebenen zum Segen handeln.

Du bist des Cäsars erster Statthalter, und Cornelius deine erste Hand. Habt ihr gefragt, weshalb ihr mit soviel Gütern, Macht und Weisheit ausgestattet worden seid, während Ungezählte arm, gering und sogar dumm durchs Leben gehen müssen? Trotzdem sind vom Geiste her euch manche völlig ebenbürtig.

Natürlich gibt es unter ihnen viele, die zu ihrer Grunderlösung eingeboren worden sind. Im Verhältnis gibt es bei den Welterhöhten ebensoviel arme Kreaturen. Ihr habt oft gesagt: ‚Welch armer Geist!‘ Das stimmt nicht; der Geist ist immer rein und gut. Doch er kann nicht völlig wirken, wenn des Menschen Seele ‚lichtarm‘ ist. Warum es solche Unterschiede gibt, werdet ihr erkennen, wenn ihr selbst mit Gott gesprochen habt.

‚Unfaßbar‘, denkt ihr, ‚wer kann mit seinem Schöpfer reden? Dazu sind die Priester da.‘ O gewiß, wenn sie reinen Herzens sind. Doch auch sie sind Menschen, mancher materiell. Gottes Statthalterschaft läßt sich bewahren, ob im Empyreum, ob auf Welten der Materie, sobald das eigentliche Ichbewußtsein sich vom ‚Geist des Himmels‘ leiten läßt. Dann strömt das Licht und dessen Kräfte durch das Geistherz in die ganze Seele über.

Euch, mit auserkoren, fließen innere und äußere Gaben zu, weil ihr festen Sinnes auf die Erde ginget, Gott zu dienen. Ihr habt die Gaben mitgebracht. Bei Armen, die auch vom Lichte stammen, erfüllt es sich auf einer anderen Bahn. Sie dienen durch das Opfer, wie ihr durch eure Gaben. Weniger das Äußere als fast ausschließlich das Innere des Menschen ist hierbei ausschlaggebend.

Wenn ihr das nun wißt und — glaubt, so wird in Zukunft euer Amt viel geistiger gestaltet werden, dahingehend, daß ihr die Bedrückten liebt und in ihnen ‚Menschen‘ sehet, wie ihr selber welche seid. Du denkst, Cyrenius, ihr beide wäret fast allein im großen Rom; bloß der Cäsar wäre gut. Sonst jedoch — ? Der Thronanwärter hätte kein augustianisches Gemüt. Für euere Nachfolger aber könntet ihr nicht garantieren. Du hast wahrlich recht. Merket auf das Wort, das ich euch dazu zu sagen habe.

Diese Welt, die Ausgeburt der größten Dunkelheit, ist noch nicht reif, daß für immer gute Kräfte an ihr Ruder kommen. Möglich wäre es, ließen sich die Menschen allgemein belehren und ihr Denken auf das Ewige richten. Des Schöpfers Macht wirkt herrlich gut. Von Zeit zu Zeit kommen hohe Geister aus dem Licht, deren Strahlen bis zu mehr als hundert Jahren dieser Welt ihr Sein, ihr Leben und — die Güte Gottes bringen.

Hat die Menschheit all das himmlisch Gute aufgezehrt, dann folgen neue Boten, beseitigen zuerst den aufgehäuften Schmutz und pflügen viele dunkle Seelen um, damit wieder für ein weiteres Jahrhundert sich — vom Standpunkt eines Menschen aus betrachtet — so gut als möglich diese Welt erhalten läßt.

Cornelius, das ist keine Schraube ohne Ende“, deckt Simeon dessen Ansicht auf. „Jedes Opfer hinterläßt nebst einer Strahlungskraft die ‚Opfermacht‘! Die ist untilgbar, weil sie im ‚Lustrum Gottes‘ liegt. Die essentielle Flut heiliger Erlösung nimmt unaufhaltsam zu. Damit verbunden wird die Dunkelheit gereinigt, was am besten im Bereiche ihrer eigenen Wesen vor sich geht.

Der Schuldige muß büßen! Ihr denkt an Naxus, ein paar Monde Haft wäre keine Buße. Wißt ihr, was in wenigen Minuten einer auszuhalten hat, dem GOTTES Nemesis das Urteil überreicht? Lebenslanger Kerker wirkt selten schrecklicher als ein Kampf mit Elementen. Venitrius mußte ihn durch mich erdulden, weil er viele Unschuldige dem Henker ausgeliefert hat. Er wird zeit seines Lebens mit einem Unbehagen an den Schwertkampf denken.

Naxus und die Leute kämpften tagelang, angeklammert an den Resten des zerborstenen Bootes. Wilde Wogen, sengende Sonne, Durst, Hunger und Erschöpfung waren ihre harte Pein. Diese Strafe läuterte die dunklen Seelen, bis sie einst, wenn alles abgegolten ist, zum Licht, zum Frieden und zum Segen kommen dürfen. — —

Nun das Wichtigste! Wie sieht Gott aus? Höret; Begegnet ihr dem edelsten und reinsten Menschen, so seid ihr GOTT begegnet!“ Forestus wagt: „O Simeon, mir ist bisher kein einziger begegnet, der so edel ist wie du. Mir fiele die Entscheidung schwer, zwischen dir und einem anderen zu wählen.“ Cornelius nickt, während der Quirin an seiner Skepsis nagt.

„Du wirst erkennen, Forestus, warte es nur ab. Selbstredend sind des Höchsten nächste Diener Ihm am ähnlichsten, zumal dem Inneren nach. Da ich einer Seiner Fürsten bin, womit die Frage ihre Löse findet, wer ich wirklich sei, ist zu merken, daß Gottes Wesenheit in uns geschöpflicherseits am besten widerstrahlt.

In Hinsicht Seiner Eigenschaften sind Ihm alle lieb und wert. Er fragt nicht erst danach, ob einer haargenau in der Materie nach den Geboten lebt. Ihm gilt der gute Wille, Hilfsbereitschaft und ein liebendes Gemüt. Kann jemand dieses zeigen, so bedenkt Er siebenmal die schwere Bürde, ehe Er nach Seinem hohen Haben fragt. Nur den Bösen, die sich an ihrer Bosheit obendrein ergötzen, wägt er Soll und Haben ohne zusätzliche Gnade aus!

Er gibt sich ärmlich und gering, wie es aufgeschrieben steht:

‚Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben;

und die Herrschaft ist auf Seiner Schulter!‘

Und weiterhin:

‚Ohne Vater, ohne Mutter, ohne Anfang, ohne Ende!‘ (Jes. 9, 5; Hebr. 7, 3)

Einen Hausvater wählt er Seines Werkes wegen aus; denn ER, der Lebendige, braucht keines Mannes Samen, um ein KIND zu werden. Er nimmt Sich eine Mutter als einen Hauptakt Seiner Opferung! Sie ist meine Fürstin, Trägerin der Barmherzigkeit. Geistgemäß gezeugt und so geboren, bleibt sie rein, wie sie vom Himmel niederstieg.“

„Lebt sie schon?“ fragt Cyrenius begierig. „Was kann ich für sie tun?“ Helle gleitet über Simeons Gesicht, was die Römer stutzig macht. „O ihr Menschen, nun habt ihr den Kontakt gewonnen! Fällt auch noch mancherlei dazwischen, so reckt die Seele doch ihr erstes Grün dem Himmel zu. Das Mägdlein ist jetzt sieben Jahre alt, lebt unter Mutter Hannas Schutz und darf nicht hervorgezogen werden. GOTT SELBST bereitet es Sich zu. Ehe es das Frauentum erlangt, wird ER SICH durch diese reine Magd zur Welt gebären lassen, freilich bloß die Fleischeshülle, deren Sich der Herr bedient.

Er bleibt arm, kommt Er ja der seelisch und der weltlich Armen wegen. Das schließt nicht aus, daß Er Sich zu jedem neigt, der Ihn als Schöpfer der Unendlichkeit erkennt. Käme Er als hoher Herr, so würde alle Armut außerhalb des Kommens bleiben. Darauf läßt sich das Erlösungswerk nicht gründen.

Seine Wesenheit ist des Himmels Firmament im Glanze jahrmillionen Sonnen, im ewigen Gefunkel aller Sternenheere. Seine Rüstung ist die Macht, Sein weißes Pferd (OJ. 6, 2; 19, 11) die Kraft, sein Gefolge sind Gewalt und Stärke! Das könnte niemand auf der Welt ertragen, würde Er die Herrlichkeiten nicht ins Kleinste, ins Geringste inkarnieren, das die Dunkelheit ergibt.

Selbst die Wiege stellt Er Sich in einen Stall der unvernünftigen Kreatur. Symbol, daß der Höchste bis zur ärmsten Tiefe greift, um sie und alles Dunkel in Sein Licht emporzuziehen. Die Wahlwelt ist die schier nebensächlichste in der Materie, jedoch eingeordnet in die Laufbahn ihrer Sonne, die hinwiederum im hohen Kreuzfeuer Seiner UR-Sonne steht.

Der ewige, der wahre König nimmt die Gestalt eines Knechtes an (Phil. 2, 7), um als höchstes Beispiel die Erbarmung vorzuleben. Doch die Rede Seines Geistes, Seiner Wahrheit, deckt Er nicht zu; und es werden darob alle staunen, Niedrige und Hohe, Einfältige und Kluge. Denn an Seinem Wort zerbricht die Finsternis, und mit eben Seinem Wort wird Er sie heilen! Mit Seinem ‚Ja‘ enthebt Er sie der Fesselung, Sein ‚Amen‘ zimmert eine Himmelsleiter; ist ER ja das AMEN Selbst! (OJ. 22, 20)

Auf ihr steigen Licht und Dunkel hoch. Die Unterstufen gelten jedem seelischen Gebrechen, die die Wanderer mühselig und beladen machen (Matt. 11, 28). Dann geht es aufwärts über Einsicht, Umkehr, Reue, Buße, über das Entlastende, bis sich dann als letzte Sprossen Güte, Gnade, Langmut, Sanftmut zeigen. — Nun habt ihr viel erfahren; Gott wird sehen, was ihr daraus macht.“

„Kann ich das Mägdlein einmal sehen?“ fragt Cyrenius. „Ich — mir ist — — Ich habe Kinder gern. Und ein anderes: Du hast so recht, daß Licht und Schatten eng beisammen wohnen. Mir kam heute etwas zu, das dich denunziert. Cornelius sagt, daß schon gegen euern Hohenpriester so was zugetragen worden sei und es wäre eine Hand. Ich möchte dem Halunken eine Strafe zudiktieren, damit er sich — so nach deines Gottes Sinn — bald bessern kann.“

„Besichtige den Tempel und . . .“ „. . . sehe deine Fürstin“, fällt Cyrenius ein. „Dabei prüfe ich die Handschrift aller Templer und finde selbst den Kerl heraus.“ Eine Zornesfalte gräbt sich tief in seine Stirn. Sacht streicht Simeon darüber hin. Der Römer fährt verwundert auf: „Deine Hand — ? Aha, jetzt verstehe ich, wieso ein Venitrius unterliegen konnte.“

„Wohl, und Strenge ist vonnöten, sollen Böse an das Zähneklappern kommen. Richter sollen aber frei von Zorn und Unmut sein,“ „‘Ich habe viel zu lernen“, seufzt Cyrenius. „Keineswegs! Dir, Cornelius und Forestus fällt nicht schwer, die Himmelsstapfen zu betreren, die der heilighohen Fußspur Gottes folgen.“ Ruft Forestus laut: „Ach wäre Ich nur erst soweit!“

Trotz des ernsten Augenblickes folgt ein Lachen. Cyrenius sagt zu Simeon: ‚Ich konnte meinem Bruder keinen Besseren zur Seite stellen als Forestus. Verzeih, es ist zwar spät geworden, aber eine Sache will ich noch bereinigen“ Er nimmt aus einer Truhe einen ziemlich großen Beutel, angefüllt mit Sesterzen; einige Talente sind auch danei, „Hier für den armen Mann, gib es ihm und er soll sich bei mir melden.‘ Simeon fragt:

„Wäre es dir recht, Bruder aus dem Licht . . .“ Cyrenius unterbricht erstaunt: „Wie? ‘Was? ich — dein Bruder?“ „Gewiß! Ihr drei gehört zu meiner Lichtregion. Wir sind zudem als ‚Gottes Kinder‘ Brüder und die Frauen unsere Schwestern. Darüber später mehr. Den armen Leuten diesen Beutel gehen, wäre gar nicht gut. Einesteils würden sie, den Wert nicht kennend, von manchen weidlich ausgenützt, anderseits zu viel verschenken; denn da käme fix die ganze Nachbarschaft und hielte ihre Hände auf.

Ich setze Zacharas als Verwalter ein. Er kauft ein Haus, ihrem Stande angepaßt, und das übrige erhalten sie von Zeit zu Zeit. Ist dann der Mann gesund, soll er auf Arbeit gehen und nicht zufolge deiner edlen Gabe auf der Gasse lungern. Solcher Weise wäre das ein doppelter Gewinn. Was meinst du dazu?“

„Fabelhaft!“ Cyrenius — was er selten tut — preßt Simeon an sein Herz. „Morgen Mittag besichtige ich den Tempel offiziell; er muß geöffnet sein, die Priester und Insassen will ich sehen, Alle! Das ist Befehl! Du verstehst ihn wohl?“ Er zögert und fügt verstohlen an: „Du Fürstenbruder aus dem Licht!“ Ein Strahl aus Himmelsaugen dankt dem Römer.

„Darf ich mit dir gehen?“ fragt Forestus. „Wegen Nachtkontrolle?“ neckt Cornelius. Nein stottert der Geneckte, „sondern . . .“ „Komme mit, kleiner Bruder!“ Unterwegs bittet dieser: „Ich konnte es vor dem Quirin nicht sagen: Du, mir noch unverständlich, bist ein hoher Fürst, einer — von da oben her“, er sieht ins nächtliche Gezelt, dessen samtdunkle Decke ungezählte Sterne schmücken.

„Wenn du, als gewißlich deinem höchsten Gotte nahestehend, mich mitbedenken möchtest, weißt du, damit ich auch dem HERRN begegnen kann, IHN finden, an IHN glauben und daß ich selig würde, wie du verheißen hast“, Forestus stottert weiter durcheinander und kniet sich plötzlich auf die Gasse nieder. Da empfängt er den ersehnten Segen.

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